Maria Radna feiert heuer ein doppeltes Jubiläum: 500 Jahre seit der Errichtung der ersten Kapelle im damaligen Weinberg, am Ort der jetzigen Wallfahrtskirche, aber auch 200 Jahre seit der Kosekrierung des Gotteshauses durch den Erzbischof von Gran/Esztergom, durch den damaligen Fürstprimas Alexander Rudnay. Auch wenn die Gesundheitsvorschriften keine grossen Feierlichkeiten erlauben, kann der historische Moment nicht unmarkiert bleiben.
Die Ereignisse der Vergangenheit werden in schriftlichen Chroniken aufbewahrt; Augenzeugen sprechen am authentischsten über die jüngsten und gegenwärtigen Ereignisse. Die nächsten Seiten enthalten die Worte unterschiedlichen Menschen: Gottesdiener, ältere Menschen, die an ihrer Religion festhalten, junge Menschen, die im Glauben aufwachsen, Bewahrer unserer gemeinsamer Feste und Pilger am jahrhundertealten Gnadenort von Maria-Radna.

Francisc Boda ist in Radna geboren, dort aufgewachsen und arbeitet als Kirchenführer in seiner Heimatkirche seit einigen Jahren. Hier trifft er oft Menschen, die unsere beindruckende Basilika zum ersten mal im Leben besuchen, aber auch Wallfahrer die hierher seit Jahren oder Jahrzehnte pilgern. Er ist, sozusagen im Schatten der imposanten Türme der Basilika gewachsen und dient unserem spirituellen Mittelpunkt Leib uns Seele. Lassen wir aber Feri uns einiges über sein Leben und über Maria-Radna erzählen…

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Bitte stellen Sie sich in wenigen Worten unseren Lesern vor. Wo wurden Sie geboren? Wie haben Sie Ihre Kindheit und Schulzeit verbracht?
– Mein Name ist Francisc Boda und wurde vor 45 Jahren in Lippa geboren, in der Stadt, wo sich am rechten Ufer der Marosch der wunderbare Wallfahrtsort Maria Radna befindet. Ich besuchte die Grundschule und das Gymnasium vor Ort.Was meine Kindheit betrifft, kann ich sagen, dass ich eines der Kinder meiner Generation war, die in jenen frühen Jahren, all die schönen Dinge besaßen, die unsere Kindheit voller wahrer Freude erfüllten. Dies, trotz der Tatsache, daß alldies sich vor den politischen und sozialen Änderungen von 1989 in unserem Land abspielte. Ich wuchs und lebte in der unmittelbaren Nähe der Basilika Maria-Radna auf und, als Katholik, war ich unweigerlich mit diesem schönen Ort verbunden. Aber ich denke, dass nicht nur ich, sondern auch jeder Einwohner dieser Stadt stolz darauf ist, in Radna zu leben, denn Gott schenkte uns seit bereits fünf Jahrhunderte diesen Marienheiligtum, welches von so vielen Pilgern oder einfachen Touristen besucht wurde und immer noch besucht wird. 

– Sie sind in Radna aufgewachsen, wo früher Franziskanerpatres lebten. Wie haben diese Ordensmänner Sie in ihren menschlichen und spirituellen, intellektuellen Ausbildung beeinflusst? Welchen von ihnen kannten Sie am besten und welcher hat Sie am meisten beeinflusst?
– Ich habe mich in diesen wunderbaren Ort verliebt, an dem ich fast jeden Sonntag als Ministrant, an der Heiligen Messe sowie an den Religionsunterricht teilgenommen habe. Pfarrer war ein besonderer Mann, der über 50 Jahre in Radna diente, in für die Kirche und für ihre Diener schwierigen Zeiten. Er war ein vorbildlicher Mann, der unter der kommunistischen Regime in Rumänien litt. Der Name dieses Franziskanerpaters war P. Ernst Harnisch OFM.Wir Kinder konnten es kaum erwarten, dass die Woche so schnell wie möglich vergeht und der Freitag kommt, damit wir in den Religionsunterricht oder besonders am Sonntag, zum ministrieren, gehen können. Ich wusste nicht, wie viele Hindernisse und Einschüchterungen diese Franziskaner damals ertragen mussten. Die schweren Zeiten der Diktatur, die glücklicherweise zur Geschichte wurden, sind von der großen Hingabe des P. Ernst Harnisch, für den Wallfahrtsort, markiert. Es wäre viel darüber zu erzählen, aber ich muss hier aufhören und mich auf das beschränken, war sich vor meinen eigenen Augen entfaltet hat. Schöne und schwere Zeiten… glücklich der, der sie erlebt hat! Und ich danke Gott, dass ich ihr Zeuge war!

