Zum 10. Mal fand am Sonntag, dem 2. August in der Banater Wallfahrtskirche „Mariä Verkündigung“, unter der Ikone der Gottesmutter „Maria, Mutter der Gnaden“ in Radna an der Marosch (Kreis Arad) die Deutsche Wallfahrt statt. Ins Leben gerufen vor 9 Jahren vom damaligen Temeswarer Diözesanbischof Msgr. Martin Roos, bezeugt die Deutsche Wallfahrt nach Maria Radna den Willen der deutschen katholischen Gemeinschaft im Banat, aber auch den der ausgewanderten Landsleute, die seit Generationen weitergereichte Anziehungskraft des hier erlebten christlichen Glaubens. Maria Radna feiert heuer ein doppeltes Jubiläum: 500 Jahre seit der Errichtung der ersten Kapelle am damaligen Weinberg, am Ort der jetzigen Wallfahrtskirche, aber auch 200 Jahre seit der Kosekrierung des Gotteshauses durch den Erzbischof von Gran / Esztergom (heute Ungarn), durch den damaligen Fürstprimas Alexander Rudnay.
In diesem Jahr zog die weltherrschende Pandemie vielen einen Strich durch die Rechnung, am 2. August dabei sein zu können. Und trotzdem waren viele Pilger gekommen, um an der von Diözesanbischof Msgr. Josef Csaba Pál pontifizierten Festmesse dabei zu sein. Ihm standen zur Seite Domherr Pfr. Andreas Reinholz als Gastgeber zusammen mit Pfr. Ionuț Căldărean (Kustos des Museums und des Klosterkomplexes), aber auch die angereisten Pfr. Martin Jäger aus Anina und Steierdorf, Pfr. Mihai Vereș, pensionierter griechisch-katholischer Pfr. von Ujvar / Neuburg a.d. Bega, nun wohnhaft in Radna, Pfr. Zoltán Toman und Pfr. Josef Hajdu, letzte beiden aus Temeswar. Der Lippaer Pfarrer, Valentin Macedon Hiticaș stand den Gläubigen, während der Hl. Messe für die hl. Beichte zu Verfüng, Pfr. Andreas Reinholz aber vor dem Pontifikalamt. Während der Hl. Messe, aber auch danach, wurden Gebete auch für alle Banater gesprochen, die an diesem Tag so gerne in Radna gewesen hätten und wegen der Pandemie, aber auch aus eigenen gesundheitlichen Problemen, seien sie Priester oder Laien, hier nicht sein konnten – der allmächtige Gott, auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria möge ihnen Gesundheit und Kraft schenken!
Die Lesungen wurden bestritten durch Denise Kürschner aus Deutschland und Erwin Josef Țigla aus Reschitza, während das Evangelium durch Pfr. Zoltán Toman proklamiert wurde. Die Fürbitten wurden vom Diözesanarchivar Claudiu Călin gelesen. Die Predigt hielt Pfr. Martin Jäger, dem zum Schluss des Pontifikalamts für die 25 Jahre treuen priesterlichen Dienstes durch Diözesanbischof Msgr. Josef Csaba Pál und Erwin Josef Ţigla zum silbernen Priesterjubiläum gratuliert wurde. Bischof Pál überreichte ihm die Silbermedaille des Heiligen Gerhards, erster Bischof von Tschanad, während der DFBB-Vorsitzende ihm eine Malerei des Reschitzaer Künstlers Gustav Hlinka, die die römisch-katholische Kirche aus Steierdorf wiedergibt, schenkte. Die Hl. Messe wurde zum größten Teil in deutscher Sprache zelebriert, kleine Teile wurden aber auch auf Rumänisch gefeiert, da es auch einige rumänische Gottesdienstbesucher aus der Gegend gab. In seiner Predigt bezog sich Pfr. Jäger auf das wohlbekannte Gebet, welches man im Banat während der Maiandachten gebetet hat: „Jungfrau Mutter Gottes mein“, sowie auch auf das Lied „Mensch hast Du ein Leid zu tragen“, welches während und nach der Russlanddeportation geschrieben wurde.
Musikalisch wurde das Pontifikalamt durch der Organistin Andreea Bodroghi verschönert. Zu erwähnen sei noch, dass die Reschitzaer Udo Kilvanya und Lewinus Licker die Fahne des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ während der Pontifikalmesse, wie auch beim Eingang / Ausgang trugen, als Zeichen der Verbundenheit der Reschitzaer mit der Mutter Gottes von Radna.
Das Programm der Deutschen Wallfahrt in Maria Radna begann in der Wallfahrtskirche vor dem Pontifikalamt mit dem Rosenkranzgebet und mit dem allgemeinen Singen von bekannten Marienliedern. Am frühen Nachmittag fand die traditionelle Kreuzwegandacht hinter der Wallfahrtskirche am genannten Kreuzweg-Berg statt. Das Pontifikalamt wurde live im Internet auf der Facebookseite der Basilika Maria Radna übertragen.
