Maria Radna feiert heuer ein doppeltes Jubiläum: 500 Jahre seit der Errichtung der ersten Kapelle im damaligen Weinberg, am Ort der jetzigen Wallfahrtskirche, aber auch 200 Jahre seit der Kosekrierung des Gotteshauses durch den Erzbischof von Gran/Esztergom, durch den damaligen Fürstprimas Alexander Rudnay. Auch wenn die Gesundheitsvorschriften keine grossen Feierlichkeiten erlauben, kann der historische Moment nicht unmarkiert bleiben.
Die Ereignisse der Vergangenheit werden in schriftlichen Chroniken aufbewahrt; Augenzeugen sprechen am authentischsten über die jüngsten und gegenwärtigen Ereignisse. Die nächsten Seiten enthalten die Worte unterschiedlichen Menschen: Gottesdiener, ältere Menschen, die an ihrer Religion festhalten, junge Menschen, die im Glauben aufwachsen, Bewahrer unserer gemeinsamer Feste und Pilger am jahrhundertealten Gnadenort von Maria-Radna.
Maria-Georgiana Ivanici stammt aus der Gemeinde Slatina-Timiș und studierte in Temeswar, wo sie seit mehreren Jahren arbeitet. Sie ist Mitglied der Pfarrgemeinde Temeswar-Josefstadt, singt im Kirchenchor und hilft bei verschiedenen charitativen, gemeinnützigen Aktionen.
– Welche ist Ihre erste Kindheitserinnerung an diesen heiligen Ort? Mit wem sind Sie zum ersten Mal nach Radna gefahren?
– Das ist schon vor mehr als 20 Jahren passiert. Ich glaube, ich war 7 oder 8 Jahre alt. Ich war ein kleines Mädchen, das mit ihren Eltern, der älteren Schwester und den lieben Großeltern reiste. Der Weg bis dahin schien so lang zu sein, dass es ein Zeichen dafür war, dass wir auf einen sehr, sehr wichtigen Ort zusteuerten. Es ist die erste dieser unzähligen, außergewöhnlichen Erinnerungen an meiner Seelenkirche. Es geschieht anlässlich des Festes „Mariä Himmelfahrt“, wie wir es nennen (15. August). Auf dem ersten Blick sah das Kloster für mich wie ein Palast aus, mit üppigen Treppen, einem riesigen Raum, in dem eine bemerkenswerte Veranstaltung stattfand. Ich fühlte es jedoch mir sehr Nahe, weil es der Kirche in meinem Heimatdorf Slatina-Timiș sehr ähnlich ist. Nach dem Festgottesdienst (mit Hunderten von Menschen) war es schön, in dem rosa Rüschenkleid das meine Mutter mir geschnitten und genäht hatte, die Treppe des „Palastes“ hinunterzugehen und dann hinauf, zum Hügel hinter der Basilika zu gehen, um die „Tränen der Mutter Gottes“ zu sammeln. Ich erlebte eine Geschichte… mit Legenden inklusive… Es wurde gesagt, dass die Beeren, die von den Bäumen fielen, eigentlich diese Tränen waren, die von der heiligen Maria stammen, als Jesus am Kreuz gekreuzigt wurde. Und wer sie mit nach Hause nimmt und sie einnimmt, hat zu Hause gute Gesundheit und Wohlergehen.Andere liebe Erinnerungen, die ich habe und an die ich mich im Bezug auf meiner Heimatgemeinde erinnern möchte, sind jene aus der Zeit, als wir mit dem Doppeldeckerzug unterwegs (für diejenigen, die sich noch erinnern), mit Dutzende von Pilgern, Kindern mit Eltern oder Großeltern aus Slatina-Timiș waren.Es gab Zeiten, in denen wir mindestens einen Tag zuvor nach Radna fuhren. Wir reisten mit Gepäck, sitegen in Temeswar im nächsten Zug um, haben das noch Zuhause vorbereitete Essen gegessen… Wir sangen, beteten den Rosenkranz und andere Gebete. Es war eine große Ehre, diese Pilgerreise zu machen, und es gab wirklich ein Gemeinschaftsgefühl zwischen den Dorfbewohnern. Es gab Zeiten, in denen wir beim Gastgeber in Radna auf Matratzen schliefen, 15-20 Personen in einem Raum… Man kann diese schönen Zeiten nie vergessen, in denen es keinen Raum für Ansprüche gab, sondern nur pure Freude. Oder um sich an die Pilgerreise zu erinnern, bei der meine ältere Schwester und ich unsere Großmutter verloren haben?! Ich denke, dass viele von uns diese Art von Kindheitsabenteuern während der Pilgerreisen hatten… – Wann sind Sie zum ersten Mal alleine oder mit einer Gruppe junger Leute nach Radna gefahren/ gegangen? Wie haben Sie sich Gefühlt in diesen Momenten?