Die Rumänen sind dankbar. Das konnte man in den letzten Wochen in vielerlei Hinsicht beobachten. Sei es, dass sie sich an die Mediziner, Einsatzkräfte, Kuriere oder die einfachen Angestellten an der Kasse im Supermarkt wandten: Der Dank nahm unterschiedliche Formen an. Insbesondere der Arzt-Beruf gewann während der Coronavirus-Pandemie an Anerkennung – das Comic-Bild, auf dem Superman, Spiderman, Batman & Co nun auch einen Arzt in ihrem Club der Superhelden willkommen heißen, kreiste weltweit in den sozialen Medien. Tausende von rumänischen Bürgern boten sich freiwillig an, um den Medizinern an vorderster Front durch Sachspenden zu helfen, sie stellten ihre Wohnungen dem Krankenhauspersonal, das sich fern der eigenen Familie isolieren wollte, kostenlos zur Verfügung oder trugen mit unterschiedlichen Geldbeträgen zur Ausstattung der rumänischen Spitäler bei. Auch in Temeswar konnten verschiedenartige Dankesbotschaften für die Menschen an vorderster Front bewundert werden. „Wir danken den Mitarbeitern des Rettungsdienstes“, „Wir danken den Helden in Kitteln“, „Liebe für die vorderste Front“: Dies sind nur einige der Botschaften für jene Menschen aus Temeswar, die in der Corona-Pandemie das Leben aufrechterhalten. Die Bürger bewiesen in den vergangenen zwei Monaten, in denen in Rumänien Notstand herrschte, ihre Dankbarkeit jenen gegenüber, die an vorderster Front im Kampf gegen das Coronavirus stehen. Insbesondere den Medizinern des „Victor Babeș“-Krankenhauses für ansteckende Krankheiten wurde in der Stadt an der Bega gedankt. Es war eine der ersten Dankesbotschaften in Temeswar: Am Salvatorianer Kloster in der Elisabethstadt/ Elisabetin hing bereits Anfang März ein riesengroßes Banner mit der Aufschrift: „Liebe Ärzte, Krankenschwestern und Leute an vorderster Front: Wir unterstützen euch, wir schätzen euch und wir beten für euch! Vielen Dank für euren Einsatz“. Die Idee, eine solche Botschaft aufzuhängen, hatten die Bewohner des Salvatorianer- Klosters – die Patres Nikola Lauš, István Barazsuly, Martin Gál und Thomas Runggaldier, sowie der Bruder Sorin Vrânceanu. Auf einem weißen Stück Stoff hatten die Geistlichen die Dankesbotschaft für die Mediziner gesprüht. Das Stoffbanner hing rechts über dem Haupteingang in das Salvatorianer-Kloster, in der Straße des 1. Dezembers 1918, gleich gegenüber der ADZ/BZ Lokalredaktion. Auch am Temeswarer Nordbahnhof erschienen im April zwei Werbebanner mit Unterstützungsbotschaften für das Krankenhauspersonal. Das eine Plakat, das direkt am Bahnhofsgebäude hängt, drückt den Dank an die „Helden im Kittel“ aus, das andere Plakat, unmittelbar neben der Tram-Haltestelle vor dem Bahnhof, richtet sich an die Mitarbeiter des Rettungsdienstes, die bei ihrem Job am meisten einer Ansteckung mit dem Coronavirus ausgesetzt sind. Auch an der Kreuzung des Liviu-Rebreanu-Boulevards mit der Ulpia-Traiana Straße ist ein Plakat mit einer Dankesbotschaft angebracht. Die deutsche Übersetzung der Message: „Wir danken euch, liebe Ärzte“. Auch andere Gesten des Dankes machten die Bürger von Temeswar in der Corona-Krise. Auf Initiative des Europäischen Kulturhauptstadtvereins „Temeswar 2021“ ließen die Bürger am 8. April abends ihre Laternen an den Fenstern leuchten – zum Zeichen der Unterstützung für die Mediziner, die unermüdlich gegen das Coronavirus ankämpfen, aber auch zum Zeichen der Hoffnung, dass bald alles wieder gut wird. Am selben Abend gesellten sich Polizei, Gendarmerie und Feuerwehr zur Initiative des Kulturhauptstadtvereins und fuhren mit eingeschalteten Blinklichtern vor das „Victor Babeș“ Krankenhaus, um den Medizinern ihre Solidarität zu bekunden. Ein besonderer Moment ereignete sich Anfang Mai im Hof des Babeș-Spitals: Zwei Straßenmusiker aus Temeswar brachten ihr Klavier und ihre Gitarre mit und spielten Dutzende Minuten lang für die Angestellten jenes Krankenhauses, an dem die meisten COVID-19-Patienten in Rumänien, fast 500 an der Zahl, geheilt wurden. Die Mediziner verfolgten, eingemummt in ihrer Schutzkleidung, mit viel Freude das Open-Air-Konzert der beiden Musiker. Auch aus der Luft kam der Dank in Temeswar: Ende April zog ein Kleinflugzeug minutenlang einen riesiges Banner mit einem roten Herz und der Aufschrift „LINIA ÎNTÂI“ (deutsch: Vorderste Front) hinter sich her – das Luftspektakel bei hellem Himmel sahen sich zahlreiche Bürger an, die Fotos davon schossen und sie auf Facebook veröffentlichten. Alltagsmenschen wurden in der Corona Krise zu Helden. Ihnen können die Temeswarer nun mit selbst aufgenommenen Videobotschaften danken, die sie dann an den Kulturhauptstadtverein über contact@timisoara2021.eu bis heute, 26. Mai schicken. Am 29. Mai, dem Europäischen Tag des Nachbarn, sollen alle Videobotschaften auf der Facebook-Seite „Timișoara 2021“ veröffentlicht werden. Des Dankes kann in solch schwierigen Zeiten nie genug sein.
Raluca Nelepcu
(Erschienen in: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, 28. Jahrgang/Nr. 6851 Bukarest, Dienstag, 26. Mai 2020, S. 3.)