Die Wallfahrtstradition der Stadt Temeswar nach Maria-Radna, am Fest der heiligen Joachim und Anna, die Eltern der Grottesmutter Maria, stammt aus der Zeit vor 1750. Ende des 19. Jahrhunderts gründete der Domherr uns Spiritual des damaligen Priesterseminars von Temeswar, Msgr. Pál Magyary, den Maria-Radnaer Wallfahrtsverein der Temeswarer Gläubigen, mit eigene, genehmigte Statuten, mit eigene Gebete und Wallfahrtsordnung, die auch als Broschüre erschienen sind. Im Geiste dieser Tradition, nahmen mehrere hunderte von Gläubigen aus Temeswar, am 26. Juli dieses Jahres, an das Hochamt, in der päpstlichen Basilika, am Marienschrein von Radna teil. Danach beteten sie die Kreuzwegandacht am Kalvarienberg, hinter der Kirche zusammen. Zwei Tage bevor trat eine kleine Gruppe Gläubigen, geleitet von P. Martin Gál SDS (Salvatorianerpater), vor der Elisabethstädter Pfarrkirche zum Allerhl. Herzen Jesu, eine Fußwahlfahrt nach Radna an.
Der Hauptzelebrant des Hochamtes war der Domherr Nikola Lauš, Kanzleidirektor und Ökonom des Bistums. Konzelebriert haben Domherr Zsolt Szilvágyi, Pastoralvikar, Josefstädter Pfarrer und Domherr Adalbert Jäger, Tschanader Dechant und Frateliaer Pfarrer, sowie eine ganze Reihe Priester aus dem Bistum. Mit ihnen konzelebrierte auch ein Gastpriester aus dem Bistum Kaschau (Košice/ Slowakei), der mit einer Gruppe Jugendlichen nach Radna kam. In seiner Predigt – gehalten in dreit Sprachen (Deutsch – Ungarisch – Rumänisch) – unterstrich Domherr Lauš den Ziel der Feste, die den Heiligen gewidmet sind. Sie machen uns auf die Unsterblichkeit unserer Seele aufmerksam, und auf die Tatsache, daß unser Leben in Gott die wahrhaftige Erfüllung findet. „Die Heiligen, die wir heute, am 26. Juli feiern, Joachim und Anna, werden in Form von Statuen und Gemälden dargestellt, nicht um den Talent und die Technik des Künstlers zu bewunden. Viel höher als die Schönheit der Kunst steht die eigentliche Rolle der Großeltern Jesu: sie stehen vor uns und lenken unsere Augen, unseren Blick zum Himmel hinauf! Sie sind ein Spiegel, dessen Sinn ist den Antlitz, die Güte und die Liebe des himmlischen Vaters für uns zu wiederspiegeln. Es ist gar nicht verkehrt, sie hier in Maria-Radna zu verehren. Es ist auch kein Zufall, daß ihre Statuen, hier, links und rechts vom Hauptaltar stehen und von uns erblickt und verehrt werden. Sie sind auch in einem der Nebenaltäre dargestellt, zusammen mit der Jungfrau Maria. Gott schenkte uns diese Möglichkeit sie zu kennen, ihren lichtreichen Beispiel zu sehen und nachzuahmen. Ihr Glaube soll unseren Glauben stärken. Schon in der Ewigkeit ordnete Gott alles so an, daß wir in dieser Welt und in diesem Leben alles finden können, was uns zur Glückseligkeit in den Himmel und zur Erretung unserer Seele führen kann. Und die Heiligen Joachim und Anna, durch ihr beispielhaftes, gnadenreiches, einfaches und reines Leben, gelebt in gegenseitiger Treue zueinander, aber auch Gott gegenüber, gingen auf einem Weg, den der Schöpfer ihnen zeigte und können somit auch uns diesen Weg des Glaubens und des geistigen Wachsens aufweisen!”
In genau einer Woche findet die Deutsche Wallfahrt nach Maria-Radna. Auch zu diesem Anlaß werden die Wallfahrer nochmals den Kirchenschiff des Gnadenortes füllen. Diesmal werden die Banater Deutschen von Nah und Fern die Gottesmutter, in ihrer alten Heimat besuchen und die Eucharistie in der so geliebten Basilika feiern.

Text & Foto: Sipos Enikö, Claudiu Călin
Übersetzungen (Rumänisch und Deutsch): Kaplan Váncsa Csaba, Claudiu Călin