Im Ungarischen Katholischen Lexikon sowie im Deutschen lesen wir über den Begriff „Schutzheiliger“ folgendes: „Schutzpatron, Patron, Patronin: ein von einem Volk, einer Diözese, einer Ortschaft oder einer amtlichen Person mit Zustimmung des Heiligen Stuhls als himmlischer Beschützer gewählter Heiliger. Bei Kirchen ist es der Titularheilige, zu dessen Ehren der Hauptaltar geweiht ist und unter dessen Schutz das betreffende Kloster oder die betreffende Siedlung oder Einrichtung gewöhnlich steht“. Und der Titel einer Kirche (lateinisch: titulus ecclesiae) ist „eine göttliche oder irdische Person (Heiliger), zu deren Ehren eine Kirche geweiht oder benannt ist. Neben dieser Person kann der Titel der Kirche auch das göttliche Geheimnis sein, das zu ihr gehört“.
„Mein Sohn, ich möchte noch einmal mein Heimatdorf sehen… ich möchte zurückkehren nach Hause, in die Bulgarische Kolonie.“ „Liebe Mutter, dein Heimatdorf existiert nicht mehr. Es sind nur noch wenige Häuser übrig. Alle sind von dort weggezogen. Es gibt dort nichts mehr zu sehen.“ Doch der Wunsch, sich von der Heimat zu verabschieden, ist stärker. Der Tag der Reise kommt. Als sie ankammen, musste die alte Frau der schmerzlichsten und härtesten Realität ins Auge schauen: Von dem Ort, den sie als „Heimat“ betrachtete, sind nur noch einige Häuser und die Kirche geblieben. „Sieh mal, Mutter… hier war dein Haus. Aber es steht nicht mehr. Auch das der Nachbarn nicht. Alles ist verlassen.“ Den Weg nach Temeswar legen Mutter und Sohn schweigend zurück. Und von jenem Tag an hat die Mutter — mit den Erinnerungen und Wahrheiten eines über neunzigjährigen Lebens im Herzen — nie wieder den Wunsch geäußert, „nach Hause“ zurückzukehren.
Trotz der Tatsache, dass die Einheimischen das Dorf verlassen haben, lebt die Bulgarische Kolonie weiter in der Erinnerung und in der schönen Tradition, die bis heute fortbesteht: Jedes Jahr am Kirchweihtag, dem Fest des hl. Lukas, am 18. Oktober, oder am Sonntag, der dem Festtag am nächsten liegt, versammeln sich in der Kirche alle, die ihre Wurzeln in dieser Ortschaft haben, sowie Gläubige bulgarischer, ungarischer, rumänischer und deutscher Herkunft aus den benachbarten Pfarreien.
Vor dem Festtag kommt eine Gruppe von Gläubigen zusammen, um das Gotteshaus zu reinigen und für die Feier vorzubereiten.
In diesem Jahr wurde die feierliche Heilige Messe am Sonntag, dem 19. Oktober um 14.00 Uhr von Pfarrer Matei Kalapiš, emeritierter Seelsorger, zelebriert, der auch die Predigt in bulgarischer Sprache sprach. Konzelebriert haben Pfarrer Petru Velciov von Alt-Beschenowa, Pfarrer Attila Andó von Großsanktnikolaus, der die Predigt auf Ungarisch hielt, sowie Domherr Tamás Bene, Pfarrer von Tschanad und Alt-Beba.
Msgr. Gjuka Augustinov, Pfarrer der bulgarischen Personal-Pfarrgemeinde in Temeswar, ein Sohn des Dorfes
„Ich wurde 1939 in der Bulgarischen Kolonie geboren. Kurz danach zogen meine Eltern nach Alt-Beschenowa, wo ich aufgewachsen bin. In den 1980er Jahren wurde mein Heimatdorf fast vollständig verlassen, heute leben dort nur noch wenige Menschen…“ — erzählte Msgr. Gjuka Augustinov, Pfarrer der Bulgarischen Personalpfarrei in Temeswar, in einem Interview mit dem Pressebüro der Diözese Temeswar.
