Ordinarius Substitutus Ferdinand Hauptmann: 30 Jahre seit seinem Hinscheiden

von Dr. Claudiu Călin,
Erwin Josef Ţigla

In seiner Heimatstadt Reschitza erinnerte man sich vor kurzem im Rahmen einer Dokumentationsausstellung und durch Gebete nach der deutschen Sonntagsmesse vom 18. August an Msgr. Ferdinand Hauptmann, Ordinarius Substitutes der Temeswarer Diözese.
Ferdinand Hauptmann wurde am 20. Juni 1913 in Reschitza geboren. Er studierte zwischen 1923-1931 am Deutschen Realgymnasium Temeswar. Danach folgte in den Jahren 1931-1936 sein Studium der Theologie in Temeswar. Zum Priester wurde er am 29. März 1936 in der „Maria Schnee“-Heimatkirche in Reschitza geweiht. Es folgten die Jahre als Kaplan in Großsanktnikolaus (1936 – 1938) und ab dem 1. September 1938 in Temeswar I – Innere Stadt. Seine Ernennung zum Katecheten, bzw. Religionslehrer kam 1940. Als solcher war er in den Schulen, am Gebiet der Pfarrei Temeswar Innere Stadt tätig. In diese Zeit fällt auch seine Ernennung zum Praebendarius der Domkirche zu Temeswar. Zwischen dem 2. September 1944 und bis am 31. Dezember 1945 war er ad Interim in der Pfarrei Arad (Zentrum) tätig, kam aber wieder in die Innenstädter Stadtpfarrkirche, nach Temeswar zurück. Nachdem Pfr. Josef Pless 1951 festgenommen wurde, leitete Ferdinand Hauptmann die Pfarrei in der Temeswarer Inneren Stadt.
Am 16. Juni 1950, am Dreifaltigkeitssonntag, delegierte Bischof Pacha den Kaplan Ferdinand Hauptmann, das Rundschreiben, das das kommunistische Regime bloßstellte und arg verurteilte, von der Kanzel der Temeswarer Domkirche zu lesen. Dies wurde von der Bukarester Nuntiatur gesendet, weist aber auch den starken Stil Bischof Pachas auf. Der Hirtenbrief war damals schon in drei Sprachen (Deutsch, Ungarisch und Rumänisch) verfasst.
1950, als Bischof Augustin Pacha nach Karaschowa / Carașova in Urlaub fuhr, nahm er den jungen Kaplan Ferdinand Hauptmann von der Innenstädter Stadtpfarrkirche Temeswar mit. Während dieser Zeit wohnte er im Pfarrhaus von Karaschowa. Bischof Pacha nahm die geheime Bestimmung eines Ordinarius Substitutus für den Fall, dass er selbst in der Ausübung seines Amtes behindert sein wird, vor. Ein Erlass von Rom sah vor, dass jeder Bischof zwei Geistliche bestimmen musste, die im Falle seiner Amtsbehinderung sofort die Leitung seiner Diözese übernehmen und diese so lange wahrnehmen sollten, bis von Rom anders verfügt werde. Der Erlass trug den Namen „De Nominatione Substituorum“ und wurde schon 1948 den katholischen Bischöfen Rumäniens bekanntgemacht. Pacha bestimmte dazu – nach 1954 – an erster Stelle Konrad Kernweisz, den Spiritual der Armen Schulschwestern und an zweiter Stelle Ferdinand Hauptmann, den Pfarrer der Innenstädter Stadtpfarrkirche. Die ersten Ordinarii Substituti waren Josef Pless (1948 / 1950 – 1951), Generalvikar, Domherr und Pfarrer in Temeswar I – Innere Stadt, Iván Frigyér, Domherr und Pfarrer in Temeswar VI – Fratelia und vermutlich Josef Waltner, Domherr und Kanzleidirektor, der aber gleichzeitig mit Pless von der Securitate verhaftet wurde und somit höchstwahrscheinlich nie seine Jurisdiktion ausübte. Der geheime Bischof Adalbert Boros gehörte zu dieser Gruppe, jedoch – soweit die bisherigen Recherchen es bewiesen haben – war er nie für das Amt eines Ordinarius Substitutus vorgesehen.
