In schwierigen, kritischen Zeiten meinen oft die Menschen dass Grundwerte verloren zu sein scheinen. Sie schlummern unbemerkt im Schatten des Alltags, der täglichen Aufgaben, die manchmal für viel wichtiger als sie es in Wahrheit sind, gehalten werden. Die folgenden Reihen stehen dafür, daß unser Glaube nicht erschüttert werden kann!

Heute sprechen wir mit Pfr. Reinholdt Lovasz, der aus Bakowa stammt und lange Jahren Pfarrer und Dechant in Karansebesch war. Da er schöne Kontakte zu seiner Heimatdiözese pflegt und mit uns in Verbindung steht, wollten wir uns mit ihm über diese schwierige Zeit austauschen.

Wenn wir uns einen Rückblick leisten, wenn wir in unseren Tagen, in unserem Leben vor dem Coronavirus blicken werden, werden wir feststellen, dass unsere Existenz voller, hektischer, stressiger, voller Sorgen war. Wie empfinden Sie sowohl privat, als auch in Ihrer priesterlichen Tätigkeit die Zeit der Pandemie, ihre physischen Einschränkungen und alle Begrenzungen, die wir respektieren müssen?
– Liebe Freunde, wenn ich zurückschaue, fällt mir meine Tätigkeit ein, nicht nur diese hier in Deutschland seit November 2002, sondern auch jene, die ich in meiner Heimatdiözese Temeswar  ausüben konnte, an die ich, da ich nun in den letzten Wochen etwas mehr Zeit hatte, gerne gedacht habe, da ich nämlich alte Fotos, Dias, Schwarzweiß- und Farbfotos und auch einige Videofilme digitalisiere – und wie man sehen kann gerne in Netzt stelle, auf meine Facebook-Seite und die weiteren Seiten über den Aufbau der Caritas in Karansebesch, der Kolpingsfamilie und des Klosters der Franziskanerinnen, das zum Mutterhaus nach Salzkotten (bei Paderborn) gehört.
Wir haben hier regelmäßig Gottesdienste gefeiert, mein Kollege, der neue Pfarrer, ich als Kooperator und der Kaplan, ein Franziskanerpater aus Kerala (Indien). Diese wurden verfilmt und dann ins Netzt gestellt. Außerdem konnte ich kurze Impulse erstellen und ins Netz einspeisen. Dazu kommt noch, dass ich regelmäßige Gebetsblättchen erstelle, die dann in den 7 Gottesdienststellen unserer Kirchengemeinde (drei Pfarreien) ausgelegt werden. Dadurch, dass ich in Temeswar das Lyzeum für Bildende Künste besucht (Liceu de Arte Plastice Timișoara) und bei der bekannten Grafikerin Karola Fritz angefangen habe, macht mir bis heute die graphische Gestaltung von Lied- und Gebetsblättchen, Plakaten, Leporellos usw. (auch für Hochzeiten und Taufen, oder für die Katechese) viel Freude. Alles, was ich im Lyzeum gelernt habe, kommt mir sehr zu Gute. Auch die vier Jahre Foto und Kunstgeschichte haben in diesem Zusammenhang positive Spuren hinterlassen. Ich bin sehr dankbar dafür und konnte mit diesen Kenntnissen und Fertigkeiten unserer Kirchengemeinde schon so manche Ausgaben ersparen. Wenn etwas Luft war, habe ich versucht, auch noch mein Hobby zu pflegen und habe am Familienbuch Karansebesch (Banat) gearbeitet, das ich – so Gott mir das Leben schenkt – auch noch gerne herausgeben möchte, nachdem 2017 schon das Familienbuch Bakowa erschienen ist. An Arbeit hat es also in diesen Wochen nicht gemangelt und es wird auch in Zukunft nicht mangeln, auch wenn diese Zukunft wohl in manchem ganz anders sein wird, als diese vor dem Ausbruch dieser Pandemie war. Wir werden wirklich sehen müssen, wie eine „neue Normalität“ aussieht. Hoffentlich fährt dann nicht alles in den alten Gleisen wieder hoch. Diese Pandemie könnte ein Weckruf an die Menschheit sein – um daraus zu lernen, was man nicht mehr falsch machen darf, wenn wir nicht den Ast unter den eigenen Füßen abschneiden wollen. Klimaschutz und mehr soziale Gerechtigkeit gehören dazu!
Was uns allen fehlt, das sind die Gottesdienste mit den Menschen unserer Gemeinden, die Erstkommunionen fielen aus und die Firmvorbereitung konnte auch nicht stattfinden.  Bei uns soll es ja ab Mitte Mai wieder mehr kirchliches Leben geben, doch werden diese Eucharistiefeiern, Taufen, Hochzeiten usw. anders sein, als bisher, da uns so einige Bedingungen gestellt sind, die einzuhalten wären. Nach Kirchengröße müssen die Sitzplätze ausgewiesen werden (z.B. 2 m Abstand von einander usw.) So werden in der größten Kirche (und die ist wirklich nicht klein) etwa nur 66 Sitzplätze sein, die belegt werden können. Heute Abend gibt es eine Sitzung zu diesen Vorschriften.