Über die Verehrung der Heiligen Jungfrau Maria unter den bulgarischen Gläubigen sagte Pfarrer Augustinov: „Dort, woher unsere Vorfahren kamen — die ersten bulgarischen katholischen Familien, die vor dem osmanischen Heer flohen —, hier, wo wir heute leben, aber auch in Serbien und sogar in Bulgarien, sind fast alle Kirchen der Gottesmutter und Jungfrau Maria geweiht: Mariä Himmelfahrt, Heiliger Name Mariens, Königin des Rosenkranzes, Geburt der Heiligen Jungfrau usw. So sind ganze Generationen in Liebe und Vertrauen zur Gottesmutter aufgewachsen.“
Auf die Frage, warum die Kirche in der Bulgarischen Kolonie dennoch dem hl. Evangelisten Lukas geweiht wurde, antwortete Pfarrer Augustinov: „Welcher Evangelist sprach mit besonderer Ehrfurcht über die Heilige Jungfrau Maria? Der hl. Lukas ist der Evangelist, der am meisten und am schönsten über sie geschrieben hat, und durch seine Worte hat er uns unsere Himmlische Mutter gezeigt.“
Aber wer hat über den hl. Lukas geschrieben?
Über den Verfasser des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte erfahren wir am meisten aus seinen eigenen Werken sowie aus den Briefen des hl. Apostels Paulus. Im Brief an die Kolosser schreibt Paulus: „Auch der Arzt Lukas, unser lieber Freund, und Demas grüßen euch.“ (Kol 4,14). Dies ist eine der bekanntesten Stellen, die Lukas’ Beruf und seine enge Beziehung zum Apostel bestätigen.
Im zweiten Brief an Timotheus erwähnt Paulus: „Nur Lukas ist noch bei mir.“ (2Tim 4,11). Diese Bemerkung ist besonders bewegend, da Paulus sie in einem seiner letzten Briefe niederschreibt, als ihn viele bereits verlassen hatten und nur Lukas ihm noch zur Seite stand. Dies deutet auf eine vertrauensvolle und freundschaftliche Beziehung hin, nicht nur auf eine theologische oder lehrhafte Verbindung.
Im Brief an Philemon nennt Paulus Lukas unter seinen Mitarbeitern, was ebenfalls bestätigt, dass er aktiv an den Missionen des Völkerapostels teilgenommen hat: „Es grüßen dich Epaphras, der mit mir um Christi Jesu willen im Gefängnis ist, sowie Markus, Aristarch, Demas und Lukas, meine Mitarbeiter.“ (Phlm 1,23–24).
Aus diesen Notizen lässt sich schließen, dass der hl. Lukas nicht nur ein enger Mitarbeiter des hl. Paulus war, sondern auch dessen Arzt, der in der Apostelgeschichte die Missionsreisen mit dem Apostel ausführlich dokumentierte und dabei häufig die erste Person Plural verwendete — was darauf hinweist, dass er persönlich anwesend war. Die detaillierten Beschreibungen (z. B. Schiffsreisen, Krankheiten, städtische Verhältnisse) legen nahe, dass Lukas nicht nur dabei war, sondern Paulus als Arzt und Freund unterstützte.
Zum Beispiel:
- Apg 16,10–17: Von Troas reist er gemeinsam mit dem hl. Paulus nach Philippi.
- Apg 20,5–15: Er verwendet erneut die erste Person Plural.
- Apg 27–28: Er begleitet den hl. Paulus zur Insel Malta und ist beim Schiffbruch anwesend.
