„Preiset den Herrn mit mir, lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben!“ – dieser Vers 4 aus dem Psalm 34 steht auf dem Erinnerungsbildchen zum Silbernen Priesterjubiläum von Pfr. Franz Ebenspanger, pensionierter Priester, Jubiläumsmesse die er am 17. April 1991 an seinem damaligen Wirkungsort Gataja feierte. Der Seelsorger, der sich nun auf sein Diamantenes Priesterjubiläum, den 60. Jahrestag seiner Priesterweihe, vorbereitet, lebt im Adam-Müller-Guttenbrunn-Haus, in Temeswar, wo er aufgrund eines vor einigen Jahren eingetretenen momentanen Gleichgewichtsverlustes und häuslichen Unfalls ständige Pflege benötigt. Obwohl er in seiner Gehfähigkeit eingeschränkt ist und unter dauerhaften Schmerzen leidet, bereitet er sich mit heiterem Herzen auf das diesjährige Jubiläum, am 17. April, im Hohen Dom zum hl. Georg von Temeswar vor. Wie er mehrfach betonte, ist die „Diamantene“ Messe für ihn kein Fest, sondern ein Dankopfer. Auf die besorgte Frage seiner Pflegerin, ob er die Heilige Messe „schaffen werde“, antwortet er leise, aber bestimmt: er wird es schaffen!
Franz Ebenspanger wurde am 7. Februar 1943 in Rittberg (Tormak) geboren. Die Volksschule schloss er 1956 ebendort ab. Anschließend setzte er seine Studien an der Kantorenschule in Karlsburg (Alba Iulia) fort und wurde 1960 erfolgreich am Römisch‑Katholischen Theologischen Institut (heute Priesterseminar „Seminarium Incarnatae Sapientiae“ in Karlsburg) aufgenommen. Dort wurde er am 17. April 1966 vom Diener Gottes Bischof Áron Márton, zum Priester geweiht. Als Kaplan wirkte er in Groß-Sanktnikolaus, Petschka und in der Pfarrei Arad-Innenstadt. Ab 1976 war er 13 Jahre lang Pfarrer in Turnu, danach vorübergehend in Dognatschka ernannt, schließlich 1990 in Gataja, wo er 1996 noch rund fünfzig Volks‑ und Mittelschüler auf Ungarisch im Religionsunterricht unterrichtete. Aus gesundheitlichen Gründen trat er in den Ruhestand 1999 und wurde als pensionierter Priester erneut Seelsorger der Gemeinde Dognatschka.
Anlässlich seines 60. Priesterjubiläums haben wir mit dem emeritierten Pfarrer Franz Ebenspanger gesprochen.
– Herr Pfarrer, wie erinnern Sie sich an Ihre Kindheit?
– Ich wurde am 7. Februar 1943 in Rittberg geboren. Ich liebe mein Heimatdorf sehr, und denke auch heute noch gern daran zurück. Dort habe ich die Volksschule begonnen. Nachdem mein Vater und seine Brüder aus der Deportation in Russland zurückgekehrt waren, erhielt mein Vater eine Arbeitsstelle in Deutsch-Bogschan in einer Kfz‑Werkstatt. Das war sein erlernter Beruf. So zog die Familie 1952 – wenn ich mich richtig erinnere – nach Deutsch-Bogschan. Dort gab es in der Schule nur eine ungarische Klasse mit einem einzigen Lehrer, von der ersten bis zur vierten Klasse. Die IV. Klasse habe ich also dort abgeschlossen. Da ich jedoch nicht weiter auf Ungarisch lernen konnte, zog ich zurück nach Rittberg zu meinen Großeltern. So beendete ich die allgemeine Schule in Rittberg. Meine Mutter war sehr religiös und nahm mich und meinen Bruder schon im Kleinkindalter mit ins Gebetshaus. Rittberg war damals überwiegend reformiert; in meiner Klasse war ich der einzige Katholik, und wir hatten keine Kirche, nur ein Gebetshaus. Der Pfarrer von Nitzkydorf, Johann Schill, kam einmal im Monat, um die Heilige Messe zu feiern. Er hat mich im kleinen Gebetshaus getauft, und dort bin ich auch zur Erstkommunion gegangen. An den Sonntagen, an denen er nicht kam, versammelten sich die Gläubigen zum gemeinsamen Gebet. Mein Onkel war der Vorbeter, bis er zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion verschleppt wurde (1945). Nach fast drei Jahren erkrankte er, und man ließ ihn heimkehren, damit er zu Hause sterben könne. Ich habe noch heute Freunde in Rittberg, wenn auch immer weniger. Auch an meine Schulzeit erinnere ich mich gern; wir hatten gute Lehrer. Damals gab es genug Kinder für eine A‑, B‑ und manchmal sogar eine C‑Klasse.
– Was oder wer hat Ihre Schritte in Richtung Priesterberuf gelenkt?
