Der 2. August ist seit Jahren ein festes Datum im Kalender der Banater Deutschen katholischen Glaubens. Dann findet nämlich jedes Jahr die sogenannte „Deutsche Wallfahrt“ nach Maria Radna statt. Die Basilika am rechten Marosch-Ufer füllt sich wieder mit Leben, wenn die Banater Schwaben zur Mutter Gottes heimkehren, um zu beten. Vor zehn Jahren wurde die „Deutsche Wallfahrt“ durch Altbischof Martin Roos ins Leben gerufen – und soll auch in diesem Jahr, auch wenn in einem viel kleineren Rahmen, erneut veranstaltet werden. Am Sonntag, dem 2. August, beginnen die Feierlichkeiten um 10.30 Uhr in der imposanten Wallfahrtskirche, das traditionelle Marienlieder-Singen steht ganz zu Beginn auf dem Programm. Es folgt ein Pontifikalamt mit Bischof Josef Csaba-Pál um 11 Uhr, wobei die Festpredigt der Jubilarpriester Martin Jäger aus Anina halten wird. Nach der Mittagspause geht es um 14.30 Uhr weiter mit einer Kreuzwegandacht am Wallfahrtsberg hinter der Kirche. Anschließend besteht die Möglichkeit für die Besucher, das Klostermuseum und das touristische Infozentrum von Maria Radna zu besuchen.
Die Coronavirus-Pandemie hat Kirchentore weltweit monatelang geschlossen gehalten, und auch in Rumänien war die Situation nicht anders. Nach der Aufhebung des Nostandes konnten wieder Heilige Messen unter Einhaltung der geltenden Hygiene- und Abstandsregeln zelebriert werden. Die katholischen Gläubigen aus dem Banat begannen, wieder in die Kirche zu gehen. Die obligatorische Mundschutzmaske tragend und in Abständen von mindestens eineinhalb Metern voneinander sitzend, wohnten sie erneut den Gottesdiensten bei, in denen beim Friedensgruß kein Händereichen mehr gestattet ist. Auch in Radna wird es am kommenden Sonntag ähnlich zugehen, denn das Bistum Temeswar besteht auf der Einhaltung aller Maßnahmen, die zum Vorbeugen der Coronavirus-Verbreitung eingeführt wurden. Zwar wird es diesmal nur eine sehr geringe Beteiligung der Schwaben aus dem Ausland geben, dennoch sollen die hiergebliebenen Deutschen gemeinsam zur Mutter Gottes beten können. Das Zusammengehörigkeitsgefühl – das durch die Corona-Krise zu leiden hatte – soll dadurch wieder gestärkt werden. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl war auch einer der Gründe, weshalb 2011 erstmals wieder eine Deutsche Wallfahrt nach Radna organisiert wurde. Vor der massiven Auswanderung der Banater Schwaben hatte es schon mal solche Wallfahrten gegeben, und 2011 galt es, diese wiederzubeleben, zumindest um zu testen, wie groß das Interesse der deutschsprachigen Gläubigen dafür sei. Das ursprüngliche „Experiment“ erwies sich als sehr erfolgreich: Jahr für Jahr beteiligten sich immer mehr Deutsche an der „Deutschen Wallfahrt“, mit Bussen aus Österreich oder Deutschland reisten viele an, um in Maria Radna ein Stück „alter Heimat“ wiederzufinden. Besonders impliziert war die Landsmannschaft der Banater Schwaben aus Deutschland, deren Mitglieder in hoher Zahl der Deutschen Wallfahrt beiwohnten. „Radna erwies sich als spezieller Ort im Herzen der Deutschen, auch wenn die meisten von ihnen heute nicht mehr im Banat leben“, sagt Claudiu Călin, Archivar der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar. Der 2. August ist ein spezifischer Festtag des Franziskanerordens: Dann wird nämlich das Portiunkula-Fest begangen. Dieses Fest geht zurück auf die Gewährung eines Ablasses für den Besuch der kleinen Kirche „Santa Maria degli Angeli“ (deutsch: „Unsere liebe Frau von den Engeln”), die vom Heiligen Franziskus von Assisi nahe seiner Heimatstadt benutzt wurde. Franziskus nannte sie „Portiunkula” („kleiner Teil”), und baute daneben zunächst bescheidene Hütten, woraus später ein Haus und das Stammkloster der Franziskaner wurde. Papst Honorius III. bewilligte diesen Ablass auf Bitten von Franziskus im Jahr 1223 auf ewige Zeiten, und setzte ihn auf den 2. August fest. „Dieses Fest der Portiunkula wurde immer auch in Radna gefeiert, da Radna bis 2003 ein Franziskanerkloster war. Einschließlich deutsche Gemeinschaften hatten an jenem Tag Wallfahrten nach Radna unternommen, deswegen wurde der 2. August für eine ´Deutsche Wallfahrt´ gewählt“, erklärt Diözesanarchivar Claudiu Călin.
In diesem Jahr werden auch 500 Jahre, seitdem in Radna die erste Kapelle errichtet worden ist, begangen. Es ist auch 200 Jahre her, seitdem die Kirche durch Kardinal Alexander von Rudna konsekriert wurde. Dazu sollen größere Feierlichkeiten am 15. August, an Mariä Himmelfahrt, stattfinden. „Maria Radna ist auch für mich ein besonderer Ort, zu dem ich immer mit meinen Großeltern gefahren bin, vor allem am 15. August. Die Deutschen, aber auch die Rumänen fuhren vor allem am 15. August nach Radna, und die ungarischsprachigen Gläubigen eher am 8. September“, erinnert sich Claudiu Călin, der selbst zu den Banater Berglanddeutschen gehört. Eine Gruppe Deutscher aus dem Banater Bergland wird auch in diesem Jahr bei der „Deutschen Wallfahrt“ in Radna dabei sein – für den Vorsitzenden des Berglandforums, Erwin Josef Țigla, ist die Deutsche Wallfahrt eine Veranstaltung, die er sich nicht entgehen lässt. „Viele sagen, Maria Radna sei das Herz der Diözese Temeswar. Genauso wie das Herz unseren Körper am Leben hält, so flößt auch Radna neuen Glauben in unsere Seelen ein“, sagt der Diözesanarchivar.
Da in diesem Jahr die meisten ausgewanderten Deutschen bei der Deutschen Wallfahrt in Radna nicht dabei sein können, soll der Festgottesdienst in Echtzeit auf „Facebook“ übertragen werden. Seit Beginn der Corona-Krise werden die meisten Gottesdienste im sozialen Netzwerk gesendet, trotz Aufhebung der Restriktionen wurde diese Initiative weiterhin aufrechterhalten. Das Pontifikalamt von Josef Csaba-Pál wird also auf der Facebook-Seite der Radnaer Wallfahrtskirche, „Basilica Maria Radna“, gesendet.

Raluca Nelepcu
(Erschienen in: Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien, Bukarest, 28. Jahrgang/Nr. 6894 Dienstag, 28. Juli 2020, S. 3)