In diesem Jahr möchten wir Menschen vorstellen, die seit Jahren in der Kirche tätig sind, die ihre tägliche Arbeit mit großer Begeisterung ausführen und ihren Glauben so zu leben versuchen, um in dieser hektischen Welt doch standhaft zu bleiben.

Für den Anfang, bitte Stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor:
Mein Name ist Marianne Hellstern, bin 1976 geboren und lebe in Sanktanna, wo ich seid 1992 als Pfarramtsekretärin und Kantorin an der Mutter-Anna-Kirche tätig bin.

Wie sind Sie zur Kirche gekommen? Was ist Ihre Aufgabe in der Gemeinde?
Als ich meine Arbeitsstelle antrat, war ich gerade mal 16 Jahre alt. 1992 reiste die damalige Kantorin, die auch meine beste Freundin war, nach Deutschland aus, so dass der Posten frei war.

Wo haben Sie gelernt an der Orgel zu spielen? Ist es eine Kindheitsleidenschaft?
Das Orgelspiel erlernte ich von der gewesenen Kantorin aus Alt-Sanktanna/ Kolmosch, so dass ich schon einige Lieder spielen konnte. Ganz schüchtern ging ich ins Pfarrhaus, läutete bei Pfarrer Heim an der Tür und fragte ob er mich als Kantorin nehmen würde. Seine Antwort war: „Ja, wenn Du es kannst“. Ich sagte ihm dann: „Was ich nicht kann, werde ich lernen.“ Es war nicht einfach, es folgten viele, viele Stunden mit Proben daheim, an dem Harmonium, da ich alle Lieder für das ganze Kirchenjahr lernen musste, und nahm an den Kantorkursen, die in Temeswar und Radna immer gehalten wurden, teil.
Zu der Zeit hatte ich noch mehrere Chorsängerinnen, die genau wussten was an jedem Feiertag gesungen werden musste. Auch ins Altenheim ging ich, wo eine alte Frau mich das Fabian-und-Sebastian-Lied singen lernte, und ich mir danach die Noten dazu schrieb. Es war für mich ein Kindertraum einmal Kantorin zu werden!

Sie sagten, dass Sie fast alles in der Gemeinde sind: Sekretärin, Sakristan, Organisator, Betriebsleiter und Sänger. Es ist nicht viel manchmal?
Als Kinder spielten wir immer Pfarrer, Kantorin und Mesner. Ich war immer die Kantorin, hatte ein kleines Klavier, wo ich immer drauf rum klopfte und dazu sang. Nie hätte ich gedacht, dass das mal meine Berufung sein sollte. Als ich 1992 in der Pfarrei Sanktanna angestellt wurde, waren meine Aufgaben, Pfarramtsekretärin und Kantorin. Heute ist meine Aufgabe in der Pfarrei eine ganz andere geworden. Bin so zu sagen, „Mädchen für alles“. Es ist nicht einfach allen Menschen immer alles recht zu machen. Es gibt, wie überall, auch Menschen, die nicht unbedingt Gutes denken. Kümmere mich seid Jahren, fasst alleine, um die ganze Pfarrei Sanktanna, wohin auch die Kirche, das Pfarrhaus und der Friedhof aus Alt-Sanktanna dazu gehören. Immer wieder ist was, wo erledigt werden muss.
Es gibt und gab Tage und Wochen wo grosse Baustellen waren, wo ich täglich von Morgens bis Abends im Einsatz war. Habe es damals gar nicht als zuviel empfunden, weil ich glücklich bin, wenn ich wieder etwas an der Kirche oder in der Pfarrei repariert oder erneuert sehe.
Seid Jahren führe ich sowas wie ein Historia Domus, auf einer externen Festplatte. Da habe ich alle Arbeiten und alle Baustellen mit Fotos festgehalten. So kann ich immer wieder mal in die Vergangenheit reisen und mir ansehen wie es vor und nach den Arbeiten aussieht.

