„Sei gegrüßt, Herrin, heilige Königin, heilige Gottesmutter Maria…“ – die Anfangszeile des Gebets des heiligen Franz von Assisi könnte auch das gemeinsame Motto der diesjährigen Wallfahrten nach Maria Radna sein, denn die Wallfahrt selbst ist ein Gruß, ein Ausdruck der Verehrung und der Treue zur Gottesmutter, sei es individuell oder in Gemeinschaft. Das Gebet des heiligen Franziskus ist in diesem Jahr besonders aktuell, da gemäß dem Dekret der Apostolischen Pönitentiarie vom Samstag, dem 10. Januar dieses Jahres, „…bestimmt Seine Heiligkeit Papst Leo XIV., Diener unseres Glaubens und unserer Freude, dass vom 10. Januar 2026 – zugleich mit dem Abschluss des Ordentlichen Jubiläums – bis zum 10. Januar 2027 ein besonderes Jahr des heiligen Franziskus ausgerufen werde, in dem jeder christgläubige Mensch nach dem Vorbild des Heiligen von Assisi selbst zu einem Vorbild der Heiligkeit des Lebens und zu einem beständigen Zeugen des Friedens werde“. Das besondere Jahr wurde anlässlich des 800. Jahrestages des Transitus des heiligen Franziskus von Assisi verkündet, also seines Hinübergangs in das ewige Leben, am 3. Oktober 1226. Bei den diesjährigen Wallfahrten können sich die Gläubigen, die das Gnadenheiligtum von Maria Radna besuchen, auch an die Franziskaner erinnern, die die Kirche zwischen 1626 und 2003 betreut haben, und für sie beten.
Der Titel der kleinen Basilika „Mutter der Gnaden“ in Radna ist Mariä Verkündigung, ein Fest, an dem viele Gläubige das Heiligtum besuchen. Das erste diözesane geistliche Programm dieses Jahres findet am 22. März statt, wenn ungarischsprachige Familien an einem Fastenzeit‑Besinnungstag, an einer Kreuzwegandacht und an der heiligen Messe teilnehmen. Über die Ereignisse des vergangenen Jahres sowie über die diesjährigen Wallfahrten sprachen wir mit Andreas Reinholz, emeritierter Domherr, Pfarrer von Radna und Rektor des Wallfahrtortes Maria Radna, für den das vergangene Jahr auch eine persönliche Auszeichnung brachte: Er wurde zum Ehrenbürger der Stadt Lippa ernannt.
– Wie viele Menschen ungefähr haben im vergangenen Jahr die Wallfahrtskirche von Radna besucht?
– Über all jene, die die Basilika individuell, im Familien‑ oder Freundeskreis oder in kleineren Gruppen besucht haben, führen wir keine genaue Statistik. Wir können nur schätzen, wie viele Gläubige während der traditionellen Wallfahrten des liturgischen Jahres – etwa zu Pfingsten, Mariä Himmelfahrt, Mariä Geburt – sowie bei den Wallfahrten verschiedener Nationalitäten, also der Deutschen, Ungarn, Slowaken, Bulgaren und Kroaten, die Basilika aufsuchen. An den großen Festtagen bereiten wir meist ein zwei‑ bis dreitägiges Programm vor; neben den heiligen Messen gibt es eucharistische Anbetung und Kreuzwegandachten, die teilweise parallel stattfinden. Daher ist es unmöglich, eine genaue Zahl zu nennen.
Über die organisierten Gruppen, die außerhalb dieser Anlässe kamen, haben wir jedoch gemeinsam mit unserem Fremdenführer Francisc Boda monatlich Buch geführt, sodass ich die genaue Zahl nennen kann: 27.525 Personen. Nach unserer Schätzung haben im vergangenen Jahr insgesamt etwa 50–60.000 Gläubige und Touristen die Wallfahrtskirche von Radna besucht.
Im Heiligen Jubiläumsjahr 2025 war das Heiligtum von Maria‑Radna eine der Kirchen unserer Diözese, in denen die Gläubigen einen vollkommenen Ablass gewinnen konnten. Bei der Organisation der Wallfahrten helfen uns der Pfarrer von Lippa, Ion Cădărean, sowie Andreea Bodroghi, Organistin und Kantorin.
