Im September 2025 war die Pfarrkirche von Tschanad der Mittelpunkt zweier bedeutender Ereignisse, bei denen sich Hunderte von Gläubigen um den Altar versammelten – um den steinernen Sarkophag, in dem einst die sterblichen Überreste des hl. Gerhard ruhten, des ersten Märtyrerbischofs der alten Diözese Tschanad und Schutzpatrons der Diözese Temeswar. Am Samstag, dem 20. September, fand das interdözesane Jugendtreffen statt, zu dem 450 Teilnehmer aus den Diözesen Szeged-Csanád, Temeswar und Zrenjanin/Großbetschkerek kamen. Am Mittwoch, dem 24. September, wurde die diözesane Wallfahrt anlässlich des Hochfestes des hl. Gerhard abgehalten, an der ebenfalls Priester und Hunderte von Gläubigen aus den Diözesen Temeswar und Szeged-Csanád teilnahmen. In der Diözese Zrenjanin/Großbetschkerek wurde der heilige Gerard mit einen Pontifikalamt in der Kathedrale St. Johannes von Nepomuk ebenfalls am 24. September um 18.00 Uhr geehrt. Hauptzelebrant war S.E. Santo Rocco Gangemi, Apostolischer Nuntius in Belgrad, seitens der Diözese Timișoara nahmen S.E. Martin Roos, emeritierter Bischof, und Domherr Nikola Lauš, Direktor der Diözesankanzlei, teil. In dieser Feierlichkeit wurde auch der Geburtstag des Diözesanbischofs von Zrenjanin/ Großbetschkerek, S.E. Mirko Stefković, gefeiert.
Gemäß der Tradition wurde der hl. Gerhard bereits am Abend des 23. September im Rahmen einer feierlichen Pontifikalvesper geehrt, die von S.E. Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, im Hohen Dom zum Hl. Georg, der römisch-katholischen Kathedrale von Temeswar, in Anwesenheit der Mitglieder des Domkapitels zelebriert wurde. Die musikalische Gestaltung übernahm Herr Róbert Bajkai-Fábián, Domorganist. Zahlreiche Schüler und Lehrer des römisch-katholischen Gymnasiums Gerhardinum nahmen daran teil.
Die feierliche Heilige Messe am 24. September wurde um 11:00 Uhr von Seiner Eminenz, Ladislaus Kardinal Német, Erzbischof und Metropolit von Belgrad, zelebriert. Konzelebriert haben Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, und Seine Exzellenz Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar sowie zahlreiche Priester aus den Diözesen Szeged-Csanád und Temeswar.
In seiner Grußansprache an den hohen Gast sagte Diözesanbischof Pál: „Für uns ist es eine große Freude und Ehre, Kardinal Ladislaus Német, Erzbischof und Metropolit von Belgrad, in unserer Mitte zu haben und gemeinsam mit Seiner Eminenz diese Heilige Messe zu feiern. Ich grüße herzlich die Priester, Seminaristen und Gläubigen aus der Diözese Szeged-Csanád, die zahlreich gekommen sind, denn durch den hl. Gerhard sind wir miteinander verbunden.“ Bei der Heiligen Messe konzelebrierten aus der Diözese Szeged-Csanád: Msgr. Dr. József Kovács, Generalvikar und Seminarrektor, Pfarrer Levente Serfőző, Bildungsvikar, sowie Msgr. Lajos Kondé, Pastoralvikar und Pfarrer der Segediner Domkirche, gemeinsam mit P. Márton Gál SDS, Provinzial der Österreich-Rumänien Provinz des Salvatorianerordens, sowie zahlreiche Priester aus den Diözesen Temeswar und Szeged-Csanád. Zusammen mit den Pilgern, die die Kirchenbänke füllten, traf auch eine Gruppe des Malteser Hilfsdienstes aus Ungarn, Filiale Makó, in Tschanad ein. Die musikalische Gestaltung der Heiligen Messe übernahm der Kirchenchor unter der Leitung von Kantor Béla Kercsó. An der hl. Messe nahm auch eine Gruppe Jugendlichen teil, organisiert von Herrn Lucian Oprea (Kulturverein Pusta), die die schönen Volkstrachten der ungarischen, deutschen und bulgarischen Volksgruppen trug.


