Anlässlich der Gebetsoktav für die Einheit der Christen, die vom 18. bis 25. Januar 2024 stattfindet, wurden auf dem Gebiet der Diözese Temeswar mehrere interkonfessionelle Begegnungen und Gebete organisiert, an denen Vertreter verschiedener Kirchen, Priester und Gläubige teilnahmen. Am Sonntag, den 21. Januar 2024 – der in der römisch-katholischen Kirche als der Sonntag der Heiligen Schrift begangen wird – fand ab 17.00 Uhr ein ökumenisches Gebet in der evangelisch-lutherischen Pfarrkirche von Temeswar statt, an dem Seine Exzellenz Dr. Ioan Selejan, rumänisch-orthodoxer Metropolit des Banats, Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, römisch-katholischer Bischof von Temeswar, Seine Exzellenz Ioan Călin Bot, griechisch-katholischer Bischof von Lugosch, im Namen der evangelisch-lutherischen Gemeinde Pfr. Zsombor Kovács, im Namen der Reformierten Gemeinde Pfr. Sándor Demeter, für die Gemeinschaft der Adventisten Pastor Vasile Burleanu, für die Pfingstlergemeinde Pastor Ticu Leontescu und für die Baptistengemeinde Pastor Samuel Tuțac teilgenommen haben.
Gleichzeitig, werden nach einer nach 1990 entstandenen Tradition, in Temeswar, die Mitglieder der jüdischen Gemeinde der Stadt zum ökumenischen Gebet für die Einheit der Christen eingeladen. An dem Treffen nahmen Rabbiner Zvika Kfir und Dr. Luciana Friedmann, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde der Stadt teil. Anwesend waren auch Msgr. Johann Dirschl, römisch-katholischer Generalvikar, Pfr. Răzvan Oprișa, griechisch-katholischer Dechant-Pfarrer und Pfr. Zaharia Pereș, rumänisch-orthodoxer Dechant-Pfarrer von Temeswar. Frau Regina Lochner, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Temeswar, beteiligte sich ebenfalls an dem Gebet. Viele Chöre aus verschiedenen Konfessionen (römisch-katholisch, griechisch-katholisch, mosaisch, rumänisch-orthodox, reformiert, adventistisch) waren ebenfalls anwesend und begleiteten den Gebetsabend mit ihren Liedern.
In seiner Eröffnungsansprache begrüßte Pfr. Zsombor Kovács die Anwesenden auf Deutsch, Rumänisch, Englisch und Ungarisch und sagte: „Die Texte für die diesjährige ökumenische Gebetsoktav wurde von einem ökumenischen Team aus Burkina Faso verfasst und steht unter dem Motto: «Liebe den Herrn, deinen Gott… und deinen Nächsten wie dich selbst!» Wir haben uns heute hier im Geist der Liebe Gottes versammelt, die uns einerseits eint und andererseits verbindet. Sie verpflichtet uns, den anderen mit der gleichen Liebe im Herzen zu tragen, mit der Gott uns alle liebt.“
Anschließend wurde laut Programm Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, Bischof von Temeswar, zum Ambo gebeten: „Das Motto der Gebetsoktav ist die Essenz des christlichen Lebens. Der erste Teil dieses Gebots lautet: «Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzem Verstand und mit all unserer Kraft.» Wie zeigen wir Gott unsere Liebe? – Indem wir unsere Mitmenschen lieben, um Gottes willen und zu seiner Ehre. Not und Leid haben kein Bekenntnis. Aber wir Menschen verschiedener Konfessionen sind geeinter, wenn wir uns gemeinsam bemühen, das Leid der Menschen zu lindern und Frieden zu schaffen.“
Seine Exzellenz Ioan Călin Bot zitierte aus dem Heiligen Evangelium nach Johannes, Kapitel 13, die Verse, die uns davon erzählen, wie Jesus den Aposteln die Füße gewaschen hat, woraufhin der Bischof betete: „Gib uns, Herr Jesus Christus, die Gefühle, die Deine Jünger hatten, als sie beim letzten Abendmahl vor dem Brotbrechen diese Worte hörten, Deinen Leib für sie und für uns. Gib uns, Herr Jesus, die Kraft, die Entschlossenheit, die Du ihnen gegeben hast, als Du ihnen nach Deiner glorreichen Auferstehung den Heiligen Geist in Form von Feuerzungen gesandt hast. Gib uns, Herr Jesus, die Kraft, die Entschlossenheit, die Überzeugung von Pfingsten.“
Der Rabbiner Zvika Kfir wandte sich in englischer Sprache an die Anwesenden; seine Worte wurden von der Vorsitzenden Dr. Luciana Friedmann übersetzt. „Das Wort «Liebe, lieben» ist schwer zu definieren, es geht um etwas sehr Einfaches, aber gleichzeitig auch sehr Kompliziertes. Es ist unsere Pflicht, dass die verschiedenen Kirchen zusammenarbeiten“, sagte der Rabbiner. Am Ende der Predigt sprach Rabbiner Zvika Kfir den Segensspruch auf Hebräisch. „Oseh shalom bimromav / Hu ya’aseh shalom aleinu / V’al kol V’al kol Yisrael / V’imru, amen.“ – sang der Chor, am Ende, das bekannte Friedensgebet.
