Das Leben der Schwaben im Banat war von vielen Schwierigkeiten geprägt, angefangen von der langwierigen Ansiedlung bis hin zu den wegen des Banater Sumpfklimas ausgebrochenen Krankheiten und Seuchen, Vertreibungen, Verschleppungen und Diskriminierungen. Das Schicksal der Schwaben stand von Anfang an unter einem schlechten Stern und die über die Jahre erlebten Schwierigkeiten, wurden zum Auslöser ihrer Auswanderung.
Trotz dieser schweren Schicksalsschläge haben die Banater Schwaben sowohl ihren Glauben, als auch eine sehr große Vielfalt an Sitten und Bräuchen bewahrt. Ihre Tradition war und ist bis heute noch ein wichtiges Element für die Identität des Banats und für die hier existierende Multikulturalität. Kirchweih! Daran denkt man wahrscheinlich, wenn man über Banater Schwaben spricht. Doch ihre Tradition ist viel komplexer und es lohnt sich mit Sicherheit, auch andere Bräuche näher kennenzulernen. Die späte Herbstzeit und der Winter gelten bei den Schwaben als die ruhigste Zeit des Jahres. Die Feldarbeiten sind getan und eine verdiente, lang ersehnte Pause ist für diese Zeitspanne charakteristisch. Die Winterzeit gilt als die Zeit, in der man die Verwandtschaft besucht und gemeinsame Abende verbringt. Die Männer sitzen in Gesellschaft und spielen Karten – Fuchsen. Die Frauen widmen sich der Handarbeit. Sie häkeln, stricken und fertigen Wandschoner an. Diese prächtigen Schmuckstücke – könnte man sie nennen – verzieren die Wände der Räumlichkeiten. In jedem Zimmer erblickt man diese Wandschoner, die mit verschiedenen Motiven und Texten verziert sind. Es gibt tausende Modelle, mit den verschiedensten Verzierungen und manchmal lustigen, aber auch tiefsinnigen Texten. Im Waschbereich steht geschrieben: „Beim Wasserbankerl nett und fein,/ darf niemals ausgeschüttet sein!“. Unterhaltsame Texte, mit einer „versteckten“ Nachricht sind auch dabei: „Lieber Mann ich rate dir/ meide Gasthaus, Wein und Bier/ sei bei Nacht doch stets zu Haus/ lieb dein Weibchen sonst ist’s aus!“. Nicht zu vergessen sind natürlich die emotionalen und religiösen Texte: „Alles fliehet alles eilet/ fort im schnellen Zeitenlauf/ nur die Mutterliebe weilet/ blühet immer schöner auf!“, „Das schönste im Leben was Gott kann geben/ ist ein zufriedenes Heim und darin glücklich sein!“. Die alten Weisheiten der Oma wurden auch festgehalten: „Einmal im Jahre blüht der Mai/ Einmal im Leben die Liebe!“, oder „Ein Schifflein ist des Menschen Herz/ fährt ohne Rast und Ruh/ mit seiner Lust und seinem Schmerz/ dem Land der Hoffnung zu!“. In der Küche, dem wichtigsten Ort für die Hausfrau, stand natürlich auch ein Wandschoner: „Weißt du was am besten schmeckt?/ Frisch gekocht und fein gedeckt!“.
Die Weihnachtszeit ist natürlich die schönste Zeit des Jahres, aber es lohnt sich, einen Blick auch auf die Traditionen im Herbst zu werfen. Der berühmte Traubenball hat in keiner Ortschaft gefehlt; er wurde Ende Oktober, oder auch noch im November organisiert. Ein Spiel gab es auch bei diesem Fest. Eine schön geschmückte Krone mit Girlanden und Trauben war der Höhepunkt des Abends. Wenn jemand aber beim Traubenklauen erwischt wurde, wurde er als Dieb abgestempelt und er musste eine Strafe zahlen. Und wenn wir schon beim Thema Tanz und Musik sind, muss man auch den Kathreinerball erwähnen. Diese Feierlichkeit war die letzte Gelegenheit, vor Weihnachten noch einmal zu feiern, zu singen und zu tanzen. Man sagte immer: „Kathrein sperrt die Geige ein!“ und damit war die Zeit der Unterhaltung abgeschlossen. Nun kam die Adventszeit, die Zeit der Familie und der Freunde. Man besuchte die Verwandtschaft, man verbrachte die Zeit vor Weihnachten zusammen. Mitte November ging es immer lustig zu, denn die Schweineschlacht begann. Die Kinder waren besonders glücklich, wenn sie mithelfen konnten.
