Im Jahr 2026 begeht die Kirche den 800. Jahrestag des Heimgangs (Transitus) des heiligen Franziskus von Assisi. Aus diesem Anlass hat die Apostolische Pönitentiarie mit Zustimmung des Heiligen Vaters durch ein am 10. Januar erlassenes Dekret ein besonderes Jubiläumsjahr zu Ehren des Poverello von Assisi ausgerufen. Zu den Veranstaltungen, die in diesem Zusammenhang organisiert wurden, gehörte auch die Landes-Pilgerreise mit den Reliquien des heiligen Franziskus, „ex cineribus corporis“, die aus seinen irdischen Überresten stammen und erstmals nach Rumänien gebracht wurden.
Die vom 31. Juli bis zum 15. Oktober 2026 stattfindende Pilgerreise wurde von der Provinz „Hl. Josef“ des Ordens der Minoriten (Konventualen) in Rumänien organisiert. In Begleitung franziskanischer Brüder durchquerten die Reliquien das ganze Land und wurden in Diözesen, Eparchien, Pfarreien und verschiedenen Ordensgemeinschaften empfangen. Die Büste, in der die Reliquien aufbewahrt werden, sowie das kreuzförmige Reliquiar wurden in den besuchten Kirchen zur Verehrung ausgestellt und boten den Gläubigen Gelegenheit, zu beten und über das Leben und die Spiritualität des heiligen Franziskus nachzudenken.
Die letzte Etappe dieser Pilgerreise, die insgesamt 52 Gemeinschaften in Rumänien umfasste, fand am Donnerstag, dem 15. Oktober, in Temeswar statt. Dort wurden die Reliquien in zwei römisch-katholischen Pfarreien empfangen. Am Vormittag waren sie in der Kirche Mariä Namen im Temeswarer Stadtteil Mehala zur Verehrung ausgestellt, am Nachmittag in der Herz-Jesu-Kirche der Pfarrei Temeswar III. – Elisabethstadt. In beiden Kirchen wurden heilige Messen gefeiert, an denen Gläubige teilnahmen, die gekommen waren, um die Reliquien des heiligen Franziskus von Assisi zu verehren.
In der Mehalaer Kirche begrüßte Pfarrer Zoltán Máthé, Seelsorger dieser Gemeinde, die anwesenden Gläubigen zu Beginn der um 10 Uhr gefeierten heiligen Messe. Die Eucharistiefeier wurde von Nikola Lauš, Domkapitular und Direktor der bischöflichen Kanzlei, zelebriert. Mit ihm konzelebrierten römisch-katholische Priester aus der Diözese Temeswar, griechisch-katholische Priester sowie die Franziskanerbrüder aus der Moldau, die die Reliquien begleiteten. Für die musikalische Gestaltung der Feier sorgte Emil Dumitresc, Kantor der Millenniums-Kirche in der Temeswarer Pfarrei Fabrikstadt, gemeinsam mit seiner Ehefrau.
In seiner Predigt ging Nikola Lauš vom Testament des heiligen Franziskus von Assisi aus, aus dem während der heiligen Messe ein Abschnitt vorgelesen wurde. Im Rückblick auf die wichtigsten Stationen der Bekehrung des Heiligen betonte der Prediger, dass die wahre Erneuerung der Kirche nicht durch Strategien, Pläne oder Kritik von außen geschieht, sondern durch ein heiligmäßiges Leben, Demut und eine tiefgreifende Umkehr. Mit Blick auf den Auftrag, den der heilige Franziskus erhalten hatte, die Kirche wieder aufzubauen, erklärte der Priester, dass damit nicht nur die Restaurierung eines Gebäudes (Kirche San Damiano) gemeint war, sondern vor allem die Erneuerung des Glaubens und die Hinwendung der Herzen zu Gott.
Zum Abschluss seiner Predigt richtete Nikola Lauš folgende Aufforderung an die Anwesenden: „Beschränken wir uns also nicht darauf, lediglich zuzuhören und das Zeugnis vom Leben dieses Heiligen wie eine Geschichte aus längst vergangenen Zeiten zu vernehmen. Ich habe bereits gesagt, dass das vorbildliche Leben des heiligen Franziskus auch nach 800 Jahren zu uns spricht und uns heute einen eindringlichen Aufruf hinterlässt, der jeden Gläubigen persönlich betrifft. Lassen wir uns tatsächlich vom Beispiel des heiligen Franziskus inspirieren. Er lehrt uns – nicht mehr und nicht weniger –, dass nichts die Seele und das Leben eines Menschen mehr erfüllt als die lebendige Beziehung zu Gott, die sich konkret zeigt und in den kleinen Taten des Alltags gelebt wird. Gerade diese Einfachheit macht den heiligen Franziskus groß.“
Abschließend sprach der Zelebrant auch ein Gebet: „Wir beten, liebe Gläubige, darum, dass auch wir heute ein fügsames Herz haben mögen, damit wir uns auf die Fürsprache des heiligen Franziskus von allem lösen können, was uns daran hindert, Gott und unseren Nächsten zu lieben und ihnen zu dienen, auf unserem Weg hin zum Himmel. Unser Blick und unsere Gedanken sollen stets auf Gott gerichtet sein. Und auf die Fürsprache des heiligen Franziskus mögen auch wir den Mut finden, unsere Aufgabe als Christen und als Missionare des Erlösers heute so gut wie möglich zu erfüllen – jeder an dem Ort, an dem er sich befindet –, um unermüdlich die Güte, die Fürsorge und die zärtliche Liebe des Herrn widerzuspiegeln.“
Am Nachmittag desselben Tages wurde die heilige Messe in der Herz-Jesu-Kirche im Stadtteil Elisabethstadt von Pater Claudiu Ilieș OFMConv gefeiert, dem Guardian des Konvents „Hl. Antonius von Padua“ in Roman. Die musikalische Gestaltung der Feier übernahm Krisztián Kelemen, Organist der Elisabethstädter Kirche.
