Im Ungarischen Katholischen Lexikon sowie im Deutschen lesen wir über den Begriff „Schutzheiliger“ folgendes: „Schutzpatron, Patron, Patronin: ein von einem Volk, einer Diözese, einer Ortschaft oder einer amtlichen Person mit Zustimmung des Heiligen Stuhls als himmlischer Beschützer gewählter Heiliger. Bei Kirchen ist es der Titularheilige, zu dessen Ehren der Hauptaltar geweiht ist und unter dessen Schutz das betreffende Kloster oder die betreffende Siedlung oder Einrichtung gewöhnlich steht“. Und der Titel einer Kirche (lateinisch: titulus ecclesiae) ist „eine göttliche oder irdische Person (Heiliger), zu deren Ehren eine Kirche geweiht oder benannt ist. Neben dieser Person kann der Titel der Kirche auch das göttliche Geheimnis sein, das zu ihr gehört“.
Im Schematismus der Diözese Tschanad aus dem Jahr 1913 wurden über die Kirche in Arad‑Gai folgende Angaben festgehalten: Vorstadt der Freien Königlichen Stadt Arad, seit 1904 Lokalkaplanei. Die Kirche wurde zwischen 1856 und 1858 erbaut und zu Ehren der Seligen Gisela geweiht. In der Pfarrei mit den Filialen Arad‑Schega und Sanktpaul lebten insgesamt 3425 römisch‑katholische Gläubige; die gesprochenen Sprachen unter den Katholiken sind Ungarisch, Deutsch und Slawisch. Im Jahr 1912 wurden in der Pfarrei 154 Taufen, 29 Trauungen und 90 Begräbnisse verzeichnet.
Heuer feiert die aus Gläubigen rumänischer, ungarischer und deutscher Herkunft bestehende Gemeinde unter der Leitung von Pfarrer Zoltán György ihr Patrozinium am Sonntag, dem 10. Mai, um 12.00 Uhr. Die Pfarrgemeinde zählt heute etwa 700 Mitglieder. Diese Kirche ist die einzige in der Diözese Temeswar, die unter dem Schutz der Seligen Königin Gisela steht.

Gisela – Königin
Die Büste der Seligen Gisela vor der Kirche in Arad‑Gai zeigt die Patronin des Gotteshauses in königlicher Kleidung und mit einer Krone auf dem Haupt. Das Hauptaltarbild hingegen stellt sie als Ehefrau und Mutter dar, gemeinsam mit den zwei heiliggesprochenen Mitgliedern ihrer Familie: dem hl. Stephan, König von Ungarn, ihrem Ehemann, und dem hl. Emmerich, ihrem Sohn.
„Im Jahr 2008 malte die Künstlerin und Restauratorin Magda Lukácsovits-Hatzack sechs Szenen in Secco‑Technik, die wichtige Momente aus dem Leben der Königin Gisela darstellen. Und am 10. Mai 2009 wurde die Bronzebüste der Seligen Gisela vor der Kirche gesegnet – ein Werk des Arader Künstlers Rudolf Kocsis“, berichtete Pfarrer Zoltán György, der Seelsorger der Gemeinde.
Wie das Ökumenisches Heiligenlexikon berichtet, wurde Gisela um das Jahr 985 in der Burg Abbach bei Regensburg in Bayern geboren. Sie war die Tochter von Herzog Heinrich II., dem Zänker, und Gisela von Burgund sowie die Schwester des späteren Kaisers Heinrich II. Im Alter von zehn Jahren wurde sie die Ehefrau des Fürsten Stephan, der später der erste christliche König Ungarns werden sollte. Als Königin ab dem Jahr 997 engagierte sich Gisela tief für die Verbreitung des christlichen Glaubens in Ungarn und unterstützte den Bau von Kirchen und Klöstern. Ihr Sohn Emmerich starb im Jahr 1031 bei einem Jagdunfall.
„De anno, quo S. Stephanus nuptias contraxit cum Gisela, S. Henrici imperatoris sorore, minime convenit inter scriptores, qui annos assignant multum diversos. Antiquorum hac de re dissensio effecit, ut neoterici quoque in varias abierint sententias. Inchoferus in Annalibus nuptias Stephani cum Gisela alligat anno 1005; at nuptias citius contractas videbimus. Schwartzius pag. 7, num. 6 de tempore nuptiarum haec scribit: “Nuptias eius ad annum MX Sigebertus ponit, cuius quidem calculus vitio non caret, fateor…“ Propius ad rem accedit Aventinus, nuptiarum annum scribens MV. Id longe est certissimum: ante annum MII matrimonium principum non coaluisse. Idem enim omnes perhibent: fratrem Giselae, Henricum, ea tempestate imperii habenas tenuisse; eas vero anno MII adeptus est. Ita quidem ille intrepide definit; at cum falsum sit omnes asserere Henricum tempore matrimonii huius imperatorem fuisse, incerta mihi est ea opinio, imo minus probabilis ob rationes mox dandas“ – Wie in den Acta sanctorum Bollandiana über das Jahr der Eheschließung der Seligen Gisela mit König Stephan zu lesen ist: „Bezüglich des Jahres, in dem der hl. Stephan die Ehe mit Gisela, der Schwester des hl. Kaisers Heinrich, geschlossen hat, besteht keinerlei Übereinstimmung unter den Autoren; sie nennen sehr unterschiedliche Jahreszahlen. Die Uneinigkeit der alten Autoren hat dazu geführt, dass auch die neueren zu verschiedenen Meinungen gelangt sind. Inchofer setzt in den Annales die Ehe zwischen Stephan und Gisela auf das Jahr 1005; doch wir werden sehen, dass die Hochzeit früher stattgefunden hat. Schwartzius schreibt auf S. 7, Nr. 6: »Sigebert datiert sie auf das Jahr 1010, obwohl ich zugebe, dass diese Berechnung nicht fehlerfrei ist…«Aventinus kommt der Wahrheit näher, indem er das Jahr 1000 angibt. Sicher ist jedoch, dass die fürstliche Ehe vor dem Jahr 1002 nicht geschlossen worden war. Alle behaupten dasselbe: dass Giselas Bruder Heinrich damals die Herrschaft über das Reich innehatte; diese Macht erlangte er jedoch erst im Jahr 1002.“
Die Autoren der Acta Sanctorum Bollandiana folgern daraus, dass Gisela im Jahr 1000 bereits im Hause Stephans lebte, sodass die Eheschließung höchstwahrscheinlich um 995–996 stattgefunden hat.“