Wie sind Sie mit den umfangreichen Renovierungsarbeiten am Kirchendach umgegangen? Welche anderen Aktionen koordinieren Sie im Laufe des Jahres? Die Verwaltung des Friedhofs, die Aufrechterhaltung der Ordnung in der Kirche in Alt-Sanktanna/ Komlosch, des Pfarrhauses ,usw?
Mein grösster Traum war, das die Mutter-Anna-Kirche zu ihrem 150. Geburtstag ein neues Dach haben solle. Ich wagte es kaum jemanden von diesem Traum zu erzählen, da mich fast alle nicht ernst genommen hätten. Es ist eine der grössten Kirchen des Bistum Temeswar, so dass auch die Kosten dementsprechend gross waren. Und, wie es Gott wollte, traf ich 2015 Herrn Ministerialdirigent Herbert Hellstern, damaliges Mitglied der Ministerdelegation von Minister Gall, im Pfarrhof von Sanktanna, zur Kirchweih. Zu der Namensverwandtschaft machten wir Ahnenvorschung, so stellte es sich heraus, dass meine Urahnen aus dem selben Ort auswanderten, in dem Herr Ministerialdirigent Herbert Hellstern geboren und aufgewachsen ist. Wir blieben im Kontakt, und Herr Hellstern war der Erste, dem ich von meinem Kirchendachtraum erzählte. Er versprach mir dabei zu helfen, gründete in Deutschland den „Förderverein Mutter Anna Kirche“ und mit Hilfe von vielen Spender, konnte der Verein die Hälfte von fasst 120.000 Euro für das neue Kirchendach aufbringen. Die andere Hälfte des Geldes organisierte ich vor Ort, mit vielen Bettelbriefe an Firmen, Anträge an das Rathaus, an die Kreisverwaltung Arad, an das Staatssekretariat für Kulte in Bukarest und ans Bistum. Das alles kostete Zeit, Einsatz und Nerven.
Mit Gottes Hilfe konnten wir schon ein Jahr danach, am 19.06.2016, die Dankesmesse feiern, zum Abschluss der Dachsanierung. Ich war die Projektleiterin der ganzen Baustelle. Besorgte die ganzen Materialien und machte täglich manchmal bis 23.00 Uhr Nachts die Abrechnungen im Pfarrbüro, da am nächsten Tag wieder neue Aufgaben auf mich warteten. Es war eine schwierige Aufgabe, die ich aber nicht als solche empfunden habe.
Bin glücklich und Gott dankbar, dass ich mich getraut habe diesen grossen Traum zu träumen, und egal wer heute sich Sanktanna nähert, wird von der Mutter -Anna-Kirche mit glänzendem neuem roten Dach empfangen.
Beide Kirchen und beide Friedhöfe sind eine ewige Baustelle, nach jedem Sturm mache ich mir Sorgen, wo und was wohl wieder passiert sei. Welche Bäume wieder entwurzelt und umgefallen sind, welches Dach wieder vom Sturm abgedeckt wurde

 Wie schaffen Sie es, Ihren Glauben zu leben, zusätzlich zu so viel Arbeit die Sie tun? Steigt der Glaube durch Ihre Arbeit?
Nur mit festem Glauben und mit viel Gottvertrauen schaffte ich es all die Jahre, fasst alleine, alles am Leben zu halten. Es gab Zeiten da läuteten keine Glocken mehr, die Elektronik war kaputt. Die Turm-Uhr war fast 30 Jahre lang kaputt. Heute funktioniert alles wieder, die Uhr schlägt, und die Glocken sind elektrifiziert und läuten zur Ehre Gottes.
Jedes Mal wenn eine grosse Baustelle abgeschlossen ist, wie zum Beispiel das Pfarrhausdach, neuer Blitzableiter, Restaurierung der Vitralien, Erneuerung der Elektrik in der Kirche und Dachboden, die Ableitung des Regenwassers in die Kanalisation, Kirchendach und all die vielen kleineren Baustellen, da bin ich Gott Dankbar, dass ich es sein durfte, die alles zu seiner Ehre organisieren und fertigstellen durfte.
Im Laufe der Jahre, fand ich immer wieder Leute die ich für meine Pläne und Träume begeistern konnte; und auch viel freiwillige Helfer, die immer, wenn ich Hilfe brauche und ich sie um Hilfe bitte, dabei sind und helfen.
Auf diesem Wege möchte ich allen ein Vergelt´s Gott! sagen, dass sie mir vertrauen und mir immer bei allen Arbeiten zur Seite stehen.

