Zur Unterstützung der Flüchtlinge sollen auch die unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften aus Temeswar/Timişoara beitragen. Über die Möglichkeiten, sich einzubringen, informierte vergangene Woche eine Gesprächsrunde, die im Diözesanjugendzentrum des römisch-katholischen Bistums Temeswar stattfand. Initiiert wurde das Rundtischgespräch von der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien durch deren Flüchtlingsbeauftragte Erika Klemm, die gemeinsam mit dem evangelischen Pfarrer Dieter Galter, dem Vorstandsvorsitzenden der Evangelischen Akademie Siebenbürgen, nach Temeswar reiste. Bei dem Treffen dabei waren Vertreter der Grenzpolizei sowie von verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen aus der West-Region, darunter auch von der Caritas Temeswar und dem Verein „Filantropia“ in Großwardein/Oradea.
Seit 2016 macht sich die Evangelische Kirche A.B. für die Flüchtlingshilfe in Rumänien stark. Seitdem wurden jedes Jahr mehrere Informationstreffen zu diesem Thema organisiert und es wurde konkret Hilfe geleistet, indem Organisationen, die sich mit der Unterstützung von Flüchtlingen beschäftigen, Sachspenden übermittelt wurden. Auch ein Gebetstag für Fremde wurde eingeführt – es ist der erste Sonntag nach dem 20. Juni – im kommenden Jahr der 28. Juni.
Da die meisten Flüchtlinge in der West-Region Rumäniens ankommen, soll diese Unterstützung verstärkt in dieser Region stattfinden, wünscht sich die Flüchtlingsbeauftragte Erika Klemm. Im Rahmen des Treffens in Temeswar erklärte Dan Chioreanu vom Temeswarer Grenzschutz, dass sich die illegale Migration seit September 2016 zugespitzt hat. „Allein in der letzten Woche wurden 54 Personen, die illegal geflüchtet waren, festgenommen“, informierte der Beamte. Dan Chioreanu erzählte, wie die Flüchtlinge von ihren Schleusern ausgebeutet werden und unter welch unmenschlichen Bedingungen sie den weiten Weg aus den Kriegsländern nach Europa zurücklegen müssen. „Diese Menschen verkaufen ihr ganzes Hab und Gut, um nach Europa zu gelangen. Sie bezahlen ungefähr 10.000 Euro pro Person. Nur sehr wenige bleiben in Rumänien, die meisten wollen nach Deutschland, England, Spanien oder Italien gelangen“, erklärte Dan Chioreanu.
Integrationsexperte Flavius Ilioni Loga vom AIDRom-Flüchtlingszentrum in Temeswar erklärte, dass im Jahr 2018 ungefähr 4.000 Flüchtlinge in Rumänien registriert waren. Die meisten Flüchtlinge, die im Temeswarer Integrationszentrum angekommen sind, stammten aus Syrien, Irak, Iran oder dem Afghanistan. AIDRom bietet den Flüchtlingen verschiedene Beratungsdienste an. In Temeswar gibt es auch noch ein staatliches Transitzentrum für Flüchtlinge mit 50 Plätzen. Auch Georgiana Dănciulescu vom Jesuite Refugee Center (JRS) Rumänien berichtete über die Möglichkeiten, den Flüchtlingen, die in der West-Region ankommen, zu helfen. Die Glaubensgemeinschaften könnten sich in diesem Sinne stark machen, indem sie ihre Mitglieder über das Flüchtlingsproblem informieren und Sachspenden sammeln, um sie über die Organisationen zur Flüchtlingshilfe, wie zum Beispiel AIDRom oder JRS, den Betroffenen zukommen zu lassen.
Bei dem Rundtischgespräch im Diözesanjugendzentrum kamen Vertreter mehrerer Wohltätigkeitsorganisationen und Glaubensgemeinschafen zusammen, um sich über die Flüchtlingshilfe in Rumänien auszutauschen.
Text&Foto: Raluca Nelepcu