…auch unsere Kirchentüren,
um bald wieder miteinander Gottesdienst zu feiern.
Zwar öffnen sich die Türen nur einen spaltbreit – aber sie öffnen sich…

Die Coronavirus-Pandemie ist ein Weltproblem. Eine Sorge aller Menschen auf dem Erdkreis, in Europa und auf allen Kontinenten. Unsere Mitchristen ind Deutschland – sowie unsere ehemaligen Priester, die aus unserem Bistum vor Jahren und Jahrzehnte ausgewandert sind – beschäftigen sich genau wie wir, wie man die staatlichen und sanitären Regelungen bestens einhalten soll, aber auch den Gläubigen die spirituelle Narhung zu sichern, die Sakramente zu feiern und die Eucharistie ununterbrochen zu zelebrieren. Pfr. Karl Zirmer (geb. in Sanktanna/ Sântana, Kreis Arad, heute im Bistum Mainz tätig) teilte uns einige seiner Gedanken zur jetzigen Situation in seinem Bistum, im Dekanat den er leitet und in seiner Pfarrgruppe.

Die Hessische Landesregierung hat erlaubt, dass ab 1. Mai 2020 alle Religions-gemeinschaften wieder zu öffentlichen Gottesdiensten einladen können, wenn strenge Auflagen beim Sicherheitsabstand und bei der Hygiene eingehalten werden.
Laut einem Schreiben von unserem Weihbischof Udo Bentz vom 27.04.2020 soll unter Abwägung der pastoralen Aspekte vor Ort der Pfarrer gemeinsam mit dem Pastoralteam und den Verantwortlichen aus dem Pfarrgemeinderat entscheiden, ob in den nächsten Wochen solche Gottesdienste mit einer erweiterten Öffentlichkeit gefeiert werden können.
Im gleichen Schreiben heißt es: „Da gerade der Kommunionempfang der Gemeinde einen besonders heiklen Punkt darstellt, ist zu empfehlen, auch über alternative Gottesdienstformen nachzudenken (z.B. Wortgottesfeiern, Eucharistische Anbetung). Selbstverständlich sollen die Wortgottesfeiern dann ohne Kommunionausteilung sein.“
Die Vorgaben zur Feier der öffentlichen Gottesdienste sind streng, ihre Umsetzung sind mit großem Aufwand verbunden. Von einer Rückkehr zur Normalität sind wir noch weit entfernt.
Unsere staatlichen und kirchlichen Behörden ermöglichen uns die Feier von Gottesdiensten. Jetzt sind die Verantwortlichen vor Ort – Pfarrer mit dem Pastoralteam und die Gremien der Pfarrei – gefragt, wie sie damit umgehen.
Ich weiß, die Feier von Gottesdiensten unter solchen Vorgaben und Einschränkungen ist umstritten. Ist es überhaupt sinnvoll, unter diesen Umständen Gottesdienst zu feiern? Bleibt die Würde der Liturgie noch gewahrt? Wäre es nicht ein Zeichen von Solidarität mit denen, die an diesen Gottesdiensten gar nicht teilnehmen können, wir verzichten alle vorerst auf die Feier öffentlicher Gottesdienste? Es sind schwierige Fragen und sie können unterschiedlich beantwortet werden.
In der Pfarrgruppe Mainspitze haben wir uns entschieden, erst am zweiten Maiwochenende (9/10. Mai) mit der Feier der Gottesdienste zu beginnen. Soviel Zeit nehmen wir uns, um die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen und sonstige Vorgaben umzusetzen. Wir greifen auch die Anregung des Generalvikars auf, über alternative Gottesdienstformen nachzudenken und auch solche anzubieten. Wir wollen in jeder Pfarrkirche zwei Sonntagsgottesdienste feiern (einen am Samstagabend und der zweite am Sonntagvormittag), wobei der eine Gottesdienst eine Eucharistiefeier ist und der zweite eine Wortgottesfeier. An Werktagen feiern wir Wortgottesgottesdienste mit eucharistischer Anbetung.
Ob und wie diese Gottesdienste angenommen werden, wissen wir nicht. Es ist für uns alle, wie so vieles in dieser Zeit, Neuland. Das Volk Gottes wird selbst entscheiden, wie es mit diesen Möglichkeiten umgeht. Und die Erfahrungen, die wir dabei machen, können für die weitere Vorgehensweise in diesem Bereich sehr hilfreich sein.
Ich habe Verständnis dafür und ich werbe auch um Verständnis, wenn es in den Gemeinden unseres Dekanats zu unterschiedlichen Lösungen kommen wird. Die Bistumsleitung gibt uns bei unseren Entscheidungen einen gewissen Spielraum. Wir sollen diesen auch kreativ nutzen.
Das Wichtigste an unseren Gottesdiensten ist es, Raum zu schaffen für die Begegnung mit Christus. Diese Begegnung ist möglich sowohl in einer Wortgottesfeier, als auch in der Eucharistiefeier. Ob es zu dieser Begegnung kommt und wie intensiv diese sein wird, wird von jedem Einzelnen abhängen. Vielleicht bietet die Notsituation, in der wir uns jetzt befinden, auch die Chance, uns neu zu besinnen auf das wir tun, wenn wir Gottesdienst feiern.
Was immer wir in den nächsten Wochen auch tun können, es bleibt eine Notlösung, wie so vieles auch in unserem Alltag und in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen. Aber eine Notlösung ist meiner Meinung nach immer noch besser als gar keine Lösung. Lasst uns deshalb mit Zuversicht nach vorne schauen: Die Tür hat sich geöffnet.
Pfr. Karl Zirmer