Der 10. Mai 2000 scheint ein glücklicher Tag für die multikonfessionelle und mehrsprachige Gemeinschaft Reschitzas gewesen zu sein. An diesem Tag wurde offiziell das „Frédéric Ozanam”-Sozialzentrum der Vinzenzgemeinschaft „Maria Schnee“ Reschitza eröffnet!
Wenn wir nun gemeinsam zurückblicken, können wir diese 20 Jahre voller Nächstenliebe, uneingeschränkter und unbezahlbarer Aufopferung als eine Fügung Gottes für unseren Ort und unsere Gemeinschaft betrachten! In Dankbarkeit denken wir in diesem Augenblick des Festes an all jene, die sich in diesen 20 Jahren dafür eingesetzt haben, dass da alles positiv verläuft, ja sich sogar im besten Sinne entwickelt, an jene, die uns begleitet und betreut haben, damit wir da sind, wo wir uns eben befinden.
Im Laufe dieser 20 Jahre stand die Vinzenzgemeinschaft durch ihr „Frédéric Ozanam”-Sozialzentrum so manches Mal im Mittelpunkt des sozialen Geschehens im Munizipium Reschitza und dafür danken wir Gott, unseren Förderern, unseren Helferinnen und Helfern!
In der Folge lade ich Sie herzlich ein, einen Beitrag unserer Verantwortlichen für den Ablauf der im Sozialzentrum entfalteten Tätigkeit, Dipl.-Ing. Elfriede Gheorghiţă, stellv. Vorsitzende der Vinzenzgemeinschaft „Maria Schnee” Reschitza, zu lesen. Sie werden da viel vom beispielhaften Leben, von der Liebe und vom inneren Licht aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den letzten 20 Jahren im nun gefeierten Sozialzentrum, wiederfinden.
Gott möge uns und unsere Arbeit weiterhin segnen und beschützen, damit wir in seinem Weingarten arbeiten können!
Erwin Josef Ţigla
Vorsitzender der Vinzenzgemeinschaft „Maria Schnee” Reschitza

Das „Frédéric Ozanam”-Sozialzentrum der Vinzenzgemeinschaft „Maria Schnee” aus Reschitza
Dipl.-Ing. Elfriede Gheorghiţă

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Wenn man über das „Frédéric Ozanam”-Sozialzentrum sprechen will, muss man zuerst etwas über die Vinzenzgemeinschaft „Maria Schnee” aus Reschitza wissen. Diese wurde am 2. August 1992 auf Anregung der Vinzenzgemeinschaft aus Graz in der Steiermark / Österreich und des Dr. Alois Fauland gegründet und ist als solche die erste, als Rechtsperson anerkannte, in Rumänien. Heute hat die Gemeinschaft eine Anzahl von 18 Mitgliedern und betreut zurzeit 38 Familien, die insgesamt 108 Personen zählen. So wie die Mitglieder der Gemeinschaft verschiedener Konfessionen sind (katholisch, orthodox, evangelisch-lutherisch, reformiert-calvinistisch usw.), sind auch diese Familien verschiedener Konfessionen und gehören auch verschiedenen Ethnien an.
Die Unterstützung der Betreuten besteht aus Kleidungsstücken – welche nur in den ersten Jahren ausgeteilt wurden – und aus Grundnahrungsmitteln (Öl, Zucker, Reis, Mehl usw.), welche je nach der Zahl der Familienmitglieder zugeteilt werden. Außerdem werden zu Weihnachten und Ostern für alte alleinstehende Personen sowie auch für die Kinder Festpakete vorbereitet.
Irgendwann tauchte der Gedanke auf, zur Erziehung der Kinder aus diesen Familien beizutragen. Das war der Keim, aus dem das „Frédéric Ozanam”-Sozialzentrum wuchs. Offiziell wurde es am 10. Mai 2000 eröffnet. Wir wollten damals nicht behaupten, die Kinder zu erziehen, wir versuchten lediglich, sie auf die guten und schönen Dinge im Leben aufmerksam zu machen und ihnen so etwas auf ihren Lebensweg mitzugeben. Alle Bescheidenheit beiseitelassend können wir ruhig behaupten, dass dies der richtige Weg war. Beweis dafür sind die Kinder, jetzt Erwachsene, die früher das Sozialzentrum frequentierten: Einige haben eine Hochschule besucht und absolviert, haben ihrerseits Kinder, kurz, sie sind Menschen geworden, die ihren Weg im Leben gehen und sich bewusst sind, dass das Leben kein Spiel ist.
Wo befindet sich das Sozialzentrum? Damit die Aktivitäten des Zentrums in guten Verhältnissen ablaufen, hat der Stadtrat Reschitza diesem ein stadteigenes Gebäude zur ausschließlichen Nutzung im heutigen alten Teil, ehemals das Zentrum Reschitzas überlassen. Dieses Haus wurde generalüberholt und renoviert. Die Renovierungsarbeiten wurden alle aus Spendengeldern finanziert. Zu erwähnen ist, dass die Innenarbeiten teilweise im Laufe der Jahre von den Mitgliedern der Gemeinschaft in ihrer Freizeit selbst geleistet wurden.
Laut der aktuellen Gesetzgebung im Sozialwesen Rumäniens können wir uns heute im Sozialzentrum nicht mehr mit Kindern aus minderbemittelten Familien beschäftigen. Deshalb haben wir unsere Tätigkeit diesbezüglich anderswie orientiert. Wir kümmern uns weiterhin um diese Kinder und ihre Familien hauptsächlich mit Versorgung von Grundnahrungsmitteln für den täglichen Verbrauch und für die christlichen Feiertage mit Süßigkeiten.
20 Jahre sind zwar kein in die Wolken reichender Gipfel, aber immerhin ein Hügel, von dem aus man doch einen Rundblick haben kann. Machen wir also diesen Rund- oder besser gesagt diese Rückschau…

