Reflexionen vom europäischen Symposium „Shaping Synodality in Europe – From Vision to Roadmap“

Manche Begegnungen enden, wenn wir nach Hause zurückkehren. Andere wirken in uns weiter durch die Fragen, die sie uns mitgeben. Für mich war das europäische Symposium „Shaping Synodality in Europe – From Vision to Roadmap“, das vom 14. bis 17. September 2026 im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels in Österreich stattfand, eine solche Begegnung. Unter der Schirmherrschaft des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und in Zusammenarbeit mit dem Department für Synodalität der Katholischen Privat-Universität Linz sowie der European Taskforce for Synodality brachte das Symposium 187 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 31 Ländern und 29 Bischofskonferenzen zusammen. Die Begegnung stand im Zeichen der Umsetzungsphase des synodalen Weges und der Vorbereitung auf den Weg zur Europäischen Kirchlichen Versammlung im Jahr 2028.
Jenseits von Zahlen und Programm war es die Erfahrung des gemeinsamen Unterwegsseins, die diesen Tagen ihren Sinn gab. Für mich lässt sich Synodalität als eine Grammatik des Friedens verstehen: Sie lehrt uns, unterschiedliche Stimmen zusammenzuführen, ohne sie zum Verstummen zu bringen, Verschiedenheit in Dialog und Dialog in Gemeinschaft zu verwandeln.

Das Zuhören beginnt im Herzen
Eine der stärksten Erfahrungen in Wels war die des Zuhörens. Es reicht nicht aus, dem anderen die Möglichkeit zu geben, zu sprechen – wir können ihn hören, ohne ihm wirklich zuzuhören. Wir können so sehr mit unserer eigenen Antwort beschäftigt sein, dass die Worte des anderen nie wirklich zu uns durchdringen. Wir müssen mit dem Herzen zuhören, nicht nur mit dem Ohr.
Univ.-Prof. Dr. Klara-Antonia Csiszár, Professorin für Pastoraltheologie und Vizerektorin der Katholischen Privat-Universität Linz sowie Koordinatorin des Symposiums, brachte diese Forderung in eine einprägsame Formulierung: „Zuhören bedeutet, dem anderen zu erlauben, einen zu unterbrechen.“ Echtes Zuhören setzt die Bereitschaft voraus, sich durch die Begegnung mit dem anderen verändern zu lassen. Diese Perspektive wurde konkret erfahrbar durch das „Gespräch im Geist“, eine Methode, die persönliche Erfahrung, Zuhören, Schweigen, Gebet und Unterscheidung miteinander verband. Vielleicht beginnt hier die wahre Synodalität: nicht dann, wenn wir lernen, überzeugender zu sprechen, sondern dann, wenn wir lernen, tiefer zuzuhören.

Unterschiede können zu einer Gabe werden
Eine synodale europäische Kirche kann die Vielfalt des Kontinents nicht ignorieren. Die Ortskirchen haben unterschiedliche Geschichten, Kulturen und Erfahrungen, und die Herausforderungen einer Gemeinschaft in Westeuropa sind nicht dieselben wie die einer Kirche in Mittel- oder Osteuropa.
Kardinal Ladislav Német SVD, Erzbischof von Belgrad und Vizepräsident des CCEE, lenkte den Blick genau auf diese Wirklichkeit: Die Unterschiede zwischen den Kirchen Europas dürfen nicht verborgen werden, sondern müssen angenommen und verstanden werden. Gemeinsam unterwegs zu sein bedeutet nicht, dass die einen die anderen kopieren, sondern dass jede Kirche bereit ist, von den anderen zu lernen. Das ist eine der Schönheiten der Synodalität: Einheit bedeutet nicht Uniformität. Die Kirche kann zu einer Polyphonie von Stimmen werden. Jede Stimme hat ihre eigene Klangfarbe, und doch können alle zur selben Gemeinschaft beitragen.

Die Taufe – das Fundament einer gemeinsamen Verantwortung
Im Mittelpunkt der Reflexionen in Wels stand auch eine wesentliche Frage: Was verändert sich in der Kirche, wenn wir die Würde und die Verantwortung aller Getauften wirklich anerkennen? Univ.-Prof. Dr. Christoph Theobald SJ, Theologe und emeritierter Professor für Fundamentaltheologie und Dogmatik, vertiefte das Thema der Tauf-Ekklesiologie und des getauften Daseins. Das Programm des Symposiums verband dieses Thema ausdrücklich mit der Gleichheit aller Getauften in Würde und Wirksamkeit.
Durch die Taufe werden wir in Christus eingegliedert und zu Gliedern seines Leibes. Unsere Gaben und Dienste sind verschieden, doch die grundlegende Würde ist allen gemeinsam. Diese Perspektive verändert die Frage nach der Teilhabe am Leben der Kirche. Nicht nur: „Wer hat eine Funktion?“, sondern auch: „Welche Gabe hat jeder Einzelne empfangen und wie kann sie in den Dienst aller gestellt werden?“ Synodalität verwandelt die Kirche nicht in eine Struktur, in der alle dasselbe tun. Sie hilft uns zu entdecken, dass jeder einen Platz, eine Gabe und eine Verantwortung hat.

