Viele Gläubigen und Priester unserer Diözese, aber nicht nur, warteten auf diesen Tag. Msgr Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, hatte mehrere Jahre lang geplant eine Jubiläumsausstellung zu organisieren. Er hat eine Broschüre über die Geschichte der Gemeinde Tschanad in mehreren Sprachen verfasst und herausgegeben, die die ehemalige Bischofsstadt und die Figur des hl. Gerhard, der eine reiche Geschichte hat, den Gläubigen näher bringen soll. Bis zum letzten Moment hoffte der Diözesanbischof József Csaba Pál, die Hl. Messe mit dem Bischöfen der beiden anderen Schwesterdiözesen am Sarkophag des ersten Märtyrerbischofs der alten Diözese zu feiern: zusammen mit László Kiss-Rigó, den Bischof von Szeged-Tschanad und Német László SVD, Bischof von Großbetschkerek, in Anwesenheit der Geistlichen und Pilger der drei Nachfolgediözesen.
Der Feiertag war da: der 24. September, das Hochfest des heiligen Gerhard, der 990. der Gründungstag der alten DiözeseTschanad. Die Pressburger Analen vermeken für das Jahr 1030, daß Gerhard zum Bischof geweiht wurde. Daraus kann geschlossen werden, dass König Stephan etwa zur gleichen Zeit die Diözese Tschanad gründete. Gerhard – der Benediktinermönch von Venedig, der eine Zeit lang Erzieher des Thronfolgers, des Fürsten Emerich war – wurde somit ihr erster Bischof. Und die Gläubigen, die auf dem Gebiet der alten, historischen Diözese Tschanad leben, konnten auch in diesem Jahr nur gemeinsam im Gebet und Gedanken feiern. Diesmal waren es nicht die Invasion der Tataren, die osmanische Herrschaft, die Grenzen des Ersten Weltkriegs und die Folgen des Zweiten, oder die kommunistisch-atheistische Macht, die groß angelegte Pilgerfahrten oder spirituelle Ereignisse verhinderten, sondern das Coronavirus, das für das menschliche Auge unsichtbar war, sich aber immer noch hartnäckig ausbreitet. Genauer gesagt ist es nicht das Virus daran „schuld“, sondern das verantwortungsvolle Verhalten, mit dem Geistliche und Gläubige die Ausbreitung der Krankheit verhindern wollen. Obwohl die Veranstalter die Feier vom 24. September 2020 nicht so geplant hatten, sind wir alle zufrieden dass sie doch stattfinden konnte. Die Worte des Diözesanbischofs József Csaba Pál und die Predigt des Domkapitulars Béla Jäger, Pfarrer von Temeswar VI Fratelia, auf Rumänisch und Deutsch, brachten den wenigen anwesenden Gläubigen, Hoffnung und Ermutigung, Werte eines tiefen Glaubens, der in der Liebe und Barmherzigkeit Gottes verwurzelt ist. Die anwesenden Messbesucher saßen im Kirchenschiff, mit einer Gesichtsmaske an und respektierten einem Sicherheitsabstand von 1,5 Metern untereinander.
„Es ist wichtig, dass wir nicht im Geiste gebrochen sind, sondern kommen, um zu feiern. Wir feiern die Tatsache, dass hier ein Heiliger lebte, in dessen Fußstapfen wir treten, der vor 990 Jahren seine Tätigkeit hier aufnahm. Heute sind wir die Generation, die dankbar auf die Vergangenheit, ihre Heiligen, ihre Großen zurückblickt, damit sie mit Hoffnung vorankommen kann. Alle, die heute nicht kommen konnten, sind hier in unseren Herzen, also sind wir alle im Glauben mit dem heiligen Gerhard vereint.Der heilige Gerhard war Sämann, predigte das Evangelium und baute das Reich Gottes auf. Wir haben auch eine Mission, genauso wie er vor 990 Jahren eine Mission hatte. Er hat mit vollem Engagement gearbeitet und die Wirkung seiner Arbeit ist noch heute zu spüren. Nur einige Beispiele dafür: am 30. August d.J. haben wir die Kirche der Gemeinde Neu-Moschnitza zu Ehren des hl. Gerhard eingeweiht und heute werden wir das neue Pfarrzentrum von Tschanad, also hier, nach der Messe segnen. Der hl. Gerhard gehört nicht der Vergangenheit an. Er lebt heute hier bei uns und strahlt die Liebe Gottes, das Vertrauen auf Gott, auf die heutige Generation aus. Noch heute besteht Bedarf an Menschen mit missionarischem Geist wie der hl. Gerhard“, sagte der Diözesanbischof Csaba József Pál.
In seiner Predigt auf Rumänisch und Deutsch erinnerte Domherr-Pfr. Adalbert Jäger an unseren ersten Märtyrerbischof, sein Werk und sein Martyrium und betonte: „Für die in dieser Region lebenden Katholiken ist der 24. September ein herausragender Feiertag. – „Der Hl. Märtirerbischof Gerhard sowie die Benediktinermönche, seiner Nachfolger, blieben dem Motto „Ora et labora“ (Arbeite und bete) treu. Sie sind heute noch ein Beispiel dem wir folgen können, auch jetzt wo wir dabei sind das neue Pfarrhaus und den Mehrzweckraum zu segnen und sie der Obhut Gottes zu empfehlen. Immer wieder müssen wir daran denken, daß die einzige endgültige Wahrheit, hier in Tschanad, darin besteht, daß jeder Ziegelstein über das Reich Gottes Bericht erstattet. Der Glaube des heiligen Gerhard ist für uns alle beispielhaft. Weil sein Glaube kein theoretischer ist, nicht nur ein Wort, sondern eine Tat, für die er sein Leben geopfert hat“, sagte der Sprecher.
Der musikalische Teil der Hl. Messe wurde vom Tschanader-Kantor Béla Kercsó und dem Kantor Emil Dumitresc aus Temeswar- Fabrikstadt und seiner Familie, dem Kantor Norbert Dumitresc aus Temeswar-Josefstadt, Mihály Dumitresc und Csilla Dumitresc aufgeführt. Die Kirchen- und Volkslieder erinnerten an die Figur unseres ersten Bischof.
Am Ende der hl. Messe trat Ehrendomherr Tamás Bene, der Ortspfarrer, vors Mikrofon, um dem Bischof und den versammelten Altarbrüdern für die gemeinsame Feier und der Pfarrgemeinde für die Unterstützung und Arbeit beim Bau des neuen Pfarrgebäudes in den letzten Monaten und für ihre Hilfe bei der Vorbereitung des hl. Gerhard-Festes zu danken. Gleichzeitig lud der Pfarrer alle Anwesenden zur Weihe des Pfarrgebäudes ein. Wie bereits erwähnt, ist das neue Gebäude in erster Linie die Heimat der Gemeinde, die eine Gruppe von Gläubigen vereinen soll, denn sie bilden die lebendigen Steine, auf denen die Kirche errichtet ist. Das Projekt wurde vor drei Jahren gestartet. Das Haus bietet der Pfarrgemeinde ein modernes Pfarrzentrum, mit Büro, einen Saal für Religionsunterricht und Begegnungen mit den Gläubigen. Es besteht die Möglichkeit, das Haus, in den nächsten Jahren mit einem Wallfahrtszentrum für die drei Schwesterdiözesen Temeswar, Großbetschkerek und Segedin zu ergänzen.
Die Feierlichkeit endete mit eine Agape im Hof der Gemeinde.
Übersetzung: Maria Lazar














