Wahrscheinlich ist es nicht übertrieben zu behaupten, dass es in der Diözese Temeswar fast keine Pfarrei gibt, in der nicht wenigstens eine Rosenkranzgruppe besteht. Die Mitglieder dieser Gruppen verpflichten sich, den Heiligen Rosenkranz für ihre persönliche Heiligung und für verschiedene Anliegen der Gemeinschaft zu beten. Das Gebet kann jeder für sich, im eigenen Rhythmus und an jedem Ort verrichten – zu Hause oder auf dem Weg zur Arbeit. Viele Pfarreien organisieren jedoch auch gemeinsame Gebetsbegegnungen in der Kirche.
Eine weitverbreitete Form der Organisation des Rosenkranzgebets sind Gebetsgruppen, in denen jede Person ein einzelnes Rosenkranzgeheimnis übernimmt und dieses einen Monat lang täglich betet, bevor sie ein anderes Geheimnis erhält. Es gibt auch Gruppen, die sich online über die Plattform Zoom zum gemeinsamen Gebet versammeln. In einigen Pfarreien engagieren sich die Mitglieder der Rosenkranzgruppen zudem bei karitativen Aktivitäten, bei der Vorbereitung liturgischer Feste und bei Wallfahrten.
Am Samstag, dem 10. Oktober, fand im Hohen Dom zum Hl. Georg, der römisch-katholischen Kathedrale von Temeswar, das Treffen der Mitglieder der Rosenkranzgruppen aus dem Temeswarer Erzdekanat statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Team für die Seniorenpastoral des Büros für Familienpastoral.
Die Teilnehmer kamen aus zahlreichen Pfarreien des Erzdekanats: Temeswar I – Innere Stadt, Temeswar II – Fabrikstadt, Temeswar III – Elisabethstadt, Temeswar IV – Josefstadt, Temeswar V – Mehala, Temeswar VI – Fratelia, Temeswar VII – Freidorf, Bulgarische Personalpfarrei, Temeswar IX – Marienheim, Dumbrăvița/Neusentesch, Busiasch, Tschakowa, Lovrin, Hatzfeld und Perjamosch. Auch Mitglieder überpfarrlicher Gebetsgruppen nahmen an der Begegnung teil.
Das Rosenkranzgebet
Zu Beginn des Programms wurden die Anwesenden vom Ehepaar Imre und Irén Varga begrüßt. Das Leitwort des Treffens lautete: „… seid wachsam und standhaft im Gebet …“ (Eph 6,18).
In seinen einleitenden Worten unterstrich Seine Exzellenz Josef Csaba Pál die Bedeutung des Gebets für das Leben der Kirche:
„Ein sehr wichtiger Aspekt unseres gesamten Wirkens ist die geistliche Dimension, die Sie durch das Rosenkranzgebet leben. Wir wissen gar nicht, wie viele Gnaden die Priester, die anderen Gläubigen und wir alle in der Diözese durch die Gebete empfangen, die Sie regelmäßig in Ihren Pfarreien verrichten. Wir können besser oder weniger gut beten. Am schlimmsten ist es jedoch, wenn wir überhaupt nicht beten und das Rosenkranzgebet vernachlässigen.“
Anschließend beteten die Anwesenden gemeinsam den Heiligen Rosenkranz.
Ein kurzer historischer Überblick über das Rosenkranzgebet in unserer Diözese
Das Tagesprogramm wurde mit zwei Vorträgen fortgesetzt.
Frau Clara Balint (ehem. Sekretärin der Pfarrei Temeswar Elisabethstadt) gab einen kurzen historischen Überblick über das Rosenkranzgebet in unserer Diözese und zeichnete zunächst die Entwicklung dieser Frömmigkeitsform im Laufe der Jahrhunderte nach. Dafür dokumentierte sich die Rednerin gründlich im Diözesanarchiv des Bistums Temeswar.
Die Ursprünge des Rosenkranzes reichen bis in die mittelalterliche Gebetspraxis zurück. Gläubige, die nicht lesen konnten, verwendeten damals kleine Steinchen oder Perlenketten, um die gesprochenen Gebete zu zählen. Der katholischen Tradition zufolge vertraute die Heilige Jungfrau Maria dem heiligen Dominikus im Jahr 1214 das Rosenkranzgebet an. Im 15. Jahrhundert trugen die Kartäusermönche zur Entwicklung der Betrachtungen über das Leben Jesu und der Jungfrau Maria bei. Im Jahr 1569 legte Papst Pius V. die Struktur dieses Gebets fest. Im Jahr 2002 führte Papst Johannes Paul II. mit dem Apostolischen Schreiben Rosarium Virginis Mariae die lichtreichen Geheimnisse ein.
