ADZ-Gespräch mit dem römisch-katholischen Bischof von Temeswar, Josef Csaba Pál

Seit knapp über einem Jahr ist Josef Csaba Pál (63) als Bischof der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar/Timişoara im Amt. Es war ein Jahr der Einarbeitung und des Kennenlernens, sagt der Bischof, der sich inzwi-schen in der Stadt an der Bega sehr gut eingelebt hat. Wie sein erstes Bischofsjahr verstrichen ist und was er für die Zukunft plant, erfahren Sie aus einem Gespräch, das ADZ-Redakteurin Raluca Nelepcu mit Bischof Josef Csaba Pál geführt hat.
Sie sind nun seit mehr als einem Jahr als Bischof von Temeswar im Amt. Wie haben Sie sich in der Stadt an der Bega und in Ihrem neuen Amt eingelebt?
Ich fühle mich wohl in Temeswar. Temeswar war mir nicht ganz fremd. Ich bin öfters, als Domherr, hier gewesen und sonst auch als Priester bei verschiedenen Liturgien und Programmen. Dieses erste Jahr war ein Anfang, ein Jahr der Orientierung in der Leitung der Diözese. Der Anfang war schön, denn es ist schön, mit dem lieben Gott zusammenzuarbeiten und zu wirken.
Was haben Sie denn in diesem ersten Jahr unternommen?
Meine Überzeugung war es schon am Anfang – und davon bin ich immer noch fest überzeugt –, dass Gott unsere Diözese liebt. Er ist es, der die Diözese leitet und wir – auch ich persönlich – ministrieren ihm dabei. Er ist am Werk und bewirkt die Erneuerung dieser Diözese, seitdem es unsere Diözese gibt. Es ist gut, in diesen Erneuerungsprozess einzutreten, den der liebe Gott durchführt. Es ist gut, überzeugt zu sein, dass die ganze Kirche und somit auch die ganze Diözese die seinigen sind. Wir gehören ihm und wir wollen seinen Plan verwirklichen. Was ich schon am Anfang gesagt habe, das wiederhole ich auch heute: Den Plan Gottes entdecken wir, wenn wir ihm zuhören, durch Gebet, durch Meditation, aber auch, wenn wir darauf hören, was Gott den Einzelnen sagt, den Priestern oder Laien.
Gleich am Anfang haben wir die verschiedenen Kommissionen – den Priesterrat, die Konsultoren, den Finanzausschuss – belegt. Auch dort haben wir die Möglichkeit, einander zuzuhören und zu entdecken, was der liebe Gott durch uns möchte. Auch die Pfarreien haben neue Kirchenräte gewählt, die am 10. März in der gesamten Diözese vereidigt worden sind.
In der Diözese wurde das Jugendzentrum verstärkt. Zurzeit arbeiten hier drei Priester und eine Ordensschwester. Wir haben auch ein Familienzentrum gegründet, wo auch drei Priester und eine Ordensschwester tätig sind. Sie koordinieren die verschiedenen Tätigkeiten und helfen mit in der Familienpastoral. Manchmal komme ich mit diesen Leuten zusammen, wir planen zusammen und schauen, wie die Arbeit geht oder gehen könnte usw.
Jeder Pfarrer hat eine kleine Arbeit über seine Pfarrei geschrieben, über die gegenwärtige Lage und die Perspektiven in zehn Jahren. Dieses Unternehmen erwies sich als recht lehrreich für uns, da wir ganz konkret erkennen konnten, welche die Lage unserer Pfarreien ist. Wir haben auch andere Pfarreien in diesem Sinne zu analysieren begonnen.
Ein kleiner Ausschuss, gebildet aus drei Ingenieuren und einem Priester, hat mit der Bearbeitung der Dokumente dieser Pfarreien begonnen. Aufgabe dieser Kommission ist es, die Dokumente in Ordnung zu bringen und zu untersuchen, was mit diesen Gemeinden und den hier vorhandenen Gebäuden zu tun wäre.
