Im rumänischen Bedeutungswörterbuch, DEX, steht unter dem Eintrag Ökumene folgende Erklärung: „Bewegung für die Wiederherstellung der universellen Einheit der christlichen Kirchen, unter Beachtung der Eigenständigkeit, durch Vereinbarungen und theologischen Dialog“. Für die Reschitzarer hat das Wort Ökumene vor 27 Jahren eine neue Bedeutung erhalten.
Damals wurde auf Initiative einer Gruppe von Priestern verschiedener Konfessionen aus Reschitza ein neuer Weg für die Annäherung der historischen christlichen Kirchen eingeschlagen. So wurde in der Zeitspanne 18. – 25. Januar 1993 in der Stadt an der Bersau zum ersten Mal eine Gebetsoktave für die Einheit aller Christen veranstaltet. Ich möchte im Weiteren einige Initiativen und Veranstaltungen aufzählen, die ich für die vergangenen 27 Jahre erlebter Gemeinschaft in Reschitza als wichtig empfinde:
Erstens die Teilnahme der Reschitzaer Christen verschiedener Konfessionen an den Veranstaltungen im Rahmen des Programms des Besuchs von Papst Johannes Paul II. in Bukarest, zwischen dem 7. und dem 9. Mai 1999, als aus der Seele der Christen der unvergessliche Ausruf kam: „Einheit!“; dann die Teilnahme der jungen Reschitzarer verschiedener christlicher Konfessionen, in Begleitung ihrer Pfarrer, an der III. Europäischen Ökumenischen Versammlung in Hermannstadt zwischen dem 4. und dem 9. September 2007, aber auch an anderen ökumenischen Treffen in Italien (Region Pesaro, Loreto und Trient) und Schweden sowie die Teilnahme einiger Bischöfe der historischen Kirchen in Rumänien an den in Reschitza organisierten Oktaven.
Hier sollte man auch die jährlichen und monatlichen ökumenischen Treffen der Frauen in den verschiedenen christlichen Kirchen in Reschitza erwähnen sowie die jährliche ökumenische Veranstaltung während der Osterfastenzeit im Reschitzaer „Frédéric Ozanam“-Sozialzentrum, vom Demokratischen Forum der Banater Berglanddeutschen und vom Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ organisiert. Die Veranstaltung findet unter dem Titel „Den Gekreuzigten liebend“ statt. Im vergangenen Jahr wurde sie zum XIII. Mal organisiert.
Es muss auch die Veranstaltung vom 14. Januar 2007 in Reschitza genannt werden, an der die drei Exzellenzen Lucian Mic (rumänisch-orthodoxer Bischof), Alexandru Mesian (griechisch-katholischer Bischof) und Martin Roos (römisch-katholischer Bischof) teilgenommen haben. Zu diesem Anlass wurde der Ehrenbürgertitel von Reschitza den Pfarrern Dr. Vasile Petrica (damals rumänisch-orthodoxer Protopope in Reschitza), József Csaba Pál (römisch-katholischer Erzdechant des Banater Berglandes), Marian Ilie Ştefănescu (damals griechisch-katholischer Protopope in Reschitza) und Makay Botond (damals reformierter Pastor in Reschitza) verliehen, eine einmalige Geste in unserem Land, vielleicht auch europaweit.
Ich erwähne noch die Teilnahme einiger Seelsorger und Gläubigen aus Italien und Schweden an der Oktave in Reschitza und den Gegenbesuch einiger Reschitzarer, die an ökumenischen Veranstaltungen in Italien und Schweden teilgenommen haben. Auch fanden dreimal (am 28. März 2010, am 16. April 2011 und am 13. April 2014) Palmsonntagsprozessionen durch Reschitza mit der Teilnahme der verschiedenen hiesigen christlichen Konfessionen statt. Die Ärzte der Radiologie-Abteilung organisierten seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. täglich eine ökumenische Andacht (einen sogenannten ökumenischen Gebets- und Meditationsmoment). Die Teilnahme der Pfarrer und der Jugendlichen aus Reschitza an den ökumenischen Symposien, die von der Orthodoxen Theologischen Fakultät und der Fokolar-Bewegung katholischerseits organisiert werden, ist hier ebenfalls aufzulisten; so auch die ökumenischen Treffen der Jugendlichen am Wallfahrtsort „Maria Fels“ in Deutsch-Tschiklowa und in Herkulesbad (bisher an die vier oder fünf Treffen).
Nicht zu vergessen sei die 18. Buchveröffentlichung des Kultur- und Erwachsenenbildungsvereins „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“: „Spălaţi-vă picioarele unul altuia. Ecumenism între istorie şi prezent la Reşiţa = Waschet Euch gegenseitig die Füße. Ökumene zwischen Geschichte und Gegenwart in Reschitza = Mossátok meg egymás lábát. Az ökumenizmus története és jelene Resicabányán“, eine dreisprachige Ausgabe, vom damaligen Erzdechanten, heute Diözesanbischof József Csaba Pál und Erwin Josef Ţigla im Reschitzaer „InterGraf“-Verlag, 2003 herausgegeben.
Wir haben uns gemeinsam an den 27 Jahren Oktave in unseren christlichen Kirchen Reschitzas erfreut. In diesem Jahr hat die ökumenische Oktave in Reschitza zwischen dem 21. und dem 25. Januar in verschiedenen Kirchen stattgefunden: in der griechisch-katholischen „Die Hl. Jungfrau Maria von Fatima“-Kirche (es predigte der römisch-katholische Dechant des Karascher Dekanats, Veniamin Pălie), in der rumänisch-orthodoxen Kathedrale „Auferstehung des Herrn“ und „Der Hl. Prophet Elias“ Karansebesch (es predigte der römisch-katholische Diözesanbischof József Csaba Pál, Temeswar), in der römisch-katholischen „Maria Schnee“-Kirche (Predigt: der rumänisch-orthodoxe Bischof Lucian Mic, Karansebesch), in der evangelischen Kirche (es predigte der griechisch-katholische Pfarrer Ovidiu Pop) und in der römisch-katholischen Kirche „Allerheiligste Dreifaltigkeit“ Govândari (es predigte der evangelische Pfarrer Walther Sinn aus Semlak bei Arad).
Erwin Josef Ţigla