Gisela – Äbtissin
Das Schicksal der Königin Gisela war kein leichtes: Sie musste mindestens fünf ihrer Kinder zu Grabe tragen, darunter auch den Thronerben, den hl. Emmerich. Nach dem Tod König Stephans brach ein Konflikt unter seinen Vettern aus, die Anspruch auf den Thron erhoben; in diesem Zusammenhang wurde auch Gisela verfolgt und höchstwahrscheinlich in der Burg von Veszprém/Wesprim gefangen gehalten. Erst um das Jahr 1046 wurde sie durch Kaiser Heinrich III. befreit.
Die verwitwete Königin zog sich anschließend in das Kloster Niedernburg in Passau zurück, wo sie bis zu ihrem Lebensende blieb und 1057 zur Äbtissin der dortigen Schwestern ernannt wurde. Gisela starb am 7. Mai, vermutlich im Jahr 1065 (nach anderen Quellen 1055).

Gisela – Mitarbeiterin König Stephans
In ihrer neuen Heimat Ungarn war Königin Gisela nicht nur eine treue Ehefrau und Mutter, sondern auch eine bedeutende Mitarbeiterin König Stephans beim Aufbau der katholischen Kirchenstruktur. Darüber berichtet Dr. Konrád Szántó OFM in seinem Werk Das Leben der Seligen Gisela, der ersten Königin Ungarns (1988): „Obwohl Giselas religiöser Eifer Stephan in seinem Entschluss stärkte, die Seelen der getauften Massen wahrhaft christlich zu formen, nahm Gisela im eigentlichen Sinne nur indirekt an dieser missionarischen Arbeit teil. Sie wurde jedoch die nützlichste Helferin ihres Gatten und die hingebungsvollste Mitarbeiterin bei der Gründung neuer Kirchen und Klöster sowie bei der Ausstattung und Ausschmückung der bereits errichteten. Die von Stephan oder der Seligen Gisela oder von beiden gemeinsam gegründeten Kirchen und Klöster verdanken Gisela zum großen Teil die für den Gottesdienst notwendigen liturgischen Gewänder — sowohl deren Zuschnitt als auch deren Stickerei.“
„Die Kirche von Tschanad erhielt vom König fünfhundert Mark Gold und Silber, zehn Rollen Purpurstoff und vier Rollen feines Leinen; von der Königin weitere vier Rollen Purpur und vier Rollen feines Leinen. Das Kloster von Pécsvárad erhielt vom Heiligen König neunundzwanzig Messgewänder, zwölf Dalmatiken (die liturgischen Gewänder der Diakone und Subdiakone), sechzig Pluviale, siebenundzwanzig Altartücher, neunundzwanzig Altardecken, vier Stuhlüberwürfe, fünfzig Messhemden, zweiundzwanzig weiße Chorhemden (Karing), zehn Seidentapisserien, zehn Teppiche für die Altartreppen, neun Kreuze, sieben Reliquiare, fünf Tragaltäre, vier Weihrauchfässer, sechs Leuchter, elf Kelche, zwölf Schalen, einige Krüge, drei Silbertruhen sowie dreißig Stolen und Armreifen — all dies zur Weihe der Kirche.
Der Schatz des Klosters Pannonhalma, aus der Zeit des hl. Ladislaus, aber zum großen Teil sicher von hl. Stephan stammend, war noch reicher. Dort befanden sich unter anderem vierundzwanzig Kelche, davon dreizehn aus reinem Gold und drei mit Edelsteinen verziert; vierzehn Kruzifixe, davon zehn aus reinem Gold; zwei silberne und ein goldener Weihrauchfässer; silberne Krüge und Schalen; acht zweihenkelige Kelche für die Kommunionspendung; einundvierzig Messgewänder; dreiundfünfzig Pluviale, zwei davon mit goldenen Glöckchen versehen und eines mit perlenbesticktem Rand.“ (Hermann, E.: Geschichte der katholischen Kirche in Ungarn bis 1914, München, 1973, S. 36)
Neben den verschiedenen neuen liturgischen Gewändern war es auch notwendig, die abgenutzten Stücke zu ersetzen und die beschädigten zu reparieren. In all dem gab Königin Gisela ein leuchtendes Beispiel. Sooft sie konnte, begleitete sie ihren Gemahl auf seinen Reisen durch das Land. Bei solchen Gelegenheiten hielten sie an Orten mit Kirchen an, und alles, was zu diesen gehörte, wurde sorgfältig überprüft. Während König Stephan vor allem den baulichen Zustand der Kirchen begutachtete, untersuchte Gisela die Altäre, Kelche, liturgischen Gewänder und andere Gegenstände – und was sie nur konnte, reparierte sie mit ihren eigenen Händen.
Davon berichtet auch János Thuróczi, der zwischen 1435 und 1490 lebte, in seiner Chronica Hungarorum: „In Anbetracht dessen ließ sich Königin Gisela, wann immer sie zu einer Kirche in Ungarn kam, alle Gegenstände im Hause des Herrn zeigen, und jedes Jahr besserte sie alle Seiden- oder Samtstoffe aus, die einer Reparatur bedurften.“ (Budapest, 1978, S. 109)