Jede Woche war man bei einer anderen Familie, bei Verwandten oder Nachbarn. Der Adventskranz und -kalender haben natürlich nicht gefehlt, denn sie steigerten die Vorfreude auf die schönste Zeit des Jahres – Weihnachten!
Der Dezember kam mit schnellen Schritten. Am 4. Dezember war Barbaratag. An diesem Tag brachte man Kirschzweige in die Wohnung; man stellte sie ins Wasser und wenn sie bis Weihnachten blühten, brachte dies Glück im kommenden Jahr. Für die Kinder war natürlich der Nikolaustag der langersehnte Feiertag. Darauf freuten sie sich besonders. Die Schuhe und Stiefel wurden auf Hochglanz gebracht und sie wurden ans Fenster gestellt. Der Nikolaus brachte Äpfel, Nüsse und Süßigkeiten. Über diese Gaben freuten sich die Kinder sehr! Der Nikolaus kam aber nicht allein, sondern wurde vom Knecht Ruprecht begleitet. Dieser rasselte mit Ketten und erschreckte die schlimmen Kinder, welche statt Geschenken eine Rute bekamen. Und schon näherte sich Weihnachten, der Höhepunkt des Jahres. An Heiligabend, nachmittags, ging der Vater mit den Kindern zu den Großeltern. In der Zwischenzeit schmückte die Mutter den Christbaum und legte die Geschenke unter den Baum. Oftmals kam auch das Christkind, dargestellt von Nachbarn oder Verwandten, und die Kinder sagten mit aufgeregten Stimmen Gedichte auf und sangen Weihnachtslieder.
Am ersten Weihnachtstag ging man nachmittags zu den Großeltern, zu den Paten und da gab es auch meistens Geschenke für die Kinder. Süßigkeiten, Nüsse, Äpfel waren eine große Freude für die Kinder, und wenn es auch noch Geld gab, war die Freude umso größer. Am Silvestertag ging man zur Kirche, um an der „Danksagung“ teilzunehmen. Meistens gab der Pfarrer oder der Kantor auch die Anzahl der in diesem Jahr Verstorbenen, der Geburten und der Trauungen an. Man dankte auch für die gute Ernte und betete um ein gesundes, erfolgreiches neues Jahr. Nach so viel Pause gab es endlich wieder einen Ball, nämlich den Silvesterball. An diesem Abend wurde bis kurz vor 24.00 Uhr getanzt. Die Musik wurde für kurze Zeit unterbrochen, um Mitternacht wurde das Licht gelöscht, man wünschte sich gegenseitig ein glückliches, neues Jahr und mit einem schwungvollen Walzer tanzte man ins neue Jahr! An Neujahr gingen die Kinder zu den Paten „wünschen“ und bekamendann „Gode-sach“. Die Weihnachtszeit ging mit dem Dreikönigsfest (6. Januar) weiter. Da gab es meist Fettkrapfen zu essen. In drei der Krapfen wurden Münzen eingebacken und diejenigen, die die Münzen beim Essen fanden, waren die Heiligen Drei Könige. In diesen Tagen kam der Priester mit der „Hausweihe“. Begleitet von den Ministranten oder von einem Kantor oder Mann aus dem Kirchenrat, segnete er die Häuser mit Weihwasser und Weihrauch und oft auch das Vieh, so daß es von Gott im ganzen Jahr beschützt bleib. Mit gesegnete Kreide schrieb er (oder ein Ministrant) das Jahr und die Initialen der Heiligen Drei Könige, wie folgend: 20 + G + M+ B + 22.
Die Weihnachtszeit endete am 2. Feber, d.h. am Fest Mariä Lichtmeß oder der Darstellung des Herrn, wenn die Kerzen gesegnet werden.
Astrid Kataro

Erschienen in: Banater Zeitung, Wochenblatt für Temesch, Arad und das Banater Bergland, Mittwoch, 30. Jahrgang/Nr. 1450, 12. Januar 2022, S. III.
Redaktionelle Bearbeitung: Pressebüro der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar
Bilder: Pfr. Czank Gábor