„Es ist eine besondere Gnade und ein Geschenk Gottes, als ersten Bischof der Diözese einen heiligen Märtyrer und als ihren Gründer einen Heiligen zu haben, einen König, der unsere Diözese im Jahr 1030 gegründet und uns einen heiligen, gelehrten Hirten geschenkt hat, der sein Leben für seine Gläubigen hier im Banat gegeben hat. Sie schenken uns durch ihre Fürsprache Standhaftigkeit im Glauben und in der Liebe – füreinander. Dafür müssen wir Gott dankbar sein“ – diese Worte sprach Seine Exzellenz Dr. h.c. Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, in seinen einleitenden Worten in ungarischer, rumänischer und deutscher Sprache beim Pontifikalamt in Tschanad. Die Heilige Messe wurde am Hochfest des heiligen Gerhard in Tschanad gefeiert, dem alten Diözesansitz, der seit mehr als fünf Jahrhunderten von Gnade und Gebet geprägt ist.
Die diesjährige feierliche Messe in Tschanad begann um 11.00 Uhr und wurde an dem Altar zelebriert, der einst als Sarkophag für die Reliquien des heiligen Gerhard diente. Heute ist es aufgrund des wechselhaften Schicksal der Diözese leer, aber seine Leere ist für uns Christen vielleicht ein Symbol, ein Abbild: Wie das leere Grab des Auferstandenen Christus, so hoffen auch wir, wenn wir auf das leere Grab des Märtyrers und des heiligen Gerhard schauen, auf die Wiedergeburt dieser Region und der Seelen ihrer Bewohner zu einem Leben in Christus. Der 24. September ist ein Tag von besonderer Bedeutung im römisch-katholischen Kalender der Diözese Temeswar, ein besonderes Ereignis für die Priester und Gläubigen dieses Bistums, wenn in der alten bischöflichen Residenz in Tschanad, in der heutigen Kirche, Hunderte von Pilgern während einer feierlichen Messe des ersten Bischofs und Märtyrers dieser Diözese gedenken.
In den Pressburger Annalen wird die Bischofsweihe des heiligen Gerhard im Jahr 1030 erwähnt, als der heilige Stephan, König von Ungarn, ihm die Leitung des neuen Bistums Morisena, später Tschanad genannt, anvertraute. Die alte Diözese wurde nach fast neun Jahrhunderten ihres Bestehens in drei verschiedene Teile aufgeteilt, die heute in Rumänien, Ungarn und Serbien liegen. Der 24. September ist der Gedenktag des ersten Bischofs von Tschanad, eines Märtyrers des Glaubens, für die drei Nachfolge- und Schwesterdiözesen: Diözese Szeged-Csanád in Ungarn, Diözese Groß-Betschkerek/ Zrenjanin in Serbien und Diözese Temeswar in Rumänien.
Dieses Jahr versammelten sich in der Kirche von Tschanad Priester und Pilger vor allem aus der Diözese Temeswar, aber auch aus Ungarn und Deutschland um den Altar. Pfarrer Tamás Bene, Ehrendomherr, begrüßte den emeritierten Bischof in ungarischer und rumänischer Sprache und betonte die ständige Verehrung und Präsenz, Jahr für Jahr, des emeritieren Bischofs Martin in und für Tschanad, der Wiege unseres Glaubens. Der Bischof begrüßte seinerseits Pfr. Gheorghe Berciu, griechisch-katholischer Seelsorger in Tschanad, der bei der Heiligen Messe konzelebrierte, sowie die Vertreter der anderen Konfessionen. Ein Grußwort wurde auch an den Bürgermeister der Gemeinde, Herrn Andrei Codruț Tița mit Ehefrau, gerichtet, anderen örtlichen Offizialitäten und Vertretern des örtlichen römisch-katholischen Kirchenkomitees die an der hl. Messe teilnahmen. Heuer haben die Wallfahrt nach Tschanad, die feierliche Heilige Messe, mit Hilfe von Herrn Lucian Oprea und dem Kulturverein „Pusta“ und seinen vielen Partnern auch den Charakter eines Patroziniumsfestes der örtlichen Kirche, die dem Heiligen Gerhard geweiht ist, (wieder)angenommen. Es wurde zugleich ein religiöses Fest, das von klassischen und modernen kulturellen Veranstaltungen gekrönt wurde. Am Morgen trafen Paare von Jugendlichen in deutschen, ungarischen, rumänischen, bulgarischen und nicht zuletzt serbischen Trachten in Begleitung der Recascher Blaskapelle freudig im Pfarrhaus ein, wo sie vom emeritierten Bischof, den konzelebrierenden Priestern, Geistlichen und einigen Pilgern erwartet wurden. Dort führten sie einige deutsche Tänze auf und zogen dann in Prozession mit den Ministern, Priestern und dem Bischof zur Kirche, um die Heilige Messe zu feiern. Für die musikalische Umrahmung der Heiligen Messe sorgten Herr Emil Dumitresc und seine Frau, Musiker der Pfarrei Temeswar II. Fabrik und der Millenniums-Kirche. Gemeinsam mit Bischof Roos konzelebrierte Msgr. Johann Dirschl, Generalvikar und Dompropst und Pfr. Adalbert Jäger, Domherr, Dechant-Pfarrer von Temeswar VI. Fratelia, sowie die anwesenden Priester.