Sozialzentrum „Frédéric Ozanam“!? Wer besuchte es und was geschah im Laufe der Jahre dort?
Es waren Kinder im Alter von 6 bis 18 Jahren. Diese stammten aus den minderbemittelten Familien, die von der Vinzenzgemeinschaft betreut wurden (kinderreiche Familien, alleinerziehende Eltern, Arbeitslosenfamilien).
Wer betreute die Kinder im Sozialzentrum? Alles was im „Frédéric Ozanam”-Sozialzentrum geschah, wurde ehrenamtlich geleistet. Ein „sozusagen“ bunt gewürfeltes Team: Künstlerinnen, Lehrerinnen, Technikerinnen, Ingenieurinnen, Buchhalterinnen, Ärztinnen, Krankenschwestern. Die meisten dieser Frauen waren Rentnerinnen. Doch alle waren davon beseelt, den Kindern Gutes zu tun. Geistliche Unterstützung kam von den Pfarreien der Stadt – die römisch-katholische, wie auch die rumänisch-orthodoxe.
Wann geschah etwas im Sozialzentrum? Die Hauptaktivität spielte sich an Samstagen ab, doch, fallweise, auch an anderen wochentagen und in den Sommerferien. Wir hatten festgestellt, dass es am besten ist, wenn die Kinder in zwei Gruppen geteilt werden. Eine Regel für diese Teilung gab es nicht. Man muss bloß darauf achten, dass die Kinder aus der einen Gruppe nicht zur anderen wechselten, denn dort ist es ja bestimmt interessanter oder lustiger. Das hat auch geklappt.
Was ging im Laufe der Jahre in diesen Gruppen vor? Es wurde gezeichnet, Mandalas bemalt, Makramee geknüpft, Collagen gemacht, ja wir haben versucht, Weidenruten zu flechten, Bilder aus gepressten Pflanzen zu machen, Ikonen zu malen, modellieren mit Salzteig und Modellierton. Wir unternahmen auch bescheidene Versuche zu singen und Volkstänze einzustudieren – sowohl rumänische als auch deutsche. Vor dem 1. März wie auch vor Ostern, Weihnachten und Neujahr wurden Märzchen und Grußkarten fabriziert, die dann verschickt wurden, und noch manches anderes.
Wir versuchten den Kindern zu zeigen, dass es außer Computerspielen mit Schießerei und Gewalttätigkeit oder „manele” und „telenovele” auch etwas anderes gibt. Die damalige Zukunft hat erwiesen, dass uns das gelungen ist.
Um ernsteren Erkrankungen vorzubeugen, wurde monatlich eine allgemeine ärztliche Untersuchung vorgenommen und fallweise eine fachärztliche Untersuchung empfohlen. Eine allgemeine ärztliche Untersuchung gab es auch vor der Ferienwoche.
Eine der beliebtesten Gestalten im Sozialzentrum war die „Tante” aus der Küche – Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Am Morgen, das ist 10:00 Uhr vormittags, gab es eine Jause und mittags eine warme Mahlzeit – gewöhnlich drei Gänge.
Im Laufe der Zeit wurde es sozusagen zur Tradition, am 10. Mai und am 9. September einen „Tag der offenen Türen” zu organisieren, an dem die Kinder ein kurzes Festprogramm darboten und einige ihrer „Kunstwerke” ausgestellt wurden.
In der vorweihnachtlichen Zeit gab es eine Advent- und Nikolausfeier, zu der auch einige Jugendliche aus der Gruppe der Jugendlichen der Pfarrei beitrugen.
Ebenfalls zur Tradition geworden war viele Jahre hindurch das „Dreikönigsspiel”, welches am 5. Januar, am Vorabend des Epiphanias Festes nach der Abendmesse in der katholischen Kirche der Altstadt vorgetragen wurde.
Dank der Großzügigkeit unserer Partner aus Graz (Steiermark / Österreich) konnten wir  den Kindern viele Jahre eine Ferienwoche auf unserem „Hausberg” Semenik bieten. Es war eine Woche, in der die Kinder unbewusst „frische Luft tankten”: beim Wandern, Fußball spielen, Plantschen und vielem anderen mehr.
Die Broschüre „Glasul vincenţienilor” („Die Stimme der Vinzentiner“) erschien gewöhnlich jeden Herbst / Winter: ein Rückblick auf das vergangene Jahr mit Berichten der Kinder und Erwachsenen, die Geschehnisse im Sozialzentrum betreffend. Chefredakteur war Erwin Josef Ţigla und sie erschien in 24 Nummern, in der Zeitspanne 1994 (Nr. 1) – 2014 (Nr. 24).
In der Zeit der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 haben wir zusammen mit dem Diözesan-Caritas Temeswar einem Teil der weniger bemittelten Alten Reschitzas geholfen, aus den schwierigen Zeiten hinauszukommen.
Vieles wäre noch zu erwähnen, aber es soll hier Schluss gemacht werden. Eines aber wollen wir noch tun: Derer zu gedenken, die 1992 beschlossen haben, den Weg der Nächstenliebe zu betreten, den uns der heilige Vinzenz von Paul und der selige Frédéric Ozanam gewiesen haben und mit Selbstlosigkeit zum Aufbau der Vinzenzgemeinschaft und des Sozialzentrums beigetragen haben, die aber vom lieben Gott abberufen worden sind: Fernanda Guragata, Agnes Bradaci, Agnes Reisinger, Elisabeta Dolorean, Eva Weisz, Erica Bornhoffer und Katharina Kravits. Gott möge sie in Frieden ruhen lassen! Wir wollen auch jene nicht vergessen, die einer mitleidlosen Krankheit wegen nicht mehr mitwirken konnten, aber vom lieben Gott sicherlich belohnt werden, wie Berta Dolot.
Zum Schluss noch einen besonderen Dank der Vinzenzgemeinschaft in Graz / Steiermark, unserem langjährigen Partner, und ein besonderes Gedenken an Dr. Alois Fauland, den der liebe Gott nach einem segensreichen Leben im Alter von 91 Jahren, am 23. August 2017 abberufen hat. Gott schenke ihm die ewige Ruhe!

