Was verbindet die Kaiserliche Kapelle (Kaiserkapelle) in der Kapuzinerkirche in Wien mit der Kirche in Merzydorf (Carani) im Banat? Auf den ersten Blick: nichts. Doch wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf die Innenausstattung dieser beiden heiligen Räume richten, entdecken wir eine seltene und rührende Darstellung der Gottesmutter: das Bild Mariens als Mutter, die ihr Kind stillt – der ikonographische Typus „Maria lactans“. Schon auf den ersten Blick zeigen die beiden Darstellungen erstaunliche Ähnlichkeiten, die kaum zufällig sein können. Vom Gnadenbild der Kaiserkapelle wurden mehrere Kopien angefertigt, von denen einige auch nach Ungarn und Siebenbürgen gelangten. Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass sie – zumindest eine – auch das Banat erreichten. Oder hat vielleicht ein Künstler dieser Region eine Kopie der Wiener Ikone geschaffen?
Reproduktionen der Ikone

Auf dem Gebiet des heutigen Ungarn, in der Diözese Raab/ Győr, liegt Vértessomló (in der Sprache seiner deutschen Bewohner: Semmling), ein Wallfahrtsort, an dem eine Kopie der Wiener Ikone aufbewahrt wird. Laut Angaben der Seite bucsujaras.hu: „Im Jahr 1736 fertigte Frau Krisztina Julianna Fahrer eine Kopie der Ikone der Gottesmutter an, die das Jesuskind mit ihrer Milch nährt und sich in der Kirche der Kapuziner in Wien befindet. Diese Kopie wurde mit dem Originalbild berührt und später den Kapuzinern von Óvár (Mosonmagyaróvár/ Wieselburg-Ungarisch Altenburg/ Stari Grad) geschenkt. Von dort brachte Pater András die Ikone in die Einsiedelei von Vértessomló.“ Vor 1736 befand sich am Waldrand nahe der Ortschaft eine verfallene Kapelle. „Graf József Esterházy vergrößerte sie und stattete sie mit einem schönen Heiligtum aus; Julianna Fahrer, die fromme Ehefrau eines Wiener Kaufmanns, ließ für diese Kapelle eine Kopie der wundertätigen Ikone der Gottesmutter anfertigen, die in der Kirche der Kapuziner in Wien aufbewahrt wurde. Zu dieser Ikone begann bald das Volk aus der Umgebung in großer Zahl zu pilgern, sodass der Ort zu einem Wallfahrtsziel wurde. Im Jahr 1875 wurde die Kapelle in eine Kirche umgewandelt“ – berichtet der Historiker Samu Borovszky in seinem Werk „Komitate und Städte Ungarns – Komitat Komárom und die Freie Königliche Stadt Komárom“.
In seinem Werk „Marienverehrung in Siebenbürgen. Mariendarstellungen in den Kirchen Siebenbürgens“ erwähnt Dr. Zsolt Kovács, Dozent für Kunstgeschichte an der Babeș–Bolyai-Universität: „Die Gnadenikone römischen Ursprungs, Maria lactans – die Gottesmutter, die das Kind stillt – wurde in der Kirche der Kapuziner in Wien als eine Darstellung der Anrufung aus der Lauretanischen Litanei, »Trösterin der Betrübten«, verehrt. Der ikonographische Typus der stillenden Maria zeigt die Gottesmutter als Quelle des Lebens und des Heils. Das Ölgemälde in der römisch-katholischen Kirche von Salzmarkt (Ocna Sibiului), die am Ende des 18. Jahrhunderts erbaut wurde, entstand höchstwahrscheinlich in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts als Kopie des Wiener Bildes. Maria ist frontal dargestellt, trägt ein rotes Kleid und einen grünen Mantel, und auf ihrem Schoß sitzt das in Weiß gekleidete Jesuskind. Charakteristische Details sind die mit Blättern verzierte goldene Krone sowie die doppelte Perlenkette am Kragen des Gewandes, geschmückt in der Mitte mit einem roten Kreuz.“
Die Ikone von Merzydorf zeigt eine ähnliche Darstellung: die Gottesmutter als Königin und zugleich als Mutter, die ihr Kind stillt. Sie trägt ein rotes Kleid mit doppelter Perlenkette am Kragen und einem roten Kreuz, darüber einen blauen Mantel und eine goldene Krone. In ihren Armen hält sie das Jesuskind, das in eine weiße Tunika gekleidet ist. Als wertvolles Stück des Diözesanmuseums in Temeswar, wo sie heute aufbewahrt wird, vermittelt die Ikone der heutigen Generation die Marienverehrung ihrer Zeit und bewahrt zugleich die Erinnerung an die wiener Kapuziner.
