Am Samstag, dem 6. Dezember, dem Tag des Heiligen Bischofs Nikolaus von Myra, versammelte sich die bulgarische Gemeinde der Diözese Temeswar um den Hauptaltar der Domkirche zum Hl. Georg, der römisch-katholischen Kathedrale in Temeswar. Seit vielen Jahren ist es bereits Brauch, den Heiligen Nikolaus in der bulgarischen Gemeinde, insbesondere in der Stadt Temeswar, zu ehren aber in diesem Jahr hatte die Feier eine ganz besondere Bedeutung: Bischof Nikola Stanislávič, eine prägende Persönlichkeit für die Bulgaren im Banat, aber auch für die Diözese Temeswar und für die katholische Präsenz in der Walachei im 18. Jahrhundert, wurde in besonderer Weise geehrt. An diesem Tag, dem Namenstag von Bischof Stanislávič, wurden drei ganz besondere Momente gefeiert: 300 Jahre seit seiner Ernennung und Weihe zum Bischof, in Rom, für die Diözese Nicopolis mit Sitz in Craiova, 285 Jahre seit seiner Bestätigung als Bischof der Diözese Tschanad mit Sitz in Temeswar und 275 Jahre seit seinem Tod in Temeswar.
Die katholischen bulgarischen Gläubigen aus Alt-Beschenowa, Winga, Temeswar, Arad, Groß-Sanktnikolaus, Detta, Denta und nicht zuletzt Breschtea versammelten sich bereits um 10.00 Uhr in großer Zahl in der Domkirche und begannen das Programm wie an einem Wallfahrtstag: mit dem Rosenkranzgebet. Um 10.30 Uhr gab der Kinderchor Zvanče unter der Leitung von Prof. Elena Doycheva-Dragomir ein kleines Konzert mit Advents- und Weihnachtsliedern auf den Stufen des Altars.
Die feierliche Heilige Messe wurde um 11.00 Uhr von Msgr. Georg (Gjuka) Augustinov, Pfarrer der bulgarischen Personalpfarrei in Temeswar, in Konzelebration mit Pfr. Petru Velciov, Pfarrverwalter von Alt-Beschenowa, Pfr. Salman Demeter, Pfarrer von Nadlak, und Pfr. Piry Radulov, Pfarrer von Vinga gefeiert. Ein großer gemischter Chor, bestehend aus Gläubigen aus Alt-Beschenowa und anderen Orten, sorgte für die musikalische Umrahmung der Heiligen Messe und lud die gesamte Gemeinde zum Singen und Beten ein.
Unter den anwesenden Amtsträgern sind Herr Dejan Popov, Unterpräfekt des Kreises Temesch (Verband der Serben in Rumänien), Herr Gheorghe Nacov, Abgeordneter der bulgarischen Minderheit im rumänischen Parlament und Honorarkonsul Bulgariens in Temeswar, Herr Bono Cucalan, Bürgermeister der Gemeinde Alt-Beschenowa, Frau Anca Panici, Vorsitzende der Temeswarer Filiale des Verbands der Bulgaren in Banat-Rumänien, Herr Prof. Petru Topciov, Leitzr des Gymnasiums „Hll. Kiril und Methodius“ in Alt-Beschenowa, sowie mehrere Vorsitzende und Mitglieder der UBB-R-Filialen im Banat.
Die Einleitung wurde in bulgarischer und rumänischer Sprache gehalten, und die erste Lesung wurde von einem jungen Ministrant in bulgarischer Sprache vorgetragen. Die Passage aus dem Heiligen Evangelium wurde in bulgarischer und rumänischer Sprache von Pfr. Salman Demeter verkündet, woraufhin Msgr. Augustinov seine Predigt hielt. Der Prediger bezog sich in seinem Lehrwort, ausgehend vom Beispiel des Heiligen Nikolaus, auf die pastorale Tätigkeit des Bischofs Nikola Stanislávič, auf seinen unermüdlichen Einsatz für die Ehre Gottes, zum Wohle der Kirche und der Menschen in schweren Zeiten der Verfolgung, des Exils, der Naturkatastrophen und der Armut.
Nach dem Schlussgebet und dem Schlusssegen lud Msgr. Augustinov Frau Nicoleta Rafaela Ciocan, Journalistin und Moderatorin der bulgarischsprachigen Sendung bei TVR Temeswar ein, ein Gedicht in banater-bulgarischer Sprache zu rezitieren, das vom Dichter Gyuka Gergulov geschrieben wurde und den Titel „Das letzte Gebet von Bischof Nikola Stanislávič“ trägt. Frau Nicoleta Rafaela Ciocan hat zur Zeit eine Reihe von Sendungen über die Persönlichkeit von Bischof Stanislávič produziert, die auf TVR Timișoara, Radio Timișoara und im Internet auf den Seiten der genannten Radio- und Fernsehsender ausgestrahlt werden.
