Über die Entstehung des katholischen Gebet- und Gesangbuches „Gotteslob“, mit dem Anhang für Rumänien vor 50 Jahren
Von Dr. Franz Metz
(Teil 1)
Das deutsche Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“, als Ausgabe für Rumänien, umhüllt mit einem braunen Einband, erschien 1978 in einer Auflage von etwa 20.000 Exemplaren. Eigentlich sollte es heißen: Ausgabe für die Diözese Temeswar. Doch dies war in der damaligen Zeit des „glorreichen rumänischen Sozialismus“ nicht erlaubt und nicht möglich. (da die Diözese 1948 vom kommunistischen Regime aufgelöst und auf das Niveau eines „Protopopiat“ (Dekanat) herabgestuft worden war – Anm. d. Red.). Der Stammteil ist der gleiche wie im Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“, das seit Anfang der 1970er Jahre in allen deutschsprachigen Ländern Europas Verwendung fand, doch der Anhang wurde diesmal für die Banater Schwaben und für die Banater Berglanddeutschen zurechtgelegt. Gedruckt wurde es in Deutschland im Auftrag des Deutschen Caritas-Verbandes Freiburg und versendet von der Druckerei in Kevelaer nach Temeswar/ Timișoara. Es hat einen abenteuerlichen Weg zurückgelegt, bis es in die Banater Städte und Dörfer gelangte. Und jene Gläubigen, denen es gewidmet war, saßen bereits auf ihren Koffern, um die Ausreise anzutreten…
Der steinerne Weg des Gebet- und Gesangbuches
Wir schreiben das Jahr 1975. Für die Gesellschaft in Rumänien bedeutete dies eine Tauwetter-Zeit in Politik und ein etwas bemerkbarer Fortschritt in der Wirtschaft. Dies muss natürlich relativ verstanden werden, denn es sind nur knapp zehn Jahre vergangen, seitdem die letzten katholischen Priester und Bischöfe aus den berüchtigten Gefängnissen entlassen wurden und 14 Jahre, seitdem die letzten Rumäniendeutschen aus der Deportation aus der Sowjetunion nach Hause kamen. (Allerdings gab es auch in den 70er Jahren vereinzelte Verhaftungen – Anm. d. Red.). Noch näher in Erinnerung war damals die Zeit der Deportation vieler Familien aus dem Banat in die Bărăgan-Steppe. Danach wurden durch den deutschen Staat einige geistliche Würdenträger, Ordensleute und einige relevantere politische Personen christlich-demokratischer Orientierung für das Deutschtum in Rumänien vom rumänischen Staat mit horrenden Summen abgekauft (eigentlich durch Kauf befreit – Anm. d. Red.). Auch die misslungene Einmischung des rumänischen Staates in die inneren Angelegenheiten der römisch-katholischen Kirche durch die Politik der sogenannten „Friedenskirche“ („Die patriotische Kirche“ – eigentlich ein Konstrukt, das mit dem chinesischen identisch sein sollte, aber von Anfang an zum Scheitern verurteilt war – Anm. d. Red.) gehörte ebenfalls bereits der Vergangenheit an. Staatspräsident Nicolae Ceaușescu wurde damals von vielen westlichen Staaten hofiert und zu Staatsbesuchen eingeladen. All dies führte dazu, dass die rumänische Politik gegenüber den Kirchen in Rumänien eine relative Entspannung der Situation bewirkte. Dies galt besonders der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche gegenüber, also den Kirchen der deutschen Minderheiten dieses Landes im Banat und in Siebenbürgen. Die griechisch-katholische Kirche war ja, wie in allen Ostblockstaaten, seit 1948 verboten und der rumänische Staat übte geschickt eine Hinhaltetaktik gegenüber dem Heiligen Stuhl aus. Es gab zwar noch kein Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem kommunistischen rumänischen Staat, aber man zeigte sich loyal gegenüber ausländischen Kirchenvertretern wie z.B. dem Erzbischof aus Wien oder bestimmten Kardinälen aus Rom. Auch die deutschen Hilfen durch die Caritas für Priester und kirchliche Angestellte wurden zugelassen. Eigentlich war es die Ruhe vor dem Sturm, denn diese Entspannungspolitik entwich bald harten Restriktionen und diese führten schließlich 1989 zum Sturz der Regierung. Während der gesamten Dauer des kommunistischen Regimes war die römisch-katholische Kirche in Rumänien die einzige historische Glaubensgemeinschaft, die keinen anerkannten, gesetzlich geregelten Status in Bezug auf den Staat hatte (Anm. d. Red.).