– Abgesehen von den Pfarreien und Gemeinden unserer Diözese, woher kamen die meisten Pilger?
– Innerhalb Rumäniens vor allem aus Siebenbürgen, dem Szeklerland und aus der Moldau. Was das Ausland betrifft, kamen die meisten aus Ungarn, Deutschland und Österreich. Laut unseren Aufzeichnungen hielt am 8. Februar des vergangenen Jahres eine Gruppe von Pilgern aus dem Szeklerland hier an, auf dem Weg nach Medjugorje. Am 13. Februar besuchte eine Gruppe von 31 Schüler aus Temeswar die Wallfahrtskirche, am 16. Februar eine Gruppe von 47 Schüler aus Arad. Ebenfalls im Februar machte eine Gruppe von Sportlern aus Miercurea Ciuc/Szeklerburg, 15 Personen, in Radna Halt. Ein Blick auf einen anderen Monat: Im März kamen, zum Beispiel, eine 20‑köpfige Pilgergruppe aus Szeged, eine Gruppe von 39 Personen aus Békéscsaba und ebenfalls eine Gruppe von 39 Touristen aus Pécs/Fünfkirchen. Aus Szarvas trafen 41 Jugendliche ein, und aus Odorheiu Secuiesc/Oderhellen hielt eine 38‑köpfige Pilgergruppe, die auf dem Weg nach Rom war, für ein Gebet an. Im Juli gab es besonders viele Touristengruppen: aus Iași, Battonya, Szeged, der Slowakei, aus Csanádpalota, Kronstadt, Orosháza und Kunszentmárton. In diesem Monat nahmen zahlreiche Gläubige aus vielen Pfarreien der Diözese Temeswar am geistlichen Programm zum Welttag der Großeltern und Senioren teil. Meistens halten jene Pilger in Radna an, die aus Siebenbürgen, dem Szeklerland oder der Moldau zum bekannten bosnisch‑herzegowinischen Wallfahrtsort Medjugorje unterwegs sind. Auch Touristen, die diese Regionen besuchen, legen oft einen Zwischenstopp in der Wallfahrtskirche von Radna ein. Aus der Diözese Szeged‑Csanád und aus Südungarn kamen besonders viele, ebenso aus Deutschland: aus Stuttgart, Augsburg, München, von den Kolping‑Familien sowie von der Caritas aus Deutschland. Aus Slowenien kamen fünf Busse, aus Spanien zwei, aus Italien drei, aus Frankreich vier und aus Serbien und Kroatien jeweils einer. Aus Slowenien kamen übrigens zum ersten Mal Pilger hierher; die Reise wurde von einem slowenischen Fernsehsender organisiert. Weitere Pilger‑ und Touristengruppen kamen aus Ciucsângeorgiu, Lueta, Bukarest, Constanța, Pitești, Kronstadt, Sathmar, Kecskemét, Keszthely, Budapest, Tatabánya, Salgótarján, Mosonmagyaróvár/Ungarisch-Altenburg, Gyula, Karcag, Debrecen und aus Ried im Innkreis (Österreich). Dennoch waren die meisten Pilger aus Rumänien. Die Pilger aus der Moldau kamen meist in Begleitung von Franziskanern. Auch aus Ungarn reisten Franziskanerpatres in organisierten Gruppen an.
– An welchen geistlichen Programmen nehmen die Pilger teil?
– Am häufigsten an der heiligen Messe und an der Kreuzwegandacht. Seit wir die Renovierung der Kreuzwegstationen und des Weges dorthin abgeschlossen haben, beten immer mehr Menschen dort. Die Statuen in den Nischen der Stationen wurden teilweise restauriert und teilweise ersetzt. In Alt-Paulisch lebt ein sehr gläubiger Architekt, der zusammen mit seiner Frau jeden Sonntag hierher zur Kirche kommt. Er hat das große Holzkreuz entworfen, das hinter der Kirche am Fuße des Kreuzwegs aufgestellt wurde. Für dieses neun Meter lange und über zwei Tonnen schwere Kreuz war es sehr schwierig, das passende Holz zu finden und es anschließend an seinem Platz zu montieren.