Was geschieht jetzt im Zentrum?
Laut der aktuellen Gesetzgebung im Sozialwesen Rumäniens können wir uns im Sozialzentrum nicht mehr mit Kindern aus minderbemittelten Familien beschäftigen. Deshalb haben wir unsere Tätigkeit diesbezüglich anderswie orientiert:
Wir kümmern uns weiterhin um diese Kinder und ihre Familien, hauptsächlich um die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln für den täglichen Verbrauch und für die christlichen Feiertage mit Süßigkeiten und am Anfang des Schuljahres mit verschiedenen Schulutensilien;
Besprechungen der Mitglieder der Vinzenzgemeinschaft Reschitza und zukunftsorientierte Begegnungen in diesem Sinne zu Gunsten des Einsatzes in der Nächstenliebe;
Versammlungen der verschiedenen Pfarrgruppen der „Maria Schnee“-Pfarre Reschitza;
Kulturveranstaltungen der römisch-katholischen „Maria Schnee“-Pfarre Reschitza und des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“.
Ganz besonderen Dank der Vinzenzgemeinschaft Graz für die Unterstützung in diesem Frühjahr zum Ankauf einer neuen Heizungszentrale (da die alte kaputtging und nicht mehr repariert werden konnte), ohne die unsere Tätigkeit in den kalten Tagen nicht fortgesetzt werden konnte.

Was geschieht weiter?
Machen wir Schluss? Ich denke nicht… Es wird sich bestimmt eine Möglichkeit finden, die Tätigkeit im Sozialzentrum weiterzutragen… Wir müssen nur Vertrauen haben!