Die europäische Synodalitätstagung im österreichischen Wels hat Taufe, Zuhören, Beziehungen und eine neue Leitungskultur als zentrale Felder für den weiteren Weg der Kirche benannt. Tagungsleiterin Klara Csiszar regte zum Abschluss des an diesem Donnerstag zu Ende gehenden Symposions ein „Europäisches Kirchenforum zur Deutung der Zeichen der Zeit“ an.

Gudrun Sailer – Wels

Ein solcher geistlicher und theologischer Raum soll Kirchen aus Ost und West sowie Nord und Süd zusammenführen und gesellschaftliche Entwicklungen im Licht des Evangeliums deuten. Das Europäische Kirchenforum könnte darüber hinaus Erfahrungen aus den Ortskirchen verbinden und neue Formen synodaler Zusammenarbeit erproben, so die Pastoraltheologin Csiszar, Vizerektorin an der Katholischen Privat-Universität Linz und Leiterin der dort angesiedelten Abteilung für Synodalität.
Die dreitägige Veranstaltung „Shaping Synodality in Europe“ versammelte 187 Teilnehmende aus 31 Ländern zwischen Portugal, Island und der Ukraine im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels. In 21 Tischgruppen arbeiteten sie mit den aus der Weltsynode bekannten „Gespräche im Geist“ und legten dabei besonderen Wert auf Zuhören, persönliche Erfahrung und geistliche Unterscheidung. Eingeleitet und beschlossen wurde ein jeder der drei Tage mit Gottesdiensten und Gebeten, das Schlussgebet leitete Frère Matthew, der Prior der Gemeinschaft von Taizé.

Die Inhalte
In den theologischen Hauptvorträgen rückten unterschiedliche Seiten synodaler Kirche in den Blick. Der Prager Theologe Tomáš Halík deutete die Säkularisierung Europas als ambivalenten Prozess: Sie habe kirchlichen Einfluss und die Weitergabe des Glaubens geschwächt, zugleich aber Gewissensfreiheit gefördert und die Verflechtung von Religion und politischer Macht aufgebrochen. Für das Christentum könne der Verlust gesellschaftlicher Privilegien daher auch eine Läuterung bedeuten und die Kirche zu einer dialogfähigeren Präsenz in einer pluralen Gesellschaft führen. Gabriele Eder-Cakl zeigte anhand pastoraler Beispiele aus verschiedenen Ländern, wie Europas Kirchen auf Migration, Ökumene, digitale Lebenswelten und die wachsende Zahl junger Taufbewerber reagieren.
Am dritten Arbeitstag stellte der Jesuitentheologe Christoph Theobald die gleiche Würde aller Getauften als theologische Grundlage synodaler Mitverantwortung heraus. Die Kirchenrechtlerin Myriam Wijens nach den konkreten Folgen dieser Taufwürde für Leitung und Entscheidungsprozesse fragte. Dabei verwies Wijlens auch auf bestehende kirchenrechtliche Möglichkeiten für eine stärkere Beteiligung von Laien und Frauen an kirchlicher Leitung.

Aus den Tischberichten
Csiszar zog aus den Tischberichten mehrere Linien für einen europäischen Fahrplan. In den Gesprächen hätten sich Erfahrungen, Spannungen, Hoffnungen, Widersprüche und offene Fragen verdichtet. „Es ist ein geistlicher Resonanzraum“, erklärte die Pastoraltheologin über das in Wels Entstandene. Einen Schwerpunkt bildete die Taufe als gemeinsame Grundlage von Würde und Verantwortung. Csiszar formulierte dazu die Frage: „Wenn wirklich nichts größer ist als die Taufe, warum prägt sie unser kirchliches Leben dann oft so wenig sichtbar?“
Auch das Zuhören spielte in den Beratungen eine zentrale Rolle. Kirche müsse stärker wahrnehmen, welche Fragen Menschen tatsächlich beschäftigten und wie deren Erfahrungen das kirchliche Handeln verändern könnten. „Hören heißt, sich unterbrechen zu lassen“, so Csiszar. Die Tischgruppen hoben zudem Gastfreundschaft, Nähe und Begleitung hervor. Pfarreien blieben wichtige Orte, an denen Menschen Anerkennung und Gemeinschaft erfahren und Vertrauen entwickeln könnten.

„Wunden Europas“
Krieg, Flucht, Polarisierung, Einsamkeit, Missbrauch und religiöse Entfremdung kamen unter dem Stichwort der „Wunden Europas“ zur Sprache. Dem stellte Csiszar die Sehnsucht nach Frieden, Gemeinschaft, Würde, Gerechtigkeit und Hoffnung gegenüber. Auch junge Menschen dürften laut der Theologin nicht bloß als Zielgruppe pastoraler Angebote gelten; sie seien Glaubende, Suchende, Fragende und Begabte, die kirchliches Leben mitgestalten und Verantwortung übernehmen könnten.
Konkrete Konsequenzen sah Csiszar zudem für Leitung und Entscheidungsprozesse. Die Tischberichte fragten nach klareren Wegen von Beratung, Verantwortung, Entscheidung und Rechenschaft sowie nach wirksamer Beteiligung. „Amt ist nicht Besitzstand. Amt ist Dienst: Dienst an der Einheit, Dienst an der Unterscheidung und Dienst an der Sendung der ganzen Kirche“, erklärte sie. Als mögliche Erprobungsräume nannte Csiszar Berufungscoaching, Begleitung von Bischöfen und anderen Leitungspersonen sowie Berufungsakademien.
Die Forschungsgruppe Synodalität und die europäische Taskforce wollen die Ergebnisse nun weiter auswerten. Die Tischberichte sollen dem CCEE-Präsidium vorgelegt und den Teilnehmern zugeschickt werden; die daraus entstehende Roadmap soll zudem in die weiteren europäischen Beratungen vor der gesamtkirchlichen Synodenversammlung 2028 einfließen. Als weiteren möglichen Schritt nannte Csiszar ein Symposium 2027 in Louvain-la-Neuve in Belgien. Die KU Linz veranstaltete die Tagung „Shaping Synodality in Europe“ unter der Schirmherrschaft des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE). Mit CCEE-Präsident Erzbischof Gintaras Grušas und den beiden Vizepräsidenten Kardinal Ladislav Nemet und Kardinal Jean-Claude Hollerich war das Präsidium des CCEE bei der Tagung vertreten.

Quelle: www.vaticannews.va/de