Maria Radna feiert heuer ein doppeltes Jubiläum: 500 Jahre seit der Errichtung der ersten Kapelle im damaligen Weinberg, am Ort der jetzigen Wallfahrtskirche, aber auch 200 Jahre seit der Kosekrierung des Gotteshauses durch den Erzbischof von Gran/Esztergom, durch den damaligen Fürstprimas Alexander Rudnay. Auch wenn die Gesundheitsvorschriften keine grossen Feierlichkeiten erlauben, kann der historische Moment nicht unmarkiert bleiben.
Die Ereignisse der Vergangenheit werden in schriftlichen Chroniken aufbewahrt; Augenzeugen sprechen am authentischsten über die jüngsten und gegenwärtigen Ereignisse. Die nächsten Seiten enthalten die Worte unterschiedlichen Menschen: Gottesdiener, ältere Menschen, die an ihrer Religion festhalten, junge Menschen, die im Glauben aufwachsen, Bewahrer unserer gemeinsamer Feste und Pilger am jahrhundertealten Gnadenort von Maria-Radna.

Adrian Pășcălău-Kollár stammt aus Lippa, das auch seine Herkunfts- und Kindheits-Pfarrgemeinde ist. Er ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und Besucht die Hl. Messe in der Pfarrei Temeswar II Fabrikstadt. Ist Absolvent der Theologie, arbeitet in Temeswar, wo er häufig die Tätigkeit des Pressebüros unserer Diözese, aber auch des Diözesanarchivs unterstützt. Er hat oft als Freiwilliger für Maria Radna gearbeitet und arbeitet weiterhin als Kenner des Ortes und des Geistes unseres marianischen Heiligtums.

– Welche ist Ihre erste Kindheitserinnerung an diesen heiligen Ort? Mit wem sind Sie zum ersten Mal nach Radna gefahren? Das fragen wir Sie weil wir wissen, dass Sie aus Lippa stammen, wo Sie aufgewachsen und zur Schule gegangen sind.
Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich nicht an meinen ersten Besuch in Maria-Radna. Wahrscheinlich weil wir in Lippa lebten war ich viel zu jung, um mich genau an den ersten Besuch erinnern zu können. Das erste, an dass ich mich seit meiner Kindheit bewusst an Maria Radna erinnere, war die erste Wallfahrt der Pfarrei Lippa nach Maria Radna. Es war das erste Mal, dass ich als Ministrant an dieser Pilgerreise teilnahm (ich war etwa 6-7 Jahre alt). Die traditionelle Fußwallfahrt der Pfarrei Lippa findet am Fest der Heiligen Petrus und Paulus (29. Juni) statt. Auf dem Weg nach Radna hat uns ein starkes Sommerregen erwischt. Alle Gläubigen mussten Schutz suchen, bis der Regen aufhörte. Nachher haben wir unseren Weg fortgesetzt. Ich hatte die Gelegenheit, zum ersten Mal in der Basilika Maria Radna zu den Füßen der Gottesmutter zu ministrieren. Ich gebe zu: damals war ich fasziniert von der Größe der Basilika, von der riesigen Orgel und ich hatte große Gefühle, weil ich zum ersten Mal außerhalb der Pfarrkirche in Lippa ministriert habe.

– Wann sind Sie zum ersten Mal alleine oder mit einer Gruppe junger Leute nach Radna gegangen? Welche Gefühle hatten Sie in diesen Momenten?
Ich war als Jugendlicher zum ersten Mal alleine nach Maria Radna gegangen. Das war zu keinem Zweck/ Ereigniss verbunden – es war einfach nur eine Fahrradtour. Aber seitdem sind Besuche in Maria Radna für mich immer eine große Freude geworden. Ich fühlte mich dort beschützt, angehört und willkommen.