Das Leben und Wirken von Bischof Stanislávič wurde von Dr. Claudiu Călin, Diözesanarchivar, in rumänischer Sprache vorgestellt. Auf Initiative der römisch-katholischen Diözese Temeswar – des Diözesanmuseum –, deren Verantwortlicher ebenfalls Dr. Claudiu Călin ist, wurde vor dem Altar des Heiligen Gerhard das Porträt von Bischof Stanislávič ausgestellt, ein Kunstwerk aus Wien, das lange Zeit in Vinga aufbewahrt wurde und sich derzeit im Diözesanmuseum befindet.
Die Mitglieder des Kinderchors Zvanče unter der Leitung von Prof. Elena Doycheva-Dragomir kehrten vor dem Hauptaltar zurück, um zur Freude der gesamten Gemeinde ein weiteres kleines Musikprogramm zum Advent und Weihnachten zu präsentieren.
Nach der Heiligen Messe begaben sich die Priester, die Würdenträger und alle Anwesenden, die dies wünschten, in die Domkrypta zum Grab von Bischof Stanislávič, wo mehrere Gebete für die Seele des so bekannten Hirten dieser Gemeinschaft gesprochen, Trauerlieder gesungen und die alte Inschrift auf dem Grabstein des verstorbenen Hirten in lateinischer Sprache vorgelesen und in rumänischer Sprache erklärt wurden.
Möge das geistliche und väterliche Erbe des Hirten, der durch sein ganzes Leben und Wirken das Leben der bulgarischen Gemeinde im Banat, des Apostolischen Vikariats der Walachei, der Diözese Nicopolis und der alten Diözese Tschanad geprägt hat, die Gegenwart und Zukunft seiner heutigen geistlichen Söhne endlich von der Sorge um das Gemeinwohl, vom Glauben, vom Frieden und vom guten Einvernehmen geprägt sein möge.
Pressestelle der Diözese Temeswar
Aus dem Leben der bulgarischen Katholiken in Bulgarien Ende des 17. Jahrhunderts und einige Momente aus dem Leben und Wirken von Bischof Nikola Stanislávič
1. Der Aufstand der bulgarischen Katholiken gegen den Halbmond
Am 6. September 1689 fand in der bulgarischen Stadt Chiprovți (Ciprovetz) der Große Aufstand zur Befreiung Bulgariens von der türkischen Herrschaft statt. Dieser Aufstand wurde ein halbes Jahrhundert lang vorbereitet, und seinen Hauptorganisatoren – den Geistlichen Petar Bogdan Bakšev (Baksić), Petar Parchević, Francesco Soymirović und Štefan Knežević – gelang es, fast ganz Christlich-Europa in ihre Pläne zur Befreiung Bulgariens einzubeziehen. Etwa 200.000 Menschen beteiligten sich an der von den katholischen Bischöfen initiierten Bewegung. Der Aufstand wurde von den osmanischen Armeen blutig niedergeschlagen. Die kompakteste Gruppe, die dieses Massaker überlebte – die (späteren) Banater Bulgaren, die 50 Jahre lang flüchten mussten –, wurde von Banden gebildet aus Tataren und Türken in verschiedenen Gebieten der Walachei und des Habsburger Reiches angegriffen, während sie darauf warteten, dass die Konflikte endeten und sie in ihre Heimat zurückkehren konnten. Bevor sie sich endgültig im Banat niederließen, gründeten die katholischen Bulgaren mit Unterstützung der österreichischen Militärverwaltung eine Gemeinde in Craiova, dann je eine in Râmnic und in Brădiceni.
Der osmanische Sultan erließ einen Firman, in dem er befahl, die katholischen Dörfer in Bulgarien vollständig zu zerstören: Stein für Stein sollte nichts übrig bleiben. Die jungen Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei verschleppt, die alten Menschen und Frauen wurden getötet.
Mit demselben Firman verbot Sultan Suleiman II. für die nächsten 50 Jahre die Ansiedlung von Katholiken in den zerstörten rebellischen Dörfern und Städten, die zum Osmanischen Reich gehörten, und befahl seiner Armee, Katholiken zu töten, die gegen dieses Dekret verstießen. Einem Drittel dieser Bevölkerung gelang es zu fliehen und sich in verschiedenen Teilen Bulgariens, Serbiens, der Walachei und in ganz Europa niederzulassen. Eine große Gruppe, angeführt vom letzten katholischen Erzbischof von Sofia, Stefan Graf von Knežević, überquerte (viele sogar schwimmend) die Donau und wurde vom Fürsten Constantin Brâncoveanu mit Verständnis und Offenheit empfangen. Unter anderem wegen seiner indirekten Beteiligung an den anti-osmanischen Aufständen wurde Brâncoveanu gefangen genommen und zusammen mit seinen vier Söhnen nach Konstantinopel gebracht, wo diese vor seinen Augen enthauptet wurden, und schließlich töteten die Türken auch ihn auf die gleiche Weise. Ihre Köpfe wurden als Abschreckung für Rebellen durch die ganze Stadt getragen.