– Die erste Erfahrung mit einer Gruppe junger Menschen in Radna war im September 2017. Ich wusste jahrelang, dass junge Leute diese Fußpilgerfahrt nach Maria Radna machen, aber in jedem der vergangenen Jahre erschien etwas „Wichtigeres“ und ich ging nicht. 2017 habe ich mich dazu entschlossen. Wir standen früh auf, versammelten uns alle um 6:00 Uhr Morgens vor der römisch-katholischen Kathedrale (Domkirche) „Hl. Georg“ in Temeswar und nach einem Gebet im Dom gingen wir los. Die Frauen, die das Kreuz in ihren Händen hielten, machten den Weg sozusagen frei. Ich war aufgeregt. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde, aber es war wunderbar.
– Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie unterwegs in den Gemeinden empfangen und aufgenommen wurden? Oder wenn Sie unterwegs in verschiedenen Orten, einschließlich Kirchen geschlafen haben?
– Ich ging drei Jahre hintereinander nach Radna, angefangen mit September 2017 und in den folgenden Jahren, 2018 und 2019. Einmal, im Frühjahr 2018, ging ich mit einer Freundin auf halbem Weg nach Radna, von Guttenbrunn. Wir trainierten für eine andere Wallfahrt außerhalb des Landes und entschieden uns für eine mindestens 30 km lange Rundreise nach Radna. Diese erste Pilgerreise 2017, hat mir viele Dinge gezeigt. Wie man aus Liebe vieles ertragen und sich nicht beschweren kann. Dann war ich mit einer Gruppe von Menschen zusammen, die sich – obwohl müde, an den Beinen verletzt, mit Wunden und Blasen – sich nicht mindestens einmal beschwerten. Und für mich war es bemerkenswert. Warum?! Weil ich immer derjenige war, der sich beschwerte. Ich habe mich immer beschwert. Und als ich diese Leute sah, hatte ich das Gefühl, kein Recht zu haben ein Wort zu sagen. Ich habe sie sehr geschätzt und gelernt geduldig zu sein. Eine Lektion in kontinuierlicher Praxis. Aber die erste Pilgerreise hat mir noch etwas anderes beigebracht: Um einen 60 km langen Fußmarsch zurückzulegen, müssen Sie sich im Voraus vorbereiten.Was das Treffen mit den Gemeinden auf dem Weg betrifft, kann ich sagen, dass es wie das Betreten einer Oase war. Am ersten Tag jeder Fußwallfahrt warteten die Frauen aus Neusentesch und Bruckenau mit Essen, erfrischenden Getränken und Obst auf uns. Alle 10 km erhielt ich einen „Bonus“ für das, was ich erreicht habe. Und jedes Jahr bereiteten sich die Frauen aus diesen Gemeinden darauf vor, Pilger in der Kirche und im Pfarrhaus aufzunehmen. Und sie waren glücklich, ein paar Minuten zusammen mit uns im Gebet zu verbringen. 