Die Kapuziner und die Verehrung der Gottesmutter
Laut dem Ökumenisches Heiligenlexikon sind „die Kapuziner – lateinisch Ordo Fratrum Minorum Capuccinorum (OFMCap.) – ein selbstständiger Zweig des Franziskanerordens. Sie entstanden als Reformgruppe, wurden 1528 durch Papst Clemens VII. anerkannt und verpflichten sich zu noch radikalerer Armut. Ein zentrales Anliegen ihres pastoralen Wirkens war die tiefe Nähe zum Volk, die sich vor allem in leidenschaftlichen und eindringlichen Bekehrungspredigten zeigte – daher die Bezeichnung «Kapuzinerpredigt». Ein seelsorglicher Schwerpunkt ist ihr sehr volksnahes Apostolat, das sich vor allem in feurigen und dramatischen Bußpredigten äußerte, daher der Ausdruck Kapuzinerpredigt. Ihre Beliebtheit unter den Katholiken verdanken die Kapuziner vor allem ihrem Engagement für Arme und Notleidende, Obdachlose und Kranke.“ Die Verehrung der Gottesmutter hat ihre Wurzeln ebenfalls in der Spiritualität des hl. Franz von Assisi, der Maria „Herrin, heilige Königin“ nannte und sprach: „du bist Jungfrau, zur Kirche gemacht und erwählt vom heiligsten Vater im Himmel,
die er geweiht hat mit seinem heiligsten geliebten Sohn und dem Heiligen Geiste, dem Tröster; in der war und ist alle Fülle der Gnade und jegliches Gute.“ Mitglieder des Kapuzinerordens sind auch heute weltweit präsent – sowohl an marianischen Wallfahrtsorten wie Altötting (Deutschland), Maria Fieberbründl (Oststeiermark), Zell am Harmersbach (Deutschland), Dublin (Irland), Loreto (Italien) – als auch im missionarischen Dienst.
Die Kaiserliche Kapelle in Wien
Seit 380 Jahren ist die an Kirche und Kloster angeschlossene Kapuzinergruft als Begräbnisstätte der Habsburger untrennbar mit Österreichs Geschichte verbunden. Die Kapuziner waren von Anfang an „Hüter“ dieser Begräbnisstätte, in der 12 Kaiser, 19 Kaiserinnen und zahlreiche weitere Mitglieder der Familie Habsburg bzw. Habsburg-Lothringen bestattet sind. Die Grundsteinlegung für Kapuzinerkloster und Kirche erfolgte im Jahr 1622. Aufgrund der politischen Verhältnisse wurde die Weihe der Kirche in zwei Schritten vorgenommen: Altäre und Seitenkapelle 1627, die gesamte Kirche erst 1632. (cf. www.erzdioezese-wien.at).
Der österreichische Privatforscher Paul Harrer‑Lucienfeld schreibt in seinem Werk „Wien, seine Häuser, Menschen und Kultur“ (Bd. 6, 1. Teil, 1956): „Das Kircheninnere repräsentiert sich uns als einschiffiges Langhaus mit Tonnengewölbe geradem Chorschluss und je einer Seitenkapelle. Den Vorschriften des Ordens gemäss schlicht gehalten, zeigt nur die linke Seitenkapelle, die sogenannte Kaiserkapelle, eine etwas reichere Ausstattung. Sie ist das einzige erhaltene Beispiel echt italienischer Hochrenaissance in Wien.