In diese Zeit der relativen Entspannungspolitik fiel auch die Entstehung eines neuen deutschen Gebet- und Gesangbuches für die deutschsprachigen Katholiken Rumäniens. Infolge des Zweiten Vatikanischen Konzils entstand im deutschsprachigen Raum Europas 1972 das neue Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“. Jede Diözese und Erzdiözese bekam außerdem die Möglichkeit, einen eigenen Anhang für ihr Bistum zusammenzustellen. Bereits im Jahre 1970 ließ die Temeswarer kirchliche Oberbehörde (die vom Staat nicht als Diözese/Bistum anerkannt war und daher nur mit diesem Begriff bezeichnet werden konnte, der der kirchlichen Realität entsprach – Anm. d. Red.) die neue Messordnung in deutscher Sprache drucken: „Die Feier der Gemeinschaftsmesse“. Dieses kleinformatige Heft besteht nur aus 16 Seiten und enthält die Texte und Gebete der Gemeinde in deutscher Sprache. Dies war notwendig, da durch die Beschlüsse des Zweiten Vatikanums die bisherige lateinische Sprache durch die eigene Muttersprache ersetzt wurde. (Eigentlich wurde die Feier in der Volkssprache erlaubt, wobei Latein weiterhin die offizielle Sprache der Kirche blieb und auch liturgisch verwendet werden durfte – Anm. d. Red.). Gleichzeitig erschien ein ähnliches Büchlein der kirchlichen Oberbehörde in ungarischer Sprache. Trotzdem hielt man im Banat weiterhin in vielen städtischen Kirchen mit einer gemischtsprachigen Bevölkerung an der lateinischen Sonntagsmesse fest. So konnte kein Streit zwischen den einzelnen Nationalitäten entstehen.
Bis etwa 1976 wurden die Gottesdienste in den größeren städtischen Pfarreien des Temeswarer Bistums nur in deutscher und ungarischer Sprache gehalten, in anderen dörflichen Gemeinden in deutscher, ungarischer, kroatischer, slowakischer, tschechischer, rumänischer oder bulgarischer Sprache, je nach örtlichen Begebenheiten. Die ersten Gottesdienste in rumänischer Sprache wurden im Temeswarer Bistum erst nach 1980 schrittweise eingeführt. Natürlich warteten auch die deutschen Vertriebenen, Geflüchteten und Aussiedler in Deutschland auf die Beachtung ihrer Rechte und sehnsüchtig harrte man darauf, ihrem kirchlichen Liedgut einen würdigen Platz im neuen Gesangbuch einzuräumen. Doch diese Erwartungen waren vergebens. Seitens der Donauschwaben wendete sich um 1970 der Volksliedforscher Konrad Scheierling (1924-1992) an die „Gotteslob“- Kommission mit der Bitte, auch einige deutsche Kirchenlieder aus dem südosteuropäischen Siedlungsraum aufzunehmen. Auch dies würde ein Zeichen der Akzeptanz dieser Volksgruppe in der deutschen Gesellschaft setzen. Besonders nach 1945 hatten die Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien großes Leid zu ertragen und wurden letztendlich vertrieben. Seine Klage aber blieb ungehört. Fast gleichzeitig erschienen in Rumänien zwischen 1974 und 1978 zwei neue deutsche Kirchengesangbücher: 1974 das „Gesangbuch der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in der Sozialistischen Republik Rumänien“ und 1978 das „Gotteslob. Katholisches Gebet- und Gesangbuch. Ausgabe für Rumänien“. Obzwar dies sehr offiziell klingt, war ihre Entstehung sehr einfach: das evangelische Gesangbuch war gedacht für die Siebenbürger Sachsen und das katholische „Gotteslob“ für die Banater Schwaben und die Banater Berglanddeutschen.