– Sie haben sich oft als Freiwilliger in Radna gemeldet. Wie haben Sie diese Pilgertage erlebt? Wie oft sind Sie dorthin gegangen, um in und um der Basilika zu helfen und was haben Sie dort gemacht? Haben Sie Freundschaften zu anderen Freiwilligen, Pilger oder Gäste geschlossen,? Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Die Freiwilligerarbeit in Maria Radna begann für mich durch den Messner und den Pfarrsekretär con Lippa. Er nahm mich mit, in den Kreis der Freiwilligen, und so begann für mich – von damals an – eine schöne Erfahrung, im Bezug auf die Freiwilligerarbeit.
Anfangs war ich immer „beauftragt“, um Ordnung auf dem Hügel hinter der Basilika zu gewährleisten. Dort sah ich viele Gläubigen, die mit großer Hoffnung und Zuversicht den Kreuzweg beteten. Später hatte ich die Gelegenheit, während der Wallfahrten in der Sakristei mich nützlich zu machen. Ich kann keine Worte finden, um die Gefühle zu beschreiben, die während der Wallfahrtstage in der Sakristei gelebt wurden. Von der ersten bis zur letzten Pilgermesse hatte jeder von ihnen einen besonderen Reiz. Jeder Pilger und Priester, der am Altar diente, war voller Frömmigkeit und Freude, als er in Maria Radna ankam. Solche Ereignisse zu sehen und Teil davon zu sein, ist unbeschreiblich. Ich weiß nicht, wie oft ich in Maria Radna geholfen habe. Da ich in der Nähe des Wallfahrtsortes wohnte, stand ich der Kirche auch außerhalb der Zeit der Wallfahrten zur Verfügung.
Die dortigen Freundschaften haben etwas Schönes und Besonderes in sich. Nur diejenigen, die so nah dran waren und am Wallfahrtsleben beteiligt waren, kennen die Verbindung, die zwischen denen hergestellt wurde, die dort waren.

– Im Laufe der Jahre haben Sie in Radna verschiedene Pilger und Gruppen von Gläubigen getroffen, die jeweils in ihrer eigenen Sprache singen und beten. In welcher Beziehung stehen Sie zu diesem Reichtum an Sprachen, musikalischen Schätzen und Gebeten, die hier gesprochen werden?
Wie ich dies bereits sagte, bringt jeder Priester und Gläubiger, der nach Radna kommt, viel Freude und Frömmigkeit mit, aber auch viel Hoffnung und Vertrauen. Persönlich faszinieren mich die kroatischen und bulgarischen Gläubigen, bzw ihre einzigartige Hingabe, mit der sie jedes Jahr nach Radna kommen. Auch wenn ich die Sprachen unserer kroatischen oder bulgarischen Mitbrüder nicht verstehe, fühlte ich immer ein erhebendes Gefühl, sie zu hören und zu sehen. Da ich deutscher Abstammung bin (Schwabe aus dem Banat), kann ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass die Deutsche Wallfahrt am 2. August in Maria Radna eingeführt wurde. Während dieser Wallfahrt, kann ich persönlich sagen, dass ich mich durch Gebete und Lieder wie im Himmel fühle. Ich denke, dies ist der Reichtum jeder ethnischen Gruppe, die zur Jungfrau Maria, zur Mutter der Gnaden von Radna kommt, damit sie in ihrer Sprache beten und singen kann.

– Die Atmosphäre der Wallfahrten nach Maria Radna ist eine besondere, manchmal sehr abwechslungsreich. Welche war die Episode, die Ihnen in Erinnerung geblieben ist und die Sie von einer dieser Wallfahrten beeindruckt hat? Was können Sie uns persönlich sagen, insbesondere über Dinge, an die wir in unserem täglichen Leben möglicherweise nicht einmal denken?
Jede Wallfahrt ist anders. Ich habe oben die Wallfahrt der deutschen Gläubigen erwähnt, die für mich jedes Jahr ein besonderes und einzigartiges Ereignis darstellt.  Jede Wallfahrt oder jeder Besuch in Maria Radna ist etwas Einzigartiges. Was ich jedem raten würde, wenn es die Zeit und die Situation erlauben werden: zögern Sie nicht, der Mutter der Gnaden in Radna einen Besuch abzustatten. Was sich in der Basilika voller Pilger anfühlt, ist ein außergewöhnliches Gefühl der Gemeinschaft, aber auch das, was man in der fast leeren Basilika empfindet, wenn man sie als einfacher Einzelpilger betritt, ist ein Gefühl des Bewusstseins der Notwendigkeit der Hilfe Gottes, auf die Fürsprache der Allerheiligsten Jungfrau Maria.

– Was bedeutet Maria Radna für Sie?
Maria Radna repräsentiert für mich den Ort, an dem ich immer willkommen bin; ich finde dort ein gutes Wort und ich kann unter dem Schutz der Mutter Gottes beten. Mit Gottes Hilfe hatte ich die Gelegenheit, an anderen Wallfahrtsorten der Welt anwesend zu sein, aber keiner ist für mich gleichbedeutend mit Maria Radna. Es spielt keine Rolle, wie viele Pilger es gibt, es spielt keine Rolle, wie groß der Wallfahrtsort ist, wichtig ist nur, was es für uns zu Hause bedeutet, wenn wir über einen Pilgerort sprechen. Das bedeutet Maria Radna für mich!

– Das Pressebüro der Diözese Temeswar bedankt sich herzlichst für das Gespräch!