Einen besonderen Platz im Vortrag nahm die Geschichte des Rosenkranzgebets in unserer Diözese ein. Erwähnt wurde die Enzyklika Supremi Apostolatus Officio von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1883 sowie die Anordnung des damaligen Diözesanbischofs Alexander Bonnaz, der verfügte, dass vom 1. Oktober bis zum 2. November in den Pfarr- und Klosterkirchen täglich die Lauretanische Litanei gebetet werden sollte. Diese Anordnung bildet den Ursprung der Tradition der Oktobergebete in unserer Diözese. In diesem Zusammenhang rief der Bischof auch die bereits bestehenden Rosenkranzvereinigungen zur Beteiligung auf.
Darüber hinaus wurden ältere Dokumente des Bischöflichen Ordinariats vorgestellt, in denen Priester und Gläubige zum gemeinsamen Rosenkranzgebet ermutigt wurden.
Zu den präsentierten historischen Zeugnissen gehörten ein Kreuz in der Nähe von Neudorf, an dem sich früher Pilger versammelten, die zu Fuß oder mit Pferdewagen nach Maria Radna unterwegs waren und gemeinsam den Rosenkranz beteten, sowie ein alter Mitgliedsausweis einer Rosenkranzvereinigung aus der Zeit um 1930. Darin waren die Namen der Mitglieder und die Rosenkranzgesätze vermerkt, zu deren Gebet sich jeder Einzelne verpflichtet hatte.
Der Vortrag schloss mit Bildern von Gebetsgruppen aus Vergangenheit und Gegenwart, darunter eine alte Fotografie von Gläubigen aus Keglewitschhausen. Vorgestellt wurden zahlreiche Pfarrgemeinden in Temeswar und Umgebung, in denen sich Gläubige regelmäßig oder täglich zum Rosenkranzgebet versammeln. Einige Gruppen treffen sich auch online. Menschen, die nicht mehr in der Lage sind, die Kirche aufzusuchen, nehmen von zu Hause aus an dieser Gebetsgemeinschaft teil.
„Der Heilige Rosenkranz ist wie eine Pilgerreise des Glaubens“
Der zweite Vortrag wurde von Domherr Nikola Lauš, Direktor der Bischöflichen Kanzlei, gehalten. Er trug den Titel „Der Heilige Rosenkranz – Spiegel der göttlichen Güte und innere Kraft für den Christen von heute“. Im Folgenden geben wir einige Gedanken aus seinem Vortrag wieder:
„Der Heilige Rosenkranz ist wie eine Pilgerreise des Glaubens, die wir gemeinsam mit der Heiligen Jungfrau Maria auf unserem Weg zu Jesus und auf unserem Weg zum Himmel unternehmen. Jedes gesprochene ‚Gegrüßet seist du, Maria‘, jedes zum Himmel erhobene ‚Vater unser‘ und jedes an den Herrn gerichtete ‚Ehre sei dem Vater‘ ist in Wirklichkeit ein wiederholtes Bekenntnis der Liebe und des Glaubens an die Allerheiligste Dreifaltigkeit.“
„Der Heilige Rosenkranz bedeutet nichts anderes, als die Güte Gottes im Laufe der Menschheitsgeschichte zu entdecken, uns seiner Barmherzigkeit anzuvertrauen, so wie es die Jungfrau und Mutter getan hat, auf seine göttliche Vorsehung zu vertrauen und von ganzem Herzen an seine Verheißungen und an seinen Heilsplan für jeden Einzelnen zu glauben.“
„Dieses Gebet bedeutet, das Antlitz Christi zu betrachten, die Fürsorge des Vaters für seine Schöpfung zu erkennen, die sich in der Sendung seines Sohnes zeigt, und das Licht des Heiligen Geistes zu empfangen – begleitet von unserer himmlischen Mutter. Durch die Zärtlichkeit Mariens und durch jedes Rosenkranzgeheimnis erinnert der Herr unsere Seele an ihre Erlösungsbedürftigkeit und weckt in uns die Liebe zu ihm und zu unserem Nächsten. In jedem gesprochenen Gebet und bei jedem betrachteten Geheimnis begegnen wir einem unendlich gütigen, beschützenden und liebevollen Vater.“
„Das betrachtende Rosenkranzgebet hilft uns, unsere Gedanken zu ordnen, unser Verhalten zu korrigieren und unser Leben auf den Weg auszurichten, den der Herr für uns vorgesehen hat. Es ist ein Glaubenszeugnis der Heiligen Maria, aber auch unseres eigenen Glaubens an Gott. Durch dieses Gebet erkennen wir ihn als unseren fürsorglichen Vater, erleben die Stationen und Ereignisse aus dem irdischen Leben Jesu erneut und gehen gemeinsam mit der Heiligen Jungfrau den Weg der Demut und der Liebe – einen Weg, der uns zur Vereinigung mit dem Herrn, zu dem ersehnten Glück und zum erhofften Heil führt.“
Zeugnisse des Glaubens und der Gemeinschaft
Nach dem Mittagessen berichteten Mitglieder mehrerer Rosenkranzgruppen darüber, was dieses Gebet für sie bedeutet und wie es ihren Alltag verändert hat.