Die Auswahl der Banater Kirchenlieder
Die Diözese Temeswar, eine der drei Nachfolgediözesen des alten historischen Bistums Csanád (Tschanad), hatte seit dem Tod des Bischofs Dr. Augustin Pacha keinen eigenen Oberhirten mehr und Dr. Adalbert Boros wurde als Bischof durch den rumänischen Staat nicht anerkannt (Nach 1990 verlieh ihm der Heilige Stuhl den Titel eines Erzbischofs ad personam – Anm. d. Red.). Das Bistum Temeswar wurde durch den Staat nur noch als Dekanat („Protopopiat“) anerkannt. Geleitet wurde dieses Bistum durch eine „kirchliche Oberbehörde“, an der Spitze mit einem Ordinarius substitutus (Msgr. Konrad Kernweisz, 1913-1981) – vom Staat nur mit dem Titel Protopop anerkannt (Anm. d. Red.) – und einem Generalvikar (Dr. Ferdinand Cziza). Im Jahre 1983 wurde zum neuen Ordinarius Msgr. Sebstian Kräuter (1922-2008) ernannt. Die Zusammenarbeit zwischen der kirchlichen Oberbehörde in Temeswar und den Vertretern des Staates erwies sich damals als sehr komplex und nicht gerade vertrauensvoll. Aber man musste sich damit abfinden und das Beste daraus machen. Nachdem um 1974 einige wenige Exemplare des neuen Gebet- und Gesangbuches „Gotteslob“ inoffiziell ins Land gebracht wurden, fragte man seitens der Leitung der Freiburger Caritasverbandes in Temeswar nach, ob ein Interesse bestünde, auch ein neues „Gotteslob“ mit einem Anhang für die Diözese Temeswar herauszubringen. Damals wirkte Dr. Hans Weresch (1902-1986), der aus dem Banat stammte, beim Freiburger Caritasverband. Vermutlich hat er auch die Initiative für dieses neue Gesangbuch ergriffen. Jedenfalls wurde Ordinarius Konrad Kernweisz angefragt wegen der Auswahl der etwa 50 Kirchenlieder aus dem Banat, die als Anhang zum „Gotteslob“ veröffentlicht werden sollen. Dieser hat sich bei Msgr. Ferdinand Hauptmann erkundigt, der damals Pfarrer der Temeswarer Innenstadt war und als ein guter Kenner der Kirchenmusik galt. Man hat die etwa 50 Lieder aus dem letzten Gebet- und Gesangbuch der Diözese Temeswar aus dem Jahre 1927 ausgesucht, die damals durch Prof. Hans Eck (1899-1965) zusammengestelltwurden. Die Lieder des neuen„Gotteslob“ mit dem „Anhang für Rumänien“ wurden neu gesetzt und das gesamte Gesangbuch im Verlag Butzon & Bercker in Kevelaer veröffentlicht. Die Auswahl dieser im Banat verbreiteten Kirchenlieder übernahm letztendlich Ordinarius Konrad Kernweisz. Wie in fast allen Banater Gesangbüchern wird die Reihe der Messgesänge mit dem „Deutschen Hochamt“ von Johann Michael Haydn eröffnet, gefolgt von der „Deutschen Messe“ von Franz Schubert. Es folgen zwei weitere Messen wie auch einige Messlieder, die man meist in Werktagsgottesdiensten gesungen hat. Leider fehlen bei sämtlichen Kirchenliedern dieses Anhangs für Rumänien die Quellen (Komponist, Verfasser des Textes). Einige der hier vorhandenen Lieder sind im Banat entstanden, andere, wie z.B. das Weihnachtslied Nr. 817 („Ehre sei Gott in Himmelshöhen“) wurde aus dem ungarischen Weihnachtslied „Mennyböl az angyal“ übernommen.
20.000 Gesangbücher auf dem Weg nach Temeswar
Von deutscher Seite aus war dadurch dieses Problem geklärt. Laut den Zolldokumenten aus dem Jahre 1978 – aufbewahrt im Diözesanarchiv der römisch-katholischen Diözese Timișoara und für die Erstellung dieses Artikels zur Verfügung gestellt (Anm. d. Red.) – erfahren wir, dass der Versand aus Deutschland im Auftrag des Deutschen Caritasverbandes Freiburg geschah, vermittelt durch Dr. Hans Weresch. Die Sendung bestand aus 24 Paletten mit einem Gewicht von 10,5 Tonnen. Laut den Akten der rumänischen Zollbehörde vom 27.2.1979 enthielt diese Sendung knapp 20.000 Exemplare des Gebet- und Gesangbuches „Gotteslob“ und 200 Exemplare des dazugehörenden Orgelbuches, mit einem Gesamtwert von 54.600 DM. In einem anderen Dokument wird erwähnt, dass die Sendung 11.000 Exemplare des deutschen „Gotteslob“ enthält für die Gläubigen deutscher Nationalität und 2000 Gebetbücher und Katechismen in kroatischer Sprache für die Gläubigen kroatischer Nationalität. Die ganze Sendung musste, laut rumänischem Zollamt, in einem sicheren, geschlossenen und versiegelten Raum untergebracht werden, bis die Zollbehörde die ganze Lieferung untersucht und abgenommen hat. Ob nun tatsächlich die riesige Summe an Zollgebühren bezahlt wurde, oder ob die Sendung zollfrei übernommen werden konnte, bleibt bis heute ungeklärt. So gelangte schließlich das neue „Gotteslob“ mit dem „Anhang für Rumänien“ letztendlich nach Temeswar.