Der reformierte Pfarrer Sándor Demeter von der reformierten Pfarrei Temeswar «Innere Stadt» (am Marienplatz) wandte sich in ungarischer Sprache an die Anwesenden: „Liebe Brüder und Schwestern, ich möchte einen einzigen Vers aus dem Römerbrief, Kapitel 5, vorlesen: «Gott aber hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren». Ich glaube, wir können nicht von Liebe sprechen ohne Jesus Christus, ohne Golgatha, ohne das Kreuz. Seien wir ehrlich, wir wissen nicht, wie man liebt. Nicht einmal einander. Jedes Jahr haben wir diese wunderbare Begegnung, aber oft gelingt es uns nicht, selbst die zu lieben, die uns sehr nahe stehen. Lasst uns beten, dass Gottes Liebe unsere Herzen erfüllt.“
Pastor Samuel Tuțac von der Baptistengemeinschaft betonte: „Es ist so wunderbar, hier zusammen zu sein. Wer ist mein Nächster? Wer ist mein Nachbar? Ich denke, die richtige Frage wäre: Bin ich ein guter Mitmensch? Wir sehen, dass ein guter Nachbar barmherzig ist. Dann muss diese Barmherzigkeit in die Tat umgesetzt werden. Es ist außergewöhnlich, etwas füreinander zu empfinden, aber wir müssen auch etwas füreinander tun.“
Als Vertreter der Gemeinschaft der Adventisten erzählte Pastor Vasile Burleanu von seiner eigenen Lebenserfahrung und las anschließend aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 20, in dem beschrieben wird, wie sich Jesus nach der Auferstehung den Jüngern und dem Apostel Thomas zeigt, der zunächst das Zeichen der Nägel in Jesu Händen sehen wollte und seine Hand in die Seite des Erlösers legte, um glauben zu können. «Liebe hinterlässt Spuren», schloss Pastor Vasile Burleanu seine Ansprache.

Im Namen der Pfingstlergemeinde überbrachte Pastor Ticu Leontescu die Grüße von Senior-Pastor Constantin Leontiuc und sagte: „Wer ist mein Nächster? Mein Nächster ist jeder, der mir nahe kommt oder dem ich nahe komme, und der Bedürfnisse hat, denen ich dienen kann. Um meinem Nächsten dienen zu können, muss ich mich demütigen, und um mich zu demütigen, muss ich ihn lieben.“
Anschließend richtete Metropolit Ioan Selejan einige Worte der Lehre an die Anwesenden. „Zunächst möchte ich Rabbi Kfir eine Antwort geben, der gestand, dass er nicht weiß, was Liebe ist. Lieber Rabbi, auch ich weiß nicht, was Liebe ist, aber ich kann es Ihnen zeigen“ – sagte der Metropolit und umarmte den Rabbiner brüderlich. „Ich würde mich freuen, wenn ich jemals auf dem Weg durch die Gassen dieser Stadt hören würde, wie jemand nicht unbedingt es so formuliert: der Metropolit überquert gerade die Gasse, sondern: mein Nächster überquert die Gasse. Dieser Mann hat mir einmal eine helfende Hand gereicht. Pfr. Kovács, ich danke Ihnen für Ihre Gastfreundschaft“ – sagte Erzbischof Ioan Selejan, Metropolit des Banats.
Das wichtigste Gebet aller Christen, das „Vaterunser“, wurde von allen anwesenden Gläubigen in rumänischer, ungarischer und deutscher Sprache gesprochen. Der Segen wurde den Anwesenden, einem nach dem anderen, von den Geistlichen und Vertretern der anwesenden Konfessionen erteilt.
Zum Abschluss lud Pfarrer Zsombor Kovács, evangelisch-lutherischer Pfarrer in Temeswar, alle Anwesenden zu den Feierlichkeiten ein, die am 4. Oktober anlässlich des 200. Jahrestages der Gründung dieser Gemeinde stattfinden werden. Der Pfarrer erinnerte auch an seine Ankunft vor fast 30 Jahren in der Stadt Bega und an die „Lektion der Ökumene“, die ihm von Seiner Exzellenz Dr. Nicolae Corneanu, dem damaligen Metropoliten des Banats, Seiner Exzellenz Sebastian Kräuter, dem damaligen römisch-katholischen Bischof und Dr. Ernest Neumann, dem damaligen Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Temeswar, erteilt wurde. Zum Abschluss waren die anwesenden Gläubigen zu einem heißen Tee und Kuchen eingeladen.
Pressestelle der Diözese Temeswar

