Kaiserin Anna hatte 1618 knapp vor ihrem Tode testamentarisch verfügt: «Ich verschaffe auch zur erbauung Einer daselbstigen Capelle und Altar sambt unserer Begräbnus 12 .000 fl (10800 hatte die Kaiserin zur Erbauung der Kirche gestiftet) und meine Heiligthumb alle, so mir von unterschidlichen orthen geschickt und geschenckht worden, zu zürung der gesagten Capellen und Altar, da Ihro Kayl .May. mein liebster Herr und Gemahl ordnen wird, gesezt und iederzeit fleissig erhalten und verwahret werden sollen.» 1628 bewilligte der Hof 1000 Gulden, «für die hantwerkhsleith so bei der kaiserlichen Capellen daselbst arbeithen». 1631 wieder 2000 Gulden. 1632 fand die Einweihung der Kapelle statt. Mit dem Kirchenschiff steht sie durch eine hohe Arkade in Verbündung,- darüber eine grosse Knorpelwerkkartusche mit der lateinischen Inschrift, die sich auf die Gründung bezieht. Der ursprünglich von Hofbildhauer Hanns Frech ausgeführte Altar wurde am 23. Juli 1632 aufgestellt. Der gegenwärtige Marmoraltar, bereits klassizierend, mit dem Gnadenbild «Mariä, Trösterin der Betrübten», trägt reiche Silberfassung, und stammt aus dem Jahr 1751. Er dürfte von Jean Nicolas Jadot de Ville Lassy entworfen sein, der zur gleichen Zeit die Maria Theresien Gruft erbaute.
Das von Kapuzinerpater Josef Anton aus Trivigliano nach Wien gebrachte Gnadenbild war ein Geschenk an die kaiserliche Familie. Die Legende, die sich an dieses Bild knüpft, erzählt Realis, Curiositäten und Memorabilienlexikon von Wien, I, 379, S. 16f. Über Wunsch der Kaiserin Elisabeth Christine wurde das Bild zuerst auf dem Hochaltar aufgestellt, kam aber dann in die Kaiserkapelle.
Kaiserin Maria Theresia war eine häufige Besucherin der Kapelle, wo sie sich auch die heilige Communion spenden liess.“
Madonna di San Guglielmo – Vorbild der Wiener Ikone?
Der österreichische Kunsthistoriker Hans H. Aurenhammer schreibt in seinem Werk „Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit“, dass die Ikone der Kaiserlichen Kapelle in Wien in Wirklichkeit eine Kopie der „Madonna di San Guglielmo“ sei, die im Benediktinerkloster Montevergine in Italien aufbewahrt wird. „Montevergine, Benediktinerkloster, Coretto di Notte. Tempera auf Holz, 231 X 99 cm, stark beschädigt, Goldgrund erneuert, Antlitz der Madonna etwas übermalt. Süditalienisch, 1270—80.
Ikonographie und Typus: Das Gnadenbild ist ikonographisch eine Galaktotrophusa (3, 4, 5, 8) in einer bemerkenswert altertümlichen Form der Darstellung. Die Muttergottes streng frontal sitzend gegeben, das Kind wird von ihrer linken bzw. rechten Hand gehalten, wobei es fast aufrecht — von der anderen Hand der Mutter unterstützt — sich der entblößten Brust nähert“ – schreibt der Autor und bemerkt, dass die Ikone in der Kapuzinerkirche, der Kaiserlichen Kapelle, eine „Kopie vom Anfang des 18. Jahrhunderts eines Wallfahrtserinnerungsbildes, einer «Copia auf Papier gemalt» der «Madonna di San Guglielmo». Trotzdem in einer wenig späteren Literaturstelle, das Gnadenbild von Vallabona in der Diözese Sabina als unmittelbares Vorbild des Wiener Gnadenbildes angeführt wird, muß hier auf die «Madonna di San Guglielmo» zurückgegriffen werden, da sie offenbar auch den Urtypus für das Bild von Vallabona darstellt, falls dieses überhaupt existiert (in der einschlägigen Literatur konnte es nicht nachgewiesen werden). Seine Existenz würde allerdings manche Modifizierung des Wiener Bildes gegen über dem Urtypus erklären. Die Gleichheit zwischen dem Wiener Bild und der «Madonna di San Guglielmo» besteht vor allem im allgemeinen Habitus der Muttergottes, der in seiner strengen Form sowohl in der Entstehungszeit des Wiener Gnadenbildes, als auch früher bei der Madonna lactans unüblich ist. Sie erstreckt sich sogar auf die offenbar vom Kopisten mißverstandene Form der Krone der Muttergottes. Abweichend