– Ich glaube, der liebe Gott! Schon als Kind, wenn man mich fragte, was ich einmal werden wolle, antwortete ich: Priester! Seit ich drei oder vier Jahre alt war, blieb das meine Antwort. Mein Großvater war in Rittberg Ladenbesitzer; er führte einen Eisenwarenhandel, aber wer hereinkam, um ein Kilo Nägel zu kaufen und dazu ein Kilo Zucker wollte, konnte auch das bei ihm bekommen. Es war also eher ein Gemischtwarenladen. Nachdem mein Großvater erkrankte, übernahm meine Mutter das Geschäft – bis zur Verstaatlichung („Nationalisierung“). Damals war ich etwa sechs Jahre alt. Ich erinnere mich, wie man das Geschäft wegnahm; es blieb zwar weiterhin ein Laden, aber meine Mutter wurde als Verkäuferin angestellt. So wurde sie Staatsangestellte in ihrem eigenen Geschäft. Mein Vater wurde für fünf Jahre nach Russland deportiert. Da ich damals etwa zwei Jahre alt war, kannte ich ihn lange Zeit nur von einem Foto. Erst als er heimkehrte, sah ich ihn wieder. Die Eltern meines Vaters waren Deutsche; meine Großmutter sprach nur gebrochen Ungarisch, aber mit uns Enkeln sprach sie immer Ungarisch. Später hatte ich jedoch Nachteile davon: Nach dem Abschluss des Theologiestudiums wurde ich nach Groß-Sanktnikolaus ernannt, damit ich Deutsch lernte. Hätte unsere Großmutter in meiner Kindheit mehr Deutsch – genauer gesagt Banat-Schwäbisch – mit uns gesprochen, wäre es mir später viel leichter gefallen, die Sprache zu erlernen.
– Wie war die erste Begegnung mit Ihrem Vater?
– Nachdem man ihn verschleppt hatte, hörten wir zwei Jahre lang, bis 1947, nichts von ihm; wir wussten nicht, ob er lebte oder tot war. Dann kam seine erste Postkarte. Später schrieb er auch, wann er heimkehren dürfe – 1949 –, also warteten wir auf ihn am Bahnhof von Rittberg. Er kam zusammen mit seinem Bruder an. Etwa 20–30 Leute aus dem Dorf warteten mit uns; sie freuten sich, dass die Heimkehrenden zurückkamen. Nicht nur die Verwandtschaft war da, auch meine Lehrerin und meine Klassenkameraden kamen zum Bahnhof. Als sie aus dem Zug stiegen, erkannte ich meinen Vater, obwohl er viel dünner war als auf dem Foto.
– Wo haben Sie nach Abschluss der Volksschule weitergelernt?
– In Karlsburg (Alba Iulia), an der sogenannten Kantorenschule. Denn damals war der Betrieb eines konfessionellen Gymnasiums nicht erlaubt, nur einer Berufsschule. So wurde daraus eine Kantorenschule. Von dort aus bewarben wir uns am Priesterseminar. Wir waren 32 Absolventen der Kantorenschule, und 16 von uns meldeten sich zum Priesterseminar. Nach der Volksschule sprach ich mit dem örtlichen Pfarrer und sagte ihm, dass ich in Karlsburg weiterlernen möchte, weil ich mich auf das Priestertum vorbereite. Dort unterrichteten sowohl Priester als auch weltliche Lehrer, d.h. Laien. Musik und Rumänisch wurden zum Beispiel von weltlichen Lehrern unterrichtet. Ich hatte Glück, denn in Deutsch-Bogschan wohnten wir in einer Gegend, in der Rumänen die Mehrheit bildeten, und als Kinder spielten wir zusammen – so lernte ich die Sprache. Mein Bruder konnte noch besser Rumänisch, denn er wurde in Rittberg „gebeten“, die rumänischsprachige Schule zu besuchen, damit die Klassengröße erreicht werde, und so lernte er dort auf Rumänisch. Der Vorteil der Kantorenschule war, dass sie eine solide Ausbildung in ungarischer Literatur bot. Danach folgten sechs Jahre im Priesterseminar, sodass ich insgesamt zehn Jahre in Karlsburg verbrachte. Wir hatten ausgezeichnete Lehrer: Dr. Ferenc Faragó, Direktor der Kantorenschule und Theologieprofessor; Bálint József Sikolya, Theologieprofessor und unser Klassenlehrer; Mihály Tyukodi, unser Spiritual, einer der beliebtesten Lehrer. Wir erhielten eine Erziehung und Ausbildung, auf die wir später jederzeit bauen konnten. Doch derjenige, den wir am meisten verehrten und zu dem wir aufblickten, war Bischof Áron Márton. Zum ersten Mal trafen wir ihn am Tag nach dem Abschluss der Kantorenschule, wir, die den Priesterberuf gewählt hatten. Er sprach mit uns, und wir trugen ihm Gedichte vor. Später, im fünften und sechsten Studienjahr, unterrichtete er uns – allerdings so, dass wir zu ihm gingen, denn der Bischof stand unter Hausarrest, seiner Freiheit beraubt, und hielt den Unterricht in einem kleinen Speisesaal des Bischofspalastes. Er lehrte Hodegetik und Soziologie. Er durfte nicht ins Seminar kommen. Aber wir passten dort hinein, denn inzwischen waren wir nur noch neun. Für die Prüfungen lernten wir alle gewissenhaft, damit wir uns nicht blamierten und vor dem Bischof nur herumstotterten. Dann folgte die Priesterweihe am 17. April 1966, am Weißen Sonntag. Zu Zeiten von Bischof Márton Áron wurde die Priesterweihe immer am Weißen Sonntag gefeiert. Die Primizmesse feierte ich in der Kirche von Deutsch-Bogschan, weil dort meine Eltern lebten. Aber ehrlich gesagt, war das nicht meine erste Hl. Messe, denn nach der Weihe blieben wir noch fast zwei Monate in Karlsburg, bis zum Ende des Schuljahres, und dort feierten wir täglich die Eucharistie.
