Maria Radna feiert heuer ein doppeltes Jubiläum: 500 Jahre seit der Errichtung der ersten Kapelle im damaligen Weinberg, am Ort der jetzigen Wallfahrtskirche, aber auch 200 Jahre seit der Kosekrierung des Gotteshauses durch den Erzbischof von Gran/Esztergom, durch den damaligen Fürstprimas Alexander Rudnay. Auch wenn die Gesundheitsvorschriften keine grossen Feierlichkeiten erlauben, kann der historische Moment nicht unmarkiert bleiben.
Die Ereignisse der Vergangenheit werden in schriftlichen Chroniken aufbewahrt; Augenzeugen sprechen am authentischsten über die jüngsten und gegenwärtigen Ereignisse. Die nächsten Seiten enthalten die Worte unterschiedlichen Menschen: Gottesdiener, ältere Menschen, die an ihrer Religion festhalten, junge Menschen, die im Glauben aufwachsen, Bewahrer unserer gemeinsamer Feste und Pilger am jahrhundertealten Gnadenort von Maria-Radna.

Mein Name ist Schw. Mariana Muţiu und wurde am 18. Oktober 1978 in Karansebesch geboren, bin aber in Slatina-Timiş aufgewachsen. Ende 1993 trat ich der Kongregation der Franziskanerinnen „Töchter der Allerhl. Herzen Jesu und Mariä“ (gegr. in Salzkotten), bzw. der Karansebescher Klostergemeinde bei. Mit offenem Herzen, mit Freude und Glauben begann ich dieses Abenteuer meines Lebens, zusammen mit anderen jungen Frauen und Schwestern. Die Schwestern nahmen mich auf und teilten mit mir ihre Lebensweise, ihre Zeit und ihren Glauben. 1997, nach Abschluss des Lyzeums, trat ich in das Noviziat ein, und 2004 legte ich meine ewigen Gelübde ab, wobei ich mir als Motto folgende Bibelstelle wählte: „Siehe, Herr, ich komme, um deinen Willen zu erfüllen.“ Tatsächlich habe ich immer versucht, diesen Willen Gottes zu tun, und ich versuche es heute noch!Ich habe in verschiedenen Gemeinden gelebt und gearbeitet, in Karansebesch, Temeswar und Lippa. Zwischen 2007 und 2012 hatte ich die Freude, als Jugendreferentin für die Diözese Temewar zu arbeiten. Es waren schöne Jahre, Jahre der Hingabe, Jahre der Gemeinschaft und des tiefen Glaubenslebens. Zusammen mit den jungen Menschen, haben wir uns gefreut, gebetet, gearbeitet und wir suchten Gott. Ich habe in diesen Jahren viele Aktivitäten organisiert, ich wollte mich auf die Arbeit mit jungen Menschen konzentrieren, weil ich zusammen mit vielen jungen Menschen – und nicht nur mit ihnen – viele Schritte zur Mutter der Gnaden unternahm und mehrmals zu Fuß an der Fußwallfahrt nach Maria Radna teilnahm. Die Zeit, in der ich in der Kongregation lebte und in verschiedenen Gemeinden arbeitete, war eine Zeit des Segens und der Gnade, eine Zeit der Prüfung und Herausforderung, des Wachstums und der Reifung, sowohl geistlich als auch menschlich.Meine Bildung ist noch nicht vorbei, jeder Tag wird mir gegeben, um so zu werden, wie Gott mich geschaffen und gedacht hat, mit meinen Talenten und Einschränkungen.
„Pax et Bonum“ „Frieden und Wohlergehen“.

Welche ist Ihre erste Erinnerung an diesen heiligen Ort? Mit wem sind Sie zum ersten Mal nach Radna gefahren?
– Das erste Mal als ich in Radna war, war es 1995, als ich zusammen mit den Franziskanerinnen von Karansebesch nach Radna pilgerte. Damals war ich Kandidatin im Kloster der Franziskanerinnen in der Stadt an der Sebesch. 

