Pfarrer Anton Nikolaus Reinhardt Neu (Anton Neu) ist am 21. Juli 2022 im Herrn entschlafen. Er kam am 13. Januar 1937 in Karansebesch zur Welt, wo er in der evangelisch-lutherischen Kirche getauft wurde. Seine theologischen Studien begann er am Evangelischen Theologischen Institut in Hermannstadt/Sibiu, konvertierte aber zum römisch-katholischen Glauben und begann 1957 erneut das Studium der Theologie – diesmal aber am katholischen Priesterseminar in Karlsburg/Alba Iulia. Einen maßgebenden Einfluss in seiner Konvertierung und in der Klärung seiner katholischen, priesterlichen Berufung spielte P. Heribert Laschober OFMConv. aus Lugosch, wohin die Familie Neu umsiedelte.
Nach Abschluss seiner Theologiestudien wurde Anton Neu am 21. April 1963 in Karlsburg/Alba Iulia vom damaligen Bischof Márton Aaron zum Priester geweiht. Gemeinsam mit ihm wurden 1963 zu Priestern geweiht: Peter Dermendzin, Anton Totterer, Peter Jäger, Georg Augustinov, Peter Heim. Sein Leitspruch anlässlich der Priesterweihe war: „Siehe, ich komme deinen Willen zu tun, o mein Gott“ (Psalm 39).
Als Priester der Diözese Temeswar – die damals als solche vom kommunistischen Staat nicht anerkannt war – wirkte Anton Neu, mit dem Rang eines Kaplans in Reschitza, Karansebesch – von hier half er kurze Zeit (1966) in der verwaisten Pfarrei Ebendorf aus – in Arad-Gai und Deutsch-Sanktmichael. Seinen längsten Kaplandienst erfüllte er 1969-1985 in Temeswar II. Fabrikstadt (Millenniumskirche) als Kollege von Kaplan Franz Stemper und Mitarbeiter von Prälat Dr. Josef Fodor. Mit der Erkrankung von Pfr. Ottokar Paschek wurde Anton Neu 1985 zum Pfarradministrator von Busiasch ernannt. Von hier flüchtete er über die Grenze über Jugoslawien, wo er ein Monat im Gefängnis verbringen musste, bevor er nach Deutschland entlassen wurde.
Pfarrer Anton Neu ließ sich im Bistum Augsburg nieder und danach im Erzbistum München und Freising. Ein Jahr war er als Kaplan in München tätig, dann ein zweites in Garmisch-Partenkirchen und 1987 kam er als Pfarrer nach Gartenberg-Geretsried. Im Jahr 1994 ersuchte er die Exkardination aus dem Bistum Temeswar, machte noch kurz vor der Exkardination seine Pfarrprüfungen in Temeswar und half ein Monat lang, im Juli des selben Jahres, in der Pfarrei Groß-Sanktnikolaus aus. Ab dem 22. März 1994 wirkte Anton Neu als Stadtpfarrer an St. Pius, München. Am 1. Juli 1997 erfolgte die definitive Inkardination von Pfr. Anon Neu im Erzbistum München und Freising.
Anton Neu war ein begnadeter Klavierspieler und Musiker. Viele Stunden seiner Freizeit saß er an seinem Flügel und spielte Sonaten von Haydn, Mozart und Beethoven. Als evangelischer Theologiestudent in Hermannstadt erhielt er etwa für ein Jahr lang Orgelunterricht bei Prof. Franz Xaver Dressler, dem damaligen Stadtkantor. Als Kaplan an der Temeswarer Millenniumskirche hat er sich äußerst engagiert um die damalige Jugend bemüht und begleitete deren ungarischen Jugendchor meist an der großen Orgel, die er meisterhaft spielen konnte.
Während seiner Tätigkeit als Stadtpfarrer von St. Pius fand 2002 die große Innenrenovierung seiner Kirche statt und der Kirchenchor erhielt einen Flügel für die Chorproben. In seiner Zeit hatte auch die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Münchens, mit Pfarrer Simion Felecan, in der Piuskirche eine zweite Heimat gefunden, die Sonntags nach dem katholischen Gottesdienst ihren rumänisch-orthodoxen Gottesdienst hielt. Der damalige Erzbischof Friedrich Kardinal Wetter lobte die Großzügigkeit der Kirchengemeinde St. Pius für ihre Öffnung und Hilfestellung gegenüber der rumänisch-orthodoxen Kirche. Im Jahre 2007 ging Pfarrer Anton Neu in Pension und ließ sich in Nürnberg nieder, wo er am 21. Juli 2022 im Herrn entschlafen ist.

Der allmächtige Gott, dessen frohe Botschaft er ein Leben lang verkündete, möge ihm die ewige Ruhe schenken!
Er ruhe im Frieden Christi!

Dr. Franz Metz
Dr. Claudiu Călin