Von der Konsultation zur Unterscheidung
Zuhören ist jedoch kein Selbstzweck. Auf das Zuhören folgt die Unterscheidung. Und die christliche Unterscheidung ist mehr als ein Austausch von Meinungen. Wir fragen nicht nur, was wir selbst denken, sondern versuchen zu erkennen, was Gott von uns erwartet.
Deshalb ist die Unterscheidung eine Gabe des Heiligen Geistes. Sie setzt Gebet, Stille, innere Freiheit und die Bereitschaft voraus, uns von dem überraschen zu lassen, was Gott durch den anderen sagen kann. Die Frage lautet nicht nur: „Wer hat recht?“, sondern: „Wohin führt uns der Heilige Geist?“ Dieser Perspektivwechsel ist grundlegend. Er führt uns weg von der Konfrontation der Meinungen hin zur gemeinsamen Suche nach dem Willen Gottes.

Eine Kirche, die auf das heutige Europa hört
Der zweite Tag des Symposiums war der Frage gewidmet: „Wie leben wir das Evangelium im heutigen Europa?“ Die Keynote hielt Univ.-Prof. Dr. Tomáš Halík, Professor an der Karls-Universität in Prag, unter dem vielsagenden Titel „Listening to Europe“ – „Auf Europa hören“.
Seine Reflexion über die europäische Säkularisierung lenkte den Blick auf eine komplexe Realität: Der schwindende gesellschaftliche Einfluss des Christentums ist auch ein Verlust, kann aber zugleich zu einer Herausforderung werden, das Zeugnis der Kirche in einer pluralistischen Gesellschaft zu läutern und zu vertiefen. Europa hat Wunden: Krieg, Migration und Vertreibung, Polarisierung, Einsamkeit, Missbrauch und die Entfernung vom Glauben. Aber Europa hat auch eine tiefe Sehnsucht nach Frieden, Gemeinschaft, Würde, Gerechtigkeit und Hoffnung. Deshalb ist die Kirche dazu berufen, zu lernen, die Zeichen der Zeit zu erkennen und zu deuten.
In diesem Zusammenhang brachte Klara Csiszár die Idee eines möglichen „European Church Forum for Interpreting the Signs of the Times“ ins Gespräch – eines Raumes, in dem die europäischen Kirchen Erfahrungen miteinander teilen und gemeinsam die Wirklichkeit deuten können. Der Vorschlag bringt eine einfache Überzeugung zum Ausdruck: Wir können nicht allein alle Herausforderungen unserer Zeit erkennen und deuten. Wir brauchen einander.

Teilhabe wird zu Mitverantwortung
Eine weitere wichtige Dimension des Symposiums war die Verbindung zwischen der Taufwürde und der konkreten Art und Weise, wie Verantwortung und Leitung in der Kirche wahrgenommen werden. Univ.-Prof. Dr. Myriam Wijlens, Professorin für Kirchenrecht an der Universität Erfurt und Spezialistin für das Kirchenrecht der Synodalität, widmete sich dem Thema „Baptismal Ecclesiology and Structures that Sustain“ – der Tauf-Ekklesiologie und den Strukturen, die sie tragen.
Damit wird die Frage sehr konkret: Wenn wir durch die Taufe alle dieselbe grundlegende Würde besitzen, wie kann diese Würde in der Kirche zu echter Teilhabe und realer Verantwortung werden? Synodalität bedeutet nicht nur, dass wir konsultiert werden. Sie bedeutet, dass wir Mitverantwortung übernehmen.

Von der Gemeinschaft zur Sendung
Letztlich kann Synodalität nicht ausschließlich auf das innere Leben der Kirche ausgerichtet bleiben. Die Kirche existiert für die Mission. Die Mission, die Frohe Botschaft zu verkünden, ist die Aufgabe jedes Christen. Nicht nur die des Priesters, des Bischofs oder der Ordensleute. Durch die Taufe ist jeder Christ berufen, Jünger und Missionar zu sein.
Deshalb können wir sagen: Wir gehen gemeinsam, um gemeinsam gesandt zu sein. Eine Kirche, die zuhört, kann den Menschen näher sein. Eine Kirche, die unterscheidet, kann aufmerksamer auf die Zeichen der Zeit antworten. Eine Kirche, in der jeder Getaufte seine Gabe und Verantwortung annimmt, kann in ihrer Sendung lebendiger werden.

Von Wels aus – ein Weg, der weitergeht
Das Symposium in Wels war kein Endpunkt. Sein Titel – „From Vision to Roadmap“ – bringt gerade den Übergang von einer Vision der Synodalität hin zur Suche nach konkreten Wegen für die Zukunft der Kirche in Europa zum Ausdruck. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen sollen in den europäischen Weg zur Europäischen Kirchlichen Versammlung 2028 einfließen.
Für mich bedeutet die Rückkehr aus Wels einige klarere Überzeugungen: dass wir lernen müssen, mit dem Herzen zuzuhören, dass uns Unterschiede keine Angst machen müssen, dass die Unterscheidung eine Gabe des Heiligen Geistes ist, dass die Taufe uns in einer gemeinsamen Würde und Verantwortung vereint und dass die Mission, das Evangelium zu verkünden, nicht an einige wenige delegiert werden kann.
Vielleicht ist dies die wahre Kunst des gemeinsamen Unterwegsseins: nicht unbedingt dieselbe Stimme zu haben, aber dieselbe Richtung – Christus. Zuhören, um zu verstehen; unterscheiden, um den Willen Gottes zu erkennen; inmitten der Unterschiede in Gemeinschaft bleiben und gemeinsam in die Mission aufbrechen.

Synodalität ist nicht nur ein Weg, den die Kirche geht. Sie ist eine Weise, neu zu lernen, Kirche zu sein.
Und vielleicht ist dies die wichtigste Lektion von Wels: mit dem Herzen zuzuhören, im Heiligen Geist zu unterscheiden und gemeinsam unterwegs zu sein, um der Welt die Frohe Botschaft zu verkünden.

Melania Kiss