Nach seiner „Begnadigung“ und Entlassung aus dem Kerker im Sommer 1954, setzte Bischof Augustin Pacha die nächste Reihenfolge der Ordinarii fest: Konrad Kernweisz (der das Bistum von 1954 – 1981 leitete) und Ferdinand Hauptmann (1981 – 1983). Kernweisz wurde mehr oder weniger von der Securitate, bzw. vom Kultusdepartment („Departamentul Cultelor“) zusammen mit Generalvikar Dr. Cziza als „protopop“ anerkannt, obwohl die kommunistischen Machthaber kein großes Vertrauen in ihn hatten. Ferdinand Hauptmann wurde aber nie anerkannt und da er auch von kränklicher Natur war, entschied er sich auch zurückzuziehen. Er liebte Musik und Kultur und war weniger in Verwaltungsproblemen impliziert. Sein Amt übernahm Sebastian Kräuter, der Anfang 1990 zum Temeswarer Diözesanbischof geweiht wurde. 1972 wurde Ferdinand Hauptmann der Titel Monsignore verliehen.
Msgr. Ferdinand Hauptmann starb in Temeswar am 14. August 1989 und wurde am Lippaer (Innenstädtischen) Friedhof in Temeswar im Familiengrab beerdigt.
Die Reschitzaer erinnerten sich an ihn anlässlich des 100. Geburtstages. So wurde am 15. Juni 2013 ein Konzert in der „Maria Schnee“-Pfarrkirche mit Gertrude Stețco (Orgel) und Claudia Crețu (Gesang) organisiert. Der Höhepunkt des Gedenkens fand aber am 16. Juni 2013 statt. In der Reschitzaer „Maria Schnee“-Pfarrkirche feierte man anlässlich seines 100. Geburtstages und zugleich auch anlässlich des „20. Reschitzaer Deutschen Trachtenfestes“ eine Festmesse, konzelebriert von Domherr Johann Dirschl, Generalvikar der Temeswarer Diözese, und Domherr József Csaba Pál, römisch-katholischer Erzdechant des Banater Berglands, im Beisein des damaligen evangelisch-lutherischen Pastors des Banater Berglands, Pfr. Egon Wonner. Dabei war auch der Archivar der Temeswarer Diözese, Claudiu Călin. Musikalisch wurde die Gedenkmesse durch den Chorus & Capella Ecclesiae Cathedralis Timisoarensis, unter der gesamten Leitung von Prof. Dr. Walter Kindl untermalt. Es wurden folgende Werke aufgeführt: von Wolfgang Amadeus Mozart – Krönungsmesse, Laudate Dominum, Alleluja, Sonate in C und Ave verum corpus, von Carl Maria von Weber – Gloria et honore. Als Solisten traten auf Teodora Ciucur, Alina Todea und Maria Onița (alle, Soprans), Georgeta Cârdu (Alt), Daniel Zah (Tenor) und Lucian Onița (Bariton). An der Orgel begleitete Dr. Silviana-Ana Cîrdu von der West-Universität Temeswar. Konzertmeister war Dr. Johann Fernbach. Den Temeswarern zur Seite standen die Mitglieder des Reschitzaer „Maria Schnee”-Kirchenchors „Harmonia Sacra” unter der Leitung von Georg Colța
Zu diesem Anlass brachten der Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ und das Demokratische Forums der Banater Berglanddeutschen einen Sonderbriefumschlag mit Sonderstempel heraus. Dasselbe taten die beiden Reschitzaer deutschen Vereine auch in diesem Jahr, als man sich an den 30. Todestag des in Reschitza geborenen Msgr. Ferdinand Hauptmann erinnerte.

2019-08-17T13:45:04+03:00 2019. August 17 - 13:33|Kategorien: Nachrichten|