„Ich möchte mich auch für die Einladung bedanken. Es ist eine sehr schöne Tradition, die hier in Cenad oder Tschanad/Csanád weiter gepflegt wird. Namentlich, dass wir Vertreter von allen Nachfolgerdiözesen zusammenkommen und gemeinsam den heiligen Gerhard feiern. Ich habe (ausdrücklich) gesagt: Nachfolgerdiözesen. Ich war 16 Jahre lang in Großbetschkerek, deswegen darf ich das weiterhin so sagen, dass ich aus einer Nachfolgerdiözese kam und Nachfolgebischof war“ – sagte Kardinal Német in seiner einleitenden Ansprache.
Der Fragment aus dem Evangelium, für diesen Tag, beim Fest des hl. Gerhard, wurde von Pater Márton Gál SDS verkündet.
In seiner Predigt, die auf Ungarisch und Deutsch gehalten und ins Rumänische übersetzt wurde, hob Seine Eminenz Kardinal Német Aspekte aus dem Leben des hl. Gerhard hervor, den er als Theologen, Lehrer und furchtlosen Zeugen des Evangeliums bezeichnete. „Gerhard erinnert uns daran, dass Wahrheit und Liebe zusammengehören. Sein Werk zeigt die Tiefe des Glaubens, seine Mission und sein Tod zeigen die Konsequenz des Glaubens. Er bleibt uns Vorbild in seiner Standhaftigkeit. Er floh nicht angesichts von Gewalt und Tod. Er blieb Hirte bis zum Ende. Der heilige Gerhard ist ein Bischof, der uns zugleich als Mönch, Theologe und Märtyrer begegnet. In ihm wird sichtbar, wie sehr unser Glaube Leib und Geist, Denken und Tun, Kreuz und Auferstehung zusammenhält. Bitten wir ihn heute um Fürsprache: dass auch wir in unserer Zeit nicht müde werden, das Evangelium zu leben, den Reichtum unserer Theologie zu erschließen und die Welt als Gottes Schöpfung zu achten. Dann wird durch uns ein Stück Wirklichkeit dessen erfahrbar, was Gerhard so schön formulierte: das ganze Universum ist berufen, zum Lobpreis Gottes zu werden“ – sagte Kardinal Német.
Die rumänische Übersetzung der Predigt wurde von Kaplan Branko Duma, aus der Pfarrei Temeswar IV. Josefstadt, vorgetragen.
Am Ende der Heiligen Messe wurden alle Anwesenden zu einer Agape im Hof des Tschanader Pfarrhauses eingeladen, wo Pfarrer Tamás Bene gemeinsam mit den Mitgliedern der katholischen Gemeinde Gulasch in mehreren Kesseln zubereitete. Die Gläubigen aus Tschanad trugen nicht nur mit ihrer Erfahrung und Arbeit zur schmackhaften Mahlzeit bei, sondern stellten auch einen Großteil der benötigten Zutaten aus ihren eigenen Gärten zur Verfügung.

Anlässlich dieses Festes stellte das Pressebüro der Diözese Temeswar Seiner Eminenz, Kardinal Ladislaus Német, einige Fragen.