In ihren Zeugnissen sprachen die Teilnehmer über die Veränderungen, die das gemeinsame Gebet in ihrem persönlichen Leben und in ihren Familien bewirkt hat. Einige berichteten, dass sie gelernt hätten, geduldiger zu sein, leichter zu vergeben und schwierige Situationen mit größerem Vertrauen auf Gott zu bewältigen.
Für Familien mit Kindern ist die tägliche Teilnahme nicht immer einfach, doch das Gebet ist nach und nach zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens geworden. Hervorgehoben wurde auch die Freude darüber, zu wissen, dass die anderen Gruppenmitglieder weiter für einen beten, wenn man selbst einmal nicht am Treffen teilnehmen kann.
Ein Teilnehmer verglich den Rosenkranz mit dem Atmen: eine einfache, sich wiederholende Handlung, die für das geistliche Leben jedoch unverzichtbar ist. Andere erinnerten daran, dass einige Gebetsgruppen in einer Zeit der Angst und Unsicherheit entstanden waren, als die Pandemie die Menschen voneinander fernhielt. Das gemeinsame Gebet bot ihnen damals Halt und wurde in den folgenden Jahren zu einer Quelle des inneren Friedens, der Hoffnung und der Gemeinschaft.
Ungeachtet der Entfernungen zwischen den Pfarreien und der Herausforderungen des Alltags haben die Teilnehmer erfahren, dass das Gebet sie sowohl Gott als auch einander näherbringt.
Großes Treffen der Gemeinschaften in Maria Radna im Jahr 2027
Die abschließende Heilige Messe wurde um 15.00 Uhr von Seiner Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof von Temeswar, zelebriert. Konzelebranten waren Domherr Adalbert Jäger, Pfarrer von Temeswar VI – Fratelia, Pfarrer Simon Ciubotaru, von Temeswar VII – Freidorf, sowie Pfarrer Daniel Pozsonyi, von Hatzfeld und Gertjanosch. Diakon Mario Karnel assistierte am Altar.
In seiner Predigt betonte Diözesanbischof Josef Csaba Pál, dass das Gebet keine Last, sondern eine Freude ist: eine Begegnung mit Gott und eine Möglichkeit, eine freundschaftliche Beziehung zu ihm aufzubauen. Mit Blick auf die Gebetsgruppen hob der Bischof die Bedeutung der Gemeinschaft und der gegenseitigen Fürsorge hervor. Er erinnerte daran, dass ihre Mitglieder eine geistliche Familie bilden, in der jeder Mensch wichtig ist.
Zum Abschluss kündigte der Diözesanbischof an, dass am 21. Juni 2027 in Maria Radna ein großes Treffen der Gemeinschaften und Gruppen aus der gesamten Diözese stattfinden soll. Eingeladen werden Rosenkranzgruppen, Gebetsgruppen, Jugendgruppen, Ministrantengruppen, karitative Gruppen und weitere Pfarrgemeinschaften.
Die Begegnung soll Gelegenheit bieten, Gemeinschaft zu erleben, Glaubenszeugnisse auszutauschen und gemeinsam zu beten. Das Programm wird noch ausgearbeitet; die Organisatoren sind für Vorschläge und Anregungen offen.
Pressebüro der Diözese Temeswar