2019 wartete die orthodoxe Kirche in Fibiș darauf, dass wir vor ihrer Haustür traten, das Glockengeläut hat die Ankunft der Pilgergruppe ankündigt. Wir wurden gebeten anzuhalten und wenigstens ein wenig zu singen. Die Gefühle, die Sie in solchen Momenten verführen, sind unzählig: Freude, Dankbarkeit, Glück. Für mich persönlich war der Höhepunkt des Jahres 2017, der Augenblick wo wir in Blumenthal ankamen. Wir haben die Nacht hier verbracht und in der Kirche geschlafen. Anfangs war es unvorstellbar… wie man in der Kirche neben dem Altar schläft?! Ich war in einem Zustand der Ekstase und Qual. Ich wusste nicht, ob es mir peinlich sein sollte oder musste glücklich sein, in der Kirche schlafen zu dürfen!Und für den nächsten Tag verstärkten sich alle Gefühle… Sowohl die Gelenkschmerzen als auch die Freude, dass wir uns dem lang erwarteten Moment näherten. Aber die Dinge geschehen allmählich, Schritt für Schritt. Zuerst die Ankunft bei Caritas Lippa… mit Lieder… eine Art Vorbereitung für die feierliche Hl. Messe in Radna und ein Frühstück, aus dem ich wieder zu Kräften kam. Und dann der Weg zum vorgenommenen Ziel. Die Basilika… Und hier, als wir die Treppen erreicht haben, gingen wir singend zum Altar, mit Lieder die der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet sind. Und die ganze Kirche schaute uns zu… Dies ist der Augenblick des Höhepunkts, in dem das Herz hart schlägt, die Stimme zittert, die Freudentränen eindringen… Um diese Reise für die Seligste Jungfrau Maria zu machen…
– Im Laufe der Jahren haben Sie in Radna verschiedene Pilger und Gruppen von Gläubigen getroffen, die jeweils in ihrer eigenen Sprache sangen und beteten. In welcher Beziehung stehen Sie zu diesem Reichtum an Sprachen, musikalischen Schätzen und Gebeten, die hier gesprochen werden?
– Während meiner Kindheit fuhren wir anlässlich dee beiden größeren Marien-Feste, entweder im August oder im September nach Radna. Es war und ist ein „Fest der Sprache und Kultur“, aber auch der Frömmigkeit, die für jedes Volk spezifisch ist: Kroaten/ Kraschowäner, Bulgaren, Ungarn, Deutsche, Roma und Rumänen, Römisch- oder Griechisch-Katholiken aus dem ganzen Land, vom Banat bis in der Moldau, dass sie alle zusammen kommen, um gemeinsam die Gottesmutter Maria zu feiern. Um ihre Tracht zu sehen, um ihre Lieder zu hören… wieder einmal merkt man, dass wir so unterschiedlich, aber immer noch so ähnlich sind. Es gibt etwas, das diesen Feiertag definiert, das Christen überall vereint. Und Sie haben das Gefühl, dass jeder zurück „zum Haus der Mutter“ kommt.
– Die Atmosphäre der Wallfahrten nach Maria Radna ist eine besondere, manchmal sehr abwechslungsreiche. Welche ist die Begebenheit, die Ihnen in Erinnerung geblieben ist und die Sie am meisten beeindruckt hat?
– Jeder Moment den in Radna empfunden habe, von Jahr zu Jahr, in der Kindheit, in der Jugendzeit und als Erwachsener wurde anders erlebt. Aber ein Gefühl, das ständig präsent ist, ist die FREUDE.Ich erinnere mich jedoch an einen bestimmten Moment: das Hochfest Mariä Himmelfahrt im August 2017. Ein paar Tage bevor ich in den Urlaub im Ausland ging, sagte ich meinen Freunden, dass ich am 14. August zuhause sein müsste, weil ich nach Radna fahren will. Natürlich war die Rückfahrt unglaublich lang. Ich war sehr aufgeregt. Immer wieder tauchte eine Frage in meinem Kopf auf: „Werde ich rechtzeitig zur Messe nach Radna ankomen?“ Und ich habe es geschafft… In diesem Moment wurde mir klar, wie glücklich ich mich fühlte, wie glücklich ich war, dass ich pünktlich dorthin ankam.
– Was bedeutet für Sie Maria Radna?
– Einfach. Aus spiritueller Sicht ist es ein Ort der mir sehr Nahe steht. Der Ort, an den ich immer wieder gerne zurückkehre, entweder im Sommer oder im Winter, um eine Pilgerreise zu unternehmen oder einfach nur an einer heiligen Messe teilzunehmen oder zumindest den Kreuzweg zu beten.
– Das Pressebüro der Diözese Temeswar bedankt sich herzlichst für das Gespräch!