Die Teilnehmer an der Wallfahrt kamen sowohl aus dem Inn- wie aus dem Ausland. Denise Kürschner, die Enkelin des Herrn Nikolaus Laub aus Bogarosch (nun in Deutschland), kam heuer zum ersten Mal im Leben nach Radna. Ein Moritzfelder, der ebenfalls seit den 80-ern in Bayern lebt, Nikloaus Lehrmann, kam extra vor einigen Tagen ins Banat, um am 2. August in Radna zu sein. Wallfahrer aus Reschitza, Temeswar-Josefstadt, Anina, Ferdinandsberg, Sanktanna, Lippa, Detta, Bakowa, Semlak, Arad usw. nahmen ebenfalls an die Hl. Messe teil. Auch Caritas-Direktor Herbert Grün kam zusammen mit der Familie an diesem Tag nach Radna. Unter den Gläubigen befand sich auch der deutsche-evangelische Seelsorger des Banats aus Semlak, Pfr. Walther Sinn.
Die Deutsche Wallfahrt, zum ersten Mal in dieser Form am 2. August 2011 in Erinnerung an die vielen deutschen Wallfahrten, die bis vor der massiven Auswanderung der Banater Deutschen Richtung Mitteleuropa, stattfanden, organisiert, erinnert an den Festtag „Portiuncula“. Das „Portiuncula“-Fest geht zurück auf die Gewährung eines Ablasses für den Besuch der kleinen Kirche „Santa Maria degli Angeli“, „Unserer lieben Frau von den Engeln”, die von Franziskus von Assisi nahe seiner Heimatstadt benutzt wurde. Franziskus nannte sie „Portiuncula” („kleines Fleckchen Land”), und baute daneben zunächst bescheidene Hütten, woraus später ein Haus und das Stammkloster der Franziskaner wurde. Papst Honorius III. bewilligte diesen Ablass auf Bitten von Franziskus im Jahr 1223 auf ewige Zeiten, und setzte ihn auf den 2. August fest. Dieser Ablass wurde feierlich in der Kirche „Santa Maria degli Angeli“ verkündigt, nachdem zuvor Franziskus selbst eine feurige Rede gehalten hatte.
Was mich persönlich an diesem Tag wieder bewegt hatte: das Wachrufen in mir von Erinnerungen aus meiner Kindheit, als ich jährlich, am 14. und 15. August, mit den Wallfahrern der „Maria Schnee“-Pfarrei Reschitza nach Radna pilgerte, mit dem Zug über Temeswar… So gut, als wenn es jetzt passiert wäre, erinnere ich mich an die vollen Eisenbahnzüge zwischen Temeswar und Radna, als die Leute nicht einmal mehr Stehplätze im Zug fanden. Viele blieben zurück, als der Zug losfuhr… Ich erinnere mich an den Einzug der Jahrmarkter Wallfahrer mit der Blasmusik am Nachmittag des jeweiligen 14. August in die Gnadenkirche, sodass alle, von allen Himmelsrichtungen herbeieilten, um die Jahrmarkter zu begrüßen und mit ihnen die Mutter Gottes um Segen und Heil anzubeten. Ergreifend waren diese Momente, die für mich unbeschreiblich bleiben…
Ich erinnere mich auch an die Nacht vom jeweiligen 14. auf 15. August, als wir alle für wenig Geld in den Häusern um die Wallfahrtkirche, auf dem Boden, mit nur einer Decke darunter oder bedeckt, übernachteten, und auch noch froh waren, dass wir das gefunden hatten und nicht unter dem freien Himmel, manchmal auch im Regen, übernachten mussten.
Oder ich erinnere mich an die ununterbrochenen Gottesdienste am 15. August, am Hochfest Mariä Himmelfahrt, als in den verschiedenen Sprachen der Minderheiten aus der Temeswarer Diözese zelebriert, gebetet und gesungen wurde, und, nicht zuletzt, an das große deutsche Hochamt, als die Jahrmarkter wieder mit ihrer Blasmusik alle zu Tränen rührten…
Für mich persönlich bedeutet unser kleines Wallfahrtskirchlein „Maria Fels“ in Deutsch-Tschiklowa bei Orawitza das Herz des Banater Berglands, die Wallfahrtkirche „Maria, die Mutter der Gnaden“ von Maria Radna aber das Herz des historischen Banats. Deshalb wünsche ich mir, dass beide Wallfahrtskirchen Anziehungskraft für noch viele Generationen in der Zukunft darstellen mögen…

von Erwin Josef Ţigla
und Claudiu Sergiu Călin