Maria Radna feiert heuer ein doppeltes Jubiläum: 500 Jahre seit der Errichtung der ersten Kapelle im damaligen Weinberg, am Ort der jetzigen Wallfahrtskirche, aber auch 200 Jahre seit der Kosekrierung des Gotteshauses durch den Erzbischof von Gran/Esztergom, durch den damaligen Fürstprimas Alexander Rudnay. Auch wenn die Gesundheitsvorschriften keine grossen Feierlichkeiten erlauben, kann der historische Moment nicht unmarkiert bleiben.
Die Ereignisse der Vergangenheit werden in schriftlichen Chroniken aufbewahrt; Augenzeugen sprechen am authentischsten über die jüngsten und gegenwärtigen Ereignisse. Die nächsten Seiten enthalten die Worte unterschiedlichen Menschen: Gottesdiener, ältere Menschen, die an ihrer Religion festhalten, junge Menschen, die im Glauben aufwachsen, Bewahrer unserer gemeinsamer Feste und Pilger am jahrhundertealten Gnadenort von Maria-Radna.

Mein name ist Andreea-Diana Lauş, bin 19 Jahre alt und bin Studentin an der Politechnischen Universität Temeswar. Ich gehöre zur Pfarrgemeinde Temeswar-Josefstadt und bin Mitglied der Jubilate-Studentengruppe.

– Welche ist Ihre erste Kindheitserinnerung von diesem heiligen Ort? Mit wem sind Sie zum ersten Mal nach Radna gefahren?
– Mit Sicherheit waren es meine Eltern die mich nach Radna brachten! Ich habe diesbezüglich keine konkrete Erinnerung aus meiner Kindheit; es gibt nur Fragmente von bestimmten Momenten, wie z.B. als ich den Kreuzweg hinauf gegangen bin, zu Fuß oder in den Armen meines Vaters, dann die Erinnerung an den Stufen zur Basilika, die wir hinaufgestiegen sind (Stufen, die dann an einigen Stellen gebrochen waren, daneben waren leere Bildstöcke, wo Statuen oder Bilder fehlten, die mich in gewisser Hinsicht erschreckten).

– Wann sind Sie zum ersten Mal alleine oder mit einer Gruppe junger Leute nach Radna gefahren? Was haben Sie in diesen Momenten gefühlt?
– Ich war noch nie alleine in Radna. Das erste Mal, dass ich Radna mit einer Gruppe besuchte, war in der Grundschule, zusammen mit dem Lehrer und dem Rest meiner meist orthodoxen Kollegen. Ich hatte ein ziemlich schwer zu beschreibendes Gefühl, Freude, weil ich an einen Ort zurückgekehrt war, der mir bekannt und lieb war, aber auch Seelenfrieden.

– Waren Sie schon einmal zu Fuß auf einer Pilgerreise nach Radna und wie haben Sie es erlebt? Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie unterwegs in den unterschiedlichen Gemeinden empfangen und aufgenommen wurden? Oder wenn Sie auf dem Weg in verschiedenen Orten, einschließlich Kirchen geschlafen haben?
– Ja, ich bin schon zwei Mal auf einer Pilgerreise nach Radna gelaufen. Jedes Mal, wenn ich aufgrund des Gewichts dieser Kilometer, widersprüchliche Gefühle erlebte – von Qual bis Ekstase – haben die Menschen um mich herum die Zeit schneller vergehen lassen, das Gebet war in gewisser Weise tiefer und die Lieder erreichten die Seele schneller.
Jede Gemeinde, die uns auf dem Weg empfing, begrüßte uns mit offenen Armen und Freude in ihrem Herzen, ich fühlte mich nicht allein. In Dumbrăvița/ Neusentesch wurden wir von den Gläubigen, im Pfarrhaus, mit dem Frühstück, mit viel Lächeln und Ermutigung begrüßt, was uns die Energie gab, die wir für den ganzen Tag brauchten. Um die Mittagszeit, als uns die Hitze der Sonne fast die ganze Kraft wegnahm, gelang es uns, Pișchia/ Bruckenau zu erreichen, wo wir mit leckeren Krapfen erwartet wurden, die meisterhaft von fleißigen Frauen zubereitet wurden. Die wussten, dass wir – wie jedes Jahr – dort ankommen werden. Ferner, ist die Kirche von Mașloc/ Blumenthal der Ort, an dem die Füße etwas länger ruhen können, weil wir dort einige Stunden innehalten. Die letzte Station vor Radna ist das Caritas-Zentrum in Lipova/ Lippa.

– Im Laufe der Jahre haben Sie in Radna verschiedene Pilger und Gruppen von Gläubigen getroffen, die jeweils in ihrer eigenen Sprache singen und beten. In welcher Beziehung stehen Sie zu diesem Reichtum an Sprachen, musikalischen Schätzen und Gebeten, die hier gesprochen werden?
– Diese Vielfalt überrascht mich immer wieder. Wie beziehe ich mich dazu? Ich schaue und höre offen zu, ich versuche den Zweck, die Traditionen und die Neigungen zu verstehen. Was mir am meisten Freude bereitet, ist die Tatsache, dass die Menschen diese Sitten, die sie voneinander unterscheiden aber auch als Kultur und Herkunft definieren, dass die älteren Menschen es schaffen, den jungen Menschen diesen Reichtum zu vermitteln, dass es über die Jahren nicht verloren geht.

Was bedeutet für Sie Maria Radna?
– Maria Radna ist vor allem ein Wallfahrtsort. Ob ich in den Ferien dorthin gehe oder fahre, wenn ich kaum einen ruhigen Ort finde oder an einem gewöhnlichen Tag, das Gefühl ist immer das gleiche: Freude – denn es ist ein Ort, an dem es unwiederbringlich gelingt, Menschen vor den Herrn zusammenzubringen, aber auch Frieden und Ruhe, die im Tumult des täglichen Lebens immer schwieriger zu finden sind. Ich werde bei jeder Gelegenheit gerne nach Radna fahren.

– Das Pressebüro der Diözese Temeswar bedankt sich herzlichst für das Gespräch!