vom Gnadenbild des Montevergine ist der Grad der Vermenschlichung, der sich im Verhalten des Kindes zeigt. Es liegt nicht nur halb, sondern umklammert sogar die mütterliche Brust — Züge, die nach Lasareff der Kunst des Trecento und der folgenden Zeit zu eigen sind. Da sich aber ein Muttergottesbild dieser Art, das den Typus der «Madonna di San Guglielmo» abwandelt, nicht feststellen läßt, muß angenommen werden, daß entweder der Kopist diese Änderung vorgenommen hat, oder das bis jetzt nicht nachzuweisende Gnadenbild von Vallabona als das notwendige Mittelglied die Reihe Montevergine—Wien, Kapuzinerkirche vervollständigt. Nach dem „Gründlichen und wahrhaften Bericht’* (1) fand der Kapuzinerpater Joseph Antonius von Trivigliano auf einer Missionsreise in der Gegend von Bari eine Kopie auf Papier, ein Wallfahrtserinnerungsbild des Gnadenbildes von Vallabona in der Diözese Sabina und verehrte sie selbst sehr. Als apostolischer Missionär brachte er 1727 das gefundene Bild mitsamt einer inzwischen angefertigten Kopie nach Wien. Das erstere schenkte er Karl VI., der es selbst verehrte und an Maria Theresia weitergab, die es in ihrem Schlafzimmer zur Verehrung anbringen ließ. Dieses Bild ist heute verschollen. Die Kopie kam als Eigentum der Kaiserin Elisabeth Christine zuerst vorübergehend und dann ständig zu den Kapuzinern, die sie noch im selben Jahr 1727 zur Verehrung in der Kaiserkapelle aufstellten.“ [(1) „Gründlicher und wahrhafter Bericht von dem wunderbaren Ursprung des marianischen Gnadenbildes unter dem Titul: Trösterin der Be trübten in der Kirche der P. P. Kapuziner … Wien 1777.]
Merzydorf – im Licht der historischen Daten
„Die ersten Ansiedler waren Italiener und einige Franzosen. Die ersten deutschen Ansiedler kamen 1764 nach dem Siebenjährigen Krieg, Pest und Sumpffieber unter Anweisung von Maria Theresia. Die eigentliche deutsche Kolonisierung unserer Gemeinde wurde 1765 durchgeführt. So entstanden viele neue Koloniestenhäuser. 1768/69 erfolgte eine letzte große Einwanderung aus dem Elsass-Lothringen, Luxemburg und Trier. Durch die Umstände des 2. Weltkrieges begann schon die Auswanderung der deutschen Bevölkerung die sich über die Jahre verstärkte und nach der Revolution 1989 ihren Abschluss fand“ – heißt es auf der Webseite der Heimatortsgemeinschaft Merzydorf.
In Samu Borovszkys Werk „Komitate und Städte Ungarns“ befindet sich für die im Komitat Temesch gelegene Ortschaft Mercydorf folgende Beschreibung: „Im Steuerregister des Jahres 1717 erscheint im Distrikt Temeswar ein Ort namens Kayragn, in dem damals 16 Häuser bestanden. Dieser scheint identisch zu sein mit »Pusta Karan«, das auf der zwischen 1723 und 1725 von Graf Mercy erstellten Karte erwähnt wird. Hier siedelte General Engelshofen Italiener und Spanier an, und die neue Ortschaft erhielt nach Graf Claudius Florimund de Mercy den Namen Mercydorf. Weder die Spanier noch die Italiener konnten sich an das Klima hier gewöhnen und verschwanden bald; die wenigen italienischen Familien, die blieben, gingen im Laufe der Zeit in den Deutschen auf, die sich 1764–1765 hier niederließen. Auf der offiziellen Karte von 1761 erscheint der Ort unter der Bezeichnung „Karan oder Mercydorf“. Die alte römisch‑katholische Kirche wurde 1735 erbaut, die heutige im Jahr 1788. Die Gemeinde wurde von vielen Unglücken heimgesucht: 1738 verwüstete die Pest, 1823 zerstörte ein Sturm die gesamte Ernte, 1829 vernichtete ein Schneesturm den gesamten Viehbestand auf der Weide, 1863 herrschte Hungersnot, und 1869 richtete ein großer Brand verheerende Schäden an.“ Einer der ersten Pfarrer von Merzydorf, der Italiener Carlo Tazzoli, wurde Domherr der Kathedrale (Domkirche) in Temeswar, wo er 1751 starb. Er war der erste Geistliche, der in der Domkrypta beigesetzt wurde, sein Grab ist bis heute erhalten geblieben.