Was hat Ihnen Neues, sowohl im spirituellen, als auch im beruflichen Leben diese eigenartige Zeitspanne gebracht?
– Ich war schon immer dankbar für mein Leben. In diesen Wochen bin ich noch dankbarer dafür geworden. Die Natur bräuchte mehr Regen. Ich war aber auch dankbar für die Sonne und das schöne Wetter. Das war gut fürs Gemüt. So konnte ich sehr viel Zeit in meinem schönen Hof und Garten verbringen und draußen, an der frischen Luft, arbeiten. Beruflich neu sind die digitalisierten Gottesdienste, die ins Netzt gestellt werden. Dazu bestand bisher keine Notwendigkeit. Ebenso ungewohnt ist es, wenn man Kranke besucht und eine Maske tragen muss und Handschuhe und wenn Versehgänge mit voller Schutzausrüstung stattfinden sollen, falls man zu „Covid-19“-/ „Corona“-Infizierten gerufen würde. Die Ausrüstung war sehr dürftig. Zum Glück halfen mir mit Masken und Desinfektionsmitteln auch ein befreundeter Arzt aus Frankreich und seine Familie.

Wie schaffen Sie es, den Kontakt zu den Gläubigen, sowohl in der Pfarrei, als auch in den Filialen aufrechtzuerhalten? Wenn Sie das trotzdem schaffen, dann: Wie machen Sie das, konkret?
– Viele Menschen hier kann man übers Internet und telefonisch erreichen. Da auch bei Beerdigungen die Teilnehmerzahl drastisch reduziert worden ist, habe ich meine tragbare Verstärkungsanlage auf den Friedhof  mitgenommen. So konnten auch Leute, die weiter weg standen, trotzdem an der Trauerfeier teilnehmen und sowohl die Vorschriften der Behörden einhalten, wie auch ihre Verbundenheit zu den Trauerfamilien pflegen.

Etwa die ganze Fastenzeit, die Karwoche – und wir befinden uns bereits in der Osterzeit  – verbrachten wir in Isolierung, mit geschlossenen, leeren Kirchen, mit Heiligen Messen (manchmal live im Internet ausgestrahlt), die vor den leeren Bänken und kalten Wänden zelebriert wurden. Wie (er-)lebten Sie diese Aspekte, sowohl aus spiritueller, aber auch pastoraler Sicht?
– Geistlich-spirituell war das eine Teilnahme am Kreuz Jesu. Wir haben abwechselnd die Gottesdienste der Kartage vorbereitet und in Konzelebration gestaltet – mit den gebührenden Abständen – und dann sind wir auch – nach einem Wochenraster – auf die Gemeinden verteilt, wo wir auch Gottesdienste für die Ortsansässigen feiern und für die in diesen Wochen Verstorbenen beten. Die Gemeindemitglieder legen auf Zettel ihre Anliegen auf den Altar und sehr viele haben ihren Lieblingsplatz in der jeweiligen Pfarrkirche mit einem roten Herzen versehen und ihren Namen darauf geschrieben – als Zeichen dafür, dass sie mit dem Herzen dabei sind… auch wenn wir vor leeren Bänken zelebrieren mussten. Wir wussten uns so trotzdem mit den Menschen verbunden.
Die Leute konnten an Ostersonntag das Osterlicht mit nach Hause nehmen, das in der Osternacht von der gesegneten Osterkerze angezündet worden war und in allen drei Pfarrkirchen den Menschen zur Verfügung stand. Die Becherkerzen wurden den Leuten geschenkt. Wer wollte, konnte auch eine kleine Spende machen.
Der Kollege, der die Aufgabe des Pfarrers der Kirchengemeinde wahrnimmt, erstellt zusätzlich auch wöchentliche Impulse anhand des jeweiligen Evangeliums. Da die Kirchen untertags geöffnet sind, kommen die Gläubigen und holen sich diese Blättchen oder Grußkarten für sich und auch für Betagte und Kranke ab, wie auch die Gebetsimpulse, die ich erstelle, aus den örtlichen Gotteshäusern. Im Caritas-Altenheim wurde der Gottesdienst – wie auch schon vor Pandemiezeiten – auch in den Zimmern übertragen.