Ein weiterer Autor, der über den Evangelisten Lukas geschrieben hat, war Eusebius von Cäsarea (Eusebius Pamphili), Bischof und Kirchenhistoriker, der in seinem Werk Historia ecclesiastica Folgendes festhält: „Lukas, von antiochenischer Herkunft und Arzt von Beruf, hatte eine besonders enge Beziehung zu Paulus und kannte auch die anderen Apostel gut. Er hinterließ uns zwei inspirierte Bücher, in denen er Zeugnis von jener geistlichen Heilkunst ablegt, die er von ihnen gelernt hatte. Eines dieser Bücher ist das Evangelium, von dem er selbst bezeugt, dass er es nach den Berichten derer schrieb, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren und denen er – wie er sagt – von Anfang an genau gefolgt ist. Das andere Buch sind die Apostelgeschichten, die er nicht aus den Berichten anderer, sondern aus eigener Anschauung verfasste. Man sagt, dass Paulus sich auf das Lukas-Evangelium bezog, wann immer er – wie von einem eigenen Evangelium sprechend – die Worte »nach meinem Evangelium« verwendete.” (Historia ecclesiastica, Buch III, Kapitel 4)
Die Bulgarische Kolonie im Licht historischer Daten
In seinem Werk Komitate und Städte Ungarns – Komitat Torontál (1896–1914) beschreibt der Historiker Samu(el) Borovszky die Bulgarische Kolonie, die etwa 2–3 km von Keglewichhausen/ Cheglevici entfernt liegt, wie folgt: „Ein kleines Dorf im Bezirk Groß-Sankt-Nikolaus. Anzahl der Häuser: 148, Bevölkerung: 720 Seelen, überwiegend bulgarische römisch-katholische Gläubige. Postamt, Telegrafenstation und Bahnhof befinden sich in Alt-Beschenowa. Dieses Dorf wurde erst im Jahr 1844 gegründet und hat daher keine Geschichte oder andere bemerkenswerte Merkmale. Es gibt auch keine größeren Grundbesitzer.“
Über die Entstehung und Entwicklung des Dorfes Bulgarische Kolonie
„Über die Entstehung und Entwicklung des Dorfes Bolgartelep gibt es auch eine Monografie. Ein Bulgare, Peri Telbis, hat sie 2012 in bulgarischer Sprache veröffentlicht. In dem zweisprachigen (Bulgarisch-Rumänisch) und reich bebilderten Band „Bisericile bulgarilor bănăţeni (Die Kirchen der Banater Bulgaren) Temeswar 2014, von Nicolae Markov und Claudiu Călin herausgegeben ist auch die katholische Kirche in Telepa/Bulgarische Kolonie angeführt, angereichert mit den wichtigsten Daten zum Bau und zur Ausstattung der Kirche. Der Ort wurde 1845 von Bulgaren aus Alt-Beschenowa auf einer privaten Grundherrschaft gegründet. Es wurde Tabak gepflanzt. 1912 wurde die jetzige Kirche erbaut. Der Ort war nie eine selbstständige Pfarrei, sondern wurde von den Priestern aus Alt-Beschenowa, Tschanad, Alt-Beba seelsorgerisch betreut. Die drei Glocken der Kirche wurden von der Gießerei Friedrich Hönig in Arad gegossen, eine Orgel wurde von Josef Angster aus Fünfkirchen gebaut, die Kirche dem Heiligen Lukas geweiht. Die Messen wurden in Bulgarisch, Ungarisch und in Deutsch gelesen, samstags in diesen drei Sprachen Religionsunterricht erteilt. Das Dorf zählte 1930 nahezu 400 Häuser mit 830 Bewohnern. Davon waren 356 Bulgaren, 338 Ungarn, 123 Deutsche und 13 Rumänen. Im Jahre 1977 wurden aber nur mehr 86 Bulgaren gezählt, acht Deutsche, immerhin noch 204 Ungarn und zehn Rumänen. 1992 lebte kein Deutscher mehr im Ort, 2016 starb der letzte Bulgare. Nun leben einige Hirten hier“ – schreibt Herr Peter-Dietmar Leber, Vorsitzender der Landsmannschaft der Banater Schwaben in Deutschland, in seinem Artikel mit dem Titel: Vom Werden und Vergehen eines Banater Dorfes: Bolgártelep / Telepa / Colonia Bulgară / Bulgarische Kolonie.
Fortsetzung der Tradition
Wie bereits zu Beginn dieses Artikels erwähnt, wurde das Patroziniumsfest der hl. Lukas-Kirche in der Bulgarischen Kolonie auch in diesem Jahr feierlich begangen. Ältere Fotografien zeigen auch die Vorbereitungen nach der Heiligen Messe: Der Hauptaltar, die Seitenaltäre, die Statuen, die Bänke und das Mobiliar im Kirchenschiff sind erneut mit Schutzfolien bedeckt, die dazu dienen, sie ein weiteres Jahr bis zum nächsten Fest zu bewahren. Auf den Bildern sind auch einige Gläubige zu sehen, die neben den schlichten Blechkreuzen auf den Gräbern des verlassenen Friedhofs beten.
Nach der Heiligen Messe machen sich die Gläubigen auf dem steinigen Weg auf den Heimweg und lassen ein Stück der Geschichte dieser Gemeinschaft hinter sich. Es bleibt die Hoffnung auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr zum Kirchweihfest und die Gebete zum hl. Evangelisten Lukas, damit er diese Kirche, die einsam in der Einöde steht, weiterhin beschützt — als Zeichen des Glaubens der Vorfahren für die kommenden Generationen.
Pressestelle der Diözese Temeswar













