Am 1. und 2. Mai 2026 stattete Seine Exzellenz Msgr. Edgar Peña Parra, Titularerzbischof von Telepte, Apostolischer Nuntius in Italien und in der Republik San Marino, der Diözese Temeswar einen Besuch ab.
Am ersten Tag des Besuchs, Freitag, dem 1. Mai 2026, zelebrierte Msgr. Edgar Peña Parra um 18.30 Uhr die Heilige Messe im Hohen Dom zum Hl. Georg, der römisch-katholischen Kathedrale von Temeswar, gemeinsam mit S.E. Iosif Csaba Pál, Diözesanbischof und S.E. Martin Roos, emeritierter Bischof. An dieser Heiligen Messe nahmen auch die 31 Theologiestudenten teil, die sich am Römisch-Katholischen Theologischen Seminar in Alba Iulia /Karlsburg auf den priesterlichen Dienst vorbereiten und in Begleitung ihrer Oberen (Rektor, Vizerektor, Spiritual und Präfekt) in die Diözese Temeswar gekommen waren.
Im Folgenden geben wir die Predigt Seiner Exzellenz Msgr. Edgar Peña Parra wieder, die er in unserer Domkirche gehalten hat.
Liebe Brüder und Schwestern,
Gelobt sei Jesus Christus!
Ich freue mich, dieser Eucharistiefeier im Dom St. Georg vorstehen zu dürfen. Ich bin hier als Pilger, innerhalb dieser Mauern, die vom Glauben durchdrungen und von einer so reichen Geschichte der Heiligkeit geprägt sind. Es ist das erste Mal, dass ich die Diözese Temeswar besuche, die Erbin der historischen Diözese Tschanad, welche sich darauf vorbereitet, im Jahr 2030 das Millennium ihrer Gründung zu feiern. Die Kathedrale ist das sichtbare Zeichen der Einheit der Diözesankirche, die sich um ihren Hirten, den Bischof, den Nachfolger der Apostel, versammelt.
Aus diesem erfreulichen Anlass möchte ich Seiner Exzellenz, dem Bischof der Diözese, Msgr. Josef Csaba Pál, meinen ehrerbietigen Gruß und meinen tief empfundenen Dank aussprechen, der mich mit brüderlicher Wohlwollen eingeladen hat, heute hier zu sein. In Gemeinschaft mit ihm grüße ich ebenso herzlich Seine Exzellenz Msgr. Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, der diese kirchliche Gemeinschaft nicht weniger als neunzehn Jahre lang mit Treue und Hingabe geleitet hat.
Ich richte meinen Gruß und meine guten Wünsche auch an euch alle, an die Gläubigen und Priester der Diözese, und in besonderer Weise an die Seminaristen des Seminars von Alba Iulia sowie an ihre Ausbilder, die sie auf dem Weg ihrer Berufung begleiten. Während wir uns an diesem Ort versammeln, denke ich mit Dankbarkeit an Monsignore Zoltán, der mein Mitarbeiter in der Abteilung für Allgemeine Angelegenheiten des Staatssekretariates war, als ich das Amt des Substituten innehatte.
Nun, da ich dem Herrn als Apostolischer Nuntius diene, erkenne ich in diesem Titel den Sinn meiner Gegenwart in eurer Mitte: die Verkündigung des Wortes Gottes. Es ist eine Verkündigung, die wir in der Liebe zu Jesus Christus teilen, den wir im Glauben als den lebendigen Gott, als unseren Bruder und Erlöser bekennen.
Das heutige Evangelium stellt uns eine Form des Wissens vor Augen, die sich nicht der Liebe öffnet, sondern sich in Misstrauen verschließt. In der Synagoge von Nazareth, angesichts der Weisheit Jesu, entsteht eine Frage: „Ist das nicht der Sohn des Zimmermanns?“ (Mt 13,55). Es ist eine Frage, die eine Wahrheit ausdrückt, aber nicht die ganze Wahrheit. Es ist ein begrenztes, oberflächliches Wissen, das nicht über den äußeren Anschein hinausgeht. Und so geschieht es, dass Jesus dort „nicht viele Wunder wirkte, wegen ihres Unglaubens“ (Mt 13,58).