– Eure Eminenz, wie Sie während der Heiligen Messe erwähnt haben, waren Sie 16 Jahre lang Bischof der Diözese Zrenjanin (Groß-Betschkerek) – einer Nachbar- und Schwesterdiözese unserer eigenen, die ihr in vielerlei Hinsicht ähnelt: multiethnisch, mehrsprachig mit katholischen Gläubigen in der Minderheit. Wie sehen Sie die Zukunft der Kirche in diesen beiden Diözesen?
– Ich hoffe, dass die Auswanderungswellen – denn es gab mehrere, nicht nur eine – zum Stillstand kommen, da unsere Länder Fortschritte machen. Über Rumänien kann ich auf Grundlage statistischer Daten sagen, dass es sich schön entwickelt. In Serbien verläuft dieser Prozess langsamer, und das Land ist zudem noch kein Mitglied der Europäischen Union. Aber zurück zu Rumänien: Das Land ist nun auch dem Schengen-Raum beigetreten, sodass kein Reisepass mehr erforderlich ist und die Menschen frei in die Schengen-Mitgliedsstaaten reisen können, ohne Grenzkontrollen. Man sieht, dass viele rumänische Staatsbürger, die im Ausland arbeiten, ihre Daheimgebliebenen unterstützen – was sehr wichtig ist. Ich hoffe, dass das Entwicklungsniveau hoch genug sein wird, damit es den Bürgern leichter fällt, in ihrer Heimat zu bleiben und sich dort zu verwirklichen. Ein weiterer wichtiger Aspekt – und zugleich eine große Herausforderung – ist, dass die heutigen christlichen Generationen ihren Glauben viel bewusster annehmen müssen, denn die Zeit der Volksreligiosität ist vorbei. Nicht im Sinne eines völligen Verschwindens, sondern im Sinne davon, dass die Gläubigen bewusst der Kirche angehören und ihren Glauben leben möchten. Ich beobachte dieses Phänomen sowohl im serbischen als auch im rumänischen Banat. Das rumänische Banat ist flächenmäßig größer, doch scheint es, dass von dort mehr Menschen ausgewandert sind, was dazu führt, dass die Zahl leerstehender Kirchen und Pfarreien deutlich höher ist. Es bedarf einer sehr klugen Entscheidung darüber, was mit diesen Gebäuden geschehen soll, denn das ist ein echtes Problem. Man kann nicht alle renovieren, da es schlichtweg unmöglich ist, so viel Geld zu investieren – und anschließend müssen sie auch noch unterhalten werden. Die Kirchenleitung steht also vor wichtigen Entscheidungen. Gemäß dem synodalen Prozess müssen auch die Laien Verantwortung im Leben der Kirche übernehmen, was ihre Beteiligung an Entscheidungsprozessen und der Lösung von Problemen bedeutet. Leider haben wir immer weniger Priester, und der Bischof kann nicht nur mit Priestern arbeiten, da ihm schlichtweg nicht genügend Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Es ist daher entscheidend, die Laien in die kirchliche Arbeit einzubeziehen – zumal wir viele gut ausgebildete und gebildete Gläubige haben, deren Unterstützung sehr willkommen ist.

– Wie sehen Sie die Situation der katholischen Kirche in Europa und der Ortskirchen innerhalb dieser Gemeinschaft?
– Die europäische katholische Kirche befindet sich in einem Erneuerungsprozess, der in manchen Fällen nicht frei von Krisen ist. Dasselbe gilt für die protestantischen Kirchen. Die einzige Kirche, die sich derzeit entwickelt, ist die orthodoxe Kirche. Ich denke, dass der europäische Katholizismus noch immer in der Überzeugung lebt, ein Machtfaktor in der Gesellschaft zu sein. Doch die Realität sieht anders aus, und es ist auch nicht unsere Aufgabe, ein Machtfaktor zu sein. Für uns ist es wichtig, den Menschen einen Raum zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen, beten können und eine Gemeinschaft finden. In diesem Sinne sollten wir zu einer Kirche werden, die den Menschen nähersteht – ein Ort, an dem jeder eintreten kann und wo jeder seinen Platz finden kann. Wenn es uns gelingt, eine solche Gemeinschaft zu bilden, wird auch die Spendung der Sakramente einfacher. Denn Sakramentenempfang bedeutet nicht nur Taufe, dann Hochzeit und eventuell Firmung, gefolgt von einer langen Pause – sondern es ist ein Prozess, der das Leben der Menschen verwandelt.“

– Wir danken Ihnen, dass Sie Ihre Gedanken mit uns geteilt haben und sich Zeit für uns genommen haben.

Pressestelle der Diözese Temeswar