Inzwischen habe ich selbst begonnen, offizielle, sogenannte kanonische Besuche in den Pfarreien zu unternehmen. Für dieses Jahr habe ich mir Besuche in 19 Pfarreien vorgenommen und für nächstes Jahr in 13 Pfarreien. Es ist eine besonders große Freude für mich, das Volk in den verschiedenen Gemeinden zu treffen und dort die Messe zu lesen. Schon am ersten Besuchstag treffe ich mich mit den Kindern, mit dem Kirchenrat, in einigen Ortschaften auch mit den Geistlichen der anderen Konfessionen und mit den amtlichen Vertretern, wie z. B. dem Bürgermeister der Ortschaft. Am nächsten Tag betrachten wir die Buchhaltung, Pfarrkanzlei, Pfarrkirche, usw. Ich zelebriere eine Messe auch in einer Filiale, in einer kleineren Gemeinde. Auch besichtige ich die Sozialeinrichtungen und den Sitz der jeweiligen Vereine, die vor Ort tätig sind. Ich treffe auch die Mitglieder der verschiedenen geistlichen Bewegungen. Es gibt auch eine Begegnung mit den geistlichen Mitarbeitern der Pfarrei und auch ein Treffen mit den Jugendlichen. Dadurch bekomme ich nicht nur einen Einblick in das Leben der Pfarrei, sondern bei dieser Begegnung ermutigen wir und stärken wir einander in der Hoffnung. Die Hoffnung ist sehr wichtig. Ohne diese Hoffnung können die Menschen nicht begeistert werden. Das Gespräch mit dem Pfarrer beendet den Besuch und fasst das Erlebte zusammen.
Wir haben in diesem Jahr auch eine neue Pfarrei gegründet – die bulgarische Pfarrei in Temeswar. Die erste offizielle Heilige Messe fand am 1. September in der Notre-Dame-Kirche statt. Ein Pfarrhaus soll in Temeswar-Fratelia gebaut werden – wir befinden uns hierbei in der Dokumentationsphase. Am 9. Mai 2020 wird eine neue Kirche in Neumoschnitza geweiht. Im Juli haben wir zwei Diakone geweiht und ein junger Mann ist seiner Berufung gefolgt und in den Jesuitenorden eingetreten. Viele Wallfahrten, Jugendtreffen und Familientreffen konnten wir organisieren. Einige Jugendliche haben am Weltjugendtag in Panama teilgenommen. Andere waren in Medugorje oder in Trient und haben an verschiedenen Treffen teilgenommen. Aber auch hier, in der Diözese, gab es in verschiedenen Ortschaften Jugendtagungen.
Das größte Ereignis war der Besuch des Heiligen Vaters, an dem wir in großer Zahl teilgenommen haben. In Schomlenberg allein waren über 1000 Leute aus unserer Diözese dabei, davon etwa 80 Jugendliche. Einige sind auch nach Bukarest und nach Blasendorf gefahren.
Hatten Sie Gelegenheit, mit dem Papst persönlich zu sprechen?
Wir sind ihm schon in Bukarest begegnet und haben einander die Hand gereicht. Aber es war mehr als nur soviel. Sein fröhliches Gesicht, wie er zu uns gekommen ist, wo er sich nicht beeilt hat, sein Lächeln – das alles will sehr viel aussagen. „Es ist gut, dass du existierst. Du bist in meinem Herzen, ich kenne dich“. Ich war in Schomlenberg und auch in Blasendorf konnte ich ihm begegnen und ihm auch etwas sagen. Persönlich haben wir uns nicht unterhalten, aber seine Lehre, seine Predigten und Themen sind immer noch lebendig in meinem Herzen.
Bei den kanonischen Besuchen in den Pfarreien sprechen Sie mit den Priestern und mit den Gläubigen. Was erzählen Ihnen diese Menschen?