Was glauben Sie , in dieser Zeit Neues dazugelernt zu haben –haben Sie überhaupt etwas Neues gelernt? –welche sind die Aspekte, die Sie ändern werdenin Ihrem Leben bzw. in der Pastoration?
– Viel Neues habe ich nicht gelernt, höchstens einiges noch dazugelernt oder verbessert: z. B. das Erstellen von Video-Clips usw. mehr Kommunikation und Seelsorge über die Massenmedien. Für die Zukunft, da ja kein Mensch weiß, wie lange diese Epidemie dauert und in wie vielen Wellen sie möglicherweise zurückkehrt, wie auch die bisherigen Grippewellen, muss man sich darauf einstellen, dass man, wenn nötig – wieder strengere Maßnahmen ergreift – die ja jetzt bei uns ab Mai etwas gelockert werden (Ausgang und Resultat sind noch offen…) Wichtig ist, dass man sich auch einige Vorräte an Schutzausrüstung besorgt.
Ich fühlte mich hier nicht eingeengt. Ich konnte, wann immer ich wollte, das Haus verlassen und zu unseren Dienstgesprächen gehen (wo wir in einem großen Raum mit nötigem Abstand saßen).
Ich konnte alle nötigen Einkäufe erledigen und habe meinen schönen Hof und Garten (auch wenn er etwas wild ist) genossen. Mir tun nur die Leute leid, die zusammengepfercht mit Kindern in einer womöglich kleinen Wohnung zurechtkommen mussten. Das ging an die Substanz. Ich bedauere es auch, dass es so viele Falschmeldungen gibt und in diesen Krisenzeiten manche Menschen meinen, sie müssten die großen Hilfsangebote des Staates ausnützen und sich durch Betrug Geld unter den Nagel reißen, das anderen wirklich Bedürftigen zusteht. Da ich auch sonst allein lebe, fiel mir die Isolation nicht so schwer. Natürlich sehne ich mich auch nach mehr persönlichem Kontakt zu den hier lebenden Menschen, die uns anvertraut sind, aber auch zu meinen Freunden und Freundinnen und den wenigen Verwandten, die ich noch habe.
Nun will ich schließen. Ich war eigentlich überrascht, dass man nach unserer Meinung und Erfahrung fragt…wie dem auch sei, ich bin nach wie vor meiner alten Heimat verbunden und bin auch hier richtig zu Hause. Sonderbarerweise, obwohl ich nie richtig Ungarisch gelernt habe – betreue ich nun die ungarische Gemeinde in Mannheim.
Ich danke Gott für seine Vorsehung und empfehle mich Eurem und Ihrem Gebet, wie ich gerne auch Sie und Euch alle, die diese Zeilen lesen werden, gerne in mein Gebet mit einschließe.
Vielleicht könnt Ihr noch die Links anfügen über die man so einiges über Karansebesch, Bakowa und meine Tätigkeit als Seelsorger im Banat erfahren kann.
Seinerzeit gab es so viel Arbeit, so dass ich nicht dazugekommen bin, Pfarrchronik zu schreiben, dass versuche ich nun – soweit die Freizeit es erlaubt – über die modernen Medien nachzuholen.

– Herzlichen Dank für das Gespräch! Gottes Segen und viel Gesundheit in Ihrer Tätigkeit und Ihrem Leben!
– Herzliche Grüße und Segenswünsche!

Pfr. Reinholdt Lovasz
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Bakowa / Bacova/  Bachovár / Bakovár
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Franziskanerinnen Karansebesch
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