In den letzten Tagen haben mehrere katholische und weltliche Medien in Temeswar berichtet, dass die Pfarrgemeinde, der Kolping-Verein und die Priester der Millenniumskirche in der Pfarrei Temeswar II. Fabrikstadt für Ende Oktober ein Fest vorbereiten: zwei Verbands- und Zunftfahnen, die Ende des 19. Jahrhunderts hergestellt wurden, in dieser Kirche aufbewahrt werden und zwischen 2019 und 2020 in Ungarn restauriert wurden, sollen nach Hause gebracht werden. Die Restaurierung der Fahnen des Katholischen Gesellenvereins Temeswar (1896, 1897) und der Temeswarer Kleidunghersteller (1895) wurde mit Unterstützung des Nationalen Instituts für Strategische Forschung in Budapest durchgeführt. Die grundlegende Konservierung und Restaurierung der Fahnen wurde von Frau Andrea Kágerné Juhász, Textil- und Lederrestauratorin, durchgeführt. Aufgrund der pandemiebedingten Reisebeschränkungen wurden die Fahnen jedoch erst Mitte Oktober dieses Jahres von den Mitarbeitern des Nationalen Instituts für Strategische Forschung nach Temeswar gebracht und zwei Jahre lang im Ethnografischen Museum in Szentendre aufbewahrt. Die Segnung fand am letzten Sonntag dieses Monats, dem 30. Oktober, in der Millenniumskirche während der Heiligen Messe statt, die von Seiner Exzellenz, Diözesanbischof Josef Csaba Pál, zelebriert wurde.
Zur Begrüßung der beiden historischen Fahnen waren viele andere Fahnen versammelt, die von Vertretern der Kolpingverbände aus dem Banat und dem Land getragen wurden. Denn die Nachfolgeorganisationen des vom deutschen Priester Adolf Kolping gegründeten katholischen Gruppen bestehen und wirken unter dem Namen Kolpingfamilien oder -verbände auch heute noch sowohl in der Diözese Temeswar als auch im Land. Eine dieser Vereinigungen ist in der Pfarrei Temeswar II Fabrikstadt tätig.
Diese Kolpingsfamilie, die als Gesellenverein gegründet wurde, ist eine der ältesten auf dem heutigen Gebiet Rumäniens. Ihre Gründung wurde vom Bischof von Tschanad, der in Temeswar residierte, Alexander Dessewffy von Csernek und Tárkeő, in den Jahren 1896-1897 genehmigt und unterstützt.
So zeigten am Eingang der Kirche zehn Kolpingfahnen in den charakteristischen orange-schwarzen Farben die Anwesenheit von Verbänden aus dem Banat und anderen Regionen an. An der Heiligen Messe, die in drei Sprachen zelebriert wurde, nahm auch Pfr. István Gödri, Präses der Europäischen Kolpingorganisation, Frau Daniela Bărbulescu, Vorsitzende von Kolping Rumänien und Geschäftsführerin des Demokratischen Forums der Deutschen im Banat, Eduard Dobre, Generalsektäter von Kolping Rumänien, sowie mehrere Mitglieder der Führung der Kolpingverbände teil. An der Veranstaltung nahmen Jenő Szász, Präsident des Nationalen Instituts für Strategische Forschung, Boglárka Ress, Historikerin aus Ungarn, András Molnár, Vorsitzender der UDMR Temesch und Vertreter der Medien teil. Mehrere römisch- und griechisch-katholische Diözesanpriester konzelebrierten bei der hl. Messe, die auf Rumänisch, Ungarisch und Deutsch zelebriert wurde.
„Die Aufgabe der Kirche ist es, das Licht des Evangeliums in alle Bereiche des Lebens zu bringen. Die Fahne des Katholischen Gesellen-Verbandes oder die Fahne des Verbandes der Kleidungshersteller aus Temeswar sind ein Zeugnis für das Licht des Evangeliums im täglichen Leben. Der Kolpingverband, der aus dem Gesellenverband hervorgegangen ist, hat den gleichen Auftrag: das Licht und die Freude des Evangeliums in alle Lebensbereiche zu tragen. Danke für die Arbeit, die Großzügigkeit und das Engagement all derer, die sich für die Restaurierung dieser Fahnen eingesetzt haben, danke an alle, die heute hier sind, und danke, dass der christliche Geist heute weiterlebt“, sagte Seine Exzellenz Josef Csaba Pál, Diözesanbischof, in seinem Grußwort.