Im Jahr 1926 – also vor 100 Jahren –, anlässlich des 700. Todestages des heiligen Franziskus, wurden auf dem Hügel hinter dem Kloster die Marmorskulptur des heiligen Franz von Assisi sowie die Statuen von sechs weiteren Heiligen des Franziskanerordens errichtet: der heiligen Klara, der heiligen Agnes, der heiligen Elisabeth, des heiligen Antonius von Padua, des heiligen Johannes von Capestrano und Hl. König Ludwig (IX.). Auch diese Statuen wurden restauriert. Im vergangenen Jahr musste zudem ein neuer Motor für die Kirchenorgel gekauft und eingebaut werden.
– Sind für dieses Jahr ebenfalls Renovierungsarbeiten geplant?
– Ja. Ebenfalls auf dem Hügel hinter der Wallfahrtskirche, oben, ausgehend von der Heilig‑Kreuz‑Kapelle am Ende des Kreuzwegs, befinden sich auf der linken Seite die Stationen des Glorrreichen Weges, die die glorreichen Momente, bzw. Erscheinungen Jesu nach seiner Auferstehung bis Pfingsten darstellen. Leider haben, nach dem Zweiten Weltkrieg, die hier stationierten russischen Soldaten, bevor sie 1952 abgezogen sind, sieben der vierzehn Stationen zerstört. Seitdem hat sie niemand wiederhergestellt. In den Jahren der kommunistischen Diktatur wäre es ohnehin sehr schwierig gewesen, die Schäden zu beheben, und die hier lebenden Franziskaner waren alt und krank und konnten eine so schwere Arbeit nicht übernehmen.
Ich hoffe, dass der liebe Gott mir genug Gesundheit schenkt, um diese Renovierung noch abschließen zu können. Wenn wir die nötigen finanziellen Mittel zusammenbekommen, könnten wir die Arbeiten innerhalb eines Jahres beenden – Firma, Ingenieur und Arbeiter wären vorhanden. Die Renovierung des Weges der Herrlichkeit würde etwa 200–250 000 Lei kosten. Der Weg beginnt oben auf dem Hügel und führt hinunter; wir konnten den Verlauf weitgehend bestimmen, aber an einigen Stellen muss er begradigt werden. Wir möchten keine Steine verlegen wie beim Kreuzweg, sondern den Weg mit Kies gestalten, da das Hinaufbringen großer Steine schwierig und teuer wäre.
Grundsätzlich müssten sieben Stationen restauriert und sieben neu gebaut werden. Da die alten jedoch keine geeignete Grundlage haben, wäre es besser, auch die noch stehenden sieben abzutragen und auf einem festen Fundament neu zu errichten. Dann müsste man für die nächsten 150–200 Jahre keine Reparaturen mehr durchführen.
– Werden in diesem Jahr ebenso viele Wallfahrten stattfinden wie im vergangenen Jahr?
– Natürlich. Auf diözesaner Ebene wird es einundzwanzig Wallfahrten geben. Im März finden zum Beispiel Fastenzeit‑Programme statt, der Kreuzweg der ungarischen Familien und ein geistlicher Tag für die Jugend. Im Mai folgt die Wallfahrt der örtlichen Kolping‑Familien und der griechisch‑katholischen Diözese Lugosch, im Juni die Ministrantenwallfahrt, im Juli der Welttag der Großeltern und Senioren, im August die Wallfahrt der Motorradfahrer und im Oktober die Wallfahrt der Priester, Ordensleute sowie der Mitarbeiter der Diözese und der Pfarreien. Maria Radna wird auch in diesem Jahr ein Treffpunkt der Pilger sein. Wir haben auch weitere Pläne: Im Rahmen des Franziskus‑Jahres möchten wir am 4. Oktober feierlich des heiligen Franz von Assisi gedenken. Das detaillierte Programm wird später bekanntgegeben.
– Wir danken Ihnen für das Gespräch und die umfassenden Informationen!
Pressestelle der Diözese Temeswar