In einer Gemeinde haben sie erzählt, dass sie sehr froh sind, dass auch viele Kinder und dadurch auch die jüngeren Familien in die Kirche kommen. Die Lehrerinnen haben den Kindern das Singen und Musizieren beigebracht, in der Messe, ganz natürlich und normal. Das machen sie immer so, nicht nur wenn der Bischof kommt. Das war eine große Freude! In einer anderen Gemeinde haben die Menschen, besonders ältere Männer, erzählt, dass sie in der Ortschaft und in der Gemeinde so gut und so voller Liebe aufgenommen worden sind, dass sie sich wohl fühlen.
Es gibt auch eine Ortschaft, wo die Kirche vor mehreren Jahren zusammengefallen ist, dort kann man nicht mal eintreten; aber im Pfarrhaus habe ich eine ganz lebendige kleine Gemeinde gefunden, mit etwa 30 Leuten, zwei Ministranten, Müttern mit kleinen Kindern, und diese Leute haben alle gesungen, es war beeindruckend. Man fühlte ihre Begeisterung und ich habe ihnen das auch gesagt. Und sie haben gesagt: „Ja, Herr Bischof, solange wir in der großen Kirche waren, waren wir zerstreut, aber hier sind wir eine Einheit“.
Oder ich habe auch Gemeinden gesehen, wo zwar keine Jugendlichen sind, aber es waren ältere Leute mit jugendlicher Begeisterung. Sie kommen in die Messe, aber nachher basteln sie oder machen verschiedene Sachen, die sie verkaufen und das Geld den Armen geben. Eine kleine, aber lebendige Gemeinde. Das war im Freidorf-Viertel.
Einige möchten noch einen Kirchenturm bauen, in Dumbr²vi]a, zum Beispiel. Dort wird viel gebaut und man fragt sich, wie man den neuen Bewohnern begegnen und sie in die Kirche einladen kann. Sie brauchen auch deswegen einen Turm, damit die Leute von Weitem sehen, dass es die Kirche gibt.
In der bulgarischen Gemeinde in Alt-Beschenowa gibt es 33 Rosenkranzgruppen. Viele Leute sind zusammengekommen, es war sehr schön für mich, auch die Jugendliche haben von ihren Problemen erzählt und davon, dass es ihnen schwer fällt, in der Welt ihren Glauben zu leben.
Die gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Geistlichen der anderen Konfessionen hat mich ebenfalls sehr erfreut.
In Temeswar wird zurzeit die Bischofskathedrale saniert – der Hohe Dom ist also geschlossen. Wie verlaufen die Arbeiten? Wann können wir darauf hoffen, dass die Domkirche eröffnet wird?
Die Arbeiten gehen gut voran. Das ganze nächste Jahr wird noch gearbeitet. Wir hoffen, dass Ende nächsten Jahres – ich möchte kein Datum nennen – es soweit sein wird, dass wir eine Messe lesen können, auch wenn die Domkirche nicht ganz fertig saniert ist. Im Jahr 2021, wenn Temeswar Europäische Kulturhauptstadt sein wird, wird der Dom besucht werden können.
Wie viele Pfarreien zählt zurzeit die Diözese Temeswar, wie viele Priester sind hier tätig und wie groß ist der Bedarf danach?
Wir haben zurzeit 73 Pfarreien, davon haben 60 einen eigenen Pfarrer. Wir haben 91 Priester auf Papier, aber 13 sind in Rente und habe keine Pfarrei, dann haben wir 4 Priester in anderen Ländern und einen in Karlsburg, der dort Vizerektor ist, usw. Im Herbst haben wir einen Priester aus der Erzdiözese Karlsburg/Alba Iulia bekommen – er ist schon Pfarrer in Reschitza-Govândari. Wir hoffen, dass mindestens zwei-drei aus dem Ausland kommen. Bis dahin werden wir aber mit diesen Priestern, aber auch mit den Laien zusammenarbeiten. Wir haben 90.000 Katholiken im Banat, die sehr zerstreut sind. Nächstes Jahr möchten wir Fortbildungen für die Laien organisieren, die vielleicht Präoratoren oder sogar Akolythen werden können, aber das sind Pläne für die Zukunft.
