In schwierigen, kritischen Zeiten meinen oft die Menschen dass Grundwerte verloren zu sein scheinen. Sie schlummern unbemerkt im Schatten des Alltags, der täglichen Aufgaben, die manchmal für viel wichtiger als sie es in Wahrheit sind, gehalten werden. Die folgenden Reihen stehen dafür, daß unser Glaube nicht erschüttert werden kann!

Heute sprechen wir mit Pfr. Gábor Czank, der aus umserer Diözese stammt und Wurzeln, bzw. viele Freunde und Bekannte in Arad-Schega, Petschka, Turnu und Iratoș hat. Er war von 1994 bis 1998 Schüler des Römisch-Katholischen Lyzeums Gerhardinum in Temeswar und begann danach seine theologischen Studien in Alba Iulia/ Karlsburg. Diese beendete er in Segedin, wo er zum Priester der Schwesterdiözese Segedin-Tschanad geweiht wurde. Pfr. Czank war eine Zeit lang Seelsorger in Mako, pflegt aber schöne Kontakte zu seiner Heimatdiözese, zu den Priestern und Gemeinden unserer Gegend und steht mit uns in Verbindung, bzw. hilft uns öfters in der Pressearbeit. Zur Zeit ist er als Pfarrer in Gyomaendrőd tätig und kümmert sich um das spirituelle Leben weiteren drei Gemeinden. Er ist bekannt unter seinen Facebook-Freunden – und nicht nur – für seine wundervollen Zeichnungen aus dem Alltag, bzw. aus dem religiösen Leben der Deutschen und Ungarn des Banats, vom Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Vor einigen Wochen sprachen wir mit Pfr. Czank und tauschten uns über diese, jetzige schwierige Zeit aus. Diese Gedanken teilen wir hiermit auch mit den lesern unserer Homepage.

Wenn wir uns einen Rückblick leisten, wenn wir in unseren Tagen, in unserem Leben vor dem Coronavirus blicken werden, werden wir feststellen, dass unsere Existenz voller, hektischer, stressiger, voller Sorgen war. Wie empfinden Sie sowohl privat, als auch in Ihrer priesterlichen Tätigkeit die Zeit der Pandemie, ihre physischen Einschränkungen und alle Begrenzungen, die wir respektieren müssen?
– Als Privatperson und Pfarrer genau wie als Bürger und Christ glaube ich, dass es meine Pflicht ist, die durch die Epidemie verursachten Einschränkungen und Vorschriften einzuhalten. Diese wurden nicht zum Spaß oder zur Belustigung von engagierten Ärzten und Wissenschaftlern erfunden, denn wir haben es in den italienischen und spanischen Beispielen gesehen, wie viele Menschenleben es kostet, wenn man die Epidemie auf die leichte Schulter nimmt. Die Ausgangsperre beizubehalten, die Maske zu tragen oder einfach zu akzeptieren, seit anderthalb Monaten in einer leeren Kirche die hl. Messe zelebrieren – damit zeige ich Verantwortung und kümmere mich um meine und um die Gesundheit meiner Mitmenschen.

Was hat Ihnen Neues, sowohl im spirituellen, als auch im beruflichen Leben diese eigenartige Zeitspanne gebracht?
– Ich habe mehr Zeit für Dinge, für die ich normalerweise nicht mehr viel Energie habe, während ich mich um vier Pfarreien kümmere. Ich bete und meditiere viel. Ich habe Zeit für die „Perlen“ der katholischen Spirituellen Literatur, die ich seit meiner Zeit als Kaplan/ Pfarrvikar nicht mehr oder kaum gelesen habe, z.B. die Briefe der Hl. Theresa der Großen – die „Innere Burg“, die „Bekenntnisse“ des Hl. Augustinus, die Briefe der Hl. Theresa von Lisieux und die des hl. Pater Pio, die Predigen von Ottokar Prohaszka, usw. Ich habe mehr Zeit um eine Predigt zu entwerfen. Darüber hinaus konnte ich den Mangel an Verwaltungsarbeit ausgleichen, z.B. die Führung der Historia Domus oder die aktualisierung der Tauf-, Ehe- und Sterberegister. Ein älterer Mitbruder sagte einmal: „Im Alter haben wir bereits Zeit, die Gebete nachzuholen, die wir in unserem Leben verpasst haben!“ Genau das ist während der Epidemie passiert!