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Im Laufe der Jahre haben Sie in Radna verschiedene Pilger und Gruppen von Gläubigen getroffen, die jeweils in ihrer eigenen Sprache gesungen und gebetet haben. In welcher Beziehung stehen Sie zu diesem Reichtum an Sprachen, musikalischen Schätzen und Gebeten, die hier gesprochen/ benutzt werden?
– Hier in Radna kamen immer wieder Pilger verschiedener Ethnien aus verschiedenen Orten, aus dem im In- und Ausland. Die intenssivsten Tage, als Zustrom von Pilgern nach Radn,a waren stets die beiden Feiertage, die der Mutter Gottes gewidmet sind: der 15. August und der 8. September. Plötzlich fühlten wir uns – die, die hier lebten – geehrt und von Gott gesegnet, denn siehe, Menschen aus beträchtlichen Entfernungen kamen hierher, jeder mit seinen eigenen Problemen oder mit der Freude, der Mutter Gottes für die Hilfe zu danken, die sie nach ihren innigsten Gebeten erhalten hatten. Und wir lebten hier und konnten jeden Tag, vielleicht sogar mehrmals am Tag, vor der wundertätigen Ikone von Radna beten. War es nicht oder ist es nicht ein Segen für uns, dass wir hier in Radna leben, wo die Muttergottes die Gebete, die von Pilgern und von uns, den Einheimischen, zu ihrem Sohn Jesus Christus, dem Herrgott, erhoben wurden und für sie vermittelt?
Jede Woche kamen Hunderte von Menschen aus dem ganzen Banat – und nicht nur – nach Radna, Menschen, die oft aus großer Entfernung zu Fuß kamen. Diese Pilgerreise dauerte sogar zwei oder drei Tage. Die Leute, die hierher gekommen waren, suchten nach einem Schlafplatz für ein oder zwei Nächte bei den Einheimischen. So hatten wir, als Radnaer, die Möglichkeit die Pilger persönlich, besser kennenzulernen. Sie waren standhafte Menschen in ihrem Glauben, an die wir durch wahre Freundschaften verbunden waren… eine besondere Sache!Eine Besonderheit waren die Banater Deutschen, die Schwaben, die auf besonderer Weise zu Fuß, auf Wallfahrt, nach Radna kamen. Zuerst kamen ihre Pferdewagen, die wunderschön mit Blumen geschmückt waren, und dann kamen die Pilger selber, zu Fuß; sie sangen und beteten, begleitet von der Blasmusikkapellen, eine schöner und geschickter als die andere. Fast jede schwäbische Gemeinde im Banat hatte ihren eigenen Tag festgelegt, an dem sie nach Radna kamen. 

– Haben Sie Gäste – Pilger – bei sich zu Hause empfangen? Wie haben Sie damals es empfunden, Gastgeber für Pilger zu sein?
– Ich erinnere mich, dass zu meinen Großeltern, seit Jahren, unter anderem in den Ferien, am 15. August und 8. September, eine Familie aus Eisenmarkt/ Hunedoara gekommen war. Und damit wir eine Vorstellung davon bekommen, wie eng diese Freundschaften zwischen den Einheimischen und den Pilgern, die nach Radna kamen, wurden, möchte ich bei diesem Fall bleiben. Ich muss sagen, dass diese Leute meine Mutter, in einem Jahr, zu sich nach Eisenmarkt eingeladen haben, um den dortigen Schloss zu sehen und um die Stadt kennen zu lernen, um zu sehen, wo sie wohnten. Solche Freundschaften waren zwischen den Radnaer und den Pilgern, die nach Radna kamen, geschloßen. Diese Menschen wurden irgendwann sogar ähnlich wie Verwandte betrachtet… etwas Wunderbares! Können Sie sich eine größere Freude als diese vorstellen? Als Kind hatte ich – eigentlich nicht nur ich, sondern viele von hier, von Radna – die Chance diese schönen Momente zu erleben. Aber das ist nicht alles. Es scheint, dass Gott etwas mehr für mich vorbereitet hat, nämlich als Erwachsener, in der Funktion eines Fremdenführers der Basilika arbeiten zu dürfen. Ein größeres Privileg als dieses konnte ich mir nicht vorstellen!

– Seit wie viele Jahre arbeiten Sie bereits in Radna? Wie sehen Sie Ihre Arbeit als Fremdenführer für die Basilika? Wie sehen Sie diejenigen, die zum ersten Mal dorthin kommen, aber auch diejenigen, die weniger oder öfter nach Radna zurückkehren?
– Ich arbeite seit über sieben Jahren an diesem Ort. Meine Kindheit und mein bisheriges Leben als Erwachsener sind eng mit Radna verbunden. Denjenigen, die nach Radna kommen – ihnen die Geschichte dieses Ortes so zu erzählen, dass sie mich genau und mit Interesse verfolgen – nach einer Zeit wieder in Radna zu begegnen, zusammen mit anderen Freunde und Leuten, die sie mitgebracht haben und von ihnen gebeten zu werden, auch ihren Freunden die Geschichte des Ortes zu erzählen… das ist für mich etwas Besonderes! Menschen zu treffen, die dich wiedersehen wollen, zusätzlich zum spirituellen Ort, für den sie eigentlich gekommen sind… für die Oase des Friedens, die Radna eigentlich ist… für den Frieden und die Flucht vor dem Tumult des Alltags… all dies rundet das Bild ab, das beim Besuch der Basilika Maria-Radna entsteht!

– Was bedeutet für Sie Maria-Radna?
– Ich danke Gott für das Geschenk, das er mir gegeben hat: dass von Kindheit an, bis zum Erwachsenenalter – und ich hoffe, bis zum Ende meiner Tage – der Faden meines Lebens an Maria-Radna gebunden bleiben soll. Gott ist großzügig mit den Menschen, gut und mild. Aber in meinem Fall war er viel großzügiger, als ich es verdient hätte. Aber so wollte er und… so wurde es gemacht! Meine Worte sind überflüssig… Ich kann nur folgendes sagen:Gelobt sei Jesus Maria!

– Das Pressebüro der Diözese Temeswar bedankt sich herzlichst für das Gespräch!