 Könnten Sie diese Liebe für die Kirche den Kindern um Sie herum, in der Gemeinde vermitteln? Haben Sie es geschafft, Kinder und Erwachsene, die sich für Musik begeistern, im Chor zusammenzubringen?
Der Kirchenchor ist mit den Jahren geschrumpft, aber es gibt noch Sänger die treu geblieben sind, und auch Neue, die ab und zu dazu kommen. Das grösste Problem ist, es gibt wenige Kinder. Diese, die in die Kirche kommen, können nicht zugleich Ministranten und Chorsänger sein. So bleibt den Kindern die Wahl, was ihnen näher am Herzen liegt.

 Als Kantorin nehmen Sie täglich an verschiedenen Messen und Andachten teil. Sie haben auch in Pandemie-Zeit die Maiandacht zur Ehre der Allerhl. Jungfrau Maria gehalten. Andachten, die Sie mit anderen Gläubigen, durch Lieder und Gebete, auf Deutsch und Rumänisch, geführt haben. Wie machen Sie es, dass diese nie langweilig oder gar zur Routine werden?Heuer war es meine grösste Sorge, dass ich keine Maiandacht wegen der Corona Krise halten kann. So entschloss ich mich, täglich die Maiandacht Live über Facebook zu übertragen und zu halten. Es war ungewohnt, nur meine Mutter und ich in der Kirche, aber ich fand Marienverehrer auf der ganzen Welt. Sogar aus Amerika, Deutschland, Österreich, Ungarn und Rumänien wurde täglich die Maiandacht in Sanktanna verfolgt. Bin froh und glücklich, dass ich diesen Marienverehrer ein Stück Heimat in ihren Herzen bringen konnte, und mit den vielen und gut bekannten Marienlieder und Gebete, ein ganzes Monat lang, jeden Abend zur selben Uhrzeit, ihr Gast sein durfte.

Welche Zukunftspläne haben Sie für Ihre Arbeit in der Kirche?

Mein nächster grosser Wunsch ist es, alles soweit mir die Kraft dazu geschenkt wird, hier in der Pfarrei Sanktanna in Ordnung zu halten, und wenn Gott hilft, der Mutter-Anna-Kirche ein neues Kleid, einen Anstrich der Fassade noch zu schenken.

Was möchten Sie den jungen Leuten von heute oder sogar zukünftigen Sängern vermitteln?
Die Jugend von heute, müsste von daheim aus, mehr im Glauben und verbunden mit dem Glauben und dem kirchlichen Leben aufwachsen. Es ist traurig wenn einige Kinder zum Erstkommunionunterricht kommen, und keine Ahnung haben wie man das Kreuzzeichen macht, oder ein Vater unser betet.
Ich wünsche es mir von Herzen, dass der Glaube wieder mehr in den Vordergrund tritt, dass Kinder und Jugentliche in allen Pfarreien mit dem Wunsch aufwachsen und leben sollten, dass unser Erbe der Ahnen, die Kirchen, Friedhöfe und die ganzen Kirchenlieder nie in Vergessenheit geraten sollten.

– Das Pressebüro der Diözese Temeswar bedankt sich herzlichst für das Gespräch! Möge Sie der allmächtige Gott, auf die Fürsprache der Gottesmutter von Radna und der Heiligen Anna und Joachim auf all Ihre Wege und in all Ihren Tätigkeiten segnen!