Wie schaffen Sie es, den Kontakt zu den Gläubigen, sowohl in der Pfarrei, als auch in den Filialen aufrechtzuerhalten? Wenn Sie das trotzdem schaffen, dann: Wie machen Sie das, konkret?
– Die Technologie unserer Zeit hat jetzt sehr geholfen. Wir konnten täglich hl. Messen und Andachten über das Internet übertragen, die – Gott sei Dank – viele unserer Gläubigen verfolgten. Weit mehr Menschen sehen sich über die Woche und die Sonntagsmessen an, als wenn sie in die Kirche kämen… Von zu Hause – Petschka, Iratoşu; Turnu – wo meine Verwandten und Freunde leben, haben sich viele Menschen eingeschaltet und feedback gesendet. Selbst wenn wir uns in einer schwierigen Zeit befinden und der Mangel an persönlichen Begegnungen immer qualvoller wird, galube ich, dass die Beziehung zwischen mir und meine Gläubigen nicht unterbrochen wurde. Ohne das Internet, Facebook, Smartphones wäre es viel schwieriger gewesen.

Etwa die ganze Fastenzeit, die Karwoche – und wir befinden uns bereits in der Osterzeit  – verbrachten wir in Isolierung, mit geschlossenen, leeren Kirchen, mit Heiligen Messen (manchmal live im Internet ausgestrahlt), die vor den leeren Bänken und kalten Wänden zelebriert wurden. Wie (er-)lebten Sie diese Aspekte, sowohl aus spiritueller, aber auch pastoraler Sicht?
– Anfangs war es ein sehr ungewöhnliches und sogar schlechtes Gefühl. Wie ich bereits erwähnte, sendete ich die hl. Messe vom ersten Tag an „online“, aber es war schmerzlich seltsam, in einer leeren Kirche zu predigen. Die Ritualen der Karwoche waren auf diese Weise besonders schmerzhaft – und gerade am Gründonnerstagsabend während des Gottesdienstes, kam mir der Gedanke, dass Jesus in einer Zeit völliger Einsamkeit etwas Ähnliches empfunden hat, als er die, die er liebte, nicht um sich sehen konnte. Mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt, aber ich freue mich wirklich darauf, meine Gläubigen wieder in den Bänken zu sehen.

Was glauben Sie , in dieser Zeit Neues dazugelernt zu haben –haben Sie überhaupt etwas Neues gelernt? –welche sind die Aspekte, die Sie ändern werdenin Ihrem Leben bzw. in der Pastoration?
– Etwas Neues? Vielleicht könnten wir wieder entdecken, wie zerbrechlich und vergänglich dieses irdische Leben ist. Der Mensch des 21. Jahrhunderts fühlt sich allmächtig, und siehe da, ein unsichtbarer winziger Virus hat die ganze Welt in die Knie gezwungen. Persönlich hätte ich vielleicht besser verstehen oder akzeptieren können, dass wir uns an nichts Irdisches festhalten sollen, denn selbst eine solche Epidemie kann uns in wenigen Tagen ins Grab bringen, und hier bleibt alles, wofür wir gekämpft haben oder woran wir krampfhaft festhalten… Ich denke, dieser Zustand lenkt die Aufmerksamkeit der Menschen ein wenig mehr auf den Himmel. Und ich kann wirklich nur diejenigen ernsthaft bedauern, die selbst jetzt Ihre Hände nicht zum Gebet halten können. Vielleicht werden wir von nun an einander, unseren Familienmitgliedern, unseren Lieben, unseren Gläubigen mehr Aufmerksamkeit schenken. Ich hoffe, wir werden die persönlichen Begegnungen und guten Gespräche besser zu schätzen wissen, anstatt fernzusehen oder im Internet zu surfen. Wir besuchen vielmehr Familienmitglieder, Verwandte, Freunde oder sogar unsere Mitbrüder. Es gibt solche „gute Vorsätze“ in mir…

Herzlichen Dank für das Gespräch! Gottes Segen und viel Gesundheit in Ihrer Tätigkeit und Ihrem Leben!