Dieses Jahr möchten wir Menschen vorstellen, die seit mehreren Jahren für die Kirche arbeiten, ihre täglichen Aufgaben mit Begeisterung erfüllen, ihren Glauben leben und versuchen sich gegen die rauschende Welt zu behaupten. Diesmal sprach László Piklor mit István Ienac, dem Glöckner der katholischen Kirche von Kurtitsch.
-Wann gehen wir wieder in die Kirche?
-Ich weiß es noch nicht, Pisti.
-Wenn du es erfahren werdest, wirdst du es mir sagen?
-Natürlich!
-Aber, nicht vergessen!
-Ich verspreche es Dir, ich werde es nicht vergessen!
So begann ich mein Gespräch mit unserem Glöckner, ein besonderer Mensch, der trotz seines Alters (63) aktiv ist, aber aufgrund einer Meningitis, unter der er im Kindesalter litt, mit einer Behinderung blieb. Er heißt István Ienac und wird von seinem zwei Jahre älteren Bruder und dessen Familie betreut – insbesondere von seiner Schwägerin Livia. „Ich habe meiner Schwiegermutter versprochen, dass Pisti so lange er leben wird in guten Händen bleibt“- sagt Livia.
„Als ich ein Kind war, gingen meine Mutter und ich jeden Sonntag in der Kirche, sie war Mitglied der Rosenkranzgruppe. Unsere Mutter war lange Zeit krank, Tante Margit Priskin hat sich um uns gekümmert.“ Vor ´89 arbeitete Pisti lange Jahren als Schlosser in der Arader Wagonfabrik. Seine Arbeitskollegen erzählen, dass er stets seinen Job gut machte, selbst wenn er verspottet oder schlechte Witze über ihn erzählt wurden.
„Ich wurde von meinem Militärdienst entbunden, aber ich arbeitete weiter in der Wagonfabrik und dann zuhause, bei meinem Bruder. Ich ging gerne in der Kirche und half dort, wenn es etwas zu tun gab. Tante Manzi – möge Sie in Frieden ruhen – (die Messnerin der Kirche von Kurtitsch war, starb 2019) hat mich wiederholt mit kleinen Aufgaben betraut. Nachdem ihr Bein gebrochen war, vertraute sie mir zuerst das Glockenläuten an. Das gefällt mir am besten. Seitdem ist dies meine Arbeit. Ich kann es kaum erwarten, wieder in die Kirche zu gehen und die Glocken zu läuten. Aber bist du sicher, dass du mir sagen wirst, wann ich gehen soll?“- fragte Pisti.
Zuhause werden ihm kleine Dinge anvertraut und er macht, erfüllt alles genau. „Ich gehe Brot kaufen, füttere die Tiere und helfe Livia bei der Arbeit. Aber am liebsten spiele ich versteck mit meinen Neffen. Ich passe auf sie auf und ich mag sie sehr.“ Einer seiner Neffen, der kleine Alex sagt, es sei gut mit Pisti zu sein, auch wenn er nicht „X und 0“ spielen kann…
Eine der schweren Prüfungen seines Lebens war 2017, als er beim Radfahren fiel und ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Nach der tomographischen Untersuchung kam die verheerende Diagnose: Hirnhaut-Tumor in der Größe einer Orange. Eine Operation war unvermeidlich.
„Ich sagte, mein Kopf sei taub, dann fiel ich hin. Ich konnte nicht mehr laufen, ich wurde ins Krankenhaus nach Bukarest gebracht, um mich zu heilen. Die „kleine Chefin“ hat mich nicht im Stich gelassen (die „kleine Chefin“ ist Alexandra, seine Nichte, damals Ärztin in Bukarest; sie hat Blutspenden organisiert für die Bluttransfusion, denn Pisti hat eine seltene Blutgruppe, sowie RH Negativ) – ich hatte kein Geld, aber der liebe Gott hat geholfen.
„Pisti, bitte bewegen Sie ihre Zehen“ – sagte der Arzt nach dem Operation. „Er ist gerettet!“, fügte er später zu – erzählt mit Tränen in den Augen Frau Livia. Nachdem er sich erholt hat, „zog“ er eine Weile seine Beine, aber langsam erholte er sich. Pisti blieb acht Monate lang mit offenen Schädel, aber nach der zweiten Operation wurde das auch professionell bedeckt und nun ist alles geheilt.
Letztes Jahr fand ich Pisti wieder im Kreise seiner Familie und Gemeinde, wo er seine täglichen Aktivitäten wieder aufnahm. Wenn die Heilige Messe um 10.00 Uhr beginnt und man um 9.00 Uhr Läuten muss, dann ist er um 8.00 Uhr bestimmt vor der Kirche, um „rechtzeitig da zu sein.“ Die größte Traurigkeit für Pisti wird nicht durch seine Krankheit verursacht, nicht durch die vielen Prüfungen, die er erlebt hat, sondern durch die Tatsache, dass die Menschen nicht in die Kirche gehen… Oft habe ich ihn im Turm der Kirche vor dem winzigen kleinen Fenster stehen sehen, von dem aus er die gegenüberliegende Kneipe sehen kann. „Euer Kirche ist da!“- flüsterte er traurig. „Wenn alle kommen würden, wäre unsere Kirche wie eine Kathedrale!“- wiederholte er manchmal an Feiertagen, als er sich mit funkelnden Augen und kindlicher Vernunft vostellte, er würde die Glocken einer Kathedrale läuten…
Derzeit ist Pisti auch zuhause und wartet auf ein Ende der Quarantäne. Er hilft im Haushalt, so gut wie er kann und kümmert sich um seine geliebten Neffen, Mihnea und Alex. Ich dachte, seine Geschichte und sein Zeugnis – mehr mit Taten als mit Worten gefüllt – sollte den Menschen mitgeteilt werden. Er gehört zu den „Kleinen“ über die Jesus einst sagte: „Wer dieses Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. Denn wer unter euch allen der Kleinste ist, der ist groß.“ (Lk 9,48)
Meine letzte Frage an Pisti war: „Was denkst du, welche ist deine größte Freude im Leben?“ Er antwortete: „Wenn ich wieder in die Kirche gehen darf, die Glocken läuten werde und meine anderen Aufgaben machen kann! Aber vergiss nicht mich daran zu erinnern!“
Wir werden Pisti nicht vergessen und ich bin mir sicher, dass Gott weder ihn, noch diejenigen vergessen wird, die Ihn in ihrem täglichen Leben, in ihren Gedanken, in Worten und Taten bekennen!

von László Piklor