In seiner Predigt erinnerte Pater Clement Tălin OFMConv daran, dass die Pilgerreise mit den Reliquien des heiligen Franziskus von Assisi in Temeswar zu Ende gehe, nachdem diese 52 Gemeinschaften erreicht hatten, in denen die Gläubigen ihre Verehrung für den Heiligen von Assisi zum Ausdruck gebracht hatten. Anhand einiger Stationen aus dem Leben des heiligen Franziskus, insbesondere seiner Bekehrung und seiner Entscheidung für ein Leben in Demut, Gebet und Hingabe an Gott, betonte der Pater, dass die Heiligkeit nicht nur Menschen vorbehalten sei, die ein geweihtes Leben führen, sondern einen Ruf darstelle, der an jeden Christen ergehe. Dem Beispiel des heiligen Franziskus folgend, seien die Gläubigen dazu aufgerufen, ihre Liebe zu Gott und zum Nächsten durch Gebet, gute Werke und konkrete Gesten der Güte zum Ausdruck zu bringen. Mit Bezug auf das Tagesevangelium erklärte der Prediger, dass die Lasten des Lebens leichter zu tragen seien, wenn der Mensch sie Christus anvertraue.
„Darin besteht auch unsere Berufung: uns Gott hinzugeben und ihm unser Leben anzuvertrauen. Ich glaube, dass jeder von uns den Menschen in seiner Umgebung Güte erweisen und eine gute Tat vollbringen könnte – selbst dann, wenn es uns vielleicht gerade nicht gelegen kommt oder wir keine Zeit haben“, betonte der Prediger.
Am Ende der heiligen Messe sprachen wir mit Pater Claudiu Ilieș und Pater Clement Tălin OFMConv, den beiden Franziskanerbrüdern, die die Reliquien des heiligen Franziskus von Assisi auf der letzten Etappe ihrer Pilgerreise durch Rumänien begleitet hatten. Wie sie uns berichteten, wurden im Laufe der rund zweieinhalb Monate 52 Gemeinschaften besucht und nahezu 10.000 Kilometer zurückgelegt.
Anlässlich des Besuchs der Reliquien in Arad hatten wir die Franziskanerbrüder gefragt, welche Botschaft ihnen der heilige Franziskus während der langen Pilgerreise vermittle. Damals sprachen sie über Mut, Geduld, Frieden und Dialog. Nun, in Temeswar, am Ende der Pilgerreise, wollten wir erfahren, mit welchen Erfahrungen und Erinnerungen sie nach Assisi zurückkehren.
„Von hier aus kehren wir mit dem Auto nach Assisi zurück. Dort werden wir am Samstagmorgen um 8 Uhr eine heilige Dankmesse für die Pilgerreise feiern. Wir nehmen alle Anliegen/ Gebetintentionen mit, die wir im Laufe der Pilgerreise gesammelt haben. Dafür haben wir eine größere Schachtel, in der wir sie sorgfältig aufbewahrt haben. Wir bringen sie alle zum Grab des heiligen Franziskus und feiern dort die heilige Messe für all diese Anliegen. Wir haben festgestellt, dass ein Mensch bei der Beichte zwar sein Herz öffnet, dass es aber etwas ganz anderes ist, seine Anliegen schriftlich festzuhalten. Die Menschen bringen viele Worte und Gedanken zu Papier.
Nach zweieinhalb Monaten unterwegs bleiben uns eine wertvolle Erfahrung und das schöne Zeugnis der Menschen. Wir haben die unterschiedlichsten Situationen erlebt, die uns tief berührt haben. Es ist eine große Freude und Erfüllung, dass ich diese Pilgerreise bis zum Ende durchführen konnte. Wir haben tatsächlich die Hilfe des heiligen Franziskus gespürt. In den zweieinhalb Monaten hatten wir nicht das geringste Problem, auch gesundheitlich nicht. Überall und in allen Gemeinschaften sind wir stets auf Verständnis gestoßen. Die Kirchen waren tatsächlich voll. Viele Menschen haben gefragt: ‚Kommt ihr denn nicht mehr mit dem heiligen Antonius?‘ Im Jahr 2031 jährt sich der Tod des heiligen Antonius zum 800. Mal. Wer weiß, vielleicht wird es dann eine weitere Pilgerreise geben, diesmal mit einer Reliquie des heiligen Antonius“, berichtete uns Pater Claudiu Ilieș OFMConv.

Pressestelle der Diözese Temeswar