Am 2. August feierte die Vinzenzgemeinschaft Reschitza ihr 30. Jubiläum. Sie wurde am 2. August 1992 anlässlich des Besuchs einer Delegation des damaligen römisch-katholischen Dekanates „Graz – Rechtes Mur-Ufer“ unter Leitung der Familie Kaindlbauer zum Festtag der Kirchweihe der römisch-katholischen „Maria Schnee“-Kirche in Reschitza, gegründet. Es war am Nachmittag des erwähnten Tages, als im Pfarrsekretariat eine Gründungssitzung stattfand. Über das, was die Vinzenzgemeinschaft bedeutet, ihre Ziele und ihr Wirken sprach der dafür angereiste Hofrat Dr. Alois Fauland, damals Vorsitzender der Vinzenzgemeinschaft aus der Steiermark. Seit damals ist diese karitative Laienorganisation in Reschitza tätig.
Innerhalb dieser 30 Jahre Tätigkeit stellte die Eröffnung des „Frédéric Ozanam“-Sozialzentrums Reschitza am 10. Mai 2000 in der Altstadt Reschitzas einen der Wendepunkte dar.
Die Jubiläumsfeier begann am 4. August 2022 im Deutschen „Alexander Tietz“-Zentrum mit einer Begegnung von Mitgliedern der Vinzenzgemeinschaft und ihrer Gäste. Dabei waren auch Dechant-Pfarrer Veniamin Pălie und Dr. Victoria Roșoagă. Ebenfalls hier gab es je eine kleine philatelistische Ausstellung zum Thema Vinzenz von Paul und Frédéric Ozanam. Eine Rückschau in die Vergangenheit von 30 Jahren unternahmen die stellv. Vereinsvorsitzende Dipl.-Ing. Elfriede Gheorghiță und der Vereinsvorsitzende Erwin Josef Țigla. Es folgte ab 19:00 Uhr in der römisch-katholischen „Maria Schnee“-Pfarrkirche eine Heilige Messe, zelebriert von Pfr. Veniamin Pălie.
Anlässlich des Jubiläums der Reschitzaer Vinzenzgemeinschaft gab es auch einen  Sonderbriefumschlag mit Sonderstempel, vom Kultur- und Erwachsenenbildungsverein „Deutsche Vortragsreihe Reschitza“ für diesen speziellen Tag des Vereins herausgegeben bzw. entworfen.

Erwin Josef Țigla

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30 Jahre Reschitzaer Vinzenzgemeinschaft

„Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen“, heißt es. Ich schlage euch deshalb eine Reise vor, durch die Zeit nämlich, denn auch wir können etwas erzählen.
Sommer 1992. Einige Reschitzaer, beseelt von dem Wunsch dem bedürftigen Nächsten beizustehen, betraten den Weg, welchen der heilige Vinzenz von Paul begonnen hatte. Die Anregung kam von einer Gruppe aus einer Grazer Vinzenzgemeinschaft, die sich damals zu Besuch in der „Maria Schnee“-Pfarrgemeinde befand. So entstand die Vinzenzgemeinschaft Reschitza – Graz mit Hilfe der Familie Keindlbauer seitens des Dekanats „Graz – Rechtes Murufer” und von Dr. Alois Fauland, Obmann der steirischen Vinzenzgemeinschaft. Sie wurde am 2. August 1992 gegründet. Die Gemeinschaft hat es sich zum Ziel gesetzt bedürftigen, sozial schwachen Familien zu helfen, gleich welcher Ethnie oder Konfession sie angehörten, so wie es uns die christliche Lehre und Nächstenliebe vorschreibt.
Der Anfang war nicht leicht – keiner hatte irgendwelche Erfahrung auf diesem Gebiet. Doch durch die Entschlossenheit, das Begonnene auch fortzusetzen, und nicht zuletzt die rat- und tatkräftige Hilfe (Hilfsgüter und Finanzmittel) der steirischen Partner konnte das Werk der Nächstenliebe in die Wege geleitet werden. Anfangs wurden nur Nahrungsmittel und Kleidungsstücke ausgegeben und eine Gruppe von Kindern aus sozial schwachen Familien (minimales Einkommen, Arbeitslose, alleinerziehende Eltern, u.a.) verbrachte eine Ferienwoche in Graz.
„Den Kindern gehört die Zukunft“ – klingt vielleicht, veraltet, banal, abgedroschen, weil es durch Missbrauch in den Jahren vor 1989 in Rumänien an Wert verloren hat, doch es ist Tatsache. So entstand das „Frédéric Ozanam“-Sozialzentrum in einem Gebäude, das von dem Bürgermeisteramt zur Verfügung gestellt wurde. Gegründet wurde es am 10. Mai 2000. Dieses wurde außen und innen zweckmäßig renoviert – größtenteils durch ehrenamtliche Arbeitsleistung der Vinzenzmitglieder.
Unter der verständigen Anleitung und Aufsicht der ehrenamtlichen Mitarbeiter des Zentrums verbrachten die Kinder die Samstagvormittage (aber nicht nur) bei verschiedenen Tätigkeiten: Spiel, Zeichnen, Ausmalen, Geschichten erzählen für die Kleinen (ab 6 Jahren); die Größeren hatten schon „Ernsteres“ zu tun: Ikonenmalen, Aquarellmalen (es wurden sogar Ausstellungen damit organisiert), Basteln, Märzchen „fabrizieren“, Grußkarten anlässlich der Feiertage, Makramee knüpfen, stricken und noch vieles anderes. Für Nikolo- und Weihnachtsfeiern wurden Programme mit Tänzen, Liedern und Gedichten einstudiert, die den Eltern und anderen Besuchern vorgetragen wurden. Sankt Nikolaus erschien dann auch pünktlich mit einem reichbeladenen Sack. Am Laternenumzug zu St. Martin (organisiert vom Demokratischen Forum der Banater Berglanddeutschen) nahmen die Vinzenzkinder mit selbstgebastelten Laternen teil. Es gab auch eine Gruppe von Sternsingern. Dank der Mithilfe von Radio Reschitza gibt es auch eine CD mit den „Colinde“ (= Weihnachtslieder) der Vinzenzkinder. Der Chor der Vinzenzkinder untermalte auch das Dreikönigsspiel „Sie folgten einem Stern“, welches einige Jahre lang am Vorabend des Epiphanias-Festes in der römisch-katholischen Kirche der Altstadt vorgetragen wurde.
Das sind nur einige Geschehnisse vom Sozialzentrum, welche im Geiste an uns vorbeiziehen. Doch die Ferienaktionen sollen nicht unerwähnt bleiben: die fast traditionell gewordene Ferienwoche am Semenik, die Wochen in Wolkendorf / Vulcan bei Kronstadt und Weidenthal / Brebu Nou und besonders jene im „Karl Brunner“-Europahaus von Neumarkt / Steiermark, welche den Teilnehmern gewiss unvergesslich sind.
Am Anfang des Schuljahres wurden Schulutensilien an die Kinder verteilt und während des Schuljahres wurde den Kindern Lernhilfe angeboten. Es wurde auch auf die Gesundheit der Kinder geachtet: Monatlich erfolgte eine allgemein ärztliche Kontrolle und wenn nötig, wurde der Besuch eines Facharztes angeraten.
Außer der Unterweisung und Beaufsichtigung der Kinder hatten die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Zentrums noch eine andere Tätigkeit: Kochen und Waschen. Liebe geht bekanntlich durch den Magen: die Kinder bekamen eine Jause (spätes Frühstück) und am Mittag eine warme Mahlzeit (meistens drei Gänge). Reihum brachten sie morgens ihre Wäsche und beim Fortgehen war diese gewaschen und mit nach Hause genommen.
In den letzten Jahren wurde die Tätigkeit der Reschitzaer Vinzenzgemeinschaft durch die Veralterung der Mitglieder, aber auch durch externe Ursachen (die Akkreditierung der Tätigkeit durch die Sozialbehörde wurde immer schwierigen dank der immer wieder ändernden Gesetze im Sozialwesen Rumäniens), massiv beeinträchtigt, so dass wir uns auf eine geringere Tätigkeit resümieren mussten. Es folgte die Pandemie, die nochmals alles verringerte… Und trotzdem konnten wir das Glut des Feuers von 30 Jahren, immer wieder neu bewahren und uns weiterhin im Sozialwesen der Gemeinschaft implizieren, soweit es machbar war, dies auch dank der Unterstützung der Vinzenzgemeinschaft aus Graz, unsere Partner in der Steiermark, und des Landes Kärnten im Rahmen ihrer speziellen Sozialprojekte. Allen Beteiligten, ein großes Vergelts Gott dafür!
Es ziehen noch viele andere Erinnerungen an uns vorbei, gute und weniger gute, manche traurig, schmerzhaft, denn in diese 30 Jahren mussten wir uns von so manchem lieben Mitarbeiter für immer trennen. Wir behalten sie in Erinnerung und beten für ihre ewige Ruhe.
Was bringt die Zukunft? Das ist eine berechtigte Frage, doch jetzt leider ohne Antwort. Eines jedoch ist sicher: Wir werden nicht aufhören – sei es auch nur tröpfchenweise – den Bedürftigen das Leben zu erleichtern, weiterhin Nahrungsmittel auszuteilen und wie schon seit Jahren einigen alleinstehenden alten Leuten an Ostern und Weihnachten ein Überraschungspaket zu bringen. Gott möge uns, auf Fürsprache des heiligen Vinzenz von Paul und des seligen Frédéric Ozanam, dabei segnen und behüten!

Dipl.-Ing. Elfriede Gheorghiţă
stellv. Vorsitzende der Vinzenzgemeinschaft Reschitza