Hier offenbart sich ein Paradox: Gerade diejenigen, die Jesus am nächsten stehen, haben Schwierigkeiten, Ihn zu erkennen. Vertrautheit und Gewohnheit werden zu einem Hindernis. Es schleicht sich die Gefahr ein zu glauben, wir kennten Gott bereits, und uns nicht mehr von Seiner Gegenwart überraschen zu lassen. Auch wir können in diese Versuchung geraten, wenn wir den Glauben wie eine Routine leben, ohne Staunen, ohne Verwunderung. Doch wenn das Herz sich den Werken Gottes verschließt, finden Seine Wunder keinen Raum mehr in unserem Leben.
Und doch wird gerade diese menschliche Begrenztheit zu einem Ruf, unseren Blick zu bekehren. Der Herr wird niemals müde, durch unser Leben zu gehen, leise an die Tür unseres Herzens zu klopfen und uns immer wieder eine neue Möglichkeit zu schenken, Ihn zu erkennen. Jeder Tag kann zu einem neuen „Nazareth“ werden, das uns einlädt, aus unseren Verschlossenheiten herauszutreten und uns für die Neuheit Gottes zu öffnen.
Die Ereignisse von Nazareth warnen uns genau davor: vor der Gewohnheit, die das Staunen erstickt. Der Herr lädt uns ein, unseren Blick zu erneuern und Seine Gegenwart im alltäglichen Gefüge unseres Lebens zu erkennen, in den Menschen und Situationen, die wir allzu leicht für banal halten. Deshalb wollen wir unser Gebet erheben: um ein einfaches Herz bitten, offen für das Staunen, gehorsam im Hören, bereit, die Stimme Gottes zu erkennen, selbst dann, wenn sie durch das uns Vertraute erklingt. So wird unser Leben zu einem Raum, in dem Er erneut Seine Wunder wirken kann.
Auf diesem Weg begleitet uns die Gestalt des heiligen Josef, den wir heute als den „Arbeiter“ verehren: ein gerechter Mann, mit einfachem und offenem Herzen, fähig, Gott im Alltag zu erkennen. In ihm betrachten wir die stille Größe dessen, der das Göttliche in den kleinen Dingen zu entdecken weiß und in der tätigen Stille die Gegenwart Gottes bewahrt.
Der heilige Josef lehrt uns auch den Wert der in Treue gelebten Zeit. Sein Leben ist nicht von spektakulären Ereignissen geprägt, sondern von einer beständigen Bereitschaft gegenüber dem Willen Gottes. Gerade in der Ausdauer des Alltags wird er zum Mitarbeiter im göttlichen Heilsplan. So sind auch wir eingeladen zu entdecken, dass Heiligkeit nicht nur in außergewöhnlichen Momenten entsteht, sondern in der demütigen und beständigen Treue gegenüber den kleinen Dingen.
Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst, das Wort des Apostels ermahnt uns mit Nachdruck: „Dient dem Herrn Christus“ (Kol 3,24). In diesem Wort liegt das Zentrum unseres priesterlichen Dienstes. Wie der heilige Josef sind auch wir berufen, den Herrn zu suchen und Ihm treu zu dienen. Möge die Liebe das Band all unseres pastoralen Handelns sein, der Friede Christi das Kriterium unserer Entscheidungen und die Dankbarkeit der Atem unserer Sendung.
Der heilige Johannes Paul II. bringt diese Wahrheit mit großer Tiefe zum Ausdruck: „Durch seine Arbeit in der Werkstatt, in der er gemeinsam mit Jesus seinem Handwerk nachging, hat Josef die menschliche Arbeit dem Geheimnis der Erlösung nahegebracht“ (Apostolisches Schreiben Redemptoris custos, 22). Auch unser Dienst ist dazu berufen: das Heil im konkreten Leben der Menschen sichtbar zu machen – durch einen demütigen, treuen und oft verborgenen Dienst. Lassen wir uns im Alltag von Gott formen, damit unser Wirken zur Transparenz Seiner Gegenwart werde.