Wie ist die Situation der rückerstatteten Gebäude? Was macht die Diözese Temeswar mit diesen Gebäuden?
In manchen Ortschaften haben wir leider Ruinen zurückbekommen. Wo gute Gebäude sind, nutzen wir diese auch, wie z. B. das „Gerhardinum“, wo eine Schule mit 400 Jugendlichen in Betrieb ist. Im Gebäude in der Augustin-Pacha-Straße 2 gibt es Wohnungen und ein Jugendzentrum. Deswegen haben wir eine Arbeitsgruppe gebildet, damit wir sehen, was mit den Gebäuden getan werden kann.
Gibt es für das „Gerhardinum“ ein Sanierungsprojekt?
Ständig gibt es Arbeit dort. Das „Gerhardinum“ ist jedes Jahr gewachsen, deswegen brauchen wir immer neue Klassenzimmer. Dieses Jahr wurde der Speisesaal renoviert. Jetzt arbeiten wir an der eigenen Küche. Dann haben wir für den dortigen Kindergarten Räumlichkeiten freigemacht. Vor einigen Jahren wurde dort das Dach renoviert. Wir wollen das Gebäude zunächst im Inneren sanieren, dann schauen wir weiter, was mit dem Äußeren geschieht.
Stichwort: Kirchenbeitrag. Es gibt Gläubige, die behaupten, dieser sei zu hoch. Gibt es diesbezüglich Diskussionen?
Der Kirchenbeitrag ist seit mindestens 20 Jahren in der Diözese derselbe – ein Prozent von dem Einkommen. Ich halte das für richtig, denn wenn jemand weniger verdient, dann ist das wenig, aber wenn jemand mehr verdient, dann kann er auch mehr beitragen. Wenn ich meine Kirche liebe, dann möchte ich beitragen. Und wo arme Leute sind, dort sollen wir helfen, nicht sie sollen der Kirche helfen. Z. B. in Reschitza, wo ich Pfarrer war, haben die Leute viel mehr gegeben als vorgeschrieben ist. Sie haben den Kultus bezahlt und gespendet. Wenn jemand gar nicht bezahlen will, dann haben wir auch keine Macht, diese Menschen zu bestrafen. Dann bezahlen sie eben nicht. Es ist so wie mit den Sünden: Wir bereuen unsere Sünden, doch niemand forscht, ob jemand gebeichtet oder noch Sünden hat. Vor Jahren betrug die Kirchenabgabe zehn Prozent. Es gibt Gemeinden in der Welt, wo das noch so ist. Dieser Beitrag muss aber irgendwie freiwillig sein. Ich gehöre freiwillig dieser Gemeinde an und möchte freiwillig dieser Gemeinde helfen.
Sie sind einer der Geistlichen, die schon immer sehr ökumenisch eingestellt gewesen sind. Inwiefern ist Ökumene in Ihrer Diözese ein Thema?
Hier, im Banat, sind die Leute daran gewöhnt, mit verschiedenen Nationalitäten und Konfessionen zusammenzuleben. Ich möchte die anderen respektieren, und sehe, dass auch sie mich und uns respektieren. Wo wir können, machen wir das, was erlaubt ist, zusammen. Die ökumenische Gebetswoche im Januar war sehr schön, es war eine gewisse Geschwisterlichkeit zu spüren und ich freue mich dafür. Als der evangelische Bischof Reinhart Guib von Hermannstadt ins Banat gefahren ist, bin ich gern bei der Veranstaltung dabei gewesen – ich bin für ihn dort hingekommen, denn ich möchte diese Beziehungen weiterpflegen. Sie sind Kinder Gottes und wir sind auch Kinder Gottes. Wenn wir dafür arbeiten, was Jesus uns anvertraut hat, dann sollen wir doch einander kennen, lieben und helfen.

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