Das Schuljahr 2020-2021 hat bereits inmitten der Epidemie, die vom neuen Coronavirus verursacht wurde, begonnen und war eine große Herausforderung für Lehrer und Schüler. Wir haben Pfarrer Zoltán Kocsik, Direktor des Römisch-Katholisch-Theologischen Lyzeum Gerhardinum, nach der Auswertung des letzten Studienjahres und den Zukunftsplänen gefragt. 

Wie fand der Unterricht im letzten Schuljahr statt?
Tatsächlich haben wir das Schuljahr unter den üblichen Bedingungen begonnen und dann vom 23. Oktober bis 6. Mai mit Online-Unterricht fortgesetzt. Unterdessen konnten im Februar Vor- und Grundschüler wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Im März und April verschärfte sich die Situation, sodass der Online-Unterricht bestehen blieb. Insgesamt haben wir 60-70% online und 30-40% im Klassenzimmer unterrichtet. Es gab auch eine Situation, in der die Hälfte der Schüler online lernte, die andere Hälfte im Unterricht und sich nach einer Woche austauschte. Aufgrund der Einhaltung epidemiologischer Regeln mussten wir die das Wohnheim für Jungend um sechs weitere Zimmer erweitern. Unterstützt wurde dies vom Verein Pro Gerhardino und der römisch-katholischen Diözese Temeswar. Der Verein Pro Gerhardino erhielt durch eine Ausschreibung einen Zuschuss für die Ausstattung der Räume.

Da sich die Pandemielage im letzten Jahr leider nicht wesentlich gebessert hat, waren die Schülerinnen und Schüler im Hinblick auf die Vorkehrungen schon besser auf das neue Schuljahr vorbereitet?
Wir sind sehr vorsichtig in das neue Schuljahr gestartet, zum Beispiel haben wir keinen gemeinsamen Schuljahresauftakt veranstaltet. Jeder Lehrer und Schüler eröffnete das Jahr in seiner eigenen Klasse. Auch die Klassenräume wurden so angeordnet, dass zwischen den Bänken ein Abstand von eineinhalb Metern eingehalten wurde. Außerdem ständige Lüftung, Desinfektion in Klassenzimmern, Küchen und Internaten, Maskenpflicht für Lehrer und Schüler, außer für Vorschulkinder. Wir hatten gerade Bewertung mit Lehrern, die in diesen Tagen in ungarischen und rumänischen Sprachklassen unterrichteten, und jeder von ihnen sagte, dass sie mit digitaler Bildung etwa 60% des Ergebnisses erreichten, das normalerweise 100% gewesen wäre. Dies zeigt sich weniger bei den Leistungen guter Schüler, während die schwächeren Schüler zurückblieben. Es gab Studierende, die im ersten Semester nicht am Online-Lernen teilnehmen konnten und keine Noten zum Semesterende hatten. Für sie ordnete das Bildungsministerium nach dem zweiten Semester eine einwöchige Sondersitzung an, damit diese Schüler die Möglichkeit hatten, den versäumten Unterricht nachzuholen und eine Note zu erhalten.

Bedeutet dies, dass einige Studierende keine Möglichkeit zum Fernstudium hatten, was sie benachteiligte?
Leider ja. Manche hatten keinen Internetzugang, anderen fehlte ein Laptop oder Tablet. Im Mai spendete die Diözese Temeswar dreizehn Laptops, während das Bildungsministerium und die örtliche Schulinspektion 37 Laptops für ein Schuljahr im Rahmen des Projekts Human Resources Development Operational Program (POSDRU) für Schüler zur Verfügung stellten. Wir haben auch Beamer durch dieses Projekt bekommen. Unter Beteiligung des Ministeriums, der Schulinspektion und der Demokratischen Union der Ungarn in Rumänien unterstützte die ungarische Regierung auch die Verfügbarkeit von ausreichend Mundmasken und Desinfektionsmitteln. Damit wir alle besser auf das letzte Schuljahr vorbereitet waren, gab es auch spezielle Regelungen. Ich möchte betonen, dass die oben genannten Institutionen uns gegenüber offen und unterstützend waren. Trotz aller Hilfe stellten wir fest, dass die Schüler durch den Gesundheitskurzschluss, die Isolation, geistig sehr erschöpft waren. Dies gilt insbesondere für Heranwachsende, für die die Zugehörigkeit zur zeitgenössischen Gemeinschaft, körperliche Begegnung, Händedruck, Umarmung, Konversation wichtig sind. Auch für Lehrer war die digitale Bildung sehr anstrengend. Es gab Monate, in denen selbst Vorschulkinder die Kindergärtnerin nur durch einen Bildschirm sehen konnten. Sie wurden zweimal pro Woche durch Internet unterrichtet, natürlich mit Hilfe der Eltern, aber wir haben auch jeden Tag Arbeitsblätter ins System hochgeladen. So fand die Ausbildung in den Grundschulen, sowie im Gymnasium und das Lyzeum.