Liebe Seminaristen, euch gilt in besonderer Weise das Wort: „In euren Herzen herrsche der Friede Christi. Seid dankbar!“ (Kol 3,15). Frieden und Dankbarkeit entspringen einem Herzen, das sich formen lässt. So war es beim heiligen Josef, in der Einfachheit von Nazareth. Auch für euch ist die Zeit der Ausbildung bereits eine Zeit der Verwandlung: ein Weg, der mit Hingabe und Dankbarkeit gegangen werden will.
Seid dankbar für die empfangene Berufung, für den Weg, den ihr geht, für die Freuden und sogar für die Prüfungen. Vergesst nicht: Ein dankbares Herz ist ein freies Herz, fähig zu wachsen und sich hinzugeben.
Liebe Gläubige, auch an euch richtet sich ein Wort der Orientierung und der Hoffnung: „Vor allem aber bekleidet euch mit der Liebe; sie ist das Band der Vollkommenheit“ (Kol 3,14). Euer tägliches Leben – die Arbeit, die Familie, die Beziehungen – ist der Ort, an dem das Evangelium Fleisch annimmt. Dort wirkt Gott, verwandelt und heiligt, so wie es im Leben eurer Vorfahren geschehen ist, während der tausendjährigen Geschichte des Christentums in diesen Landen.
Papst Franziskus schenkt uns einen wertvollen Schlüssel, um den Sinn unseres täglichen Handelns zu verstehen: „Die Arbeit wird zur Teilhabe an dem Werk der Erlösung selbst“ (Apostolisches Schreiben Patris corde, 6). Das bedeutet, dass eure Arbeit niemals vergeblich ist: selbst dann nicht, wenn sie mühsam, unscheinbar oder verborgen ist. Sie trägt zum Guten bei, baut Gemeinschaft auf, trägt das Leben der Familie und eröffnet Horizonte der Hoffnung.
Genau in dieser Wahrheit hat die christliche Hoffnung ihre Wurzeln: in der Gewissheit, dass nichts von dem, was in Liebe gelebt wird, vor Gott verloren geht und dass jede im Herrn vollbrachte Handlung einen Wert in sich trägt, der die Grenzen der Zeit übersteigt.
Dennoch fehlen nicht jene Momente, in denen die Mühen des Alltags das Herz beschweren und den Blick trüben. In solchen Situationen sind wir gerufen, das Gedächtnis des Glaubens zu erneuern: Gott ist nicht abwesend, sondern wirkt leise und verborgen – so wie es in Nazareth geschah. Dann trägt und führt uns der Glaube: Er lehrt uns, zu vertrauen, auch wenn wir nicht sehen, auszuharren, auch wenn wir nicht alles verstehen, in der Gewissheit, dass der Herr jeden Schritt unseres Weges begleitet und stärkt.
Geliebte Brüder und Schwestern,
das Evangelium erinnert uns daran, dass dort, wo das Herz sich verschließt, die Wunder nicht mehr geschehen; doch wenn es sich öffnet, kann Gott wirken. So sehen wir es auch im Leben des heiligen Josef: nicht in außergewöhnlichen Gesten vor den Augen der Welt, sondern in der stillen Treue, in der täglichen Arbeit, in der diskreten Gegenwart. Gerade dort hat Gott Sein Werk vollbracht. Und ebenso möchte Er es auch mit uns tun. In der Einfachheit unseres Lebens, in den alltäglichen Wirklichkeiten, in der Arbeit und in unseren Beziehungen wirkt Gott weiter. Öffnen wir daher vertrauensvoll unsere Herzen, und wir werden sehen, dass der Herr auch heute Seine Wunder vollbringt.
Indem wir Seine Worte im Herzen bewahren, empfehle ich euch alle – die Bischöfe, die Mitbrüder, die Seminaristen und die Gläubigen der Diözese – dem mütterlichen Schutz Mariens von Radna. Durch die Fürsprache des heiligen Gerhard von Sagredo, eures Patrons, segne der Herr diese Lande. Amen.







