Die Ausstellung über die Befreiung und Entwicklung Temeswars nach 1716 wurde am Montag, dem 9. März 2020 in der Großwardeiner Festung eröffnet. An der Eröffnungsfeier nahm auch Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar teil – berichtet das Nachrichtenportal der römisch-katholischen Diözese Großwardein.
Die Ausstellung wurde vom Institut für Deutsche Sprache und Literatur der Christlichen Universität Partium aus Ulm übernommen und zeigt 19 Roll-ups in deutscher Sprache. Zusammengestellt wurden sie 2016 von der Römisch-Katholischen Diözese Temeswar, vom Banater Nationalmuseum Temeswar , zusammen mit mehrere Partner. Die ursprünglich auf Rumänisch verfassten Tafeln mit Erklärungen wurden nachher ins Deutsche vom Ulmer Dokumentationszentrum der Landsmannschaft der Banater Schwaben übersetzt und wurde nun den Abteilungsgruppen zu Verfügung gestellt. Obwohl die Steh-Poster deutschsprachige Texte enthalten, ist die jetzige Wanderausstellung auch für jene gedacht, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind, da die Beschreibungen ins Ungarische übersetzt wurden. Die Publikation wurde vom Universitätsdozent Dr. Verók Attila lektoriert und kann auch von der Webseite der Universität heruntergeladen werden. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt der römisch-katholischen Diözese Temeswar und des Banater Nationalmuseum, Temeswar.
Bei der Eröffnung der Ausstellung „Temeswar 1716. Die Anfänge einer europäischen Stadt” wurden die Gäste, darunter Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar und László Böcskey, Bischof von Großwardein,- von Dozent Szabolcs János begrüßt, dann ergriff Univ.-Assistentin János Eszter das Wort und informierte über die Ausstellung. „Die erste Hälfte der Jubiläumsaustellung befasst sich mit der osmanischen Präsenz in Temeswar und mit der Belagerung der türkischen Festung durch die kaiserlichen Armee unter dem Kommando von Prinz Eugen von Savoyen. Der Schwerpunkt wird dann auf die ersten Jahrzehnte der österreichischen Verwaltung, sowie auf das konfessionelle und multikulturelle spirituelle Leben in der Banater Hauptstadt verlegt. Die nächste Entwicklungsphase zeigt bereits das harmonische Bild einer Stadt, die sich immer als modern und europäisch betrachtet hat. Auch in schwierigen Zeiten hat Temeswar sein unverwechselbares Lokalkolorit an den Schnittpunkten der Kulturen beibehalten, das durch die farbenfrohe Mischung von Gedanken und Gefühlen entsteht, die sich hier verflechten.
Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, ist anerkannt als rennomierter Forscher der Temeswarer und Banater Geschichte, bzw. Kirchengeschichte. Bei der Eröffnung der Austellung konnte man auch das 2019 veröffentlichte Buch „Providentia Augustorum“ durchblättern, das die Banater Geschichte beginnend mit der Befreiung der Stadt von der türkischen Herrschaft in den Jahren 1716 bis 1739 darstellt. Während der Eröffnungsfeier gab Bischof Roos einen detaillierten Einblick in die Geschichte des Banats und Temeswars. Unter anderem sagte er: „Aufgrund ihrer Entwicklung, wurde Temeswar auch das „kleine Wien” genannt.“ Er hob die Rolle von Claude Florimund de Mercy, dem ersten Gouverneur des Banats, hervor, der anfänglich zur Entwicklung der Region beigetragen hat, aber wir haben auch erfahren, wie bunt die Bevölkerung der Stadt an der Bega war. Diese bestand unter anderen aus Deutschen, Juden, Armenier, Griechen, Bunjewatzen, Schokatzen, Serben, Rumäner, Bulgaren- aber nicht alle waren Bürger der Stadt- das Bürgerrecht musste schriftlich beantragt werden.
In ihrem Vortrag präsentierte János Eszter die „Temeswarer Zeitung“, eine deutschsprachige Zeitung, und analysierte dabei die Themen zwischen 1871 bis 1882 wobei sie besonders deren Rolle als Kultur- und Literaturvermittler hervorhob. Die anspruchsvolle „Temeswarer Zeitung“, obwohl in deutscher Sprache veröffentlicht, war dennoch für das ungarische Publikum gedacht: Tendenzen der Magyarisierung waren sehr deutlich zu erkennen, zum Beispiel indem sie hauptsächlich von ungarischen Autoren veröffentlich wurden. Das Bild der Stadt wechselt zwischen Klein- und Großstadt, betont aber auch den Charakter einer europäischen Stadt. Trotz oder zusätzlich zu Stereotypen- haben die Herausgeber bewusst die Rolle des Vermittlers akzeptiert.
Die Austellung findet vom 9. bis 16. März statt und kann im Gebäude „G.“ der Großwardeiner Festung besichtigt werden. Die nächste Station der Wanderausstellung ist Erlau/Eger.