In seiner Predigt bezeichnete der Diözesanbischof die Restaurierung der Fahnen als ein Symbol für den Aufbau der Gemeinschaft. „Ich vermute, es braucht ein gewisses Engagement und eine gewisse Leidenschaft, sonst hätten die Arbeiter nicht die Ausdauer, monatelang jeden einzelnen Faden zu säubern und zu vernähen, damit die Fahnen wieder in ihrer vollen Pracht erstrahlen. Die Art und Weise, wie die Fäden nacheinander vernäht wurden, hat mich sehr berührt. Unsere Kirche ist eine Gemeinschaft. Unsere Aufgabe ist es, eine Gemeinschaft aufzubauen. Und wir müssen uns um jeden einzelnen „Faden“ kümmern, d. h. jedem Menschen helfen, sein volles Potenzial zu entfalten. Jeder Mensch muss individuell „gereinigt“ werden. Es ist wichtig, dass die Menschen in Harmonie miteinander leben, wie die Fäden dieser Flaggen“, sagte der Bischof.
Am Ende des Gottesdienstes segnete der Diözesanoberhirte die beiden historischen Fahnen, die in zwei großen Glasvitrinen an beiden Seiten des Altarraums angebracht sind.
Nach dem Schlussgebet ergriff Jenő Szász, Präsident des Nationalen Instituts für Strategische Forschung in Budapest, das Wort und begrüßte die Zuhörer mit den Worten des gottseligen Bischofs Áron Márton: „Ach, wenn wir doch nur mehr gegenseitigen Respekt füreinander hätten! Wenn wir nur mit aufrichtiger Offenheit auf die anderen Gruppen unseres Volkes blicken könnten und wenn die Menschen einander als eine Gruppe von Menschen mit anderen Sprachen sehen könnten, die nach dem Bild Gottes geschaffen wurden, würden viele Tränen in den Augen der Menschheit und viel Hass in den Herzen der Menschen versiegen. Diejenigen, die den Interessen ihres eigenen Volkes gut dienen, die sich nicht gegenseitig verleumden und verachten, die mit ihren Nachbarn, mit ihren Arbeitskollegen gut auskommen, die nicht diejenigen beleidigen, deren Religion oder Sprache anders ist.“ Flaggen sind sehr wichtig, denn sie repräsentieren eine Gemeinschaft, in diesem Fall die der katholischen Gesellen- oder die der Kleidunghersteller. Aber der Ort, an dem sie als Erinnerung an die Vergangenheit aufbewahrt werden, hat uns alle unter einer großen gemeinsamen Fahne, der Fahne der christlichen Liebe, zusammengeführt“, sagte der Vorsitzende, der auch über die Umstände der Restaurierung der Fahnen sprach: „Vor sechs Jahren, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung „Unsere Allerheiligste Mutter Gottes“, die anlässlich des Jubiläums der Millenniumskirche organisiert wurde, hatte der damalige Pfarrer, János Kapor, die Fahnen in die Kirche mir gezeigt. Er wies auf die beiden wertvollen Fahnen hin, die in dem Gotteshaus aufbewahrt wurden und damals sich in einem sehr schlechten Zustand befanden – und nun nach achtmonatiger Arbeit wieder in ihrer alten Schönheit erstrahlen.
Pfr. István Gödri, Präses von Kolping Europa, begrüßte die Gäste und Gläubigen auf Deutsch und dankte ihnen für die Restaurierung der Fahnen.
Zusammenfassend sprach Pfr. Daniel Dumitru, Pfarrer der Fabrikstadt, auf Ungarisch und Rumänisch, über Verantwortung und Loyalität als zwei wesentliche Worte dieser Feier. – „Loyalität gegenüber der Vergangenheit, gegenüber unseren Werten und Verantwortung gegenüber der zukünftigen Generation, die unser aller Aufgabe ist. Deshalb ist es wichtig, dass wir unser Leben und unsere Generationen auf den Felsen bauen. Ich bin überzeugt, dass das Leben nur dann einen Sinn hat, wenn wir eine Zukunft haben, und unsere Zukunft ist untrennbar mit unserer Vergangenheit und unserem Fundament verbunden“, sagte Pr. Dumitru.
Die musikalische Untermalung der Eucharistiefeier wurde von der Familie Csilla und Emil Dumitresc, mit ihren beiden Söhnen und einer Gruppe von Chorsängern aus Hunedoara, feierlich gestaltet.

Pressestelle der Diözese Temeswar