Der starke römisch-katholische Glaube in Sanktanna, ist der Grund das es in der Pfarrgemeinde schon vor 1920 Marienmädchen gibt. Von 1971 – 1981 war Pfarrer Andreas Straub Priester in Sanktanna. Aus seiner Schule wurden in dieser Zeit aus Sanktanna sechs Männer: Andreas Reinholz, Franz Marksteiner, Josef Hell, Karl Zirmer, Michael Henger und Josef Tänzler zum Priester geweiht. Sie haben den Glauben in vier Sprachen Deutsch, Rumänisch, Ungarisch und Latein verbreitet.
Dieser Glaube an Gott, das große Vertrauen an die heilige Gottesmutter Maria und deren Hilfe veranlassten viele Familien, ihre Kinder als Marienmädchen in die heilige Messe zu schicken. Die Marienmädchen tragen die Tracht im Alter von 3 bis 14 Jahren. In unserer Ortschaft werden die Marienmädchen, schlicht „Fraupildsmadlâ“ genannt. Die Betreuerinnen der Marienmädchen wird „Fraupildsmuttâ“ genannt. Oft ist sie der Bezug, wenn die Kleinen vor Müdigkeit weinen oder die Großen vor Übelkeit nicht mehr stehen können. Sie sind auch da wenn der Rock nicht gut steht oder das Kränzchen auf dem Kopf drückt. Sie sind da, um die Mädchen zu betreuen und mit Ihnen zu beten.
Ostern ist der erste Festtag im Jahr, an dem unsere Marienmädchen weiß gekleidet werden. Eine Woche danach, am Weißen Sonntag, besuchen die Marienmädchen, zusammen mit den Erstkommunikanten den Festgottesdienst. Ganz viel Mühe, Arbeit, Zeit und Liebe werden in die Kleider, aber auch in ihr Tragen gelegt. Es ist eine Augenweide so viel weiß gekleidete Kinder paarweise in zwei Reihen zu sehen. Heuer sind es ca. 20 Marienmädchen an der Zahl. Im Laufe des Jahres werden die Marienmädchen in bestimmten Gottesdiensten zur Tradition: im Monat Mai bei den vielen Marienfeiertagen, Pfingsten, Fronleichnam, beim „Herz-Jesu Fest“ in Alt- Sanktanna und beim Fest der Schutzpatronin, der heiligen Mutter-Anna, am 26. Juli bei der „Mutter-Anna-Kirche“ in Neu- Sanktanna, bei den Wallfahrten in Maria Radna und in Altötting, aber auch bei anderen Gottesdiensten im Jahresablauf. Viele nun Mütter der Marienmädchen, waren selbst mal in Ihrer Kindheit Marienmädchen und so ist dies zu einer Tradition in Sanktanna geworden.
Vor dem Gottesdienst treffen sich die Marienmädchen im Kirchenhof und werden paarweise, der Größe nach aufgestellt. An der Spitze des Zuges trägt eines der Mädchen eine aus Wachs geformte Krone mit einer himmelblauen Schleife, deren zwei Bänder, an beiden Seiten, von kleineren Mädchen gehalten werden. Den Abschluss bilden die ältesten Mädchen, die abwechselnd eine auf dem Tisch stehende Maria Statue tragen, um die bei den Wallfahrten ein frisch gebundener Blumenkranz gelegt ist. Alle Marienmädchen tragen kleine Fähnchen, die mit goldenen Bänder und Fransen umrandet, in der Mitte ein M darstellt, das Zeichen Mariens. Beim Einzug der Marienmädchen zur Messe, wird ihr eigenes Gebet mit zarter Stimme laut gebetet. Am Schluss der Messe singen die Marienmädchen eine Strophe „Maria zu lieben“, beten ein deutsches und rumänisches – Gegrüßet seist Du Maria -, und am Ende eine Strophe „Maria-i dulce Mamă“.
Unsere Marienmädchen verschiedener Ethnien –Deutsche, Ungarn und Rumänen- sind Freunde und werden das auch bleiben. Wir respektieren uns gegenseitig im Glauben und als Menschen.

Melita Palcu-Socaciu,  Marianne Hellstern

 

Gebet der Marienmädchen beim Ein- und Auszug des Gottesdienstes

Jungfrau, Mutter Gottes mein,
Lass mich ganz dein eigen sein.
Dein im Leben, dein im Tod,
Dein im Unglück, Angst und Not,
Dein in Kreuz und bitterem Leid,
Dein für Zeit und Ewigkeit.
Jungfrau, Mutter Gottes mein,
Lass mich ganz dein eigen sein.

Mutter, auf dich hoffe ich,
Mutter, zu dir ruf und seufze ich,
Mutter, du gütigste, steh mir bei,
Mutter, du mächtigste, Schutz mir leih.
O Mutter, so komm, hilf beten mir!
O Mutter, so komm, hilf streiten mir!
O Mutter, so komm, hilf leiden mir!
O Mutter, so komm, und bleib bei mir!

Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste!
Du willst mir ja helfen, o Gütigste!
Du musst mir nun helfen, o Treueste!
Du wirst mir auch helfen, o Barmherzigste!
O Mutter der Gnade, der Christen Hort,
Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port,
Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier,
Du Trost der Betrübten, ihr Schutzpanier.

Wer hat je umsonst deine Hilfe angefleht,
Wann hast du vergessen ein kindliches Gebet?
Darum ruf ich beharrlich in Kreuz und in Leid.
Maria hilft immer, sie hilft allezeit.
Ich ruf voll Vertrauen in Leiden und Tot:
Maria hilft immer, in jeglicher Not.
So glaub ich und lebe und sterbe darauf,
Maria hilft mir in den Himmel hinauf.

Jungfrau Mutter Gottes mein,
Lass mich ganz dein eigen sin.

O Maria, unsere Mutter, unsere Hoffnung!
Nehme uns alle unter deinen Schutzmantel,
Dort wollen wir leben, dort wollen wir sterben,
Bewahre uns vor Sünde und deinen aller heiligen Segen.
Es segne uns der allmächtige Gott,
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Maria mit dem Kinde lieb,
Uns allen deinen Segen gib! AMEN