– Auf welchen Pfarreien haben Sie Ihren seelsorglichen Dienst ausgeübt?
– Zuerst wurde ich als Kaplan nach Groß-Sanktnikolaus ernannt, wie ich bereits erwähnt habe, damit ich Deutsch lerne. Ich verbrachte zehn Monate dort. Am meisten sprach ich Deutsch mit der Mutter des Dechant‑Pfarrers, und ich kam schon recht gut hinein, als mich Ordinarius Konrad Kernweiss nach Petschka versetzte, ebenfalls als Kaplan. Danach kam ich an die Pfarreien Arad‑Zentrum und Arad‑Mikelaka, weiterhin als Kaplan. Von dort aus fuhr ich nach Șofronea, das damals eine Filiale der Innenstadtpfarrei Arads war. Als Pfarrer wurde ich zuerst nach Turnu berufen, dann im September 1989 nach Dognatschka, schließlich ab 1990 nach Gataja. Dort erkrankte ich leider schwer und musste zehn Monate im Krankenhaus verbringen, danach trat ich in den Ruhestand. Nachdem ich wieder zu Kräften gekommen war, zog ich 1999 als pensionierter Priester nach Dognatschka zurück, weil die gute Luft dort meine Genesung förderte. Ich lebte mehrere Jahre in Dognatschka, bis ich leider einen kleinen Unfall hatte; nach meinem Beinbruch bin ich fast in allem auf Hilfe angewiesen. Während meiner Zeit in Gataja hatte ich geplant, mehrmals im Monat Rittberg, mein geliebtes Heimatdorf, zu besuchen, das eine der Filialen meiner Pfarrei war. Schließlich wurden jedoch noch einige weitere Ortschaften angeschlossen, sodass ich insgesamt neun Orte betreuen musste, und so konnte ich meinen Plan nicht verwirklichen. Damals kamen in Rittberg übrigens recht viele Menschen zusammen: manchmal versammelten sich dreißig Gläubige zur Heiligen Messe im kleinen Gebetshaus. Als ich, in meiner Jugendzeit, nach Groß-Sanktnikolaus kam, zählte die Gemeinde etwa 3500 Gläubige: 3000 Deutsche und rund 500 Ungarn. In Petschka führten wir etwa 7000 ungarische und ungefähr ebenso viele rumänische Gläubige (die Rumänen in Petschka waren vorwiegend orthodox).
– Wenn Sie aus sechzig Jahren Abstand zurückblicken, woran erinnern Sie sich besonders gern?
– Groß-Sanktnikolaus und Turnu sind mir sehr ans Herz gewachsen. In Turnu habe ich 13 Jahre verbracht. Die örtliche Gemeinschaft bestand ausschließlich aus ungarischen Gläubigen, etwa 750 Personen. Dognatschka habe ich deshalb später gewählt, weil dort noch Deutsche leben – zwar nicht viele, aber ich konnte mich mit ihnen verständigen. Und ich habe im Internet gelesen, dass die Luft dort sogar besser sei als in Herkulesbad.
– Im Internet?
– Ja. Ich habe einen Laptop bekommen, und darauf lese ich gewöhnlich die Nachrichten im Internet. Ich habe mich ziemlich schnell zurechtgefunden.
– Mit welchen Gedanken bereiten Sie sich auf die Diamantenmesse vor?
– Ich habe nur einen Gedanken: Dankbarkeit! Ich danke dem lieben Gott für alles. Denn leider sind in der Diözese bereits Priester, die viel jünger waren als ich, heimgegangen zum Herrn. Ich danke auch meinen Mitbrüdern für ihre Besuche und ihre Fürsorge. Bischof Josef Pál hat mich besucht, ebenso Pfarrer Adalbert Jäger, der mir zu Weihnachten und Ostern immer ein kleines Paket mitbringt.
– Wir danken Ihnen für das Gespräch.
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Für seine treue und hingebungsvolle seelsorgerische Betreuung der Gemeinde Dognatschka wurde Pfr. Ebenspanger am 19. Dezember 2016 zum Ehrenbürger dieser Komune ernannt.
Pressestelle der Diözese Temeswar
Foto: Sammlung Pfr. Ebenspanger & Klaus Mihnea (Dognatschka)