————————————————————————–
2. Das Leben und Wirken von Bischof Nikola Stanislávič (1694–1750)
Der zukünftige Bischof wurde – im oben beschriebenen politischen und militärischen Kontext – am 9. Mai 1694 in Craiova als Sohn von Mihai Pauliganich/ Stanislávič und seiner Frau Helena de Vuko et Branko (aus dieser Familie stammte später auch der Temeswarer Dompropst und Werschetzer Dechant, Paul de Vuko et Branko). Nikola trat 1713 in Craiova in den Franziskanerorden ein, wo er sein Noviziat absolvierte, anschließend studierte er Theologie in Italien, in Rom (nach einigen Quellen auch in Loretto, nach anderen Quellen auch in Böhmen/dem heutigen Tschechien) und wurde am 11. April 1717 zum Priester geweiht. Im Jahr 1725 wird er in historischen Quellen als Guardian in Craiova bzw. als Pfarrer dieser katholischen Gemeinde erwähnt.
Die Ernennung zum Bischof von Nicopolis ad Hystrum mit Sitz in Craiova erfolgte am 11. Juni 1725, die Weihe wurde am 24. Juni desselben Jahres in Rom gefeiert. Im September 1725 erhielt er vom Papst, dem Heiligen Vater Clemens XII., den Adelstitel eines römischen Grafen. Über Bischof Stanislávič sagt der Historiker Marius Oanță: „Seine Tätigkeit als Bischof von Nicopolis, dessen Sitz sich jedoch in Craiova befand, einer Stadt, die damals unter Habsburger-Herrschaft stand, war besonders interessant, fruchtbar und zugleich vielversprechend. Sie dauerte jedoch nur etwas mehr als zehn Jahre, bis ein neuer Konflikt zwischen dem Osmanischen Reich und dem Habsburgerreich diesem modernisierenden und zivilisierenden Intermezzo für die walachischen Gebiete ein endgültiges Ende setzte.“
Zu Beginn seiner Amtszeit erhielt Bischof Nikola Stanislávič vom Fürsten der Walachei, Nicolae Mavrocordat, die Befreiung des Klosters von Târgoviște von den Abgaben an die Fürstenkasse.
„Der Zeitraum von 1717 bis 1725, in dem er seine missionarische Tätigkeit ausschließlich im Apostolischen Vikariat von Walachei ausübte, fällt mit dem Beginn der österreichischen Verwaltung über Oltenien zusammen, als die österreichischen Behörden versuchten, eine Reihe von Verwaltungsreformen in dieser Provinz einzuleiten. Es ist sicher bekannt, dass der bulgarische Bischof versuchte, einen bedeutenden Teil der bulgarischen Katholiken, die seine Vorgänger, die Bischöfe von Nicopolis und die Erzbischöfe von Sofia, nicht in der Walachei oder in Oltenien (nach 1716 eine eigenständige Provinz unter Habsburgischen Verwaltung) zu vereinen“, bekräftigt Marius Oanță erneut.
Zwischen 1728 und 1729 versuchte Bischof Stanislávič, die noch in Bulgarien lebenden Katholiken zu versammeln und sie nach Oltenien zu rufen – mit Hilfe des Pfarrers von Russe, Blasius Milli, der später Pfarrer in Alt-Beschenowa wurde.
Für den Wiederaufbau des Pfarrhauses in Craiova bat Stanislávič 1730 Prinz Eugen von Savoyen um Unterstützung, da in dieser Gemeinde, der Hauptstadt des habsburgischen Olteniens, nicht weniger als 2000 Katholiken lebten, die meisten davon Bulgaren. Später bekundete er gegenüber den kaiserlichen Behörden seine Absicht, auch die Kirche in Craiova zu vergrößern, ein lateinisch-deutsches Gymnasium und ein theologisches Seminar zu eröffnen und schlug sogar die Gründung eines katholischen Bistums in Oltenien vor.
Die wichtigsten bulgarischen katholischen Zentren in der Walachei waren damals Craiova, Râmnic, Brădiceni, Cerneț und Islaz, für die Bischof Stanislávič erneut Steuerbefreiungen und Abgabenbefreiungen beantragte und erhielt.
Am 15. Oktober 1732 wurde Bischof Stanislávič auch zum Vikar des Apostolischen Vikariats der Walachei ernannt, wobei er den Titel des Bischofs von Nicopolis ad Hystrum behielt.