(Teil 2)
Werbung für das „Gotteslob“
Am 1. März 1979 wendete sich Ordinarius Konrad Kernweisz mit einem Schreiben an seine Priester und Gläubige, mit welchem er das neue Gebet- und Gesangbuch ankündigte, das nun endlich auch im Banat vorlag: „Gotteslob, das katholische Gebet- und Gesangbuch liegt endlich auf und kann hier übernommen werden. Es wird nicht per Post zugestellt. Es wird mit 40 Lei das Stück verkauft. Das dazugehörende Orgelbuch wird mit 250 je Stück nur an Pfarreien verkauft. Der Erlös soll zur Renovierung unseres Domes verwendet werden, der so gut wie über kein Einkommen verfügt. (…) Der Gesangteil wird uns zunächst noch fremd sein. Begegnen wir ihm jedoch nicht mit Vorurteil. Viele Psalmen und Bibeltexte sind in ihm aufgearbeitet. Der Anhang vom Gotteslob enthält aus unserem alten Diözesangesangbuch einiges Liedgut, das wir weiterpflegen wollen. Das Neue soll zum Alten hinzuwachsen. Was wir im Gesangteil der erneuerten Liturgie bisher vielleicht vernachlässigt haben, wie z.B. Eingangslied beim Einzug des Priesters, Kyrieruf, Zwischengesänge, Allelujaruf usw. soll jetzt nachgeholt werden. Bleiben wir bei der Erneuerung der Liturgie nicht auf halbem Weg stehen. Der Gehorsam der Kirche und ihren Vorschriften gegenüber verlangt mehr von uns. Begnügen wir uns nicht mit dem ‘Kleinen Gehorsam’ der die Vorschriften nur äußerlich einhält. Bemühen wir uns um den ‘Großen Gehorsam’, d.h. um innere Zustimmung und Bereitschaft, um ein Wort des verstorbenen Hl. Vaters Johannes Paul I. zu gebrauchen, das er an die Priester Roms gerichtet hat. ‘Gotteslob’ – also von ganzem Herzen, denn die lebendige Kirche soll ihrem Wesen nach eine Gemeinschaft zum Lobe Gottes sein!“ Ein knappes Jahr später wendete sich Ordinarius Konrad Kernweisz wieder an seine Gläubigen mit der Bitte und dem Aufruf, das neue deutschsprachige Gesangbuch „Gotteslob“ in den Gemeinden und in den Familien des Banats einzuführen: „Nochmals muss ich zurückkommen auf die Verbreitung und Benützung von ‘Gotteslob’ als wesentliches Hilfsmittel in unserer Seelsorge. Wir sind vielfach beim Liedteil gestolpert und stecken geblieben. Der Liedteil wird uns fremd bleiben, so lange er unangetastet bleibt, da unsere Kantoren kaum den Anhang beherrschen, da man es seinerzeit versäumt hat, das Diözesangebet- und Gesangbuch verpflichtend einzuführen. Der Fehler von damals darf sich jetzt nicht wiederholen. Übrigens will ich hier nicht so sehr vom Liedteil sprechen, als vom Gebets- und belehrenden Teil. ‘Gotteslob’ ist das einzige Gedruckte, was wir den Gläubigen an religiösem Material bieten können. Wo das gesprochene Wort nicht mehr hinkommt, soll das Gedruckte vielleicht noch einige erreichen. Es soll und muss von Groß und Klein gebraucht werden, damit unser ohnedies verkümmertes religiöses Leben nicht ein Haus ohne Fundament, ein Baum ohne Wurzel sei. Im RU (Religionsunterricht) kann die Liturgie (hl. Messe, Sakramente, Kirchenjahr) und die religiöse Lebenskunde (Gewissensbildung, Gewissenspflege, Gebetsleben) an Hand von ‘Gotteslob’ am gründlichsten unterrichtet werden. Den Erwachsenen ist es als Vorbereitung auf die Sakramente (Taufe, Beichte, Kommunion, Trauung) geradezu als ‘Hausaufgabe’ zu empfehlen. Bereiten wir auch die Osterbeichte mit Hilfe der Bußandachten vor. Wir wissen ja, wie es vielfach mit der Beichtpraxis steht (ich bekenne meine wissentlichen und unwissentlichen Sünden… und im besseren Falle noch: bitte fragen). Die Bußandacht ersetzt natürlich nicht die persönliche Beichte. So gut wie nirgends wurde das ‘Gotteslob’ als Firmungsgeschenk empfohlen oder Brautleuten in die Hand gegeben. Es handelt sich wirklich nicht darum, dass wir die letzten 3000 Stück noch verkaufen, statt sie in der Kanzlei oder im Lager verstauben zu lassen, sondern, dass wir es selber gründlich studieren, beherrschen und in der Seelsorge reichlich gebrauchen. Was ist das Ziel jeder Predigt und Unterweisung? Der religiöse Mensch, der aus dem Glauben lebt. Ich sehe also das Haupthindernis nicht bei unseren Gläubigen, sondern bei unserer Schwerfälligkeit. Also nicht bloß stolpern, sondern auch aufstehen und weitergehen.