Damit konnten die Eltern die Art von Bildung, die ihr Kind in der Schule bekommt, erleben können.
Ja. Bisher beobachteten die Eltern die Tätigkeit der Lehrer etwas aus der Ferne, und ich riskiere zu behaupten, dass ihrerseits manchmal eine gewisse Unzufriedenheit geäußert wurde. Jetzt aber, als sie während des Unterrichts mit dem Kind zusammen waren und Einblicke in die Schulbildung erhielten, habe ich das Gefühl, dass sich ihre Meinung geändert hat. Und das meine ich nicht nur um die pädagogische Arbeit zu bewerten, sondern auch um das eigene Kind zu bewerten. Bisher wurde das Kind morgens zur Schule gebracht, nachmittags nach Hause gebracht, die restliche Zeit mit Einkaufen, Fernsehen verbracht und am nächsten Tag ging es genauso weiter. Während der Isolation verbrachten Eltern und Kinder jedoch den ganzen Tag zusammen, und so seltsam es klingen mag, die Eltern lernten, ihr eigenes Kind richtig einzuschätzen. Gleichzeitig konnten sie auch sehen, welche Werte die Schule dem Kind vermittelt, wie die Haltung der Lehrer ist, wie zum Beispiel eine Religionsstunde mit Gesprächen, didaktischen Spielen, Liedern und Kurzfilmen abläuft. Auch digitale Lehrbücher haben dabei sehr geholfen.

Wie hat sich das Verhältnis der Schüler zur Schule verändert?
Insgesamt waren die Schüler sehr eifrig, wieder in die Schule zu gehen. Fernunterricht fand, wie gesagt, vom 23. Oktober bis Anfang Mai statt, aber ab November und Dezember haben die Studierenden vermehrt gefragt, wann sie in ihre Schulbänke zurückkehren können. Da waren die Vorbereitungs-, die fünfte und die neunte Klasse, deren Schüler somit das Schuljahr begannen und kaum Zeit hatten, sich kennenzulernen. Die Klassenlehrer mussten in ihrem Fall genau darauf achten, aus diesen Kindern eine Klassengemeinschaft zu schmieden – und das alles online. Ausschlaggebend im Fernunterricht war die Ausstrahlung, das Talent, die Kreativität und die Geduld der Lehrer.

Wie waren die Ergebnisse der Einschreibungen für das Schuljahr 2021-2022?
Der Personalbestand in den Parallelklassen Ungarisch und Rumänisch ist fast vollständig.

Wie würden Sie das letzte Schuljahr kurz zusammenfassen?
Etwa 68% der Absolventen haben die Abiturprüfung gut bestanden. Insgesamt haben wir ein erfolgreiches Schuljahr abgeschlossen. Im letzten Schuljahr wurden keine Wettbewerbe organisiert, aber wir konnten mit den Schülern an mehreren Online-Wettbewerben und Projekten teilnehmen und gute Ergebnisse erzielen. 78,25% der Achtklässler haben den nationalen Eignungstest gut bestanden, was keine schlechte Leistung ist. Parallel zur digitalen Bildung haben viele Lehrkräfte individuelle Entwicklungskurse für Schüler durchgeführt, und wir konnten auf diese Weise etwa dreißig Schüler vor allem in den Bereichen Sprechfähigkeit, Ausdruckskraft und Rechtschreibung aufholen. Wir haben versucht, die Möglichkeiten des Internets und der Technologie zu nutzen und in einem normalen Rahmen zu agieren.

Das Pressebüro der Diözese Temeswar bedankt sich herzlichst für das Gespräch!