In der Predigt, die in deutscher, ungarischer und rumänischer Sprache gehalten wurde, versuchte Msgr. Johann Dirschl die Frage „Was bedeutet es, ein Heiliger zu sein?“ zu beantworten. Dies versuchte der Redner unter Verwendung der Schriften des hl. Vaters Papst Franziskus und des hl. Vaters Papst Benedikt und illustriert mit Fakten und Taten aus dem Leben des Heiligen Bischofs Gerhard und des hl. Königs Stefanus. An diesem Festtag sollten wir daran denken, dass ein jeder von uns dazu berufen ist, ein Heiliger zu werden.
Am Ende der Heiligen Messe dankte Seine Exzellenz Martin Roos, emeritierter Bischof, den Priestern und Gläubigen für ihre Anwesenheit, den Trachtenpaaren für die lebendige und farbenfrohe Gestaltung der Feier, den Behörden und Kulturanimateuren für ihr großes Engagement und dem Pfarrer für die Vorbereitung dieser Feier. Bischof Roos überbrachte auch das Grußwort S.E. Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, der in diesem Jahr an einem von der Erzdiözese Karlsburg organisierten Treffen zur Familienpastoral teilnehmen musste, wo er an diesem Tag einen Vortrag hielt.
Nach dem Schlusssegen segnete der Bischof den bunt geschmückten Kirchweihstrauß, der dann vom ersten Kirchweihpaar und den anderen jungen Paaren zum Tanz und zu den anschließenden Festen getragen wurde. Vor der Kirche, in der Nähe der Statue des Heiligen Gerard, präsentierten die Tanz- und Folkloregruppen ein Kulturprogramm mit deutschen, rumänischen, bulgarischen, serbischen und ungarischen Tänzen aus der Banater Heide. Die teilnehmenden Ensembles waren: die Tanzgruppe des Deutschen Demokratischen Forums Großsanktnikolaus „Buntes Sträußchen“, die bulgarische Tanzgruppe „Palućenka“ aus Alt-Beschenowa, das ungarische Tanzensemble „Kékibolya“ (Blaue Veilchen) aus Großsanktnikolaus und das Ensemble „Mlădițe Cenăzene“ (Tschanader Spröße) aus Tschanad, das eine Suite mit rumänischen und serbischen Tänzen aus dem Banat präsentierte. Am Ende wurden alle Anwesenden, Priester, Pilger, Jugendliche und Kinder von Pfr. Tamás Bene im Hof der Pfarrei zum Kesselgulasch und Mehlspeis eingeladen.
Am Abend des 24. September um 20.00 Uhr fand in der römisch-katholischen Kirche von Cenad ein Jazzkonzert von Petre Ionutescu statt, das von Videoprojektionen begleitet wurde. Am Abend, um 21.00 Uhr, fand eine Lichtshow und architektonische Kartierung des Kirchengebäudes statt, bei der Malereien der bildenden Künstler Lucian Oprea (Tschanad) und Claudia Dimoiu (Wien) projiziert wurden.

Pressestelle der römisch-katholischen Diözese Temeswar