“ So wurden dann in den folgenden Jahren bestimmte Kontingente dieser Bücher an die verschiedenen meist deutschsprachigen Pfarreien des Temeswarer Bistums verteilt. Davor wurden diese Gesangbücher mit folgendem Stempel, auf der letzten Seite (Anm. d. Red.) versehen: „Copyright 1978 röm. kath. kirchliche Oberbehörde in Timișoara“.
Die Einführung des neuen Gesangbuches
Die Einführung des neuen deutschen Gesangbuches „Gotteslob“ in den Pfarrkirchen der Banater Schwaben und Banater Berglanddeutschen erwies sich als sehr schwierig. Man hatte sich zwischendurch an das Singen von der Orgelempore aus bereits gewöhnt. DerKantor oder die Kantorin sang die Kirchenlieder meist aus eigenen Sammlungen und Heften, die sich von Ort zu Ort unterschieden. Letztendlich hatte man meist das alte Diözesangesangbuch aus dem Jahre 1927, das in mehreren Auflagen bis 1945 erschienen ist, zu Hilfe genommen. Viele Schwabendörfer hatten dazu auch ihr eigenes Gesangbuch, aus dem man die Messlieder gesungen hat. Und dies meist zweistimmig: die böhmische Terz durfte in einem „schönen“ Kirchenlied nicht fehlen. Um so schwieriger war die Einführung von neuen Kirchenliedern aus dem neuen „Gotteslob“, das auch viele modale Kirchenlieder enthält, die man ohne Terzen singen sollte. Nachdem mich Generalvikar Dr. Ferdinand Cziza um 1980 gebeten hat, den verschiedenen Kirchenchören in den Schwabendörfern im Einüben von Liedern des neuen „Gotteslob“ zu helfen, hatte ich in mehreren schwäbischen Dörfern der Banater Heide Chorproben abgehalten und einige dieser neuen Kirchengesänge eingeübt. Doch diese Arbeit war damals sehr schwierig:
- Ein Großteil der Chormitglieder wartete bereits auf die Ausreisepapiere nach Deutschland und es bestand kein Interesse mehr, etwasNeueseinzuführen. Dies bestätigten mir damals auch viele Priester und Kantoren.
- Man sang weiterhin lieber die „schönen“ alten, traditionellen Banater Kirchenlieder mit den entsprechenden böhmischen Terzen. Und wenn man auch ein neues modales Lied aus dem neuen „Gotteslob“ sang, so durfte selbst hier die zweite Stimme nicht fehlen. Fazit: das neue deutsche Gesangbuch „Gotteslob“ kam für die deutschen Katholiken des Banats viel zu spät und seine Einführung war schwierig bis unmöglich. Dies bedeutet nicht, dass man dem neuen Kirchenlied keine Beachtung schenkte. In den katholischen Kirchen des Temeswarer Bistums war man gegenüber dem neuen rhythmischen geistlichen Liedgut sehr offen und man hat sich meist eigene abgeschriebene (oder später vervielfältigte) Sammlungen angelegt.
Zum Unterschied zum katholischen Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“, mit dem Anhang für Rumänien, entstand das evangelische Gesangbuch im Auftrag der 50. Landeskirchenversammlung (Dezember 1974) vom Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A. B. in der Sozialistischen Republik Rumänien. Dieses bestand aus über 700 Seiten. Gedruckt wurde dieses Gesangbuch in Hermannstadt/ Sibiu. Mehrere Informationen sind aus dem auf speziellem dünnen Papier gedruckten Gesangbuch nicht zu erfahren. Die meisten Lieder wurden aus älteren Gesangbüchern Siebenbürgens übernommen.