Im Jahr 1737, als die Osmanen erneut Oltenien, das Banat und Serbien angegriefen haben – Provinzen die damals unter habsburgischer Herrschaft standen – kommt es zu einer Massenflucht der bulgarischen Katholiken aus der Walachei ins Banat, über Orschowa, Mehadia nach Rekasch, Alt-Beschenowa und Vinga; unter den Flüchtlingen befand sich auch Bischof Stanislávič. Nachdem Oltenien/Kleinwalachei zwischen 1737 und 1739 erneut unter osmanischer Obhut geraten war, lebte der Bischof sowohl in Temeswar als auch vor allem in Wien.
Am 27. September 1739 starb Bischof Adalbert von Falkenstein in Temeswar, und innerhalb von etwa drei Wochen, nach Abschluss des Informativprozesses über die Kandidaten, ernannte Kaiser Karl VI. am 21. Oktober 1739 Nikola Stanislávič zum Bischof von Tschanad, der 1740 auch vom Heiligen Stuhl in diesem Amt bestätigt wurde. Nach der Amtseinführung von Bischof Stanislávič in der Jesuitenkirche in Temeswar, als Bischof von Tschanad, am 5. Februar 1741 erhielt er auch das Amt des Obergespan des Komitats Tschanad, in das er bereits am 2. Januar 1741 von Kaiser Karl VI. berufen worden war. Die Amtseinführung in dieses Amt fand am 27. Februar 1741 in Makó statt. In dieser Zeit ermutigte er auch die in Siebenbürgen ansässigen Bulgaren in Vințu de Jos/Unterwintz, Deva/Diemrich und Alba Iulia/Karlsburg, ins Banat zu kommen.
Bischof Stanislávič war eine dynamische Persönlichkeit, ein Priester und später ein eifriger Bischof, der sich seiner Rolle sowohl gegenüber seinen Landsleuten als auch – vor allem – gegenüber dem katholischen Glauben und den ihm anvertrauten Diözesen bewusst war. Er trug wesentlich zum Bau der Temeswarer Domkirche in den Jahren 1740-1750 bei – aus diesem Grund lesen wir im Triumphbogen der Kathedrale, die Inschrift, die seinen Namen erwähnt.
Bischof Nikola Stanislávič bereiste die Diözese und führte 1741, 1743 und 1747 kanonische Visitationen durch und gründete zehn neue Pfarreien: Mehadia, Vinga, Dognatschka, Sanktanna, Tschanad, Bultsch/Zela, Deutsch-Saska und Kudritz – letzte, heute in Serbien. In diesem Zusammenhang teilte er das Diözesangebiet in vier Dekanate auf, da die Zahl der Pfarreien leicht gestiegen war. Um die finanzielle Stabilität des Bistums zu gewährleisten, bemühte er sich um den Erwerb des Makó-Gutshofs im Jahr 1742 für die Bedürfnisse der Diözesanverwaltung, wodurch er ihr ein sicheres Einkommen sicherte und Arbeitsplätze in Makó schuf.
Er kümmerte sich auch um zwei griechisch-katholische Pfarreien: Zăbrani (bei Guttenbrunn) und Temeswar-Fabrikstadt. Er war es offenbar, der 100 Jahre vor der Gründung eines griechisch-katholischen Bistums in Lugosch die Entstehung eines solchen Bistums vorschlug und damit eine klare organisatorische Vision in kanonischen Fragen bewies.
Es war ebenfalls Bischof Stanislávič, der 1741 die Pfarrei Vinga gründete und sich um ihre Ausstattung kümmerte, woraufhin er den Grundstein für die erste Kirche des Ortes legte. Da er Verwandte in Vinga hatte, kümmerte er sich in den Jahren nach dem Exodus aus Oltenien ins Banat auch um deren Situation und erlangte für seine Verwandten Privilegien, darunter auch die Erhebung in den Adelsstand.
Mit Beginn der theresianischen Kolonisation kamen immer mehr deutsche, katholische Familien ins Banat, sodass Bischof Stanislávič in diesem Zusammenhang 1743 die Pfarrei Tschanad (wieder) gründete und sorgte für den Bau einer Kirche dort, aus den mittelalterlichen Ruinen der alten Kultstätten und den Überresten der alten Bischofsresidenzen.
Er war von relativ schwacher Gesundheit und befand sich mehrmals in lebensbedrohlichen Situationen, sodass er 1750, nach dem Osterfest, am 26. April im Alter von nur 56 Jahren im Herrn entschlafen ist und in der Krypta der Domkirche beigesetzt wurde. Auf seinem Grabstein steht unter anderem in aller Bescheidenheit „Sünder” geschrieben…
Dr. Claudiu Călin, Diözesanarchivar