Waren Sie schon einmal zu Fuß auf einer Wallfahrt nach Radna? Wie haben Sie diese Pilgerreise erlebt? Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie unterwegs in den Gemeinden empfangen und aufgenommen wurden? Oder wenn Sie auf dem Weg zu verschiedenen Orten, einschließlich Kirchen, geschlafen haben?
– Ja, ich habe mehrere Fußwallfahrten nach Radna gemacht. Ich nahm zum ersten Mal im Jahr 2001 an einer solchen Wallfahrt teil. Seitdem und bis heute habe ich dies nur zweimal verpasst. Obwohl ich mehrmals zu Fuß an dieser Pilgerreise teilgenommen habe, kann ich sagen, dass ich jedes Mal entdecke, dass die Kraft nicht im Willen des Geistes oder in der Stärke der Füße liegt.Auch wenn diese Fußwallfahrt der jungen Menschen der Diözese Temeswar zum Sanktuar von Radna Tradition hat und seit vielen Jahren organisiert wird, bedeutet jedes neue Jahr/ jede neue Reise eine neue Herausforderung, unabhängig davon, ob wir es schon einmal unternommen haben oder nicht. Das Wichtigste ist, dass wir auf dem Weg einen Ziel haben, den wir betend und singend erreichen wollen, und so können wir mit Gottes Hilfe alle Hindernisse überwinden. Am Morgen, wenn wir aufbrechen, wissen wir nicht und nichts garantiert uns – außer der Glaube – dass wir am Ende des Tages unseren Ziel erreichen können… wir können nicht auf unsere eigenen Kräfte vertrauen, es ist jemand anderes, der uns führt, wenn wir nicht mehr können. Mit Gottes Hilfe hoffe ich, noch viele Wege wie möglich zu gehen, die uns zu unserer himmlischen Mutter, zur Mutter der Gnaden von Maria Radna führen.

Im Laufe der Jahre haben Sie in Radna verschiedene Pilger und Gruppen von Gläubigen getroffen, die jeweils in ihrer eigenen Sprache singen und beten. In welcher Beziehung stehen Sie zu diesem Reichtum an Sprachen, musikalischen Schätzen und Gebeten, die hier gesprochen werden?
– Vor 17 Jahren eröffnete unsere Kongregation ein neues Haus in der Stadt Lipova, unweit der Pfarrei und der Pfarrkirche. Als junge Schwester hatte ich die Freude und Gelegenheit, zusammen mit zwei anderen Schwestern Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Ich habe 4 Jahre in der Stadt Lipova gelebt. Ich kann also sagen, dass Maria Radna irgendwie „mein zu Hause“ war. Es war schön, Maria Radna nicht nur an Feiertagen zu erleben, an Tagen, an denen es viele Pilger und viel Lärm gab, sondern auch an normalen Tagen. Tage, an denen es ruhig war und keine Pilger da waren, Tage, an denen die Heilige Messe nur mit einer sehr kleinen Anzahl von Gläubigen gefeiert wurde. Kalte Tage, heiße Tage. Ich habe Maria Radna zu allen Jahreszeiten und in all ihren Farben erlebt. In diesen Jahren traf ich viele Pilger, die nach Maria Radna kamen, und ich nahm an vielen Wallfahrten teil, die jährlich organisiert wurden. Wir haben oft auf die kroatischen Pilger gewartet und nicht nur auf diejenigen, die vor unserem Tor vorbeikamen. Wir haben sehr gerne, öfters, einige von ihnen in unserem Haus untergebracht. 

Die Atmosphäre der Wallfahrten nach Maria Radna ist eine besondere, manchmal sehr abwechslungsreiche. Welche war die Episode, die Ihnen in Erinnerung geblieben ist und die Sie beeindruckt hat?
– Was mir immer in Erinnerung und in meinem Herzen bleiben wird, ist die Emotion, die ich jedes Mal fühle, wenn unsere Pilgergruppe nach dem langen Fußweg von Temeswar die Basilika Maria Radna betritt. Freude, Zufriedenheit und Glück können nicht mit Worten beschrieben werden. Obwohl unsere Füße oft schmerzen, erheben sich unsere Stimmen durch Lob- und Dankeslieder zu Gott auf Fürsprache der Heiligen Jungfrau Maria, Mutter der Gnaden.

Was bedeutet für Sie Maria Radna?
– Ein Ort, an dem ich immer mit Liebe und Sehnsucht zurückkehre. Ein Ort, an dem ich Gott auf Fürsprache der Heiligen Jungfrau Maria begegne. Ich treffe mich selbst, ich treffe bekannte Menschen, liebe Menschen. Ein Ort, von dem man anders und verändert zurückkehrt. Ein Ort, an dem die seligste Jungfrau Maria immer darauf wartet, dass wir ihre mütterlichen Gnaden und Annehmlichkeiten annehmen.

– Das Pressebüro der Diözese Temeswar bedankt sich herzlichst für das Gespräch!