Die Ikone von Merzydorf – auf dem Feld gefunden
S.E. Martin Roos, emeritierter Bischof von Temeswar, schreibt in seinem umfassenden Werk über die Geschichte der Diözese Tschanad und Temeswar, „Erbe und Auftrag“ (Bd. I,2a, Kap. 3):
„Eine große Seltenheit in unseren Gefilden ist die Darstellung der Gottesmutter als die Stillende, Maria lactans, wie die Fachleute solche Bilder nennen. Dennoch ist es ein menschlich berührendes Moment, was die sorgende, nährende, erhaltende, das Leben schützende Darstellung uns zeigt, eine Sorge, auf die jeder am Anfang seines irdischen Daseins angewiesen war. Immer wieder kehrt der Mensch gerne an diesen bergenden Quell der Mütterlichkeit zurück – sich erinnernd in Dankbar-keit und meditierend im Gebet. Maria mit dem Kind ist dafür Symbol und Wirklichkeit zugleich.
Der Ursprung dieser Darstellungsart der Gottes-mutter liegt in Ägypten, wo sie sehr beliebt war und in den ältesten Beispielen in das 5./6. Jahrhundert zurückreicht. Nach der Zeit der Bilderstürmer fand diese Darstellung auch im Byzantinischen Kaiserreich Verbreitung und ist hier als Galaktatrophusa bekannt. Ihre Spuren lassen sich auch in der europäi-schen Kunst des 14./15. Jahrhunderts nachweisen.
Über Entstehungszeit und Herkunft unserer Darstellung ist wenig bekannt. Sie befand sich ursprünglich in der Pfarrkirche von Merzydorf, ist in einen Metallrahmen mit Krone und Strahlenkranz gestellt und galt im Volksmund als Gnadenbild, das die Pilger bei ihrer Wallfahrt nach Maria Radna stets mittrugen. In einen Holzkasten gesenkt und von einem breiten, feinen Filigran- und Perlenband umgeben, zeigt das Bild die thronende Gottesmutter, das Jesuskind auf dem Schoß haltend und ihm die mütterliche Brust darbietend. Angeblich, so das Heimatbuch von Merzydorf, soll es auf dem Feld gefunden worden sein.
Im Inventarverzeichnis des Jahres 1770 findet sich folgender Hinweis: 1. Maria bild Mit Rahm und glaß, worin 4 ordinarij schnür, weisse perl, Darzu Einen blauen seydenen Mandel Mit silberne börtel. Dies kann sich nur auf unser Bild bezie-hen, denn ein anderes Marienbild wird hier nicht genannt. Doch schon 1768, dem ältesten Inventar-verzeichnis zur Kirche von Merzydorf heißt es, ohne das Bild näher zu beschreiben: Die opfer bey der Mutter gottes 1 Silbernes Herz, 1 Cremnizer Ducate, 1 Silberner Ring, 2 Mehr stuck eines gulden grösse, 1 Eingefaster Johannes Nepomuceni.
Beachtet man diese Hinweise, so läßt sich zu unserem Bild folgendes festhalten: Das Bild war spätestens 1768 in der Merzydorfer Pfarrkirche und wurde als Gnadenbild hoch verehrt. Daß es etwas Außerordentliches für unsere Gegend bedeutet, fällt auf den ersten Blick wohltuend auf.
Und dies erst recht, wenn man zwei Jahre später im Inventarverzeichnis lesen darf: 1 Silbernes Herz bey der Mutter Gottes, 2 Cremnitzer Ducaten, 5 Kayser-liche dahller, 2 Kayserliche Gulten, 1 Venetschiani-sches silbernes stuck, 16 Silberne Creützel, 2 silberne Ring, 1 grüner schreckstein mit silber Ein gefaßt, 3 zwantziger bey der Mutter gottes. Die Verehrung des Gnadenbildes war anscheinend noch gewachsen.“
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Aufgrund ihrer Seltenheit ist die „Maria lactans“-Ikone von Merzydorf nicht nur ein Schatz der lokalen Gemeinschaft, sondern auch ein besonderer Bezugspunkt für die gesamte Region. Dieser ikonographische Typus, der eine der sensibelsten und menschlichsten Formen der Marienverehrung darstellt, schafft eine Brücke zwischen Wien, Montevergine und dem Banat. Ihre Bewahrung und Weitergabe bedeutet nicht nur Respekt vor der Vergangenheit, sondern auch die Stärkung der gemeinschaftlichen Identität und des Glaubens – eine Quelle der Kraft für kommende Generationen. Die Fürsprache Mariens sei uns stets Trost.
Pressestelle der Diözese Temeswar
Foto: Pressestelle der Diözese Temeswar; Archiv der Diözese Temeswar; dr. Zoltán Eperjesi