Gisela – als Selige verehrt
Dr. Konrád Szántó OFM schreibt in seinem Werk Das Leben der Seligen Gisela, der ersten Königin Ungarns (1988): „Die Verehrung Giselas nahm erheblich zu, nachdem ihr Gemahl und ihr Sohn im Jahr 1083 heiliggesprochen wurden, sowie ihr Bruder, Kaiser Heinrich, im Jahr 1146. Vor allem aber verdiente sie die Bewunderung ihrer Zeitgenossen und der Nachwelt dadurch, dass sie der Kirche Gottes zwei Heilige schenkte. Nur der ist fähig, andere zu heiligen, der selbst den Gipfel der Vollkommenheit erreicht hat. Dass aus ihrem Gemahl Stephan der heilige Stephan wurde und aus ihrem Sohn Emmerich der keusche und heilige Prinz Emmerich, daran hatte Giselas Gottesliebe einen wesentlichen Anteil.
Unter den Tugenden, die Gisela von Kindheit an bis zum Ende ihres Lebens mit Konsequenz übte, leuchteten drei in besonderer Weise hervor: ihr brennender Eifer für die Sache Gottes, ihre Geduld im Tragen der Kreuze und die heroische Ausübung der Nächstenliebe. Alle ihre Biographen loben ihre barmherzige Güte gegenüber den Bedürftigen, die Aufnahme der Verfolgten und ihre großzügige Fürsorge für Gäste.
In jüngerer Zeit war ein entscheidender Moment in der Geschichte der Gisela‑Verehrung die Initiative des Bistums Passau. Im April 1975 bat die Bistumsleitung um die Genehmigung eines eigenen liturgischen Textes für das Fest der Königin, das seit alters her am 7. Mai gefeiert wurde. Die Kongregation für den Gottesdienst genehmigte am 11. Juli 1975 die eigenen liturgischen Texte für dreiundzwanzig deutsche Diözesen. In diesem Rahmen wurde auch der Antrag des Bistums Passau angenommen, und in der offiziellen Antwort wurde Gisela als „Sancta Gizela“, also die heilige Gisela, bezeichnet.
Aufgrund dieser offiziellen kirchlichen Anerkennung wurde am 7. Mai des folgenden Jahres in einer besonders feierlichen Liturgie zum ersten Mal der von Rom approbierte liturgische Text in der alten Kirche von Niedernburg zu Ehren der heiligen Gisela vorgetragen. Am selben Tag fanden auch in Passau und in den übrigen Kirchen der Diözese festliche Gedenkfeiern statt.“

Schlussfolgerung
Betrachtet man Giselas Leben als Ganzes, wird deutlich, dass Heiligkeit nicht nur aus außergewöhnlichen Taten entsteht, sondern aus der täglichen Treue zu Gott, aus dem unermüdlichen Dienst an der Kirche und aus der konkreten, gelebten Liebe zum Nächsten. Obwohl sie nicht durch ein kanonisches Verfahren offiziell zur Ehre der Altäre erhoben wurde, haben die ungarische und die deutsche Tradition seit dem Mittelalter in ihr das Bild einer Frau erkannt, die ihren Glauben heroisch gelebt hat.
Ihre Verehrung – gestärkt durch die Heiligsprechung ihres Gatten und ihres Sohnes – überdauerte die Jahrhunderte, getragen von der Kraft ihres Beispiels. Und die liturgische Anerkennung, die die Kirche ihr 1975 gewährte, bestätigte lediglich, was das gläubige Volk immer wusste: dass Gisela, die Königin von Ungarn, ein Segen für das Land war, dem sie diente, und ein Geschenk für die Kirche Gottes.

Pressestelle der Diözese Temeswar