Auswirkungen auf neue Publikationen
Die Veröffentlichung des „Gotteslob“ mit dem Anhang für Rumänien hatte auch Auswirkungen auf die hymnologischen Publikationen in Deutschland. So erschien in nur kurzer Zeit nach 1978 das Büchlein „Beiheft zum ‘Gotteslob’ mit Kirchenliedern aus der Diözese Timișoara“ mit 65 Kirchenliedern. Fast gleichzeitig veröffentlichte das Bischöfliche Seelsorgeamt Rottenburg am Neckar das kleine Kirchenliederbüchlein „Lieder unserer Brüder aus dem Osten. Eine Auswahl für Gottesdienst und Familie“ mit 32 Liedern. Das Sudetendeutsche Priesterwerk Königstein im Taunus veröffentlichte 1981 die kleine Sammlung „Beiheft zum ‘Gotteslob’ mit Kirchenliedern aus den Diözesen Böhmens und Mähren-Schlesiens, aus den deutschen Sprachgebieten der Karpaten und des Südostens“, bestehend aus 100 Liedern. Das Geleitwort dazu verfasste Dr. Karl Reiß, Apostolischer Protonotar, vom Sudetendeutschen Priesterwerk: „Wie jede Diözese ihr heimisches Liedgut als Anhang zum ‘Gotteslob’ erhalten hat, so wollen auch die Heimatvertriebenen aus den Diözesen Böhmens und Mähren-Schlesiens, aus den Karpaten und den deutschen Sprachgebieten des Südostens ihre lieb gewordenen Kirchenlieder als Beiheft dem ‘Gotteslob’ anfügen. (…)
Die heimatvertriebenen Katholiken sind heute in das pfarrliche Leben der Aufnahmegemeinden eingegliedert oder sind in der Diaspora zum Kern neuer Gemeinden geworden. Es bleibt aber Aufgabe der Gemeinden, den Vertriebenen das beheimatende Element des Christlichen noch deutlicher erfahren zu lassen. Deswegen werden Pfarreien, in denen viele Heimatvertriebene aus den Diözesen der oben genannten Länder eine zweite Heimat gefunden haben, dieses Beiheft gern ins ‘Gotteslob’ einfügen, damit alle gemeinsam singen können und das kirchliche Liedgut um so reicher erhalten bleibt.“ Als Reaktion auf das „Gotteslob“ und auf die Schwierigkeiten mit dessen Einführung in den Reihen der Banater Schwaben komponierte der in Lugosch tätige Kantor Martin Metz (Martin Metz, 1933 Darowa – 2003 Hechingen, wirkte als Kantor in Darowa und ab 1960 an der Lugoscher Minoritenkirche. Nach seiner Auswanderung 1988 wirkte er bis zu seinem Tode als Kirchenmusiker in Schönaich, Diözese Rottenburg-Stuttgart, Anfang der 1980er Jahre) die „Banater Gemeinschaftsmesse“ – eine Huldigung der Singtradition der deutschsprachigen dörflichen Gemeinden des Banats. Diese Messe besteht aus den Texten des deutschen Ordinariums und wurde sowohl für Vorsänger und Gemeinde als auch für Schola und Chor (2- bis 4-stimmig) konzipiert. Im Jahre 2011 hat das Gerhardsforum Banater Schwaben e.V. das „Katholische Gesangbuch der Donauschwaben“ veröffentlicht, das zum ersten Mal die bekanntesten und beliebtesten Kirchenlieder der deutschen Katholiken Südosteuropas enthält. Als Quellen wurden die nach 1990 entdeckten handschriftlichen Kantorenund Orgelbücher verwendet wie auch die in Druck erschienenen deutschen Gesang- und Orgelbücher Südosteuropas. Auch der im „Gotteslob“ von 1978 enthaltene „Anhang für Rumänien“ wurde dabei berücksichtigt. Dieses „Katholische Gesangbuch der Donauschwaben“ soll 2026 in der 2. Auflage erscheinen.
(Erschienen in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien, 34. Jahrgang/Nr. 8218 Bukarest, Freitag, 16. Januar 2026, S. 8 und in der Nr. 8223 Bukarest, Freitag, 23. Januar 2026, S. 8.)









